Entlarvung auf dem Boulevard

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Häufig sind die Strategien von Boulevardmedien simpel und leicht durchschaubar. Das ist zumindest die Annahme von jemanden der „Irgendwas mit Medien“ studiert. Dennoch Boulevard kommt an, ob es aber vom Medienlaien als solches identifiziert wird, bleibt durchaus fraglich.

Trotz zunehmend schwammiger Grenzen zwischen Boulevardmedien und Qualitätsmedien, die zum Teil mit Trends der Amerikanisierung und stärkerem nationalen Konkurrenzdruck zu begründen sind, ist die Entlarvung von klassischen Interviewstrategien wohl möglich. Das zeigt ein Mitschnitt einer Pressekonferenz der Nationalmannschaft vor dem Finale in Maracanã. Dort betitelt ein Reporter Papst Franziskus als Geheimwaffe der Argentinier und fragt Thomas Müller, welche irdischen Kräfte die deutsche Mannschaft dagegen setzen wolle. Müllers freche Antwort: „Ich müsste jetzt keinen sehen. Ich kann mir denken, die Frage kommt von RTL“. Natürlich ist Thomas Müller ein Medienprofi und somit eindeutig vom Medienlaien zu unterscheiden. Er kennt die Strategien seiner Interviewer. Aber Hand aufs Herz: Welcher halbwegs fußballliebende Mensch hätte in solch einer Situation eine so belanglose und absurde Frage gestellt?

RTL-Reporter ertappt

Das Verhältnis zwischen Fußballern und Reporter ist generell schwierig, das zeigt sich auch aktuell bei der Weltmeisterschaft in Brasilien. Läuft ein Spiel gut, will der Fußballer eigentlich nur feiern, spricht aber dennoch gerne. Lief ein Spiel nicht so gut, dann endet ein Gespräch zwischen Fußballer und Journalist ganz schnell in einem zickigen Ton. Trotzdem ist es durchaus angebracht, dass sich die Sportler nicht alles gefallen lassen. Das Aufkommen an Journalisten ist zum medialen Großereignis Weltmeisterschaft 2014 riesig, die Nachfrage nach gutem Interviewstoff identisch hoch. Fußballer erbringen in dieser Zeit eine Doppelbelastung. Sie müssen zum einen ihre Leistung auf dem Platz bringen und zum anderen ihr Können vor und nach dem Spiel rechtfertigen. Umso sympathischer, dass Thomas Müller seine Gedanken nicht einfach runterschluckt und die Frage gemäß den Erwartungen des Journalisten beantwortet. Sein frecher, aber durchaus angebrachter Kommentar zeigt nur, dass er noch zu keinem Spielball der Medienlandschaft geworden ist und stellt den RTL-Reporter zurecht ein bisschen bloß.

 

Weiterführende Quellen:

O.A. (04.07.2014 ): Per Mertesacker erklärt sein Wut-Interview. URL: http://www.bild.de/sport/fussball/per-mertesacker/erklaert-sein-wut-interview-36674166.bild.html, [12.07.14].

O. A. (04.07.2014): Per Mertesacker spricht über sein ZDF-Interview. URL: http://www.stern.de/sport/fussball/wm-2014/news/ab-in-die-eistonne-per-mertesacker-spricht-ueber-sein-zdf-interview-2121669.html, [12.07.2014].

https://twitter.com/esmuellert_

O.A. (12.07.2014): DFB-PK: Thomas Müller macht sich über RTL-Reporter lustig. URL: http://meedia.de/2014/07/11/dfb-pk-thomas-mueller-macht-sich-ueber-rtl-reporter-lustig/, [12.07.2014].

 

Big Brother nun im realen Leben?

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Nachrichten Agenturen stehen unter anderem für Neutralität und überregionale Information. Sie beliefern mehrere Medien und sind somit, vor allem für regionale, kleinere Sender bedeutend. Die Charakteristika einer Nachrichtenagentur sind seit neusten Fällen in den USA vielleicht hinfällig. Dort wurde eine Spionage-Aktion gegen die Associated Press (AP) bekannt.

Neutralität der Medien und Pressefreiheit, darüber ist in diesem Medienblog schon häufig berichtet worden. Dass nun selbst eine Nachrichtenagentur scheinbar fürchten muss, ehrlich und gewissenhaft recherchieren und berichten zu können, das wirft mal wieder ein dunkles Licht auf Amerika. Hat der „Saubermann“ Obama vielleicht doch ein paar Leichen im Keller oder ist es als Mann in so hoher Position einfach nicht möglich ohne Skandale über Wasser zu bleiben? Obama präsentierte sich in seiner bisherigen Amtszeit immer sehr „Medien nah“, bekannt sind presse- und bürgernahe Handlungen wie die Einladung von Journalisten oder der Videochat über Google mit ausgewählten Bürgern. Dass er selbst jetzt aber die Medien ausspioniert zeigt, dass Amerika einfach unheimlich paranoid ist oder da so einige Sachen in der Vergangenheit passiert sind, die es zu vertuschen gilt. Obamas Image bröckelt und dennoch sieht er sich im Recht mit der Bespitzelung.
Der Skandal ist vielleicht Folge des Kampfes gegen den Terror, der seit dem schrecklichen Terroranschlag am 11. September 2001 herrscht. Aber wenn das amerikanische Justizministerium eine überregional agierende Nachrichtenagentur überwachen lässt und Telefondaten sammelt und das dann angeblich durch „ das Gleichgewicht zwischen Pressefreiheit und nationale Sicherheit“ zu rechtfertigen ist, traut man dann in den USA noch irgendwem?

In der heutigen Gesellschaft leben wir in einer bunten Medienlandschaft und Pressefreiheit ist essentiell. Gerade die deutsche Geschichte zeigt wie wichtig „Pressefreiheit“ ist. Natürlich ist es für Amerika notwendig, die nationale Sicherheit zu wahren, jüngste Ergebnisse in Boston zeigen auch, dass da Handlungsbedarf besteht. Aber die eigenen Reihen zu überwachen, das hat nicht den Anschein, dass es wirklich um die „nationale Sicherheit“ geht. Wenn Medien überwacht werden, kommt sehr schnell der Verdacht auf, dass da jemand nicht möchte, dass etwas ans Licht kommt.

Egal, ob die Maßnahme des Justizministeriums nun gerechtfertigt ist oder nicht, Alltag sollte das keinesfalls werden. Wenn Mitarbeiter amerikanischer Medien aus Angst vor Konsequenzen irgendwann nicht mehr ihre Arbeit in aktuellem Maße weiterführen, dann ist der nationalen Sicherheit damit auch nicht geholfen. Hoffentlich wird so ein Vorfall nicht in der Bundesrepublik Deutschland öffentlich werden, paranoides „Big Brother- Verhalten“ bringt niemandem auch nur irgendwas.

 

Quellen:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-praesident-obama-geraet-wegen-ap-und-steuerskandal-unter-druck-a-899880.html ,[17.5.13.].

http://www.spiegel.de/politik/ausland/bespitzelung-der-agentur-ap-us-medien-entsetzt-ueber-staatliche-spitzelei-a-899875.html, [17.5.13].

http://www.spiegel.de/politik/ausland/obama-verteidigt-aktionen-gegen-ap-a-900401.html, [17.5.13]

Sinnvolle Vereinung von Funktionen oder nicht schon wieder eine Social-Media App?

geschrieben von in AllgemeinesKommentare deaktiviert für Sinnvolle Vereinung von Funktionen oder nicht schon wieder eine Social-Media App?

Wenn Gerüchte über (zwar minimale) Kosten für Whatsapp öffentlich werden, können extreme Sparfüchse sich schon einmal nach Alternativen umsehen.
Für Eigentümer von Apple-Geräten gibt es da sogar eine App, die auf den ersten Blick äußerst interessant erscheint. Neben zahlreichen Whatsapp- ähnlichen Produkten wie Kakaotalk, Yuilop und vielen mehr vereint nun eine neue App mit dem Namen „Just.me“ mehrere Social Media- Funktionen. Sicherlich dauert es da etwas, bis man einen Überblick über die ganzen Funktionen erhält, denn „Just.me“ ist nicht einfach nur ein Chat. Im iTunes-Store wird die App folgendermaßen beschrieben:

Mit just.me verbesserst du die Möglichkeiten zum Austausch von Nachrichten. Es ist leistungsstark, einfach, kostenlos und ohne Limits.“

Mut und Vertrauen. Das sind die vielleicht Voraussetzungen für ein Nutzen der App, denn „Just.me“ hat drei Veröffentlichungsstufen. „Öffentlich“, „freigeben“ und „privat“. Unter diesen Funktionen kann man wählen. Der „öffentliche“ Bereich ist am ehesten vergleichbar mit Twitter oder Facebook. Postet man in diesem Bereich Beiträge, Videos oder Fotos sind diese für die gesamte „Just.me- Community“ einsehbar. Also eine große Social Media Plattform. Bei dem Bereich „Freigeben“ sollte man vielleicht vorsichtig sein. Hier kommen die Voraussetzungen Mut und Vertrauen zum Einsatz, denn die App greift auf das Adressbuch zu. Streng genommen macht das Whatsapp aber auch und zahlreiche Nutzer beschweren sich nicht.

Wenn man nun „Posts“, „E-Mails“ oder „SMS“ über die Funktion „freigeben“ macht oder verschickt, sind diese nur von vorher ausgewählten Kontakten einsehbar. Das geht auch mit mehreren Kontakten gleichzeitig, ähnlich einer Gruppennachricht bei Facebook oder einem Gruppenchat bei „Whatsapp“. Die Besonderheit hier: Ein „Just.me“-Account ist zum Empfangen einer dieser Nachrichten nicht zwingend notwendig. Die Nachricht kann man auch einsehen, wenn man „Just- me“nicht installiert hat.
Im sogenannten „Newsfeed“ kann man bei vorheriger Freigabe dann mit allen Freunden wild diskutieren, quasi so wie bei Whatsapp.

Die dritte Funktion, „privat“ wird von „Netzpiloten“- Autor Tobias Gillen passend mit einem Tagebucheintrag verglichen, ein anderer Vergleich wäre vielleicht ein privater Blog, auf dem alle wichtigen Ereignisse festgehalten werden können und vielleicht auch für spätere Veröffentlichungen notiert werden.
Insgesamt ist es schade, dass man nur mit einem iOS-Gerät auf die App zugreifen kann. Sie ist nämlich nicht nur ein Ersatz für Whatsapp oder andere Chat-Applikationen, sie zeigt viel eher was mit Technik mittlerweile alles möglich ist und vereint mehrere Social- Media-Möglichkeiten in einem. Klingt kompliziert und erfordert etwas Einarbeitung, dennoch wieder mal ein technische Gewinnung des Web 2.0.

Auch Eigentümer von Android- Handys können sich freuen, denn Gerüchten zu folge soll es nicht mehr lange dauern, bis auch eine „Just.me“-App für diese Smartphones im Shop erhältlich ist. Spätenstens dann wird sich zeigen, ob die App mit den altbekannten Social Media Angeboten mithalten kann.

Quellen:

http://www.netzpiloten.de/just-me-als-knotenpunkt-im-sharing-dschungel/#more-45835,[30.4.13].

http://www.focus.de/digital/internet/konkurrenz-fuer-facebook-und-twitter-das-kann-das-neue-app-netzwerk-just-me_aid_962392.html , ,[30.4.13].

https://itunes.apple.com/de/app/just.me/id596518410?mt=8,,[30.4.13].

http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/13473, [30.4.13].

 

 

Mit der Kanzlerin über Integration „plaudern“

geschrieben von in Internet, Internet und Politik, Medien und Politik, Zukunft des InternetKommentare deaktiviert für Mit der Kanzlerin über Integration „plaudern“

In der virtuellen Welt ist Angela Merkel keine Anfängerin: Ihr Sprecher Steffen Seibert twittert und Angela Merkel gibt schon regelmäßig mit Podcasts Statements ab. Nun ist die Kanzlerin noch viel digitaler unterwegs. Am Freitag, 19. April, hatten sechs Bürger die Möglichkeit mit Angela Merkel im Videochat über Integration zu sprechen.
Jetzt folgt sie anderen großen Persönlichkeiten, wie Barack Obama, der hatte als einer von vielen schon vorher zum Videochat mit der Bevölkerung eingeladen. Möglich macht das Gespräch ein sogenanntes „Hangout“ von Google. Mehrere Personen können eine Videokonferenz halten und diese kann dann live im Internet verfolgt werden.

Der Videochat mit der Kanzlerin ist nicht zu vergleichen mit einem Chat mit Freunden. Sechs Teilnehmer wurden vorher ausgewählt und auch die Gesprächsthemen und -fragen sind vorher abgesprochen. Spontanität ist das nicht und somit verläuft das Gespräch etwas gestellt und schleppend.
Sicherlich eine tolle Idee, aber ob man das ganze „Bürgergespräch“ nennen kann, wie Merkels Sprecher vorher ankündigte bleibt sichtlich fragwürdig. Viel eher ist der Live-Chat als Experiment zu sehen: Die Kanzlerin ist online, modern und innovativ. Die Videokonferenz schreit gerade zu nach einer Interpretation dieser Art.

Eine leichte Auflockerung gab es in dem faktenreichen einstündigen Chat zum Thema Integration allerdings. Wie immer, wenn alles durchgeplant ist und funktionieren soll, macht die Technik einen Strich durch die Rechnung. Ein Videochatteilnehmer ist für alle Teilnehmer plötzlich nicht hörbar. Da zeigt sich wieder einmal, dass selbst bei der Kanzlerin nicht alles reibungslos ohne Pannen funktioniert und Angela Merkel bleibt trotz dem technisch sprachlosen Gesprächspartner sichtlich locker und strukturiert
Ob man nun angetan sein kann von der Initiative im Netz, das kommt ganz auf den Geschmack an. Schließlich rückt eine große Internetplattform in den Vordergrund und bei solch einer Aktion könnte man behaupten, dass der Wahlkampf sich in Zukunft auf interaktive Netzwerke und die Online-Welt verlagern könnte. Das kann vielen, vor allem älteren oder sozial benachteiligten Bürger den Zugang zu wichtigen Informationen und Debatten verwehren. Fördert das nicht eher Bürgerferne als -nähe?

Trotzdem kann das Engagement und der Versuch gelobt werden. Nachdem der Papst auch online seine Botschaften verbreitet und die Kanzlerin die großen Möglichkeiten des Internets ausprobiert, da wird wieder einmal klar, wie wichtig das Internet, nicht nur für die deutsche Bevölkerung, geworden ist.

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Quellen:
Wittrock, Philipp (2013): Kanzlerin im Google-Hangout: „Die Technik soll sich mal bemühen“, in: Spiegel Online, URL: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/merkel-diskutiert-im-google-hangout-ueber-integration-a-895363.html (Erscheinungstag: 19.4.13), [20.4.13].

Twitter-Account Steffen Seibert: https://twitter.com/RegSprecher.

Die Bundesregierung (2013): Die Kanzlerin im Gespräch. Die Herzen erreichen. URL:  http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundeskanzlerin/Hangout/hangout_node.html. (Erscheinungtag: 19.4.13), [20.4.13].

Information von dpa (2013): Digitales Kamingespräch mit der Kanzlerin. URL: http://www.rundschau-online.de/politik/videochat-digitales-kamingespraech-mit-der-kanzlerin,15184890,22535386.html, (Erscheinungstag: 19.4.13), [20.4.13].

Welche Zukunft haben wir mit einem Leistungsschutzrecht?

geschrieben von in Internet, Medien und Politik, Zukunft des InternetKommentare deaktiviert für Welche Zukunft haben wir mit einem Leistungsschutzrecht?

Der Bundestag beschäftigte sich Anfang des Monats mit dem bereits langwierigen Entwurf für das Leistungsschutzrecht. Dabei handelt es sich um einen Gesetzesentwurf der das Urheberrecht von Verlagen, vor allem aber von Journalisten, schützen soll. Internetanbieter dürfen Produkte von Journalisten bisher kostenlos nutzen und verbreiten. Was aus diesem ungeregelten Abkommen geworden ist, war vielleicht vorher nicht absehbar. Internetunternehmen entwickelten ein Geschäftsmodell aus den „Snippets“ (Anreißer Texten). Jetzt soll das Leistungsschutzrecht regeln, wie das Verhältnis von Verlagen und beispielsweise Internetanbietern wie „Google“ oder „Bing“ aussehen soll. Diese sollen in Zukunft Lizenzen von den Verlagen erwerben, um deren Artikel in ihre Suchmaschinen aufnehmen zu dürfen. Großer Initiator oder Schirmherr des Ganzen ist der Axel Springer Verlag. Auch andere namenhafte Verlage äußerten sich positiv gegenüber dem Leistungsschutzrecht.

Das nötige Gesetz, welches das Anliegen der Presseverlage legitimieren soll, ist sogar im Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Regierung festgelegt.
Vergleichbar ist es mit dem bereits vorhandenen Schutz von Musik. Label, Produzenten und Verfasser der Texte sind durch  Institutionen, wie die GEMA geschützt und werden für ihre Leistung, auf die jeder Internetnutzer theoretisch zugreifen kann, „belohnt“. Presseverlagen soll nun ein ähnliches Recht zustehen, allerdings wurde der Entwurf schon mehrmals im Kabinett überarbeitet. Der dritte, abgeänderte Entwurf wurde dafür nun genehmigt, enthält aber auch einige Änderungen.

Unklar bleibt weiterhin, wer eigentlich zahlen soll und wer insgesamt von einem  möglichen Gesetz betroffen ist. Im Vorhinein hat es Kritik gegeben, dass sich das Gesetz nur auf große Unternehmen wie „Google“ beziehen würde.
Die neue Fassung weist folgende Änderung auf:
„Zulässig ist die öffentliche Zugänglichmachung von Presseerzeugnissen oder Teilen hiervon, soweit sie nicht durch gewerbliche Anbieter von Suchmaschinen oder gewerbliche Anbieter von Diensten erfolgt, die Inhalte entsprechend aufbereiten.“

Betroffen vom eventuell bald kommenden Gesetz wären auch Newsaggregatoren (oder soziale Netzwerke wie Twitter), je nachdem wie das Konzept eines Blogs ist. Eins steht aber jetzt schon fest: Viele Fälle werden von Gerichten genau geklärt werden müssen.

Ist das Leistungsschutzrecht ein Schritt in die richtige Richtung zum Schutz der Printmedien oder einfach nur ein Clou der Verlage, um mit anderen Mitteln die zurückgegangenen Einnahmen zu kompensieren?

Seit Jahren zieht sich der Entwurf nun schon durch das Kabinett, „Google“ hatte zu Beginn des Gesetzesentwurfs selbst eine umstrittene Kampagne gestartet. „Verteidige dein Netz“ hieß es, User wurden zur Meinungsäußerung aufgefordert und auf der Google-Homepage konnten die Nutzer bei ihren Bundestagsabgeordneten direkt die eigene Meinung nachfassen.

Andere Länder, wie Frankreich und Belgien haben ähnliche Versuche unternommen, die Monopolbildung von „Google“ zu schwächen und das Recht der Journalisten zu stärken. Diese zeigen aber, dass ähnliche Beschlüsse auch nach hinten losgehen können und schädigend für die Verlage sind. Vielleicht aus Trotz entfernte „Google“ nach einem durchgebrachten Gesetz zum Schutz von Pressetexten für Belgien alle Inhalte aus dem Google-Index, nicht nur aus der Google-News-Sparte. Ein herber Rückschlag für die Presseverlage, die auch von Klickzahlen abhängig sind oder zumindest davon leben, dass die Bevölkerung die Texte liest. Im Endeffekt baten die belgischen Verlage die große Suchmaschine wieder darum, die Artikel erneut bei den Suchergebnissen anzuzeigen.

Wie könnte eine weitere Zukunft aussehen, wenn das Gesetz zum Leistungsschutzrecht durchgebracht wird?
Wenn beispielsweise Google auf den Lizenzkauf verzichtet, werden alle deutschen Texte nicht mehr angezeigt. Entweder würden User direkt auf den Seiten der Zeitungen suchen, Google News also ignorieren, oder eben auf internationale Presse zurückgreifen, die bei Google News noch einsichtig ist.

Sicher ist, dass es noch etwas dauert bis das Gesetz endgültig legitimiert wird. Es wird Präzedenzfälle geben müssen und viele Gerichtsverfahren stehen bevor. Dennoch wird das Urheberrecht von Journalisten geschützt, aber ähnlich wie bei der Musikszene wird die starke Kritik nicht versiegen.

Quellen:
Reißmann, Ole (2012): Warum Google am längeren Hebel sitzt, in: Spiegel Online (23.10.12), URL: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/warum-google-am-laengeren-hebel-sitzt-a-862624.html, [9.12.12]

Müller-Neuhof, Jost (2012): Das Leistungsschutzrecht nutzt langfristig allen, in Der Tagesspiegel (3.12.12), URL: http://www.tagesspiegel.de/meinung/urheberrecht-das-leistungsschutzrecht-nutzt-langfristig-allen/7468206.html, [9.12.12]

Der Tagesspiegel (2012): Bundestag streitet über Schutzrecht für Verlagen, in: Der Tagesspiegel (30.11.12), URL: http://www.tagesspiegel.de/politik/netzpolitik-bundestag-streitet-ueber-schutzrecht-fuer-verlage/7461892.html, [10.12.12]

Sauerbrey, Anna (2012): Die Verlage sind neidisch, in: Der Tagesspiegel (30.8.2012), URL: http://www.tagesspiegel.de/meinung/leistungsschutzrecht-die-verlage-sind-neidisch/7071012.html, [8.12.12]

Niggemeier, Stefan: Ein Kartell nutzt seine Macht: Wie die Verlage für das Leistungsschutzrecht kämpfen (14.8.2012), URL: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/ein-kartell-nutzt-seine-macht-wie-die-verlage-fuer-das-leistungsschutzrecht-kaempfen/, [7.12.12]

Wragge, Alexander: Dritter offizieller Entwurf zum Leistungsschutzrecht im Volltext, in: irights.info (28.8.2012), URL: http://irights.info/index.php?q=node/2266, [10.12.12]

Biermann, Kai: Leistungsschutzrecht zielt auf Google, ohne zu treffen, in: Zeit online (29.8.12), URL: http://www.zeit.de/digital/internet/2012-08/Leistungsschutzrecht-kabinett, [10.12.12]

Rieger, Frank: Eine unheilige Scheindebatte, in: Faz.net (3.12.12), URL: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/digitales-denken/leistungsschutzrecht-eine-unheilige-scheindebatte-11980457.html, [10.12.12]

Horchert, Judith, Lischka, Konrad und Reißmann, Ole (2012): Was das Leistungsschutzrecht soll, in Spiegel Online (27.11.12),URL: http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/fragen-und-antworten-was-das-leistungsschutzrecht-soll-a-869464.html , [9.12.12]

 

„Million Dollar Shootingstar“: Erneuter Tiefpunkt der Castingshows

geschrieben von in Fernsehen1 Kommentar »

Schon wieder eine neue Castingshow eines Privatsenders. „Million Dollar Shootingstar“ startete am Mittwoch, 28. November, 20. 15 Uhr auf SAT 1.

Das Konzept der Sendung lässt sich einfach erklären. Das Jury Trio aus Supermodel Bar Rafaeli, Modelagent Peyman Amin, der schon durch „Germany’s Next Topmodel“ auf Pro7 bekannt ist, und Fotograf Oliver Gast sucht in zehn Sendungen das „perfekte Foto“. Zehn Extremshootings an zehn verschiedenen Orten. Für jede Gewinnerin eines Shootings werden 100.000 Dollar im eigenen Safe zurückgelegt. Würde ein Model alle Shootings gewinnen, so bekäme sie als endgültige Siegerin die eine Million Dollar überreicht. Besonders ist, von vornherein sind nur zehn Models am Start. Sie haben jedoch schon Modelerfahrung haben. Die Mädels werden nicht im Laufstegwalk geschult, wie es aus anderen ähnlichen Sendungen bekannt ist, sondern der Fokus liegt rein auf den Shootings.

Irgendwie kommt einem die ganze Sendung trotzdem nicht neu und innovativ vor. Auch beim Anschauen der Sendung wird bestätigt: Eigentlich handelt es sich in den Grundzügen nur um eine billige Kopie der schon längst ausgelutschten Modelsendung von Heidi Klum.

Bar Rafaeli, eigentlich das hübsche Aushängeschild der Show, gibt den Mädels beim ersten Shooting in ihrer Heimat Israel nur floskelhafte Kritik. Ihre wenigen deutschen Sätze wirken zweifellos auswendig gelernt, können aber als nette Geste vermerkt werden. Die Israelin, die in diesem Jahr von der amerikanischen Zeitschrift „Maxim“ zur „Schönsten Frau der Welt“ gewählt wurde, geht nahezu neben dem aufbrausenden Peyman Amin unter. Der muss scheinbar beweisen, dass er trotz Heidi Klum ein großer Fisch ist. Durchweg stellt er die Models bloß, bringt kluge Sprüche und wirkt so viel eher wie der „Frontman“ der Show. Jedoch kein guter. Schockierendes Beispiel seiner Ausfälle:„Du bist mit ’ner Hackfresse angekommen, aber du willst uns imponieren und nicht irgendwelchen Bauarbeitern.“, beschimpft er eines der auserwählten Models. Typisch bloßstellend für eine Castingshow.

Auch ansonsten fehlt es der neuen Show nicht an typischen Eigenschaften. Tränen, Ängste, Verletzungen. Sogar ein Model gibt, total überraschend für alle außer den Zuschauern, freiwillig auf. Der Druck ist zu hart. Ebenso unüberraschend eine Querdenkerin unter den zehn Models. Tätowiert, nicht auf den Mund gefallen und scheinbar gar nicht passend für die Sendung ist die Teilnehmerin aber auch nichts neues für eine Castingshow.

Ein Mittel, um sich von der Konkurrenz „Germany’s Next Topmodel by Heidi Klum“ abzusetzen ist vielleicht die permanent gezeigte nackte Haut. Zahlreich ziehen die Models freiwillig unfreiwillig obenherum blank.

Nach der ersten Sendung fällt das Fazit also deutlich negativ, aber nicht überraschend aus. Neben den Modelsendungen  „Das perfekte Model“ auf VOX und „Germany’s next Topmodel“ ist „Million Dollar Shootingstar“ eine weitere langweilige, entwürdigende und nervige Castingshow der Privatsender. Nicht nur, dass die gefühlt 100ste Staffel von Heidi Klum’s Modelshow nicht schon längst veraltet ist, scheinbar gibt es immer wieder neuen Abklatsch.
Für die Zukunft heißt das wohl, dass wir uns auf neue Castingshow Versuche freuen dürfen.
„Million Dollar Shooting Star“ war jedoch wirklich kein Erfolg. Die Einschaltquoten waren tief. Gerade einmal 930 000 Fernsehzuschauer interessierten sich für Bar Rafaeli’s neue Show.

Zum Glück gibt es nur fünf Folgen mit jeweils zwei Shootings. Da wird Platz gemacht für neue bescheuerte Ideen.

Quellen:
http://www.sat1.de/tv/million-dollar-shootingstar, [1.12.12]

https://www.facebook.com/#!/MillionDollarShootingstarSAT.1/info, [1.12.12]

Grimm, Michael: Unterirdische Quoten für neue Castingshow auf Sat-1,(29.11.12), in: Der Tagesspiegel (Onlineausgabe), URL: http://www.tagesspiegel.de/medien/million-dollar-shootingstar-unterirdische-quoten-fuer-neue-castingshow-auf-sat-1/7456106.html, [1.12.12]

http://www.prosieben.de/stars/news/von-der-maxim-gekuert-bar-refaeli-ist-die-heisseste-frau-der-welt-1.3190993/ [1.12.12]

 

Stefan Raab: „Absolute Mehrheit“ bei Pro7?

geschrieben von in Fernsehen, Medien und Politik, MedienkritikKommentare deaktiviert für Stefan Raab: „Absolute Mehrheit“ bei Pro7?

Stefan Raab ist allgegenwärtig beim Privatsender Pro 7.“ Zappt“ man durch das Fernsehprogramm, bestenfalls abends oder am Wochenende, begegnet man mit hoher Wahrscheinlichkeit Stefan Raab, wenn man bei Pro7 angelangt ist. Der TV-Allrounder nimmt mit seinen verrückten Showideen nicht selten einen Platz im Programm des Privatsenders ein. Unzählig sind seine Shows, sodass bei Versuch einer Aufzählung bestimmt einige seiner Shows vergessen werden. Er moderiert TV Total, veranstaltet unterschiedliche Pokernächte, Turmspringen, Stockcarrennen, Wok-WMs, Schlag den Raab, Unser Star für Oslo, diverse Castingshows mit langen Abkürzungen, die bei einer Nennung ohnehin nicht rekonstruierbar wären und vieles mehr. Und offensichtlich wollen deutsche Fernsehzuschauer genau solche Formate sehen. Egal wie viele unterschiedliche Ideen Stefan Raab schon umgesetzt hat, er hat immer neue verrückte Einfälle.
Kürzlich wurde seine erste Politikshow in Kooperation mit Peter Limbourg,  Sat1, ausgestrahlt und lieferte dem Privatsender hohe Einschaltquoten. Doch stimmt das wirklich? Ist Stefan Raab ein „Alleskönner“ und „Geldmacher“ oder gibt es auch irgendwann eine Grenze? Kann der Entertainer irgendwann auch Reizüberflutung auslösen? Wie lange ertragen wir seine ständigen Auftritte?
Vermutlich hätten sich Produzenten und auch Stefan Raab bei der neuen Show „Absolute Mehrheit“ am Sonntagabend über prominenteres Publikum gefreut. Geladene Gäste, wie beispielsweise Umweltminister Peter Altmaier, sagten aber kurzfristig ab. Der Clou der Show: 100 000 Euro für den Diskussionsteilnehmer, der die „absolute Mehrheit“ der kostenpflichtigen Zuschaueranrufe für sich gewinnen kann. Also Politik für Geld? Ein fragwürdiges Konzept. und wer eine niveauvolle und gedankenöffnende Diskussion an diesem Sonntagabend erwartet hatte wurde sichtlich enttäuscht. Allgemeine Äußerungen der Gäste, die weder konkret umsetzbar, noch sinnvoll nachgedacht erschienen und ein Stefan Raab, der irgendwie verkleidet und fehl am Platz in seinem Outfit wirkte, das sahen Zuschauer am Sonntagabend.

Nicht nur Stefan Raab, auch die Gäste Thomas Oppermann,SPD Bundestagspolitiker, Wolfgang Kubicki, FDP-Chef im Kieler Landtag, Jan van Aken, Linken Politiker und Unternehmerin Verena Delius, Geschäftsführerin der Bildungssoftware-Firma Goodbeans, wirkten allesamt gezwungen gut gelaunt und buhlten mit Beiträgen über die Energiewende, soziale Netzwerke und Steuergerechtigkeit um das Preisgeld. Also wahrhaftig Politik mit Preisgeld: Ein erfolgreiches Konzept. Rund 1,8 Millionen Zuschauer interessierte die neue Show von Stefan Raab. Nicht unerwartet dauerte es aber an dem Abend auch nicht lang bis Moderator Stefan Raab einen abschätzigen Kommentar über Phillip Rösler einbrachte. Wie schon oft in seiner Abendsendung verschmähte der Moderator, völlig aus dem Kontext heraus, „Fipsi“.Waren seine Witz über den FDP-Politiker in der Late-Night-Show „TV Total“ anfangs für manche noch lustig, waren sie in der Politshow eher unangebracht. Auch die Einspieler zu den Themen der Politshow erinnerten ein wenig an Erklärungen der Kindernachrichtensendung „Logo“ und so bot diese Show am Abend wieder einmal Stefan Raab eine Plattform zur Selbstdarstellung.

Wer wirklich einen niveauvollen und interessanten Politiktalk sehen möchte, sollte lieber auf andere Formate der öffentlich-rechtlichen Sender zurückgreifen. Für mich war diese Idee von Stefan Raab ernüchternd. Sie ist richtig für Fans von Stefan Raab.  Es bleibt außer Frage, dass der gelernte Metzger aus Köln ein  kluger Kopf ist, sonst wäre er nicht so erfolgreich mit seiner Selbstvermarktung. Doch ist er meiner Meinung nach für Unterhaltung gemacht und sollte sich nicht zu oft präsentieren und somit den Bogen überspanen. Auch Publikumslieblinge haben ein Verfallsdatum. Zwar leben Politiktalkshows von Unterhaltung, jedoch enthielt die von Stefan Raab zu viel Unterhaltung und zu wenig brauchbaren Inhalt. Die Gewinnprämie von 100 000 Euro landet am Ende im Jackpot. Wolfgang Kubicki gewann zwar die Mehrheit der Zuschauerstimmen für sich, jedoch erreicht er nicht die „absolute Mehrheit“.
Zum Glück hat Stefan Raab noch nicht die „absolute Mehrheit“ der Ausstrahlungszeit des Privatsenders für sich ergattern können, es gibt ja Werbung.

Quellen:
Spiegel (2012):Raab macht Quote für Pro7, URL: http://www.spiegel.de/kultur/tv/raab-polit-show-die-absolute-mehrheit-erreicht-ordentliche-quote-a-866658.html, [19.November]

Focus (2012):„Absolute Mehrheit“: Statt Altmaier kommt jetzt Michael Fuchs, URL:  http://www.focus.de/kultur/kino_tv/stefan-raabs-neue-polit-show-auf-prosieben-absolute-mehrheit-statt-altmaier-kommt-jetzt-michael-fuchs_aid_857277.html, [18.November]

Kuzmany, Stefan: Maximal breitbeinig (2012), in: Spiegel Online, URL: http://www.spiegel.de/kultur/tv/tv-kritik-stefan-raab-und-seine-polit-show-die-absolute-mehrheit-a-866591.html, [18.November]

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