Spotlight – Ein Film über Investigativen Journalismus

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Am 28. Februar findet die diesjährige Verleihung der Academy Awards statt. Am 25. Februar starten, wie üblich an deutschen Donnerstagen, neue Filme in den Kinos. Mit von der Partie ist beide Male das mehrfach Oscar-nominierte und bereits jetzt preisgekrönte Drama „Spotlight“ von Regisseur Thomas McCarthy (u.a. AFI Award für Movie of the Year, Screen Actors Guild Award für Outstanding Performance by a Cast in a Motion Picture).

Der Film erzählt die wahre Geschichte der Investigativ-Abteilung des Boston Globe, genannt Spotlight, die 2001/02 systematischen Kindesmissbrauch durch katholische Priester im Großraum Boston aufdeckte. Hunderte von lokalen Einzelschicksalen wurden ans Licht gebracht, die schließlich zu nationalen sowie internationalen Fällen führten und somit die Katholische Kirche in ihren Grundfesten erschütterte.

SPOTLIGHT puts the power of journalism on the front page. With measure befitting the investigative method, Tom McCarthy presents The Boston Globe’s inquiry into cardinal sins without tabloid sensationalism — creating tension around the team’s dauntless pursuit of truth.“ (Begründung des American Film Institute)

Sachlich und ohne Hollywood-typische Überdramatisierung wird der Rechercheablauf auf authentische Weise dargestellt, als wäre der Film selbst Teil dieses Prozesses. In Zeiten von Lügenpresse und Click-Generierung ruft er somit in Erinnerung, was Journalismus leisten kann und wieso er ein bedeutsames Element der Gesellschaft ist. Dabei werden gleich mehrere relevante Aspekte beleuchtet. Kampf der Institutionen (Zeitung vs Kirche), Wettbewerbsdenken (Zeitpunkt der Veröffentlichung) sowie soziale Verflechtungen (52,8% Katholiken in Boston im Jahr 2001) sind nur einige Beispiele. Für Medienwissenschaftler ist „Spotlight“ also durchaus einen Blick wert.

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Die Golden Globes unter der Lupe

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Am 10. Januar ist es wieder soweit. Die zweitgrößte Film- und Fernsehpreisverleihung der USA findet im Beverly Hilton Hotel in Beverly Hills statt und läutet somit die letzte Runde im jährlichen Oscar-Rennen ein. Doch obwohl die Golden Globes in der Filmbranche nur von eben jenen Oscars und in der Fernsehbranche nur von den Emmys überstrahlt werden, gibt es auch immer wieder Stimmen, die die Existenz dieser Zeremonie kritisch sehen.

Die Entscheidungsträger

1944 wurden sie zum ersten Mal vergeben – die Golden Globes. Damals zwar noch ohne Gold oder Kugeln für die Gewinner, stattdessen nur mit Schriftrollen, doch jeder fängt klein an. Was aber schon zu jener Zeit die Globes von anderen Preisverleihungen unterschied, waren die Abstimmungsberechtigten. Während sich bei den Academy Awards oder den später ins Leben gerufenen Emmy Awards, Grammy Awards (Musik) und Tony Awards (Theater) stets die jeweilige Unterhaltungsindustrie selbst ehrte und beschenkte, hatten bei den Globes seit jeher einzig Mitglieder der HFPA eine Stimme. HFPA steht für Hollywood Foreign Press Association und ist ein Zusammenschluss von ungefähr(!) 90 Journalisten, die außerhalb der US-Medien publizieren und weitestgehend der Qualitätskategorie Bunte angehören. Sofern sie überhaupt irgendeiner Kategorie zuzuordnen sind. Denn Informationen über die Mitglieder sind nicht in jedem Fall leicht zu finden, was in unserem Zeitalter und angesichts ihres angeblichen Berufes etwas befremdlich wirkt. Dieser Eindruck weitet sich auch auf die Golden Globes aus, je mehr man sich mit ihnen und ihren Herausgebern beschäftigt.

Die Vorzüge eines Entscheidungsträgers

It’s a meaningless event. The Hollywood Foreign Press Association is kidding you that something’s happening. They’re fucking ridiculous. There’s nothing going on at all. It’s 90 nobodies having a wank. Everybody’s getting drunk, and everybody’s sucking up to everybody.„, urteilte bereits 2014 der britische Schauspieler Gary Oldman in einem Interview. Und in der Tat scheint diese Preisverleihung ausschließlich dem individuellen Wohlergehen der HFPA-Mitglieder zu dienen. Zum einen durch die Möglichkeit in alkoholisierter Atmosphäre echte Stars zu umarmen, zum anderen durch die Entlastung des eigenen Geldbeutels, z. B. durch das Annehmen großzügig angebotener Geschenke, für die man sich nicht einmal persönlich bedanken muss. Das lässt sich bequem auf dem Stimmzettel erledigen wie im Fall Sony aus dem Jahr 2010. Darüber hinaus bietet sich für die „Journalisten“ die einmalige Gelegenheit Nachrichteninhalte zu erschaffen, statt nur über sie zu schreiben. Oder zumindest das eigene Ego dafür zu streicheln, während der Rest der Welt an einer Berichterstattung arbeitet. So kann man immerhin für Überraschungssieger oder – verlierer sorgen. Man kann dem medialen Hype um einen Film oder eine Person durch einen Sieg nochmals Rückenwind verleihen. Oder man engagiert einen Comedian als Moderator, dessen generelles Auftreten erhöhtes Schlagzeilenpotenzial bietet – nicht nur während, sondern auch schon im Vorfeld der eigentlichen Verleihung. Aber selbst wenn die Witze ausbleiben, besteht immer die Chance, die eine oder andere Information aufzuschnappen, die vom Alkohol ans Tageslicht gespült wurde, auch wenn es sich nur um ein heimliches und dennoch beobachtetes Händchenhalten handeln sollte. Einen netten Dreizeiler ist es sicher wert und irgendwo wird es irgendjemanden interessieren.

 

 

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Von Mann und Frau… in Film & TV

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Jahrzehntelang musste Mann sich im Bereich der Popcorn-Unterhaltung an Schießereien, Prügeleien und Verfolgungsjagden ergötzen, während Frau stets überfordert daneben saß und nur in Form von kleinen Seufzern ihr Missfallen zu kommunizieren wusste. Die Wahl des Abendprogrammes stellte über Jahre hinweg viele gesunde Beziehungen vor die Zerreißprobe und die tatsächliche Zahl der daraus resultierten, irreparablen Zerwürfnisse hat sich bis heute ins Unmessbare gesteigert. Doch nun scheint es, als habe die Unterhaltungsindustrie – allen voran die amerikanische – eine Lösung gefunden, von der beide Parteien profitieren könnten.

Ein Trend namens Frau

Der neueste Trend zur Bekämpfung des Beziehungssterbens durch Film und Fernsehen heißt Actionheldin. Zwar gab es in der Vergangenheit immer wieder vereinzelte Versuche dieses höchst experimentelle Storyelement zu etablieren, doch mangelte es allzu oft an Umsetzung oder Überzeugung. Zumindest letzteres hat sich im erfolgreichen Angesichte des „Hunger Games“-Franchise nun erneut intensiviert. So darf bereits seit Anfang des Jahres Agent Carter, einst Captain Americas Love Interest, ihre weiblichen Vorzüge im Serienformat präsentieren. Gleiches gilt seit letztem Monat für Supergirl, Supermans Cousine. Und noch diese Woche schickt Netflix Jessica Jones ins Rennen, die allerdings keine Verbindung zu einem starken Mann vorzuweisen hat – schade. Und vor allem unnötig riskant!

Denn dass es auch ohne jegliches Risiko geht, zeigt der amerikanische Fernsehsender Syfy, der vor kurzem grünes Licht für die Serienproduktion eines weiblichen Van Helsing gegeben hat. Anstatt also einer unbekannten Frau das gendertypische Minimum an Persönlichkeit herbeischreiben zu müssen, können die Produzenten hier auf vorhandene Beliebtheitswerte aus Film und Literatur vertrauen. Ein Erfolgsrezept, mit dem Hollywood fast ausnahmslos gute Erfahrungen gemacht hat, so dass die Verlautbarungen bezüglich weiblicher Remakes von Ocean’s Eleven sowie Ghostbusters wenig Verwunderung auslösten, nichtsdestotrotz aber auch unbändige Vorfreude – speziell im Internet, versteht sich.

Win-Win-Win-Situation

Und Freude ist in der Tat allerseitens angebracht, bietet der derzeitige Trend zum Rollentausch schließlich nichts als Vorteile. Mann erfährt durch die geschmackvolle Darstellung makelloser Körper endlich eine Abwechslung zur ewig muskelbepackten Action-Tristesse und ist nicht mehr allein auf visuelle Stimulation durch Gewalt sowie Spezialeffekte angewiesen. Frau hingegen bekommt eine gleichgeschlechtliche Identifikationsfigur, die die Grenze des weiblichen Verstandes nicht sprengt und die Flucht in feministisches Gedankengut verhindert. Das Fortbestehen der häuslichen Harmonie ist damit sichergestellt, so dass es am Ende des Abends nur Gewinner gibt, zu denen auch die Produzenten selbst gehören. Schließlich sorgen sie durch das Anheuern arbeitswilliger Schauspielerinnen dafür, dass die Gehaltskosten im Vergleich zu einer männlichen Besetzung niedriger ausfallen, womit wiederum weitere Produktionen finanziert werden können. Die Zukunft der Unterhaltungsmaschinerie sieht also rosiger denn je aus und steht ganz im Zeichen der Liebe. Der Liebe zur Frau, der Liebe zum Zuschauer, der Liebe zum Geld.

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