SIEH UM DICH – DAS NEUE FERNSEHMAGAZIN FÜR TRIER

geschrieben von Johannes Pütz in Fernsehen4 Kommentare »

»Eine wirklich gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vorne herein ausgeschlossen erscheint« (Albert Einstein)

Alle sprechen dieser Tage von lokalem Fernsehen. Wir, 23 Studierende der Medienwissenschaft, haben uns getraut und in einem Medienprojekt Lokal TV gemacht.

HINWEIS: Das Magazin ist inzwischen hier online abrufbar.

Zuerst einmal einen Prototyp für ein lokales Fernsehmagazin entwickelt. Das war gar nicht so einfach, jeder versteht unter lokalem Fernsehen was anderes. Deshalb gab es in Redaktionssitzungen häufig lebhafte Diskussionen und Kontroversen darüber, wie unser Magazin ausschauen soll.

Auch bei der Themenfindung haben wir es uns nicht leicht gemacht. Das Wichtigste ist doch die lokalen Brennpunkte in den Blick zu nehmen. Ja zu wissen, was die Menschen um uns herum berührt und bewegt. Dazu haben wir Themen jenseits des Tagesaktuellen aufwendig recherchiert, die nah bei den Menschen sind und ihnen unter den Nägeln brennen.

Das Fokussieren lokaler Themenschwerpunkte spiegelt sich deshalb auch in unserem Sendungstitel wider: “Sieh um Dich”. Frag Dich, wo Du lebst und wer die Menschen um Dich herum sind. Wir zeigen es!

Der Trierer an sich weiß natürlich, dass der Titel ein kleines Wortspiel ist. In der ersten Sendung wollen wir den Zuschauern diesen Straßennamen und seine Geschichte erklären. Der Zuschauer wird auch erfahren, wie die neuen Straßen auf dem Petrisberg zu ihrem Namen gekommen sind.  Einer unserer Reporter hat sich für Euch aufs Rad geschwungen um Euch zu zeigen, wo die Tücken im Trierer Radwegenetz liegen.

Doch wir werden in unserer Sendung auch ernstere Themen anschneiden. Der Schwerpunkt des ersten Magazins ist Armut in Trier. Wir berichten über die harte Arbeit der Trierer Tafel, die täglich der Armut ins Auge blickt. Wir haben in einem Interview Caritas-Direktor Dr. Bernd Kettern gefragt, was jeder Einzelne von uns gegen Armut tun kann.

In den letzten dreizehn Wochen haben wir in Trier und Umgebung recherchiert und gedreht. Über 30 Filmbänder mussten gesichtet und auf knapp 20 Minuten Sendungslänge geschnitten werden. Dieses Wochenende wurde – in einem über 30stündigen Marathon – endlich unsere erste Sendung produziert. Tatkräftig unterstützt hat uns Wolf-Ingo Römer mit seiner 20jährigen Erfahrung als Schnittmeister in der TV-Produktion. Zum Schluss des Wochenendes ist neben uns auch der Fachmann Römer der Meinung, dass sich unsere Sendung im wahrsten Sinne des Wortes sehen lassen kann:

Freitag 11.7. um 20.25 Uhr (Erstausstrahlung)

Montag 14.7. um 19 Uhr

Dienstag 15.7. um 19 Uhr

Freitag 18.7. um 19 Uhr

Dienstag 22.7. um 21.20 Uhr

und zwar im OK54 Bürgerrundfunk Trier, dem Offenen Kanal für Trier und im Livestream auf der Homepage des OK.

Wir hoffen, Ihr habt unsere Sendung im Blick, und wünschen Euch viel Spaß beim Schaulauschen.

Über Lob und Kritik freuen wir uns natürlich in den Kommentaren. :-)

Tags: , , ,

Auslandskorrespondenten im Disput mit der ZDF-Chefredaktion

geschrieben von Johannes Pütz in Fernsehen, Medienkritik, MedienwandelKeine Kommentare »

Die Qualitätsdebatte im Medium Fernsehen ist eine leidige, bisweilen sogar eine für alle Beteiligten mehr als leidvolle. Sowohl für Medienmacher als auch für Mediennutzer eine kaum mehr zu ertragende, inszenierte Selbstthematisierung, die ihres gleichen sucht.

Von der Berichterstattung zur vermeintlich besten Sendezeit verbannt fühlen sich die Auslandskorrespondenten (AK’s) des ZDF mit ihrer vermeintlichen Qualitätskritikoffensive Richtung Sendezentrale Mainz deklassiert, missverstanden und dem missliebigen Zeitgeist und hieraus resultierenden Liebesentzug preisgegeben. Neuerdings leiden die AK’s des ZDF an mangelnder interner Aufmerksamkeit und tuen dies demzufolge gerne lautstark in anderen Medien kund (beispeilsweise mit kollektiv verfassten Beschwerdeartikeln im Magazin ‘Gong’). Zuhause indes scheint die Chefredaktion rund um Nikolaus Brender am Mainzer Lerchenberg von dieser Art der Kommunikationskultur enttäuscht zu sein.

Die Chance, auf teils berechtigte Kritik bereitwillig hinzuhören und einzugehen, scheint vertan. Vielmehr sieht sich Brender in seiner redaktionellen Leitlinie bestätigt: “Eine Auslandsberichterstattung, die nicht von vielen Zuschauern gesehen wird, verliert an öffentlich-rechtlichem Wert.” Reporter, die das nicht verstehen und deshalb Kritik üben würden, seien “stehengeblieben“, so der Chefredakteur weiter. Bei dieser rigiden Haltung mag es allerdings auch kaum verwundern, warum Alexander von Sobeck in Paris, Klaus Prömpers in Wien, Ruprecht Eser in London oder Ulrich Tilgner in Teheran mit der Gestaltung der politischen Magazinausrichtung derart unzufrieden sind, als dass die ersten Korrespondenten von Bord gehen.

In Mainz scheint man das Zetermordiogeschrei der “Auslandsfürsten” indes leid zu sein. So kündigte Ulrich Tilgner, ständiger AK in Teheran, dieser Tage seinen Vertrag mit dem ZDF. Brender scheint hierüber nicht besonders traurig zu sein. Aus der Hauptredaktion Aktuelles rund um Elmar Theveßen und Bettina Warken wird derweil kolportiert, dass “man Reisende nicht aufhalten solle“. Bei einem Auslandskorrespondenten scheint mir dies ansonsten auch ein wahrlich schwieriges Unterfangen zu sein.

Quelle: Medienseite der Frankfurter Rundschau vom 14.4.08, S. 23.

Medienkritik: Integrationsbeitrag im ZDF

geschrieben von Johannes Pütz in Fernsehen, MedienkritikKeine Kommentare »

Dieser Beitrag des heute-journals, der am Montag im Rahmen des Themenschwerpunkts Integration: Leben in der Wohngemeinschaft Deutschland gesendet wurde, stellt meiner Meinung nach mehr ungeklärte Fragen in den Raum als dem Zuschauer mögliche Antworten zu offerieren. Alleine schon aus diesem Grunde bedürfte es einer eingehenden Medienanalyse des Beitrages. Vor allem kontextuales Wissen und journalistische Einordnung kommen hierbei deutlich zu kurz bzw. fehlen schlichtweg. Ich beschränke mich im Folgenden jedoch bewusst auf den Aspekt der “Sharia als guten Rechtsordnung”, als solche sie von einer der beiden jungen Muslime im Beitrag auch explizit dargestellt wird, und damit verbunden auf die zentrale Frage, die sich mir manifest schon während der ersten Rezeption im Fernsehen stellte: inwieweit sind Sharia und Grundgesetz miteinander vereinbar, wenn scheinbar integrierte Muslime in Deutschland für eine interreligiöse Koexistenz auf der Grundlage der Sharia im öffentlichen Leben plädieren?

Meine Einschätzung dazu findet sich hier.

Quelle: ZDF-Mediathek, Zentralrat 

Studierende der Medienwissenschaft artikulieren desolate Trierer Studienbedingungen gegenüber Bildungsministerin Ahnen.

geschrieben von Johannes Pütz in AllgemeinesKeine Kommentare »

Gestern fand im Rahmen des Jahres der Geisteswissenschaften der Tag der Forschung an der Universität Trier statt. Hierzu moderierte der Mainzer Politikwissenschaftler Prof. Dr. Jürgen W. Falter eine Podiumsdiskussion zum Stellenwert der Geisteswissenschaften.

An dieser Diskussion nahmen neben dem Stellvertretenden Unternehmenssprecher der Boehringer Ingelheim GmbH, Herrn Dr. Dr. Andreas Barner (der zudem Mitglied des Wissenschaftsrates der Bundesregierung und Vorsitzender des Hochschulrates der Universität Trier ist), dem Vizepräsident der Universität Koblenz-Landau, Herr Prof. Dr. Wolf-Andreas Liebert, Herrn Prof. Dr. Lutz Raphael (Lehrstuhl Neuere und Neueste Geschichte an der Uni Trier und Mitglied des hiesigen Wissenschaftsrates) auch Staatsministerin Doris Ahnen teil, die zuvor in ihrer Ansprache betonte, dass kleinere Studiengänge in der Geisteswissenschaft durchaus großen Stellenwert genössen.

Leider nur ein schlappes Dutzend Studierende der Medienwissenschaft war präsent – trotz eines diesbezüglichen Aufrufs von Fabienne Aßmann. Die Anwesenden nutzten dafür sehr eindrucksvoll dieses Honoratioren-Forum, um auf die völlig desolaten Studienbedingungen in der Trierer Medienwissenschaft aufmerksam zu machen.

Sie meldeten sich während des Verlaufes der Podiumsdiskussion mehrfach durch kollektives Handzeichen.

Prof. Falter als Moderator erteilte daraufhin, wenngleich Fragen seitens des Auditoriums eigentlich gar nicht vorgesehen waren, Frederike Albrecht das Rederecht stellvertretend für die Gruppe, die im Namen der Studierenden des Faches Medienwissenschaft folgendes an das Auditorium – insbesondere an Bildungsministerin Doris Ahnen – richtete und mit diesen Worten nicht nur Gehör, sondern auch für Trierer Verhältnisse breite Zustimmung bei den Zuhörern im Plenum fand:

“Stellen Sie sich vor, es kommen Studenten zu Ihnen, nehmen wir einfach mal an aus der Medienwissenschaft der Universität Trier. Und die erzählen Ihnen von der desolaten Situation des Fachs: Dass die Räumlichkeiten eines ganzen Stockwerks wegen einer Asbestsanierung, die vor einem Jahr fertig gestellt werden sollte, nicht genutzt werden können, dass im Laufe des letzten Jahres zwei der sechs Stellen für Lehrende einfach weggefallen sind, dass Pflichtveranstaltungen schlicht und ergreifend nicht stattfinden. Wie können Sie einem Studenten, der davon betroffen ist, erklären, dass der Stellenwert der Geisteswissenschaften nicht in einer Krise steckt? Und was können Sie diesem Studenten sagen, inwiefern Sie etwas für ihn tun können oder sich zumindest einem mit der Problematik auseinander setzen werden? Wo soll denn der Student seine Perspektiven und Potentiale im Studium wahrnehmen, wenn weder Räume, Dozenten, noch Pflichtveranstaltungen ausreichend angeboten werden?”

Ich bedanke mich hier nochmal ausdrücklich bei Rike, die unser Anliegen rhetorisch überzeugend kommuniziert hat. Über die nun hoffentlich folgenden Ereignisse wird Jowinal weiterhin berichten.

Ich freue mich auf eine anregende und erkenntnisreiche Diskussion in den Kommentaren!

Ergänzung: Rita Regenbogen berichtete schon hier darüber.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde zuerst unter jowinal.de veröffentlicht.

Das Ende der Massenmedien ? Warum guter Journalismus eine Zukunft hat

geschrieben von Johannes Pütz in Allgemeines, Internet und Politik, Internetradio, Zukunft des InternetKeine Kommentare »

Im politikwissenschaftlichen Kolloquium des Lehrstuhles für Außenpolitik und Internationale Beziehungen (IB) der Uni Trier sprach gestern Dr. Günter Müchler, Programmdirektor von Deutschlandradio Kultur, zum Thema “Das Ende der Massenmedien ? Warum guter Journalismus eine Zukunft hat”.

Müchler hat zusammen mit Hanns W. Maull, dem Trierer Lehrstuhlinhaber der IB, Politikwissenschaft in München studiert. Danach hat er die klassische redaktionelle Karriere durchlaufen. Müchler gehört damit zu den ‘Selfmade’-Journalisten, die einen hohen Stellenwert auf Qualitätsjournalismus und moralischen Berufsethos legen.

Nach einem ausführlichen, geschichtlichen Abriß zur Entstehung des Deutschlandfunkes im Jahr 1962, seiner heutigen Distribution, dem Durchschnittsalter seiner HörerInnen, etc. konstatierte Müchler, daß die Massenmedien bezüglich ihrer Distributionskanäle momentan vor einer ähnlichen Herausforderung stünden wie im 15. Jahrhundert zu Zeiten der Erfindung des Buchdruckes. Eine starke These, die Müchler unter anderem mit den Crowdingout-Effekten eines aufkommenden “Kunststoffjournalismus” (De Weck, Roger [2000]: Die Gier der Medien. Zur Feier des Tages: Ein paar Fragen an uns Journalisten. In: Die Zeit, 1/2000] begründet. Es käme zur Dramatisierung des Belanglosen via Web 2.0. Anders formuliert: zu einer “glokalen Redundanz” (Daniel Braun) als Anspielung auf Bürgerjournalismus. Müchler vergleicht hierbei den ‘Bitterfelder Weg’ in der ehemaligen DDR mit den “Bürgerreportern” der Boulevardmedien. Ein gewagter Vergleich, wie ich finde, der leider in der anschließenden Diskussion wohl mangels genauer Kenntnis der Historie ausgeblendet blieb.

Statt von einer Krise der Massenmedien zu sprechen, sei der Begriff ‘Anpassungskrise’ treffender. Nach wie vor gelte für Qualitätsjournalismus sich von der Mainstreamberichterstattung abzugrenzen und dem vorherrschenden “Rudeljournalismus” eine klare Absage zu erteilen. Müchler argumentiert hier aus einer priviligierten Position heraus. Der Redaktionsstab des DeutschlandRadio finanziert sich ausschließlich aus Rundfunkgebühren und kommt damit einer qualitätsjournalistischen Medieninsel gleich. Unterliegt das Programm doch nicht der Einschaltquote und muß demzufolge nicht mit Wortbeiträgen um begehrte Sendeplätze mit der uniformen “Klangtapete” aus Musik, Werbung und Promotion konkurrieren.

Ist in der übrigen Medienlandschaft ein Rückgang der hauptberuflichen Journalisten von 54.000 (1993) zu heute 48.000, einhergehend mit einem um ein Vielfaches gestiegenden Selektionsdruck im Onlinezeitalter des Web 2.0, zu beobachten, sei das DeutschlandRadio auf einem vielversprechenden Kurs. Die crossmediale Verzahnung von Audioblogs auf der Internetseite des Deutschlandradio Kultur und die Einbettung des besten Beitrages in das laufende Programm im Rahmen eines “Blogspiels” sei ein erster Schritt in Richtung der “Erschließung der Bloggergemeinde”.

Auffällig dabei ist und bleibt, daß Müchler die Bedeutung des Web 2.0 für die Zukunft der Medienlandschaft sowie ihrer Ausgestaltung und Anpassung erkennt. Wirklich glücklich scheint er, der ‘Qualitätsjournalist’, nicht, wenn er davon spricht man “MÜSSE sich diesen Entwicklungen stellen.” Ohne zum Trendsetter zu werden. Dieses MÜSSE impliziert meines Erachtens das tiefe Unbehagen einer ganzen Generation von Journalisten gegenüber dem, was der Begriff Web 2.0 umschreibt. Der partizipatorische Gedanke eines Mitmachjournalismus, der nicht mehr einkanalig sendet, sondern qua Format sich nun auch in einer Feedbackschleife befindet. Natürlich ist beispielsweise ein Weblog zunächst nur einmal eine technische Plattform. Diese läßt sich aber sehr wohl mit Qualitätsjournalismus füllen, wie nicht wenige A- bzw- J-Blogs zeigen. Der Rückkanal der mittels dieser neuen Distributionsform eröffnet wird, stellt basisdemokratische Chancen an die Partizipation der Rezipienten dar und liefert neue Information ins Mediensystem. So verstanden, kann, wohlgemerkt nicht muß, Bürgerjournalismus eine Win-Win-Situation erzeugen und die gewünschte Publikumsbindung erzielen. Diesen Gedankengang brachte Michael Brächer in die anschließende Diskussion ein und erwähnte in diesem Zusammenhang Brechts Radiotheorie.

Institut für Journalistik der Uni Dortmund plant Online-Magazin ?Medien Monitor? (MeMo)

geschrieben von Johannes Pütz in Allgemeines, Online-MagazineKeine Kommentare »

Das Online-Magazin “Medien Monitor” als Portal für den aktuellen Medienjournalismus und kritische Medienpublizistik ist als interaktive Rechercheplattform angedacht. MeMo soll hierbei an das bestehende Printmagazin Journalistik Journal anknüpfen.

“Journalisten erklären ihrem Publikum Tag für Tag die Welt. Doch viele von ihnen sind über die Wirkungszusammenhänge der Medienlandschaft kaum besser informiert als diejenigen, die den Journalismus nur aus der Ferne beobachten. Ein funktionierender Medienjournalismus kann hier Abhilfe schaffen. Angemessen praktiziert, verhilft er den Medienschaffenden nicht nur zu einer besseren Orientierung in ihrem Berufsfeld, sondern stellt gleichzeitig auch ein wichtiges Instrument der journalistischen Qualitätssicherung dar.”

Die Online-Zeitschrift MeMo richtet sich an Journalisten und andere Medienschaffende und soll hier als Schnittstelle zwischen Lehre und Forschung (Medienforschern) einerseits und redaktionellem Journalismus (Medienpraktikern) anderseits fungieren.

Geplant ist neben einem regionalen Ressortschwerpunkt zur Medienregion NRW ein Kernressort Medienforschung. Aktuelle Entwicklungen wie beispielsweise Web 2.0 sollen so unmittelbar Einzug in den redaktionellen Printjournalismus halten. Medientrends sollen ebenso thematisiert werden wie Medienbereiche, die in der aktuellen Berichterstattung unzureichend, kaum oder bisher gar nicht vorkommen. Das Ressort Medienkritik beschäftigt sich zum einen mit verschiedenden Medienprodukten und -formaten, vorzugsweise aus dem Bereich Onlinemedien (Weblogs, Podcast, Wikis), sowie zum anderen mit Medieninstitutionen und beleuchtet deren etwaige Mißstände.

Die Inhalte des Web-Magazins werden von Studierenden erarbeitet, die in einer Lehrredaktion im Wintersemester 2006/2007 die Möglichkeit haben ihre “Print-, Radio- oder Fernsehbeiträge onlinegerecht aufzubereiten und auf der Internet-Seite des ?Medien Monitors? zu veröffentlichen, sofern sie einen inhaltlichen Bezug zur Medienberichterstattung haben.”

Wann die Plattform hier online geht, steht noch offen.
Quelle und Nähere Infos im Publikations- und Redaktionskonzept.

ZAPP bringt Licht ins Glashaus der Medienwelt

geschrieben von Johannes Pütz in FernsehenKeine Kommentare »

Die Frankfurter Rundschau (FR) berichtete am 06.06.06 in “Erfolgreich im Glashaus” über die gerade in letzter Zeit kritische Beleuchtung von skandalösen Vorgängen in Fernsehen, Film und Funk sowie aus Agenturen, Verlagen und Medienhäusern, wobei ZAPP auch gerne mal die eigene Sendeanstalt (ARD) ins Visier nimmt.

Während die “textlastigen Stationen” der Medienredaktionen im Rundfunk (Mediengespräch auf Deutschlandradio Kultur, cont.ra Medien (SWR) oder Medien & Computer bei HR-Info) leider nur noch allzuhäufig ins Leere funken, ist ZAPP zwar ein Magazin, “das Mittwochnacht ein Nischendasein zwischen Klientelversorgung und hängengebliebenen Zuschauern fristet”, dem es aber dennoch gelingt sich positiv in der Medienlandschaft abzuheben und auf seine Berichterstattung aufmerksam zu machen – trotz oder gerade wegen der späten Ausstrahlung (jeden Mittwoch ab 23 Uhr; Wiederholung: Donnerstag, 7 Uhr. Auf 3sat: Freitag, 15.30 Uhr). Die Einschaltquote von 7,3 Prozent ist auf alle Fälle beachtlich.

Auch die häufige Erwähnung in den Printmedien unterstreicht den Erfolg und die Qualität des Magazins und gibt dem Format recht. In Zeiten von mainstreamartiger Programmgestaltung à la Nullmedium Fernsehen (Enzensberger) und dem Diktat der Einschaltquote ist dies geradezu überlebensnotwendig, scheint sich doch Qualität im Fernsehen auszuschließen, wie ein Blick ins tägliche Programm zeigt (nachzulesen in Piesty’s Welt vom 28. Mai 2006:  Das Wegsehprogramm). Demzufolge kann die Redaktion mit Absendern positiven Feedbacks nicht wählerisch sein. So schreibt die FR weiter:  Bild am Sonntag kürte die Redaktion zum “TV-Top”. Man könne sich “seine Freunde eben nicht aussuchen”, frotzelt da Zapp -Chef Kuno Haberbusch und freut sich doch über die Publicity für sein Produkt.”

Enthüllungen seien die Schmiermittel der Nachrichtenwelt. Zitiert wird hier Kurt Imhof, Medienforscher an der Universität Zürich: “Erfolgreiche Skandale” sind, so Imhof, “in modernen Gesellschaften immer Medienskandale”.

Der Appell im letzten Absatz des Artikels dürfte leider in der Medienwelt des Fernsehens dumpf verhallen: “Medien sind von der vierten Gewalt zum erstklassigen Schlagzeilenlieferanten geworden. Wenn der Medienforscher Norbert Bolz sagt, es gebe “kein Jenseits der Medienwirklichkeit”, meinte er damit nicht nur das Vermittelnde. Dennoch fehlt ausgerechnet im Fernsehen jene Binneneinsicht, die gerade angesichts der jüngsten Skandale doppelt unerlässlich scheint: Als Instrument öffentlicher Selbstkontrolle, mehr aber noch fürs ramponierte Image, wie es in den angloamerikanischen Ländern gang und gäbe ist. Es wäre also Zeit für mehr Zapps  und zwar nicht im Ghetto Dritter Nachtprogramme, sondern zur Primetime im Ersten und Zweiten, gern auch schillernder bei RTL oder Sat1; Unterscheidbarkeit kann nie schaden”.

Zumindest bleibt uns ZAPP  weiterhin erhalten. Ein Muß für jede / n MedienwissenschaftlerIn! :-)

?Readers-Edition? ? eine kleine Kulturrevolution in der deutschen Medienlandschaft?

geschrieben von Johannes Pütz in WeblogsKeine Kommentare »

Mit www.readers-edition.de ist diese Woche ein neuer Zeitungsblog gestartet. Ein ?Bürger-Blog-Projekt? der Netzeitung, Deutschlands einziger Internetzeitung, mit überregionaler Reichweite und dem langfristigen Ziel 20 Millionen Schreiber zu finden. Am Ende der ersten Woche sind es bereits beachtliche 2.500 Blogger, die auf diese Aktion trotz Fehlens einer großangelegten PR-Kampagne aufmerksam geworden sind und sich ohne Entgelt an der Gestaltung einer Online-Bürgerzeitung beteiligen möchten. Steffen Büffel hat hierüber in seinem Weblog Media Ocean unter PK zum Start der Readers-Edition der Netzeitung und Netzeitung startet Readers Edition ausführlich berichtet.

“Die Readers Edition macht den Rezipient zum Sender und ermöglicht eine Berichterstattung über Themen, die von klassischen Medien nicht beleuchtet werden”, unterstreicht Phil von Sassen, Blogger beim Hauptstadtblog.de und Moderator bei der Readers Edition, die Funktion des Bürgerjournalismus als journalistische Nachrichteninsel, die Nischenthemen gezielt aufgreift und sie damit jenseits des in den Printmedien vorherrschenden Agenda-Settings auf den medialen Diskurs in der Gesellschaft setzt.

Damit wird erstmalig die klassische Trennung von Leserschaft und redaktionellem Journalismus weitestgehend aufgehoben. Jeder hat als Verfasser die Möglichkeit, etwas öffentlich mitzuteilen, und als Leser, die Beiträge der anderen zu bewerten. Die Gatekeeper-Funktion im hierarchisch-organisierten Printbetrieb bezüglich der Kanalknappheit von Meldungen, der begrenzten publizistischen Einheiten sowie der Vielfalt und Ausgewogenheit der Beiträge wird zugunsten eines Meinungspluralismus aufgehoben und auf ein Minimum an qualitativem, sprich dem notwendigen Abgleich mit dem Pressekodex, und weniger themenbezogenem Redigieren der eingereichten Beiträge beschränkt. Die reine Textbearbeitung erfolgt jedoch nicht durch eine Redaktion im originären Sinne, z.B. die der Netzeitung, sondern durch ein Moderatorenteam der Blogger-Community.

In Readers Edition schreibt, liest und redigiert der Bürger für den Bürger. Es befindet sich eine Bürgerzeitung im Aufbau, deren Nachrichtenrelevanz nicht mehr durch den monolithen Redaktionsablauf bestimmt, sondern qua Leserbewertung im Top-/Downverfahren hoch- bzw. runtergestuft wird (Prinzip des P2P-Journalismus). Damit gestaltet der Rezipient den Weg zur redaktionellen Gesellschaft aktiv mit und setzt basisdemokratisch das Prinzip des partizipativen Journalismus (auch Graswurzel-Journalismus genannt) um.

Die Gefahr einer Kommunikationsguerilla, das Aufkeimen einer einseitigen Manipulation von Berichterstattung, welche von den Gegnern des Citizen-Journalismus ins Feld geführt wird, die häufig in den Institutionen des klassischen Journalismus verortet sind, wiegt meines Erachtens gering ? zumal Readers Edition an die Netzeitung angeschlossen und verlinkt ist und sich somit dem ausgewogenen Rezipientenkreis der Netzeitung öffnet, der nach eigenen Aussagen ihres Chefredakteurs Dr. Michael Meyer
1 Million Leser im Jahr umfaßt.

Bei der nach meinem Dafürhalten wenig fundierten Negativkritik scheint es sich um die Besitzstandswahrung der etablierten Medienmacher zu handeln, die sich von der innovativen Dynamik einer für den Rezipienten positiven Entwicklung konzeptionell überrascht sehen und im Sinne von Medienkonvergenz die Chancen des Citizen-Journalismus als Ergänzung zu den klassischen Medien aus reinem Profitstreben um Auflagenzahlen, Meinungs- und Marktführerschaft verkennen.

Persönlich finde ich dieses Bürger-Blog-Projekt eine sehr spannende Geschichte und spiele mit dem Gedanken, mich bei Readers Edition anzumelden und mitzubloggen. Denn hier liegt meiner Meinung nach die Zukunft der medialen Kommunikation. Was daraus entsteht, hängt letztendlich vom aktiven Gebrauch der Rezipienten und dem technischen Know-How der Plattform ab oder wie Hans Magnus Enzensberger es in seinem Essay “Das digitale Evangelium” treffend beschreibt: “Das interaktive Medium ist weder Fluch noch Segen; es bildet schlicht und einfach die Geistesverfassung seiner Teilnehmer ab.”

Das dokumentarisch-digitale Bild im Zeitalter der medialen Manipulierbarkeit

geschrieben von Johannes Pütz in Allgemeines4 Kommentare »

Geben Bilder überhaupt unzweifelhafte Wahrheit wider?

Selten wurde glaubwürdiger gelogen als in Zeiten der digitalen Medialisierung.

Ist der kritische Rezipient heutzutage überhaupt noch in der Lage durch einfaches Hinschauen zu erkennen, ob es sich bei einem Bild um ein Fake handelt?

Die modernen Methoden der Bildbearbeitung machen es ihm zumindest ungleich schwerer. Zudem spielt die kontextuale Bezogenheit von Bildern eine nicht unerhebliche Rolle für das Verständnis von Wirklichkeit: ?Ein gefälschtes Foto verfälscht die Wirklichkeit.? (Susan Sonntag)

Diese Fragen und Eindrücke ergeben sich mir in der Pfingstwoche beim Besuch der Ausstellung “Bilder, die lügen”. Diese wurde von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland konzipiert und als Wanderausstellung neu überarbeitet und aktualisiert. Seit dem 28. Januar bis zum 10. September 2006 im Musée d?Histoire de la Ville de Luxembourg zu sehen, richtet sie sich vorwiegend an einen medien- interessierten und medienorientierten Rezipientenkreis mit der dahingehenden Intention, “als Bildnutzer genau hinzusehen und vermeintliche Bild-Wahrheiten skeptisch zu beurteilen”.

Die Ausstellung zeigt verschiedene Formen der verfälschenden Bildmanipulation mittels derer man sich der gängigen visuellen Stilfiguren bedient, um diese bewußt zur Täuschung und Bildlüge zu verwenden.

Eine davon ist das Wegschneiden und Rausretouchieren. Beim Clinton-Besuch in Eisenach 1992 war es ein Protestplakat, das den fröhlichen Eindruck zwischen Bill Clinton, Helmut Kohl und Bernhard Vogel störte und nicht ?ins Bild paßte?. Aber auch beim Wegschneiden können Fehler unterlaufen. So geschehen 1968 bei der tschechoslowakischen Führungsspitze um Staatspräsident Svoboda. Alexander Dubcek, Leitfigur des Prager Frühlings und Generalsekretär der KPC, wurde nach der von sowjetischen Panzern niedergeschlagenen Revolution aus dem Bild geschnitten ? man vergaß jedoch einen seiner Schuhe. Dem Tagesspiegel war noch 1997 das berühmte Bild der Kommune 1 nicht jugendfrei genug. Kurzerhand wurden die Genitalien wegretouchiert. Eine andere Technik ist das Umdeuten. Peter Sloterdijk erklärt die Omnipotenz der Bilder mit dem “Doppelcharakter jeder Darstellung”. In der Zeitschrift ?Stimme der Märtyrer? wird die harmlose Aufnahme von Kindergartenkindern im Bademantel mißbraucht und instrumentalisiert, indem sie als Gefangene eines sowjetischen Kinderlagers dargestellt werden. Des weiteren zählt Einfärben zu einer beliebten Methode. Die Schweizer Zeitung Blick zeigt das erschreckende Bild des Attentats von Luxor: die vermeintliche Blutlache, die in Wahrheit jedoch eine eingefärbte Wasserpfütze ist. Die kreative Technik des Einfügens ist denkbar einfach. Ein Kinoplakat zum 1950er Jahrefilm ?Sie tanzte nur einen Sommer? verlangte nach einer Einfügung. Die linke Brust der Hauptdarstellerin wird mit einem Schilfblatt bedeckt, da die Darstellung in der damaligen Zeit schlechter- dings zu freizügig gewesen wäre. Beliebte Technik in der Yellow Press ist die Methode des Drehens und Klebens. Als Vorlage für ein Photo des Tennispärchens Steffi Graf und Andre Agassi in Woche der Frau dient das Bild des Volksmusik-Duos Stefanie Hertel und Stefan Mross. Lediglich das Sakko wird roteingefärbt und zwei neue Köpfe draufgesetzt.

Bilder lügen eben mehr als 1000 Worte.

Wenn Andreas Bernard in der Süddeutschen Zeitung konstatiert: ?Die echtesten Bilder waren immer schon die falschen. All jene Aufnahmen, die etwa unser Bild von Krieg oder von der Liebe geprägt haben, erweisen sich im nachhinein als gestellt. Robert Doisneaus berühmte Photographie eines sich küssenden Paares, das in jedem zweiten Mädchenzimmer hängt und den Maßstab für das Glück der Liebe abzugeben hat inszeniert. Robert Capas Aufnahme des spanischen Loyalisten im Augenblick seines Todes, die als eines der eindringlichsten Dokumente für den Schrecken des Krieges gilt – seit Jahrzehnten umstritten. Daß gerade die realistischsten Bilder keinen Referenten in der Realität haben, ist kein Grund zur Empörung. Der Realismus bildet nicht einfach ab, was wirklich ist, sondern er zeigt, was möglich sein könnte. Erst in ihrer Inszenierung findet die Wirklichkeit zu sich selbst.?, so hat er mit dieser Annahme insofern recht, als daß sich bei der Photographie zugegebenermaßen die bekanntesten Bilder im nachhinein als inszeniert erwiesen haben. Denn Bilder sind nicht authentisch und Photos nicht objektiv. Sie erheben auch in keiner Weise diesen Anspruch. Dementsprechend liefert ein Photo weder die präzise Information noch die objektive Wahrheit. Was Photographie zu leisten vermag, ist lediglich die banale Tatsache, daß es sich hierbei um ein Photo und kein Gemälde oder keine Zeichnung handelt.

Beeindruckender Mensch und Medienmacher: Gerd Bucerius

geschrieben von Johannes Pütz in AllgemeinesKeine Kommentare »

Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß mir der Name Gerd Bucerius bis gestern kein Begriff war. Anläßlich seines 100. Geburtstags strahlte die ARD eine NDR-Dokumentation über einen der bedeutensten Medienmacher der Nachkriegsgeschichte aus.

Gerd BuceriusGerd Bucerius war ein leidenschaftlicher Streiter in der Sache, ein erbarmungsloser Kritiker im eigenen Medienimperium. Die ZEIT war sein Baby. Alimentiert durch den Stern und die gewinnbringende Allianz mit Gruner & Jahr.

Bucerius setzte auf Qualität und Spartenjournalismus. Über lange Strecken bis in die heutigen Tage kommt die ZEIT nicht aus den roten Zahlen. Trotzdem oder gerade deswegen war es ein Herzensanliegen des ZEIT-Gründers diese Wochenzeitung, die für ihre investigativen Beiträge legendär ist, auf dem Zeitungsmarkt zu etablieren. Ein finanzielles Risiko und ein journalistischer Luxus zugleich, welche sich Bucerius dank seines Medienimperiums leisten konnte.

Nachgeliefert: die Ausstrahlung der Dokumentation, die in einer Fülle von Originalaufnahmen ein Stück deutsche Pressegeschichte widerspiegelt, wird auf NDR am 23. Mai um 22.15 Uhr wiederholt; hier eine Rezension der Dokumentation aus der ZEIT ; Nachruf als Film

Design übersetzt und angepasst von Christian Moeris, Christian Lehberger & Linda Manuel. Basierend auf dem Theme GlossyBlue von N.Design Studio.
Bild Radioskala: © Jürgen Acker / PIXELIO