Umstrukturierungen in der NZZ-Gruppe

geschrieben von keim2c01 in Printmedien, Qualität, ZeitungskriseKeine Kommentare »

Die NZZ-Gruppe hat nun einen CEO ? den ersten seit 229 Jahren ? und stellt sich mit dessen Hilfe auf die neuen Herausforderungen auf dem Zeitungsmarkt ein. Im Interview mit der Werbewoche erklärt Albert P. Stäheli geplante und bereits umgesetzte Vorhaben, die der NZZ helfen sollen, im Wettbewerb mit Konkurrenzblättern zu bestehen.

Bisher verfolgte die NZZ eine duale Strategie im Hinblick auf die Reichweite der NZZ über die Grenzen der Schweiz hinaus und ihrer großen Bedeutung als Regionalzeitung innerhalb der Landesgrenzen. Diese duale Strategie wird unter der Leitung von Stäheli durch eine Gruppenstrategie ersetzt. Dieses Umdenken liegt betriebswirtschaftlichen Überlegungen zugrunde, die nun zu einer Zentralisierung von bisher in den einzelnen Verlagen der NZZ-Gruppe und somit mehrfach betreuten administrativen Aufgabenbereichen wie den Finanzen, dem Personalwesen, des Einkaufs, der Kommunikation und Marktforschung, etc. führt. Durch diese ?Vermeidung von Doppelspurigkeit? hofft Stäheli, dem Kostendruck auf das Medienhaus standhalten zu können.

Zwischen den Regionaltiteln der Gruppe sollen auch weitere Kooperationsvarianten wie zum Beispiel im publizistischen Bereich nicht ausgeschlossen werden. Stäheli bezeichnet dies als ?die schwierigste oder höchste Stufe der Kooperation?, von der er sich qualitative Vorteile in publizistischer und ökonomischer Hinsicht erhofft. Konkrete Ideen erläutert er leider nicht, macht aber klar, dass die Regionalblätter auf publizistischer Eben unabhängig und selbstständig bleiben sollen und müssen. ?Die sollen ihre Selbstständigkeit ausleben können, denn das ist wichtig für regionale Medien, die müssen politisch, kulturell, wirtschaftlich etc. verankert und getragen sein in ihren Regionen. Das heisst aber nicht, dass man deswegen die betriebwirtschaftlichen Vorteile der Gruppe nicht ausnützen sollte. Es wäre aber komplett falsch, aus einer Zentrale in Zürich beeinflussen zu wollen, was publizistisch in unseren Medien der Zentral- oder der Ostschweiz zu passieren hat.?

Ein konkretes Projekt der NZZ im Jahr 2009 ist die Integration der Online- und Printredaktion in einen gemeinsamen News-Desk ? eine physische Zusammenlegung der Arbeitsplätze, um ?die Dossierkompetenz, die in allen Bereichen unseres Printproduktes hervorragend vorhanden ist, auch in den Onlinebereich zu bringen und umgekehrt. Also die gleichen Standards, welche ein Premiumprodukt wie die NZZ ausmachen, auch online zu etablieren?, so der CEO. Auch eine Änderung des Layouts in der Zukunft schließt Stäheli nicht aus, hält konkrete Überlegungen jedoch für verfrüht, obwohl er einräumt, die Zeitung müsse sich etwas jünger und weiblicher präsentieren, ohne ihr Traditionsbewusstsein zu verlieren.

Das lange Interview mit NZZ-CEO Stäheli vermittelt den Eindruck, dass die NZZ sich mit Optimismus und Engagement den Veränderungen und neuen Herausforderungen auf dem Zeitungsmarkt stellt. Scheinbar ist hier eine Unternehmensführung am Werk, die es versteht, betriebswirtschaftliche und publizistische Erwägungen als gleichwertig zu betrachten und die Qualität der Produkte als wichtig(st)en Erfolgsgaranten zu erkennen und zu schützen. Wenn es Stäheli gelingt, seine im Interview erläuterten Vorhaben wie geplant umzusetzen und nicht noch mehr Stellen abzubauen, als bisher schon geschehen, werden sich die Journalisten der NZZ freuen können, in einem Unternehmen zu arbeiten, dass ihnen die Möglichkeit und Freiheit gibt, qualitativ hochwertige Arbeit zu machen.

Rekordverluste für Murdoch-Konzern

geschrieben von keim2c01 in Allgemeines, Qualität1 Kommentar »

Die Wirtschaftskrise trifft die News Corporation des australischen Medienmachers Rupert Murdoch härter als erwartet. Wie Murdoch gestern in New York mitteilte, fiel der Umsatz des Unternehmens im letzten Quartal um mehr als acht Prozent, wodurch für den Konzern ein Verlust von rund fünf Milliarden Euro entstand. Nachdem die Mediengruppe im Vorjahreszeitraum noch ein Plus von 832 Millionen verzeichnen konnte, entstand nun in der Zeit der Wirtschaftskrise und wegen hoher Abschreibungen der größte Quartalsverlust in der Geschichte des Unternehmens.

Zur News Corporation gehören nicht nur die Londoner “Times” und das “Wall Street Journal”, sondern auch die Fox- und Sky-Fernsehsender, Twentieth Century Fox, MySpace und ein Viertel der Anteile am deutschen Fernsehsender Premiere. Bis heute wurden beim Sender Fox bereits 800 Arbeitsplätze abgebaut und das “Wall Street Journal” reduziert seine Redaktion um 25 Journalisten. Weitere rigorose Einsparungen sowie ein Stellenabbau steht der Mediengruppe noch bevor. Murdoch kündigte zwar an, man würde dort sparen, wo es angemessen sei, lässt eine genauere Definition dessen, was er für angemessen hält, jedoch offen.

Bleibt zu hoffen, dass der Murdoch-Konzern eine Möglichkeit findet, die Verluste aufzufangen ohne die Qualität seiner Produkte weiter zu reduzieren. Eine gute Redaktion braucht gute Journalisten, die die nötigen Kapazitäten haben, Themen gewissenhaft zu recherchieren und aufzubereiten. Eine Verteilung der gleichen qualitativen (und natürlich auch quantitativen) Ansprüche auf immer weniger Schultern muss letztendlich Spuren hinterlassen. Hier ist ein gutes Qualitätsmanagement, eine gute Zusammenarbeit zwischen Managern und redaktionell Verantwortlichen gefragt.

Nachzulesen unter anderem auf faz.de, spiegel.de und welt.de.

Mangelhafte Positionierung

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Zeitschriften scheinen auf eben die Krise zuzusteuern, die die meisten Zeitungen mittlerweile überwunden oder zumindest schon seit längerem erkannt haben: Sie verlieren seit Jahren ihre Leser und haben es versäumt, sich rechtzeitig klar auf dem Markt zu positionieren. So belegt eine akuelle Studie des Nürnberger Marktforschungsinstituts “Icon Added Value”, dass nur 10% der im Zuge der Studie befragten Menschen Frauenzeitschriften für unterscheidbar halten – bei den Auto- und Wohnzeitschriften sind nur 13% dieser Meinung, bei den Nachrichtenmagazinen immerhin 23%.

Werber Haller formuliert es treffend wenn er sagt, es sei ein ?Treppenwitz der Geschichte, wenn sich Unternehmen, die sich im Endeffekt über Markenführung ? in Form von Anzeigenerlösen ? finanzieren, selber keine Marken führen.?

So wie also die Tageszeitungen vor nicht allzulanger Zeit mit professioneller Hilfe an ihrem Layout und inhaltlichem Angebot arbeiten mussten um die Krise zu überstehen, so müssen auch die Zeitschriften schleunigst dafür sorgen, von ihren Rezipienten (wieder) als einzigartige Marke wahrgenommen zu werden.

Quelle: www.mediaundmarketing.de

History matters

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Der 17. Oktober 2006 geht auf ungewöhnliche und neumodische Art und Weise in die Geschichte (Großbritanniens) ein. Bis zum 01. November können Briten als Teilnehmer in dem Weblog History matters – Pass it on ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle vom 17. Oktober verschriftlichen – und so Teil einer außergewöhnlicher Bestandsaufnahme werden. Das Projekt wird organisiert vom “National Trust”, der britischen Gesellschaft zum Schutz des historischen Erbes.

Eine interessante Idee, wie ich finde, und durchaus ein Ansatz, für unsere Nachkommen eine aufschlussreiche Informationsquelle über heutige Gesellschaftsstrukturen und Lebensart zu bieten. Ich bezweifele allerdings die tatsächliche Aussagekraft der Posts, wenn ich an Beiträge wie “Heute fühle ich mich gut, zum Frühstück gabs Ham & Eggs, meine Lehrerin ist unfair und meine Schwester hat mich schon wieder geärgert” denke. Viel eher halte ich das Projekt für einen an das Volk gerichteten Denkanstoß, sich die Bedeutung eines scheinbar unbedeutenden Tages bewusst zu machen und gemeinsam dafür zu sorgen, dass er trotz seiner Belanglosigkeit in die Geschichte des Landes eingehen wird – dank Internet und Web 2.0.

YouTube in Bedrängnis

geschrieben von keim2c01 in Allgemeines3 Kommentare »

Nachdem die japanische Gesellschaft für die Rechte von Autoren, Komponisten und Publizisten das Video-Portal youtube.com aufforderte, unautorisierte Clips aus dem Netz zu nehmen, reagierten die Betreiber mit der Löschung von 30.000 Videos. YouTube wird schon seit längerem von amerikanischen Medienkonzernen wegen der unautorisierten Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Videos kritisiert und konterte bislang stets mit dem Argument, nicht nachvollziehen zu können, welche Videos rechtmäßig erworben worden seien und welche nicht.
Ich habe mich schon seit geraumer Zeit gefragt, weshalb es uneingeschränkt möglich ist, aktuelle Musikvideos, Programmmitschnitte, etc. auf YouTube abzurufen. Es wundert mich sehr, das Medienkonzerne bislang keine Handhabe gegen die Verletzung des Urheberrechts gefunden haben.

Quelle: www.focus.de 

StudiVZ.net gewinnt an Popularität

geschrieben von keim2c01 in Allgemeines3 Kommentare »

Die seit 2005 exisitierende Studenten-Plattform StudiVZ.net boomt. Nach Angaben der Betreiber registrieren sich bis zu 10.000 Nutzer pro Tag – insgesamt zählt das Social-Network schon mehr als 500.000 Mitglieder.

Vor einiger Zeit wurde hier schon einmal darüber berichtet und darüber diskutiert, ob und wann mit den ersten Werbeschaltungen auf der Seite zu rechnen ist. Gestern greift auch Spiegel.de das Thema auf und klärt einige bislang offen gebliebene Fragen.

So erfährt man endlich, wie StudiVZ.net bisher finanziert wurde: Die Brüder Samwer, Gründer des Klingeltonanbieters Jamba, finanzieren das Büro mit den mittlerweile 32 Mitarbeitern und einem eigenen PR-Berater – und hoffen auf das große Geld in naher Zukunft. Der Zugang zur Plattform soll für die Nutzer nach wie vor kostenlos bleiben, die Kostendeckung durch Werbung ist allerdings (natürlich) schon in Planung. Die Manipulation des Kaufverhaltens soll allerdings subtil stattfinden – die Betreiber möchten keine Klingeltöne anpreisen oder Pop-Ups in die Seiten einbauen.

Der erste Versuch der geplanten subtilen Werbung fand bereits statt: Gründer der Plattform Ehssan Dariani stellte ein Telegramm auf die Startseite aller Nutzer, in dem ihnen empfahl, Mitglied einer Gruppe zum neuen Album der Band Juli zu werden. Auf den Seiten der amerikanischen Vorbilder des StudiVZ.net wie z.B. Facebook.com funktioniert diese Werbestrategie schon länger. Werbekunden der Plattform betreiben ihre eigenen Gruppen, ihre Mitglieder verkünden der Welt, wie sie toll die Marke / das Produkt finden und werden so zu bürgerlichen Testimonials.

Web-TV macht Hollywood-Stars

geschrieben von keim2c01 in Allgemeines, Weblogs, Zukunft des Internet1 Kommentar »

Dass das Medium Fernsehen seine Talente – oder solche denen Talent unterstellt wird – bis nach Hollywood vermarkten kann, ist keine Neuigkeit. Berichtenswert ist hingegen, dass mittlerweile auch das Interent die Stars von morgen macht.

Fast zwei Jahre lang hat Amanda Congdon als Moderatorin der Web-Show Rocketboom Skurilitäten des Internets präsentiert. Rocketboom zählt mit letztlich 300.000 Zuschauern pro Tag zu den erfolgreichsten Videoblogs im Netz und ist Vorreiter zahlreicher internationaler Folgeformate wie z.B. Ehrensenf.

Amanda Congdon stand schon vor ihrer Moderation bei Rocketboom auf der Bühne und wirkte bereits in einer amerikanischen TV-Soap mit. Aufsehen erregte die 24-jährige Mitautorin des Videoblogs jedoch erst durch ihre rasant zunehmende Popularität im Netz, welcher sie letztendlich auch einen Gastauftritt in der amerikanischen Fernsehserie “CSI” verdankt.

Nun streicht Congdon ihre Segel bei Rocketboom und wendet sich einer Karriere in Los Angeles zu. Einen namhaften Agenten hat sie bereits zur Seite, Angebote gibt es angeblich schon reichlich. Man darf gespannt sein auf Hollywoods ersten Web-Star.

Getarnte Werbung auf Bild.de

geschrieben von keim2c01 in Allgemeines1 Kommentar »

Einmal mehr wird deutlich, dass vor allem im Internet die Grauzonen des Wettbewerbsrechts genutzt und Rezipienten vorsätzlich in die Irre geführt werden: Auf Bild.de verschwimmen die Grenzen zwischen redaktioneller und werblicher Information.

Die durch ihre Größe und Positionierung auf der Startseite der Rubrik “News” prägnanteste Schlagzeile “Dieses Fernrohr kostet 89,90 Euro / Es vergrößert 90fach und hat 5 Jahre Garantie” ließe zunächst eine rein werbliche Information vermuten. Mit dem Zusatz “Bundeswehr setzt in Afghanistan auf Tchibo-Qualität” und der dem Corporate Design der BILD Zeitung entsprechenden Gestaltung des Links schafft Bild.de jedoch eine redaktionelle Verknüpfung.

Verlinkt wird der Leser zu einem – wen wundert es – fragwürdigen Artikel, der mangelnde Ausrüstung einer in Afghanistan stationierten Spezialeinheit der Bundeswehr aufdeckt. Was den Soldaten fehlte sei ein “Hochleistungs-Sichtgerät” gewesen, mit dem sie das Gelände rund um die Bundeswehr-Camps überwachen können und somit ihre Kameraden vor Anschlägen der Taliban schützen.

Ein materieller Notstand also bei der Bundeswehr-Spezialeinheit, der laut Bild.de durch das beherzte Handeln des Patrouillenführers behoben wurde. Der Mann bestellte im Tchibo-Onlineshop eines der besagten Fernrohre und bezahlte es aus eigener Tasche. Kostet ja auch nur 89,90 Euro, wie der Leser auf Bild.de insgesamt viermal erfährt.

Die Marke Tchibo wird im Textverlauf (inkl. Überschrift und Bildunterschrift) ingesamt fünfmal genannt, ein Bild zeigt einen Screenshot des Internet-Shops des Unternehmens, auf dem klar Logo und Internetadresse zu erkennen sind, der redaktionelle Text weist noch einmal auf die 5-Jahres-Garantie und die 90fache Vergrößerung hin und zitiert – man kann es kaum fassen – den Werbetext aus dem Internet-Angebot.
Das Unternehmen, welches ebenfalls fehlende Tarnanzüge lieferte, wird hingegen nur kurz als “Outdoor-Shop in Deutschland” erwähnt.

Hier ist der Wettbewerb nicht nur ein rechtlich erlaubter “unvermeidbarer Nebeneffekt”, sondern wird eindeutig und bewusst gefördert. Dass das besagte Fernrohr im Internet-Shop von Tchibo mittlerweile nur noch in der Rubrik “Last Chance” zu finden und bestellen ist, spielt keine Rolle.
Das Unternehmen Tchibo mit seinen hochwertigen und dennoch günstigen Produkten im weltweit abrufbaren Internet-Shop wird beim flüchtigen Rezipienten als Retter der deutschen Kameraden im lebensgefährlichen Afghanistan-Einsatz im Gedächtnis haften bleiben.

Design übersetzt und angepasst von Christian Moeris, Christian Lehberger & Linda Manuel. Basierend auf dem Theme GlossyBlue von N.Design Studio.
Bild Radioskala: © Jürgen Acker / PIXELIO