Familienfotos im Internet

geschrieben von kowa1301 in Allgemeines, Internet1 Kommentar »

Es lebe das digitale Zeitalter. Während man früher skurrile Fotos lediglich in einer Kiste auf dem Dachboden oder Keller fand, bekommt man nun die Möglichkeit, ?Unfälle? und Peinlichkeiten der Familienfotografie im Internet anzuschauen. Auf der Seite AwkwardFamilyPhotos wird das Auge nicht geschont. Herrlich das Gefühl, dass es Familien gibt, die noch schrecklichere Fotos besitzen, als die eigene! Zu allen erdenklichen Anlässen hat man die grauenvollsten Schätze der Bilderkiste gepostet.
Von dieser Internetseite kann man bei Facebook Fan werden oder sich als Follower bei Twitter anmelden.
Viel Spaß beim reinschauen!

http://awkwardfamilyphotos.com/

Gute Filme kommen zuerst bei Arte

geschrieben von kowa1301 in AllgemeinesKeine Kommentare »

Arte beteiligt sich bereits seit der Gründung des deutsch-französischen Kultursenders 1992 an Kino-, Fernseh- und Dokumentarfilmproduktionen. Dafür darf der Sender teilweise inhaltlich mitbestimmen und erhält ein sechsmonatiges Erstausstrahlungsrecht.

Dieter Wedels Film ?Gier? zeigte allerdings, dass Arte für seine kulturelle Arbeit wenig Anerkennung bekommt. Die mediale Aufmerksamkeit für Wedels Werk richtete sich auf die Ausstrahlung in der ARD, obwohl fünf Tage zuvor Arte die Premiere sendete. Es scheint, dass die eigentlichen Premieren von Filmen nur von Fernsehkritikern beachtet werden, da die deutsch-französische Partnerschaft Presskonferenzen für Journalisten zur Vorstellung organisiert. Das Publikum jedoch richtet seine ungeteilte Aufmerksamkeit der ARD.

Arte gibt Geld, ARD profitiert. Ein Vorteil ? der gut informierte Zuschauer hat zwei Gelegenheiten, einen Film zu sehen. Ein Nachteil ? der Kultursender bekommt nicht die Anerkennung, die er eigentlich in der Bevölkerung verdient. Möglicherweise würden junge Menschen öfter in das Programm von Arte schauen, wenn sie wüssten, an welchen Produktionen der Sender bereits beteiligt war: ?Das Leben der anderen?, ?Lola rennt? oder ?Good Bye, Lenin?.

Quellen:
www.faz.net

http://w3.artepro.com/

Der gläserne Stadtteil

geschrieben von kowa1301 in AllgemeinesKeine Kommentare »

?Mashups? ? ein neuer Begriff aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten bringt Datenschützer in Aufruhr. Vier Mitarbeiter der New York Times führten in einem Projekt Daten verschiedener Web-Dienste mit allerhand Informationen zusammen. Heraus kamen dabei interaktive Karten für zwölf amerikanische Städte, in denen zusammengefasst wird, in welchen Stadtteilen welche DVDs am häufigsten ausgeliehen werden.
Die Deutschen hätten allen Grund zur Freude bei der Analyse der Ergebnisse. Der Spielfilm ?Das Leben der Anderen? mit dem verstorbenen Schauspieler Ulrich Mühe steht auf dem zweiten Platz in Beverly Hills. Was jedoch einen Schauer über den Rücken laufen lässt, ist die Vorstellung, dass die Möglichkeiten der Datenerfassung damit ihre Grenzen verlieren. Aus der Vermischung von Daten, die in diesem Fall von einer Firma zur Verfügung gestellt wurden, die DVDs verschickt, und Datenpaketen einer Kriminalstatistik könnten Profile erstellt werden. Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen hätten ihre Freude daran. Informationen, die heutzutage nur mit Einverständnis des Betroffenen eingesehen werden können wie eine Schufa-Auskunft, Informationen, die der ärztlichen Schweigepflicht unterliegen und die eine gesunde oder ungesunde Lebensweise und andere Risikofaktoren bescheinigen, könnte man durch ?Mashups? ersetzen. Kundeninformationen von Pizza-Diensten vermischt mit Geotags versehenen Tweeds und Blogbeiträgen, die Wörter wie ?Geldprobleme?, ?pleite? oder ?Dispo? enthalten, lassen somit Profile von Stadtteilen zu, in denen möglicherweise besonders viele Menschen leben, die von Geldsorgen geplagt werden, sich ungesund ernähren. Das führt dann natürlich zu einer Erhöhung von Kreditraten oder Versicherungsprämien. Dies geschähe nicht aufgrund einer individuellen Analyse einer einzelnen Person, sondern aus einer Analyse seiner Umgebung.
Ist nun die Sorge vor dem ?gläsernen Menschen? ein Hut von gestern, wenn wir ?gläserne Gesellschaften? haben?

Quelle:

http://www.fr-online.de/in_und_ausland/kultur_und_medien/medien/

Zeitungsbeobachtung: Hamburger Abendblatt

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Die täglichen Ausgaben bestehen aus vier Büchern. Das erste Buch beinhaltet die Ressorts ?Politik? und ?Kultur und Medien?. Das zweite Buch berichtet über lokale Themen, wobei das Hamburger Abendblatt sechs Regionen bedient. Das Ressort ?Wirtschaft? teilt sich das dritte Buch mit den Rubriken ?Live täglich?, einem Serviceteil für Veranstaltungen, und ?Wissen?. Das vierte Buch ist dem ?Sport? vorbehalten, mit einer Seite Service für die Wettervorhersage, Kreuzworträtsel und einer Seite ?Aus aller Welt?.

Der Freitagsausgabe ist das Magazin ?Gesund? beigefügt, das im Tabloid-Format herausgegeben wird. Dort wird der Leser zu den Themen Medizin, Ernährung, Fitness und Schönheit, Psychologie, Rat und Service und Kinder informiert. In dieser Beilage befindet sich auch ein Porträt über einen Rutengänger.

In der Wochenendausgabe ergänzen die Rubriken ?Familienanzeigen?, ?Auto und Motor?, ?Boote und Meer?, ?Beruf und Erfolg?, ?Ratgeber?, ?Reise und Touristik? und ?Wohnen und Leben?.

Auffällig für mich war der große Umfang an lokalen Themen. Keinem anderen Ressort wird im Hamburger Abendblatt so viel Platz eingeräumt. Der Grund dafür ist die konkrete Ausrichtung der Zeitung auf den Hamburger Leser, der im Durchschnitt 50 bis 69 Jahre alt und von Beruf Angestellter oder Beamter ist.

Wichtig erschien mir ebenfalls das Thema Gesundheit und Ratgeber, was darauf zurückzuführen ist, dass mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Leser Frauen sind.

Quellen:
Ausgaben des Hamburger Abendblatts

http://www.axelspringer-mediapilot.de/portrait/HAMBURGER-ABENDBLATT-Hamburger-Abendblatt_671434.html

Zeitungsbeobachtung: Hamburger Abendblatt

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Das Hamburger Abendblatt ist eine Tageszeitung des Axel Springer Verlags. Die verkaufte Auflage beträgt von Montag bis Samstag 233 754 Exemplare und erreicht 643 000 Leser. Das sind laut eigener Angaben nahezu 26 Prozent der Einwohner der Hamburger Region.
Das Hamburger Abendblatt ist bereits im Mai 1820 gegründet worden. Im Jahr 1948 wurde das erste Abendblatt nach dem 2. Weltkrieg mit 60 000 Exemplaren herausgegeben. Es war damit die erste Zeitung in Deutschland, die eine deutsche Lizenz erhielt und nicht von den Alliierten Mächten lizenziert wurde. Bereits nach einem halben Jahr erreichte es eine Auflage von 170 000 Exemplaren.

Quelle:

http://web.archive.org/web/20030201230511/http://www.abendblatt.de/daten/2002/10/18/82674.html

“Die Realität unter deutschen Dunstabzugshauben”

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Tim Mälzer, 38, Fernsehkoch, gab dem SPIEGEL vergangene Woche ein Interview.
Der Fernseh-Koch-Boom nahm in den letzten Jahren seinen Anfang, und Herr Mälzer war vorne mit dabei. Kaum ein Sender konnte sich dem Zwang entziehen, eine Koch-Sendung ins Programm aufzunehmen, die Öffentlich-rechtlich nicht ausgenommen: ARD mit ?alfredissimo?, ZDF mit ?Kerner kocht?, RTL mit ?Rach ? der Restauranttester?, RTL 2 mit ?Die Kochprofis?, VOX mit ?Schmeckt nicht, gibt?s nicht?, ?Das perfekte Dinner?, ?Das Kochduell? u.v.m.
Als Grund, warum viele Sender auf diesen Zug aufgesprungen seien, gab Mälzer zu, dass ?Kochfernsehen superbillig zu produzieren? sei. Die Frage, ob TV-Köche überhaupt kochen können müssen, beantwortete er mit einem schnöden: ?Nö.?
Dennoch, jeder hat schon mal am Herd gestanden, jeder geht gerne schön essen. Die Faszination, aus wenigen, unscheinbaren Zutaten ein Drei-Gänge-Menü zu zaubern, hat viele Zuschauer ergriffen. Bleibt abzuwarten, ob sich die neue TV-Produktion von Mälzer in der ARD, die Mitte April startet, von der Flut der Koch-Shows abheben wird.

Quelle: SPIEGEL Nr. 13

Schnüffelattacken aus China

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Kanadische und britische Forscher des Information Warefare Monitor der Universität Toronto und der Cambridge University stießen auf ein ungewöhnlich großes Ausmaß an Spionage. Als sie begannen, vermutete Spionageattacken auf tibetische Organisationen zu untersuchen, sind sie nicht nur dort fündig geworden, sondern ebenfalls auf Rechnern von staatlichen Behörden, Ministerien, Botschaften und NGOs aus 103 Nationen. Am Ende ihrer Arbeit fanden die IT-Experten 1295 geknackte, teils fremd kontrollierte Computer, beispielsweise in den Außenministerien des Iran, der Philippinen, von Bangladesch, Indonesien, Lettland und anderen Staaten. Infiltrierte Rechner wurden aber auch in Botschaften gefunden, unter anderem von Indien, Südkorea, Pakistan, Thailand und Taiwan, aber auch Rumänien, Portugal, Zypern, Malta und Deutschland.
Die Forscher nennen den Urheber der ?Angriffe? zwar nicht, aber sie nennen das Ursprungsland, woher sie kamen: von Computern in China. Die ?New York Times? berichtete, eine Verstrickung der chinesischen Regierung ließe sich nicht nachweisen.

Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,616125,00.html

Entertainment

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Gestern im Uni-Bus: Erschöpft von Vorlesungen, die Augen schweifen zur Entspannung an der Landschaft des schönen Trier vorbei. Gewohntes Bild im Bus: lesende Studenten. Neben mir sitzt eine junge Frau, in der Hand ein Buch. Mein Blick richtet sich auf die Zeilen in ihrer Hand. ?? Alice klammerte ihre festen Schenkel kräftig um Johns gestählten Körper. Ihre Muskeln vibrierten vor Leidenschaft?? Huch, denke ich. Der zweite Blick zum Bucheinband: Goethes Faust, der Tragödie erster Teil. Moment mal, eine Alice kommt dort meiner müden Erinnerung nach nicht vor. Und einen John suche ich ebenfalls vergeblich in den Windungen meines Gedächtnisses.

Schämt sich da etwa jemand für das gewählte Buch?

Medien verfolgen ganz bestimmte Ziele. Sie wollen uns informieren, sie wollen uns bilden, uns zum Nachdenken anregen. Aber ganz bestimmt wollen Medien uns doch unterhalten! Dem Begriff ?Unterhaltung? wird laut Wörterbuch die Bedeutung ?Zeitvertreib, Belustigung, Erbauung, Zerstreuung? zugeschrieben. Es muss intellektuell nicht auf einem besonders hohem Niveau sein. Und über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Warum schämt sich eine Person also für die Wahl der Zerstreuung?

Manches Buch lese ich zur Entspannung, ich möchte nicht unbedingt meine Gehirnleistung auf Hochtouren bringen. Ob es eine Roman-Schmonzette sein muss, sei dahin gestellt. Ich schaue mir, ohne Schamgefühl, Sendungen wie ?Das Dschungelcamp? an. Es gibt Zeiten, da möchte ich einfach nur berieselt und unterhalten werden! ?Exclusiv ? das Starmagazin?, warum nicht? Tägliche Serien im Vorabend-Programm, ja! Beim Friseur oder im Wartezimmer beim Arzt lese ich ebenfalls Zeitschriften wie ?Bild der Frau?, ?Lisa?, ?Freundin? oder wie auch immer die Titel lauten mögen.

Seit dem äußerst bewegenden Auftritt Marcel Reich-Ranickis bei der Verleihung des Fernsehpreises wurde eine große Debatte eröffnet. Plötzlich kritisierte jeder, der etwas zu diesem Thema zu sagen hatte, das Niveau der Medien. Zu plump sei es, stumpf, dumm.

In unserem Medienblog hier scheint das Thema ebenfalls viele Gemüter zu bewegen. Die RTL-Sendung ?Hilfe, ich bin ein Star, holt mich hier raus? wird verteufelt und heftig kritisiert. Ich möchte mich wegen des Informations-, Bildungsgehalts oder des Niveaus dieses Formats nicht streiten, dieser ist auch für mich gleich Null. Aber offensichtlich wurden laut Beitrag und den dazugehörigen Kommentaren mindestens 9 Personen davon unterhalten. Zumindest hat man es sich angeschaut. Und mich amüsiert es zu später Stunde köstlich.

Das Unterhaltungsfernsehen feiert 25jähriges Bestehen ? Glückwunsch!

Unterhaltungsromane führen Bestseller-Listen an.

Der TV-Sender Pro7 wirbt mit dem Slogan ?We love to entertain you? ? ja, bitte!

Robbie Williams sang einst das Lied ?Let me entertain you? ? sehr gerne.

Ich schäme mich nicht für meine Wahl der Medienunterhaltung!

Ein Mann nutzt die Medien

geschrieben von kowa1301 in Allgemeines, Medienkritik2 Kommentare »

Er nennt sich Manuel Dörsam. Manchmal hat er auch keinen Namen. Er schlüpft dann einfach in das Kostüm der Figur Pinocchio. Die Hauptsache aber ist: Er hat eine Botschaft. Und die Medien warten nur darauf, auf die Botschaft.

Der Mann, der so gerne demonstriert, heißt in Wirklichkeit Dirk Mirow, ist 41 Jahre alt und der Kanzler der Kunsthochschule in Kiel. Er sucht die Medienpräsenz. Aber warum? Ist er ein geltungsbedürftiger Mensch, der die Gier der Medien nach Bildern, nach schlagfertigen Slogans befriedigt?

Alles fing mit einer Wette an. Der Einsatz: eine Kiste Bier. Herr Mirow wettete mit seinen Freunden, dass SPIEGEL ONLINE ein Foto von ihm publiziert. Der G-8-Gipfel in Heiligendamm steht bevor und er fährt zur Demonstration nach Rostock. Mit einem schwarzen Anzug bekleidet hält er ein Plastikgewehr in der Hand, um seinen Hals hängt ein Schild: ?Ich bin ein bewaffneter Aufstand.? Er gewinnt die Wette.

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Aber was einmal funktioniert hatte, funktioniert auch wieder. Herr Mirow protestiert in Hessen gegen den Wortbruch von Frau Ypsilanti, gegen den Rauswurf aus der SPD von Herrn Clement, für Obama bei dessen Besuch in der Hauptstadt, gegen das Hamburger Kohlekraftwerk, gegen das Rettungspaket der Regierung zur Sicherung der Finanzindustrie.

Der Mann weist auf Missstände hin, fordert glaubwürdige Politiker, eine gerechte Gesellschaft, eine bessere Welt: ?In der Bevölkerung wächst die Sorge darüber, dass in Deutschland vieles schief läuft. Ich gebe dem Unmut der bürgerlichen Mitte eine Stimme.?

Er narrt die Medien. Aber tut er wirklich etwas Schlimmes? Er bietet ihnen das, was sie wollen: aussagekräftige Bilder, provokante Slogans, mancher Auftritt emotionalisiert seine Botschaft. Er spricht für uns, das Volk, unter einem Pseudonym, möglicherweise zum Schutz der eigenen Person.

Dieser Fall zeigt mir wieder einmal: Sei vorsichtig und hinterfrage alles, was veröffentlicht wird. Denn die Medien saugen vieles dankbar auf, das die Verkaufszahlen steigen lässt, oft ohne dabei die Hintergründe zu recherchieren.

Quellen:

SPIEGEL Nr. 48

Bilder: www.spiegel.de

Cyber-Terror in Südkorea

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In Seoul nahm sich im Oktober dieses Jahres Choi Jin Sil, 39, das Leben. Grund für den Selbstmord des TV-Lieblings (SPIEGEL: ?die Julia Roberts Südkoreas?) sollen Online-Attacken sein. In Forumskommentaren und Blog-Einträgen werden viele in der Öffentlichkeit stehende Personen traktiert, allein in den letzten zwei Jahren sind auf diese Weise eine Sängerin, zwei weitere Schauspielerinnen sowie eine übergewichtige Jugendliche, die in einer Abnehm-Show im Fernsehen aufgetreten war, in den freiwilligen Tod getrieben worden.

Südkorea preist sich selbst, das bestverkabelte Land der Welt zu sein, in dem fast alle Zugang zu einer schnellen Internet-Leitung haben. Nahezu jeder Online-Nutzer unterhält dort eine eigene Homepage. Diese Tatsache sollte einen offenen Online-Diskurs und Transparenz schaffen und der Wahrheitsfindung dienen. Stattdessen klagt ein führender Politiker: ?Das Internet bei uns hat das Niveau einer Klowand.?

Offline sind Koreaner ein sehr zurückhaltendes und diszipliniertes Volk. Online nehmen viele jedoch keinerlei Blatt vor den Mund. Durch die Anonymität des Internets geschützt mutieren Kinder, Hausfrauen und Büroangestellte zu Stalkern, Gerüchteverbreitern und Rufmördern. Aus Frust und Langeweile wird Cyber-Terror.

Haben die ?Rächer? ein Opfer gefunden, bleibt es nicht bei einem Tadel oder negativer Meinungsäußerung. Fotos werden veröffentlicht, die Adresse, Telefonnummer, der Name des Partners, der Arbeitgeber. Nachrichten wie ?Verpiss Dich?, ?Dreckschwein?, ?In der Hölle sollst Du brennen?, ?Wir bringen Dich um? verhöhnen die Opfer im Netz.

Südkoreanische Psychologen warnen: ?Gerüchte und üble Nachrede haben gerade im Internet eine vernichtende Wirkung. In der echten Welt verhallen die Worte, aber im Netz bleiben sie lange Zeit erhalten, einsehbar für Millionen. Viele Täter verwechseln die Welten. Die Gewalt, die sie aus Online-Spielen kennen, prägt ihr Verhalten im ganzen Internet. Ihnen ist nicht bewusst, dass sie nicht Programmen, sondern Menschen begegnen.?

Aus diesem Grund will die konservative Regierung jetzt ein ?Choi-Jin-Sil-Gesetz? verabschieden. Damit soll dem Internet-Lynchmob Einhalt geboten werden. Anonymität soll damit abgeschafft werden. Kommentare ohne Namen sollen von allen Seiten verschwinden, nur derjenige, der sich mit realem Namen anmeldet, darf dann einen Beitrag veröffentlichen. Beleidigungen und übler Nachrede drohen dann bis zu zwei Jahren Haft. Mehr als 900 Cyber-Polizisten sollen das Geschehen online bewachen. Wenn diese Verstöße feststellen, sollen sie sogar dann weiter ermitteln dürfen, wenn das Opfer der Attacken selbst keine Anzeige stellt. Die Folge ist: Was verletzend ist, das entscheidet die Staatsgewalt.

Kritiker sehen darin die Einführung einer Zensur. Freie Meinungsaüßerung wird beschränkt, Firmen, Organisationen oder Parteien können Anklage erheben, wenn sie sich zu Unrecht kritisiert fühlen. Wird zukünftig jemand im Gefängnis landen, der Kritik an der Regierung übt?

Quelle: SPIEGEL Nr. 45

Das interessante Resümee des US-Präsidenten

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Am Dienstag Abend, dem 28. Oktober, zeigte ARTE um 21 Uhr den Dokumentarfilm ?Being W?, die nicht autorisierte Biografie von George Walker Bush, dem derzeitigen US-Präsidenten. Die beiden kreativen Köpfe hinter dieser Produktion sind der französische Journalist und Starkomiker Karl Zéro und der Filmemacher Michel Royer, die bereits vor zwei Jahren dem scheidenden französischen Staatspräsidenten die Doku-Satire ?Being Jacques Chirac? gewidmet hatten.

Erzählt wird die Geschichte George W. Bushs aus seiner eigenen Sicht in der ersten Person Singular, also von einem Ich-Erzähler. Mit imitierter Stimme kommentiert ?Dabbelju? anhand von Archivbildern seine politische Laufbahn. Er zieht Bilanz und legt die Beweggründe und Methoden seines Strebens nach Macht dar.

Die politische Karriere nahm ihren Anfang bereits bei dem Wahlkampf seines Vaters zum US-Präsidenten 1989. Nach jahrelangem exzessiven Alkoholkonsum und fünf Firmenpleiten widmete sich George W. dem christlichen Glauben und wurde damit zum inoffiziellen Verbindungsmann zur religiösen Rechten. Im Film heißt es: ?Mit Christus hatten wir auf das richtige Pferd gesetzt. Ich holte für Dad 80% der christlichen Stimmen.?

Obwohl er in einem Interview zu seiner Rolle als Sohn des großen Politikers zugab, ?[er] glaube, [er] habe nicht viel zu sagen zu politischen Themen?, kandidierte er 1994 für das Amt des Gouverneurs von Texas und gewann. Erstaunlich dabei war, dass er sein Wahlprogramm selbst auf drei Punkte reduzierte: ?Punkt 1 ist das Bildungssystem, Punkt 2 die Strafjustiz und Punkt 3 der ganze Rest.?

Im gesamten Verlauf des Films scheint der noch amtierende US-Präsident, wohlgemerkt der Mann, der für sich selbst das Amt des mächtigsten Mannes der Welt reklamiert, von einer Peinlichkeit in die nächste zu schlittern. Dabei lässt er keinen Fettnapf aus. Von einem Journalisten beispielsweise nach den Machthabern der vier aktuell wichtigsten Krisengebiete gefragt, stotterte und stammelte er mit einem dennoch arrogant süffisanten Grinsen: ?Na, da ist doch dieser General.?

Wären diese in komprimierter Form eines 120 Minuten-Filmes acht Jahre lang dauernden ?Ausrutscher? nicht real, hätte es eine Komödie werden können. Die Tragik der tatsächlichen Geschehnisse jedoch ließ mir als Zuschauerin das Lachen in der Kehle ersticken. Anfänglich noch amüsiert über die Darstellung der jungen Jahre des Protagonisten, gefror mir das Lächeln im Gesicht in Anbetracht der heutigen Konsequenzen und des Erbes des nun bald scheidenden Präsidenten (Terror, Krieg, Macht der Konzerne, Verletzungen der Menschenrechte, Weltfinanz- und ?wirtschaftskrise).

Abschließend stellen sich mir nur noch zwei wichtige Fragen:

Wie würde der Gesichtsausdruck eines US-Amerikaners nach der Präsentation dieses Werkes aussehen, der vor acht und vor vier Jahren George W. Bush gewählt hatte? Und was würde dieser Zuschauer und Wähler wohl dazu sagen?

Quelle: http://www.arte.tv/de/US-Wahlen-im-Arte-Programm/2200446,CmC=2200422.html

Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,586992,00.html

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