Nichts los in der Medienwelt – aber irgendwann müssen ja die Blog-Beiträge verfasst werden… deswegen heute mal ein wenig “intelligentes Geschwätz”. Dabei handelt es sich ja durchaus um eine nicht blog-untypische Textsorte. Also bitte nicht allzu ernst nehmen… (ZU MEDIEN UND SPRACHE:)
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Gegenüber Bildern hat Sprache den Vorteil, dass Sie Abstraktion ermöglicht. Sie gestattet das Fixieren von begrifflichen Schnittmengen. Diese Funktion könnte man wohl auch noch dem Bild zuschreiben. Ein komplexes Regelsystem ermöglicht aber auch die Vermittlung von Bezügen zwischen den Kommunikationspartnern und den Kommunikationsgegenständen – all dies kann verbalisiert werden, ohne dass man sich konkreter Beispiele bedienen müsste.
Man könnte sogar noch weiter gehen und behaupten: Sprache ist Alltagswissenschaft. Sie stellt ein Mindestinstrumentarium für den Aufbau einer gemeinsamen theoretischen Verstehensbasis dar. Im Alltag wie in der Wissenschaft gewährleistet Sprache damit Arbeitsteilung der Wahrnehmung: Konkretes lässt sich durch den Wahrnehmenden abstrahieren und wird dadurch kompatibel mit einer gemeinsamen Verstehensbasis. Das erweitert im Idealfall wiederum die Wahrnehmung eines Kollektivs.
Voraussetzung hierfür scheint die Befolgung eines exakten Regelsystems zu sein, so dass Bezüge wirklich intersubjektiv nachvollziehbar sind. Solche Bestrebungen zeigen sich in den exakten Begriffsbestimmungen der Wissenschaft, die auf diese Weise aktiv versucht, die Kohärenz der Verstehensbasis zu maximieren.
Dabei scheint es für die Verstehenseffizienz weniger auf die innere Schlüssigkeit der Kommunikationsregeln anzukommen als auf die verbindliche Anerkennung und genaue Befolgung durch alle Kommunikationsteilnehmer. So ist die streng logische Konzipierung wohl das Merkmal der wenigsten Sprachen. Sie scheinen eher aus einer Mischung von innerer Systematik einerseits und bloßer Konvention andererseits zu bestehen, was wohl die Dualität des menschlichen Auffassungsvermögens am ehesten wiederspiegelt.
Also kommt den Kommunikationsregeln und der möglichst exakten Befolgung wohl auch für die gesamtgesellschaftliche Wahrnehmungsteilung eine Schlüsselrolle zu. Aber auch gemeinhin als archaisch betrachtete “sprachkonservierende” Institutionen bekommen damit eine ganz entscheidende Bedeutung. Denn wie die schönste wissenschaftliche Theorie durch mangelhafte Begriffsklärung nichtig wird, so dürfte dies auch für medial vermittelte Zusammenhänge gelten. Der Kontext allein stellt keinen Fixpunkt für die Begrifflichkeiten dar.
Internetkommunikation unterliegt durch die technischen Gegebenheiten sehr starken Formalisierungszwängen (z.B. erfordert die Eingabe von Daten in ein Formular bestimmte Konventionen). Dadurch etablieren sich für Benutzer notwendigerweise Verhaltensregeln, die als gemeinsame Prozesssprache verstanden werden könnten. So ist z.B. “googeln” mittlerweile in den Sprachgebrauch übergegangen, sozusagen als sprachliche Abbildung eines speziellen Prozesses.
Diese sprachlich manifesten Verbegrifflichungen medienbezogener Prozesse als Verben sind zeitliche Invarianten von Medien. Im Gegensatz zu den Inhalten ermöglichen Sie eine Differenzierung von Medientypen. Berücksichtigt man nur die Rezipientenperspektive wäre eine Kategorisierung nach folgendem Muster möglich:
Verben der Zeitung: lesen
Verben des Rundfunks: hören
Verben des Fotos: sehen
Verben des Stummfilms: lesen, sehen
Verben des Tonfilms: lesen,hören,sehen
Verben des Fernsehens: lesen,hören,sehen,zappen(selektieren)
Verben des Internet: lesen,hören,sehen,googeln(selektieren)
[Verben der Virtuellen Realität: lesen,hören,sehen,selektieren,springen,schmecken,fühlen,....]
Somit ist eine einfache Kategorisierungssystematik für Medien gefunden, die auch sämtliche zukünftige Mediengattungen integriert, weil Sie mediale Realtypen als Abbildung menschl. Wirklichkeit begreift, welche wiederum durch sprachliche Manifestationen beschrieben werden kann.
Die Kategorisierung von Medien erfolgt so im Bezugssystem Sprache, weil es als gemeinsame Verstehensbasis den einzigen möglichen Ansatz für Medienmerkmale als Merkmale von Wahrnehmungsmustern bietet.
Nun kann die Tiefe dieser Kategorisierung beliebig skaliert werden über die Wahl der Verben. Legt man beispielsweise “blättern” als Zeitungs- oder buchtypischen Selektionsprozess zugrunde, so ergeben sich weitere Differenzierungsmöglichkeiten. Nimmt man z.B. “schicken” als Prozessperspektive für das Medium “Postkarte” hinzu, so ergibt sich eine Differenzierungsmöglichkeit zwischen Postkarte und Foto.
Da die gemeinsame Verstehensbasis Sprache aber Veränderungen unterworfen ist, müssen aktuelle sprachliche Entwicklungen auf jeden Fall berücksichtigt werden, um die Ausdifferenzierung der Medienentwicklung zu reflektieren. Beispielsweise bietet der Sprachschatz vor der Erfindung des Fernsehens nur Umschreibungsmöglichkeiten für “zappen” oder “googeln”. Erst mit dem Übergang in die gesellschaftliche Praxis gehen diese Begriffe in die Sprache als gemeinverbindliches Formalsystem über.
Grundlage hierfür scheinen intuitiv-ökonomische Erwägungen zu sein, weil es tatsächlich mühsam ist, komplexe Prozesse immer wieder neu zu beschreiben. Diese begriffliche Prozesssynthese ist also ein Merkmal gesellschaftlicher Manifestation von Entwicklungen im Allgemeinen. Damit kommt die gesellschaftliche Kommunikation einem technisch orientierten Kommunikationsmodell erstaunlich nahe. Ein wesentlicher Unterschied scheint aber noch die autopoietische Organisation der Kommunikationsregeln, die z.B. informatische Kommunikationsprotokolle bis jetzt nicht leisten.
Noch ein paar Blogs dazu (“googeln” als Verb):
Google added to dictionary
Digital Mix (Seitenmitte)
Dr. Webs Blog zu google