Pflichtblog

geschrieben von Daniel_Braun in Allgemeines5 Kommentare »

Der kommunikative Imperativ hinter vielen Postings hier ist ja mittlerweile selbst zum Thema geworden. Daher erlaube ich mir mal diesen Titel. In manchen Kommentaren ist sogar von den Freuden dieser Pflicht die Rede – das ist doch ganz der Geist einer nahenden Bachelor-Master-Armada. Da reihe ich mich wenn auch gezwungen so doch gern ein letztes Mal ein mit meinem Pflichtpost…

…zur Computerspielediskussion. In dieser Sache hat jetzt der “deutsche Kulturrat e.V.” Partei für die “Killerspieler” ergriffen: “Erwachsene müssen das Recht haben, sich im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen auch Geschmacklosigkeiten oder Schund anzusehen bzw. entsprechende Spiele zu spielen. Die Meinungsfreiheit und die Kunstfreiheit gehören zu den im Grundgesetz verankerten Grundrechten. Die Kunstfreiheit ist nicht an die Qualität des Werkes gebunden. Kunstfreiheit gilt auch für Computerspiele.”

Irgendwie amüsant.

Bloggerklassen

geschrieben von Daniel_Braun in Allgemeines15 Kommentare »

Ein paar Wissenschaftler der Uni Leipzig haben sich mit Blogs beschäftigt und dabei ist ein neues Kategoriensystem herausgekommen. Wer also Blogger unbedingt in Gruppen einteilen möchte, der verfügt jetzt über eine Möglichkeit dazu:

1. Gruppe “social networker”
2. Gruppe “Selbstdarsteller”
3. Gruppe “Wissensdurstige”
4. Gruppe “Informationssucher”
5. Gruppe “aktive Konsumenten”

Offensichtlich ist aber zumindest eine Gruppe nicht erfasst, bei der es sich um eine Schöpfung der hiesigen Medienwissenschaft handelt:

6. Gruppe “Auftragsblogger”

Games Convention 2006

geschrieben von Daniel_Braun in Allgemeines1 Kommentar »

In Leipzig fand letzte Woche die größte Videospielmesse Europas vom 24.08. bis zum 27.08. statt. Ungefähr 2/3 der Ausstellungsfläche belegten große Publisher, Entwicklerstudios oder Hardwareproduzenten. Diese durchmischten sich mit Herstellern von Antivirensoftware, Hochschulen, Internetprovidern, IT-Discountern, öffentlichen Einrichtungen und verschiedenen Interessenverbänden. Im Vorfeld der Messe fand die “GC Developers Conference” statt, ein nicht-öffentliches Angebot von Workshops, Seminaren und Vorträgen zur Soft- und Hardwareentwicklung von Videospielen.

Besonders eindrucksvoll waren die Stände der Anbieter von MMORPGs, wie z.B. Blizzard Entertainment. Deren Produkt “World of Warcraft” hat weltweit mittlerweile ca. 6 Millionen feste Abonnenten. Aber auch kleinere Anbieter wie CCP aus Island konnten durch stimmungsvolle Vor-Ort-Präsentation begeistern. Deren Produkt “Eve Online” zählt mittlerweile ca. 100000 feste Abonnenten.

Das Bemühen der Aussteller, neue Zielgruppen zu erschließen kam durch einen eigenen Messebereich “GC Family” zum Ausdruck. Dort wurden zahlreiche Edutainment Produkte vorgestellt. Das Gros der Spieltitel mit Markterfolg ist allerdings noch immer konfliktorientiert und kampfbetont. Exemplarisch dafür war der Rekrutierungsstand der Bundeswehr in unmittelbarer Nachbarschaft zu den größten Entwicklerstudios. Eine spielerische Ausnahme in dieser Hinsicht ist die bekannte “soapartige” Lebenssimulation “Die Sims”.

Im offiziellen GC-Blog findet sich auch ein Beitrag von Jörg Pistorius (Trierischer Volksfreund). Es geht um ein neues Westernspiel.

Zu Medien und Sprache

geschrieben von Daniel_Braun in AllgemeinesKeine Kommentare »

Nichts los in der Medienwelt – aber irgendwann müssen ja die Blog-Beiträge verfasst werden… deswegen heute mal ein wenig “intelligentes Geschwätz”. Dabei handelt es sich ja durchaus um eine nicht blog-untypische Textsorte. Also bitte nicht allzu ernst nehmen… (ZU MEDIEN UND SPRACHE:)

Gegenüber Bildern hat Sprache den Vorteil, dass Sie Abstraktion ermöglicht. Sie gestattet das Fixieren von begrifflichen Schnittmengen. Diese Funktion könnte man wohl auch noch dem Bild zuschreiben. Ein komplexes Regelsystem ermöglicht aber auch die Vermittlung von Bezügen zwischen den Kommunikationspartnern und den Kommunikationsgegenständen – all dies kann verbalisiert werden, ohne dass man sich konkreter Beispiele bedienen müsste.

Man könnte sogar noch weiter gehen und behaupten: Sprache ist Alltagswissenschaft. Sie stellt ein Mindestinstrumentarium für den Aufbau einer gemeinsamen theoretischen Verstehensbasis dar. Im Alltag wie in der Wissenschaft gewährleistet Sprache damit Arbeitsteilung der Wahrnehmung: Konkretes lässt sich durch den Wahrnehmenden abstrahieren und wird dadurch kompatibel mit einer gemeinsamen Verstehensbasis. Das erweitert im Idealfall wiederum die Wahrnehmung eines Kollektivs.

Voraussetzung hierfür scheint die Befolgung eines exakten Regelsystems zu sein, so dass Bezüge wirklich intersubjektiv nachvollziehbar sind. Solche Bestrebungen zeigen sich in den exakten Begriffsbestimmungen der Wissenschaft, die auf diese Weise aktiv versucht, die Kohärenz der Verstehensbasis zu maximieren.

Dabei scheint es für die Verstehenseffizienz weniger auf die innere Schlüssigkeit der Kommunikationsregeln anzukommen als auf die verbindliche Anerkennung und genaue Befolgung durch alle Kommunikationsteilnehmer. So ist die streng logische Konzipierung wohl das Merkmal der wenigsten Sprachen. Sie scheinen eher aus einer Mischung von innerer Systematik einerseits und bloßer Konvention andererseits zu bestehen, was wohl die Dualität des menschlichen Auffassungsvermögens am ehesten wiederspiegelt.

Also kommt den Kommunikationsregeln und der möglichst exakten Befolgung wohl auch für die gesamtgesellschaftliche Wahrnehmungsteilung eine Schlüsselrolle zu. Aber auch gemeinhin als archaisch betrachtete “sprachkonservierende” Institutionen bekommen damit eine ganz entscheidende Bedeutung. Denn wie die schönste wissenschaftliche Theorie durch mangelhafte Begriffsklärung nichtig wird, so dürfte dies auch für medial vermittelte Zusammenhänge gelten. Der Kontext allein stellt keinen Fixpunkt für die Begrifflichkeiten dar.

Internetkommunikation unterliegt durch die technischen Gegebenheiten sehr starken Formalisierungszwängen (z.B. erfordert die Eingabe von Daten in ein Formular bestimmte Konventionen). Dadurch etablieren sich für Benutzer notwendigerweise Verhaltensregeln, die als gemeinsame Prozesssprache verstanden werden könnten. So ist z.B. “googeln” mittlerweile in den Sprachgebrauch übergegangen, sozusagen als sprachliche Abbildung eines speziellen Prozesses.

Diese sprachlich manifesten Verbegrifflichungen medienbezogener Prozesse als Verben sind zeitliche Invarianten von Medien. Im Gegensatz zu den Inhalten ermöglichen Sie eine Differenzierung von Medientypen. Berücksichtigt man nur die Rezipientenperspektive wäre eine Kategorisierung nach folgendem Muster möglich:

Verben der Zeitung: lesen
Verben des Rundfunks: hören
Verben des Fotos: sehen
Verben des Stummfilms: lesen, sehen
Verben des Tonfilms: lesen,hören,sehen
Verben des Fernsehens: lesen,hören,sehen,zappen(selektieren)
Verben des Internet: lesen,hören,sehen,googeln(selektieren)
[Verben der Virtuellen Realität: lesen,hören,sehen,selektieren,springen,schmecken,fühlen,....]

Somit ist eine einfache Kategorisierungssystematik für Medien gefunden, die auch sämtliche zukünftige Mediengattungen integriert, weil Sie mediale Realtypen als Abbildung menschl. Wirklichkeit begreift, welche wiederum durch sprachliche Manifestationen beschrieben werden kann.

Die Kategorisierung von Medien erfolgt so im Bezugssystem Sprache, weil es als gemeinsame Verstehensbasis den einzigen möglichen Ansatz für Medienmerkmale als Merkmale von Wahrnehmungsmustern bietet.

Nun kann die Tiefe dieser Kategorisierung beliebig skaliert werden über die Wahl der Verben. Legt man beispielsweise “blättern” als Zeitungs- oder buchtypischen Selektionsprozess zugrunde, so ergeben sich weitere Differenzierungsmöglichkeiten. Nimmt man z.B. “schicken” als Prozessperspektive für das Medium “Postkarte” hinzu, so ergibt sich eine Differenzierungsmöglichkeit zwischen Postkarte und Foto.

Da die gemeinsame Verstehensbasis Sprache aber Veränderungen unterworfen ist, müssen aktuelle sprachliche Entwicklungen auf jeden Fall berücksichtigt werden, um die Ausdifferenzierung der Medienentwicklung zu reflektieren. Beispielsweise bietet der Sprachschatz vor der Erfindung des Fernsehens nur Umschreibungsmöglichkeiten für “zappen” oder “googeln”. Erst mit dem Übergang in die gesellschaftliche Praxis gehen diese Begriffe in die Sprache als gemeinverbindliches Formalsystem über.

Grundlage hierfür scheinen intuitiv-ökonomische Erwägungen zu sein, weil es tatsächlich mühsam ist, komplexe Prozesse immer wieder neu zu beschreiben. Diese begriffliche Prozesssynthese ist also ein Merkmal gesellschaftlicher Manifestation von Entwicklungen im Allgemeinen. Damit kommt die gesellschaftliche Kommunikation einem technisch orientierten Kommunikationsmodell erstaunlich nahe. Ein wesentlicher Unterschied scheint aber noch die autopoietische Organisation der Kommunikationsregeln, die z.B. informatische Kommunikationsprotokolle bis jetzt nicht leisten.

Noch ein paar Blogs dazu (“googeln” als Verb):

Google added to dictionary

Digital Mix (Seitenmitte)

Dr. Webs Blog zu google

Nachrichtenzentrale

geschrieben von Daniel_Braun in Allgemeines3 Kommentare »

…oder algorithmisch komponierte Onlinezeitung?

Man stelle sich eine Zeitungsredaktion vor, die sich auf die Selektion von Inhalten und die formale Aufbereitung beschränkt. Für viele kleine Zeitungen entspricht das wahrscheinlich den Tatsachen, wenn man vom Lokalteil einmal absieht! Möglicherweise wird der Mantel nur leicht überarbeitet übernommen.

Schwerlich dürfte es den Redakteuren allerdings gelingen, dies in Echtzeit zu erledigen – jetzt sofort auf Anforderung! Man ersetze die bloß komponierenden Redakteure durch den Google News-Algorithmus (wieder mal…) und einen vorgeschalteten Visualisierungsalgorithmus und – voilà! Schon hat man seine eigene globale Echtzeit-Selektion, einigermaßen übersichtlich, mit farblichen Ressorts (die man wiederum in Echtzeit verändern kann) direkt zum antippen:

NEWSMAP

Die Idee ist zwar schon etwas älter aber durchaus interessant für jeden, der sie noch nicht kennt. Nachfolgend noch ein paar Blogs zum selben Thema (Telepolis-Artikel dazu):

Flashot-Blog zu Newsmap
pixelgraphic-Blog zu Newsmap
JD-en-PD-Blog zu Newsmap
BagBlog zu Newsmap
TransNets zu Newsmap
The Loose Wire-Blog zu Newsmap

Google Grundlagen

geschrieben von Daniel_Braun in Allgemeines1 Kommentar »

Radio wird nebenbei gehört und individuell. Man kann Radio hören ohne dass man es merkt. Wenn man diese Eigenschaft einmal als subtilen Rezipientenzugang bezeichnet, dann kann man sie auch in den Online-Medien finden: Immer dann wenn es um konsum- oder erkenntnisorientierte Suche geht, wirkt die große Suchmaschine.

Selbst Alt-68er, skeptische Akademiker und Vegetarier suchen – was den persönlichen Konsum oder schnelle Informierung betrifft – zunächst einmal bei Google. In der studentischen Szene hat sich die Wendung “googeln nach” längst etabliert. Eine große Anzahl Nutzer fortgeschrittenen Alters (so ab 58) sind oft schon dankbar, wenn Sie unkompliziert Internetzugriff erhalten. Diese Nutzer fragen gar nicht nach anderen Suchportalen sondern danken Google als ihrer ersten und letzten Wahl die Einfachheit.

Allen Suchenden ist gemein, dass sie viele alltägliche Informations- und Selektionsprozesse auf einen Algorithmus auslagern und ihm dabei zwangsläufig vertrauen. Es ist dieses Verfahren, das Google den entscheidenden Wettbewerbsvorteil brachte und seitdem wie eine Weltbeherrschungsmaschine gehütet wird. Die Grundprinzipien (Vor- UND Nachteile!) hat Sixtus recht unterhaltsam in seiner Google-Story thematisiert.

Google ist auch ein tolles Beispiel dafür, dass pragmatische Wissenschaft sich lohnen kann: Seit Februar 2006 verkaufen die ehemaligen Studenten und Google-Gründer laut WiWo Ihre Aktien für bis jetzt über 3.000.000.000 Dollar. Die Visionäre und Gründerväter ziehen sich also zurück. Man beruft sich jetzt auf mehr, als den eigenen Forschergeist, wenn es darum geht, Probleme des PageRank-Verfahrens zu beseitigen: Die Auslistung (hier am Beispiel BMWs) ist ein gefürchtetes Druckmittel.

Wenn Wissenschaftler eine Firma gründen, gibt es natürlich eine große Forschungsabteilung – diese hat sich bei Google seit Gründung der Entwicklung von Vermarktungstechnologien gewidmet. Es scheint ja auch recht einfach, statistische Methoden auf die fast schon repräsentativen Suchanfragenmassen der Internetnutzer anzuwenden, wie das neuste Beispiel aus den Google-Trend-Labs belegt, dass von Fletcher in seinem Blog thematisiert wird.

Vier exemplarische WM-Begriffe wurden am 19.05. schon mal im Tagesspiegel online protokolliert.

Jeder kennt die “subtilen” Werbeformen vom Radio: Sponsoring oder Patronage zum Beispiel. Google hat diesen Konzepten ein ganz besonderes hinzugefügt: Google AdSense. Auch dahinter wieder die Idee des subtilen Nutzerzugangs: Google AdSense Anzeigen werden algorithmisch ausgewählt, abhängig vom gerade (z.B. im Weblog) thematisierten Inhalten. Diese AdSense-Technologie ist laut Robert Basics Weblog auch die bekannteste und beliebteste Werbeform auf Blogs. Natürlich funktioniert diese Technologie nur beschränkt, Phil wundert sich in seinem Blog z.b. über christliche AdSense-Anzeigen.

Googles Vision ist also gänzlich unpolitisch – sie muss unpolitisch sein, um zu funktionieren: Jedem das bescheren, was er haben möchte … Es ist das Geschäft mit der offenen und subtilen Suche, Selektion und Vorauswahl auf ALLEN Ebenen. Künftig auch im Auto und andernorts. Das kommt zuweilen zwar einer ochlokratischen Bevormundung gleich, ist aber durch und durch demokratisch.

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