StudiVZ im Kreuzfeuer

Das Studiverzeichnis erfreut sich auch an der Uni Trier wachsender Beliebtheit, wenn es nicht mal wieder wegen technischer Schwierigkeiten abstürzt, die Anmeldung verweigert oder sich gleich ganz auf Spanisch* meldet. Die Kundschaft nimmt es meist locker – schließlich ist das StudiVZ ja ein improvisiertes Projekt dreier Studenten, die nur so zum Spaß ein System für ihre Kommilitonen aufgesetzt haben. Oder doch nicht?
Don Alphonso, kritischer A-List-Blogger, sieht das jedenfalls anders: Er weist angesichts der Expansion des StudiVZ in andere EU-Länder darauf hin, dass das Angebot von den Samwer-Brüdern (Jamba) und der Holtzbrinck-Gruppe finanziert wird, die nun auch Rendite für ihre Investitionen erwartet – und das StudiVZ deshalb längst nicht mehr als „Experiment“, sondern als kommerzielles Projekt zählt, welches dazu auch noch zu unsauberen Mitteln greift (z.B. Domaingrabbing oder Spam-Werbung, sowie zu dubiosen „Campus Captains“ für das Marketing direkt in der Uni).

In Alphonsos Blogbar hat sich nun auch ein Ex-Mitarbeiter zu Wort gemeldet, der das Projekt verteidigt. Und während der Don selbst fast täglich mit neuen Skandaleinträgen rund um das StudiVZ aufwarten kann, lässt dessen PR-Abteilung kritische Berichte, etwa bei Youtube, gezielt entfernen.
Ähnlich wie beim Youtube-Millionendeal verdienen auch hier Konzerne an den (eigentlich kostenlosen) Inhalten der User. Beim StudiVZ ist jedoch keine plumpe Bannerwerbung, sondern virales Marketing geplant. Dass man seine politische Orientierung oder Beziehungsstatus, Telefonnummer und Mailadresse hinterlassen kann, ist also mehr als bloßer Selbstzweck. Und davon abgesehen, so der Don, handele es sich beim StudiVZ sowieso um eine annähernde Kopie der Social Software Facebook. Bei beiden Angeboten dürfte den wenigsten Usern bewusst sein, wieviel Privatsphäre sie aufgeben – und wieviele Informationen sie dabei nicht nur anderen Studenten, sondern privaten Investoren anvertrauen.
(*Zitat StudiVZ: Sed los primeros en dar a conocer el movimiento abrachucheo en España y Latinoamérica!)

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5 Gedanken zu „StudiVZ im Kreuzfeuer

  1. Du hast die Verbindung von Ehssan Dariani zu voelkischerbeobacher.de vergessen. Laut denic ist er dafür ebenfalls verantwortlich.
    Ganz zu Schweigen von seinen unmöglichen Blogeinträgen, in denen er subjektiv über Geschäftspartner schimpft. Dann wurden im studiVZ-Blog auf einmal Kommentare zensiert. Anschließend die youtube Videos, die zeigen, wie Dariani Mädels belästigt. Wem das nicht genug ist, um studiVZ zu misstrauen, sollte sich einfach mal fragen, was denn mit den Daten passiert. Und ausgerechnet Studenten, die es ja schon aufgrund ihres hohen Bildungsgrades eigentlich besser wissen sollten, geben ihre persönlichen Daten frei. Zitat Don: „Die übelsten Datenschleudern sind
    dann ausgerechnet meine KWler und BWLer, die genau wissen, was
    Profiling ist.“
    Und für die, die es noch nicht mitbekommen haben: Eure Daten gehen an die Holtzbrinck!

  2. Trotzdem sollte man die Praktikabilität eben nicht vergessen. Da kräht doch kein Hahn mehr nach, dass das eine Kopie ist, wenn die die Daten das Projekt verkaufen. Danke für den informativen Blogeintrag, das gefällt, wie da ein Rädchen ins andere greift und versteckte Wahrheiten ans Licht kommen. Mir hat die pseudo-lockere Art nicht gefallen und als in einem Blogeintrag von „Finanzierung“ die Rede war, hatte ich mir schon gedacht, dass da mehr dahinter steckt. Aber wenn man es mal aus Sicht des Benutzers betrachtet, ist es nicht wirklich relevant, wem alles gehört. Es zählt nur, dass sich dort viele Studenten tummeln und man sich „mit Freunden“ treffen kann. Darum geht es ja im Prinzip. Und deswegen glaube ich, haben die Entwickler einfach eine Marktlücke in Deutschland entdeckt und bravourös ausgenutzt. Es ist eben egal, ob man die Idee zuerst hatte – die Bekanntheit siegt eben am Ende.

  3. Don Alphonso hat noch eins draufgelegt und (auch für nicht-BWLer) erklärt, wie die Finanzierung des StudiVZ durch die Holtzbrinck-Gruppe funktioniert: Die Zweigstellen greifen auf Niederlassungen von Parship (noch ein HB-Startup) zurück und behalten das Investitionskapital so in der eigenen Firma.

    Die Formulierung des Beitrags mag politisch nicht vollkommen korrekt sein (wobei, wie Isabell schon bemerkt hat, der Herr Dariani vom StudiVZ den ersten Stein in Sachen Nazi-Analogien geworfen hat), lesenswert ist der Beitrag mit der folgenden Diskusion auf jeden Fall.

  4. Pingback: Der Muckraker

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