Der Problem-Beck

Das aktuelle Cover des Satire-Magazins „Titanic“ ziert ein großes Konterfei von SPD-Chef Kurt Beck, darunter die Zeile „Problembär außer Rand und Band: Knallt die Bestie ab!“. Gegen dieses Titelbild hat Beck jüngst geklagt aktuell darf das Heft aufgrund einer einstweiligen Verfügung nicht weiter vertrieben werden.

Meiner Ansicht nach ist das Vorgehen Beck’s ungerechtfertigt. Der alte Satz „Satire darf alles, solange sie nur trifft“, greift, denn diese Satire trifft zweifellos. Wer hat beim Anblick des bärtigen, gemütlich wirkenden Rheinland-Pfälzers nicht schon mal an einen Bären gedacht. Durch sein politisches Amt ist Beck außerdem eine Person des öffentlichen Lebens, die sich eine (auch kritische oder satirische) Auseinandersetzung mit seiner Person eher gefallen lassen muss als ein Privatmann. Den Aufruf „Knallt die Bestie ab!“ kann man hier auch keinesfalls als Aufruf zu einer Straftat ansehen, da das potentielle Zielpublikum der Titanic durchaus in der Lage ist, die Aufforderung als Satire zu dekodieren.

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12 Gedanken zu „Der Problem-Beck

  1. …und ebenfalls ganz interessant: Als die Titanic in Druck ging, war Problembär Bruno noch am Leben – die Aufforderung zum Abknallen also nicht wirklich ernst gemeint. Da hat die Realität die Satire sozusagen überholt. 🙂

  2. Das Vorgehen Kurt Becks ist meines Erachtens nach vollkommen gerechtfertigt. Die eigentliche Intention der TITANIC, laut SZ mit Titanic-Chefredakteur Gsella: Der Titel sei keineswegs als Aufforderung zu verstehen, den SPD-Vorsitzenden zu erschießen. ?Wir wollen die ganze Grausamkeit des bayerischen Umgangs mit dem Problembären darstellen, indem wir einen sichtlich hochlebendigen und brummzufriedenen Bären, der vor Lebensfreude nur so strotzt, zeigen?, sagte Gsella.“, ist beim besten Willen nicht unbedingt für jeden auf Anhieb erkennbar. Person des öffentlichen Lebens hin oder her, irgendwo sind auch für ein Satire-Magazin Grenzen gesetzt – diese jetzt anhand des konkreten Falls zu ermitteln, liegt beim Gericht. Eine Klärung, wie weit ein Magazin in solchem Fall gehen darf, kann meiner Meinung dann wiederum als ein Gewinn für alle betrachtet werden.

  3. Einerseits finde ich, hat Dennis bzw. die von ihm zitierte alte Formel ?Satire darf alles, solange sie nur trifft?, Recht. Und die Satire trifft in diesem Fall zumindest beim Vergleich Beck-Bär, Bär-Beck, absolut. Den Titel finde ich da allerdings etwas problematischer. „Knallt die Bestie ab“ ist in diesem Zusammenhang schon harter Tobak, meiner Meinung nach ist hier der Bogen zu weit gespannt. Und auch wenn das potentielle Zielpublikum des Magazins die Satire vielleicht so versteht, wie sie gemeint ist – Ausreißer gibt’s immer, Verrückte auch!

  4. Ich kann mich Marcel nur anschließen. Meiner Meinung nach darf sich auch ein Satiremagazin wie „Titanic“ nicht alles erlauben. Man kann als Redakteur die Reaktionen seiner Leser nicht immer vorhersehen , und auch die Stammleser verstehen eine Sache nicht immer so ironisch, wie sie vielleicht gemeint war.
    Der Titel „Knallt die Bestie ab“ geht wirklich zu weit, und ich kann verstehen, dass Kurt Beck da sensibel reagiert hat und gegen das Magazin vorgegangen ist.

  5. Meiner Meinung nach mag die Titelzeile drastisch sein, aber sie erfüllt ihren Zweck. Mein intuitiv erster Gedanke: „Wie können die!?“ Millisekunden später der zweite: „Völlig absurd, daher lustig!“ Die unverhältnismäßige, medial aufgebauschte Jagd nach dem Bären zu karikieren, indem man sich die Person Kurt Beck als „Zielscheibe“ borgt, finde ich fast schon charmant. Und die logische Verknüpfung des Wortes „Bestie“ und dem auf dem Foto grundzufrieden lächelnden Kurt Beck macht auch dem Ironie-reistentesten Leser Schwierigkeiten, behaupte ich. Kann man nicht ernsthft glauben, kann man also machen.

    Ich vermute auch, das sich Beck nicht wegen dem „Angriff auf seine Person“ wehrt, sondern um kein falsches Signal für Medien und den politischen Gegner entstehen zu lassen, die eine Nicht-Verfolgung nicht als Humor oder Großmut, sondern persönliche Schwäche umdeuteln könnten.

  6. Ich finde, Herr Beck hat zwei sehr schöne und hilfreiche Dinge getan:
    1. Er hat sich nach Strich und Faden blamiert. Viele, die ihn bisher – aus welchen Gründen auch immer – irgendwie ernst genommen haben, werden sich das inzwischen gründlich überlegt haben. Seine ebenso humorlose wie psychotische Reaktion dürfte ganz brutal auf Kosten seines Images gehen.
    2. Er hat seiner Partei großen Schaden zugefügt. Daß die SPD über die Jahre immer mehr Wählerstimmen verliert, liegt eben auch an solchen Leuten. Diese Angelegenheit, denke ich, dürfte bei der nächsten Wahl für ein zusätzliches Minus im fünfstelligen Bereich sorgen.
    Danke, Kurt Beck!
    Schade, daß er das nicht liest.

  7. Was weiß ich über welchen rechtlichen Klimbim ihr hier diskutiert, viel brennender finde ich die frage:
    ‚Warum weiß ich wie Reh schmeckt aber nicht wie Bär schmeckt?‘
    Ist Bärenfleisch irgendwie geschützt? Darf man das in Deutschland nicht verkaufen/essen?
    Ich mein ich will nicht Kurt Beck probiern, er ist ja auch kein Tier. Aber ich meine Bärenfleisch an sich. Ich hab schon viel wehrlosere Tiere gegessen als Bären, aber warum hab ich DAVON noch nie ein Stück bekommen? Dass es Bären eigentlich bei uns nicht gibt kann ja kein Argument sein, es gibt ja auch keine.. ähh irgendwas was wir essen gibts bestimmt nicht bei uns. Also warum sollten wir keine Bären essen und vor allem, warum tritt Kurt Beck so für die Rechte der Bären ein?
    mfG
    Zipp
    ps: Bin ich verwirrt oder bist du das?

  8. Die Titanic steht Beck ja auch eher positiv gegenüber. Ich erinner mich an die Ausgabe über die letzten Landtagswahlen, wo der Unterschied zwischen Baden- Württembergern und Rheinland- Pfälzern erklärt wurde: die einen wählen schleimige Unsympathen, die anderen liebenswert-harmlose Funktechniker (oder so ähnlich). Wie auch immer, durch so ein Cover kommt doch noch niemand auf Idee, den Beck umzulegen, oder?

  9. Meiner Meinung nach steht es Kurt Beck selbstverständlich frei, sich rechtlich gegen diese Darstellung zu verwehren.

    Wie effektiv es auf die mediale Auswirkung sein mag, Gerichte mit dieser Tatsache zu beauftragen, sei dahingestellt. Den Rechtsweg zu beschreiten, ist wiederum eine Privatsache von einer Person des öffentlichen Zeitgeschehens wie Kurt Beck nunmal eine verkörpert.

    Matthias Platzeck, Becks Vorgänger im Amt des SPD-Parteivorsitzenden, hat für mein Dafürhalten weitaus klüger agiert, in dem er den medialen Kassandraruf à la „Satire darf alles“ schlichtweg ignoriert hat, als das Satiremagazin Eulenspiegel ihn mit einer Kugel im Kopf abbildete (http://www.eulenspiegel-zeitschrift.de/Eulenspiegel/Musterschuler_768.jpg).

    Manchmal ist Ruhe bewahren, statt sich in wilde, unberechenbare Interaktionen mit den Medien zu verstricken, schlichtweg effektiver.

    Aber natürlich liegt es bei Kurt Beck selbst abzuschätzen, was seine Reaktionen in Medien und Teilöffentlichkeiten auslösen und wie sich dies auf Wählerstimmung an der Basis auswirkt.

    Schließlich müssen auch Politiker nicht alles stillschweigend schlucken, nur um opportuner Weise mainstreamig um Wählerstimmen zu buhlen – beispielsweise um die der Titanic-LeserInnen.

  10. …und ich bin immer noch der Meinung, dass es niemanden in Deutschland gibt, der eine Titanic-Schlagzeile als Aufruf zu einer Straftat missverstehen würde. Folglich war das Cover bestenfalls „nur“ geschmacklos, und da sollte man als Problem-Beck, äh, Problembär, drüber stehen. Aber offensichtlich sehen das Juristen anders, das Blatt darf von Titanic auch jetzt nicht mehr vertrieben werden, die Verfügung gilt wohl noch.

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