Spendet Aufmerksamkeit und Dankbarkeit!!

geschrieben von verschmidtzt in Internet, Zukunft des InternetKommentar schreiben

Bisher hatte man nicht die großartige Möglichkeiten über Blogs Geld zu verdienen. Ebensowenig konnte man seine Aufmerksamkeit gegenüber deren Existenz  beweisen (außer vielleicht über lobende Kommentare). Mit zwei neuen Micropaymentdiensten, die ich an dieser Stelle vorstellen möchte, werden Systeme geschaffen, die beides wechselwirkend erreichen wollen, indem Nutzer von Blog Angeboten oder sonstigen autorschaftlichen Werken diesen ihre Dankbarkeit  durch einen Klick zum Ausdruck bringen  können.
Zum einen gibt es Kachingle aus den USA, gegründet von Cynthia Tipaldos, das ganze Seiten, Rubriken oder Autoren institutionell unterstützt. Man schließt ein Abo mit einem gewissen Betrag (mindestens 5 Dollar) ab. Dieses Spendenguthaben wird dann je nachdem, wie oft ein Button auf einer bestimmten Seite geklickt wird, prozentual und völlig transparent auf die genossenen Webpräsenzen verteilt. Betreiber eines Angebots können sogar sehen, wer wieviel gespendet hat.
Auf dieser  Seite des Atlantik wurde eine ähnliche Variante mit Namen Flattr von Pirate Bay-Gründer Peter Sunde geschaffen. Auch hier wird ein virtuelles Konto eröffnet, das sich am Ende des Monats kleinteiliger in einzelne flattr-bare Artikel (Videos, Fotos…) auflöst und somit Einmalbesucher, die Chance zum Spenden gibt. Beide Dienste erhalten für ihre Vermittlerrolle eine Provision von 20 Prozent.
Das Ganze basiert auf Freilwiligkeit und der Bereitschaft für die Nutznießung von Angeboten inhaltlicher oder unterhaltender Art einen Obolus in die Kaffekasse der Urheber abzutreten.
Die Ausweitung auf Open-Source Programme oder gemeinnützige Zwecke ist vorgesehen.

Mit Anfangsschwierigkeiten haben beide zu kämpfen, da es sich um einen zweiseitigen Markt handelt, der das berüchtigte Henne- Ei Problem zu lösen hat. Denn für Betreiber und Produzenten ist es nur sinnvoll die Buttons einzusetzen, wenn es auch auf breite Akzeptanz stößt, während die Nutzer nur dann ihre Dankbarkeit ausdrücken können, wenn eine Vielzahl von Inhaltsangeboten die Buttons in ihre Seiten einbauen und von dieser Möglichkeit der Monetariesierung Gebrauch machen. Zu Beginn wird es daher, wie so viele Angebote im Internet,  eher etwas für den Long Tail sein, das nur an Popularität gewinnen kann, wenn sich große Blogs  beteiligen oder ein immenser Marketingeinsatz betrieben wird.

Es wurde viel darüber diskutiert, ob dieses Modell der Thank you Economy ein Schritt in die richtige Richtung sein könnte, indem ein Weg um die angefochtenen Paid Content Festungen herum eingeschlagen wird, so dass auch Verlage von diesem System profitieren können,  wenn sie ihren Profistatus und ihre Ressourcen nutzen.
Angenommen einige Millionen Surfer, deren Informationsinteresse und Unterhaltungsbedürfnis im Internet gestillt wird, würden sich beteiligen, dann ist es möglich, dass für weitläufig Beachtetes, das sich durch besondere Güte asuzeichnet, einiges herausspringt, da sich selbst Minimalbeträge summieren.
Ich persönlich glaube aber nicht, dass das so schnell passieren wird, auch nicht bald oder in den nächsten Jahren.
Auf eine bestimmte Schicht aktiver User trifft der Spendenwille zu. Sie sind sich der Gedankenleistung der Produzenten diverser (multi-)medialer Beiträge  und der Relevanz für ihr eigenes Schaffen und Denken bewusst.
Der Großteil der Internetcommunity wird diesen Aufwand aber nicht betreiben wollen. Sie sind es gewohnt, Inhalte gratis zu konsumieren, haben die Gratiskultur mit dem Erlernen dieses Medienschemata internalisiert.
Immer noch wird sehr viel an Musik, Filmen, Programmen und Spielen heruntergeladen und das, obwohl es einem klar ist, dass den geliebten Bands oder Produzenten durch die bloße Sympathie nicht geholfen ist.  Man denkt sich aber, dass die Industrien doch noch genug Geld haben. So wird an diesem gemütlichen und vor Allem billigen Zustand nichts geändert.

Die Kulturflatrate muss daher früh auf den Weg gebracht werden und sich in einem großflächigen Prozess zu behaupten wissen. Wenn zum Beispiel verantwortungsbewusste Eltern ihren Kindern ein Abo einrichten würden, sodass diese das dankbare Konsumieren schon bei den ersten Schritten im Internet erlernen.
Oder wenn dieses System sich immer mehr an soziale Netzwerke binden würde, sodass man mit anderen teilt, wem oder was man Anerkennung zuspricht.  Der Like-It Button von Facebook gekoppelt mit ein paar Cent würde große Erträge bringen.

Bis zu einem Mentalitätswandel dieser Art  ist es aber noch ein langer Weg, weshalb ich glaube,  ein abgeschlossenes System prognostizieren zu können, in dem die aktiven Nutzer um einen Blog herum, die meist selbst Autor von Beiträgen sind, sich gegenseitig unterstützen. Ein autopoietisches System, das sich selbst erhalten mag, aber für die breite Masse (noch lange) keine Relevanz haben wird.

kachingle.com:

http://carta.info/26320/die-deutschen-kachingle-charts-oder-quo-vadis-kachingle/

http://carta.info/20487/paid-content-kachingle/

flattr.com:

http://www.basicthinking.de/blog/2010/02/11/flattr-pirate-bay-gruender-peter-sunde-will-paid-content-revolutionieren/

http://netzwertig.com/2010/02/11/flattr-neuer-micropaymentdienst-setzt-auf-die-thank-you-economy/

Ein Kommentar zu “Spendet Aufmerksamkeit und Dankbarkeit!!”

  1. Friederike sagt:

    Dass der Mentalitätswandel sich noch nicht vollzogen hat, sieht man daran, dass die Dankeschön-Ökonomie noch als Schnorren und Geldeintreiberei der verzweifelten Zeitungen bezeichnet wird. Sowohl die “taz” als auch “der freitag” haben in ihrem Online-Auftritt ein Flattr-Bezahlsystem eingerichtet. Der Mediendienst kress.de berichtet darüber als ob die Zeitungen derartig verzweifelt sind, dass sie nun schon sogar die Nutzer anbetteln (siehe http://kress.de/print/detail/beitrag/104328-flattrn-in-der-dankeschoen-oekonomie-auch-der-freitag-schnorrt-seine-online-leser-an.html und http://kress.de/alle/detail/beitrag/104244-bezahlen-wenns-gefaellt-tazde-treibt-geld-mit-flattr-ein.html). Ich finde damit wird der Sinn von flattr nicht richtig vestanden und die Dankeschön-Ökonmie ins falsche Licht gerückt.
    Es stimmt natürlich, dass besonders diese beiden Zeitungen um ihre Existenz kämpfen müssen, aber sie zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie ein interaktives Verhältnis zu ihren Lesern pflegen und sehr innovativ und kreativ arbeiten.
    Meiner Meinung nach sollte flattr nicht als ein Almosen gesehen werden, sondern wirklich wie in diesem Blog als ein Ausdruck des Wohlgefallens. Wenn noch weitere Zeitungen auf flattr umstellen, wird sich vielleicht irgendwann das Bewusstsein durchsetzen, dass gute Inhalte honoriert werden – wenn auch nur mit einem symbolischen Trinkgeld.

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