Angst vor Googles digitaler Bibliothek

geschrieben von weil2c01 in AllgemeinesKommentar schreiben

Wahrscheinlich haben wir alle es schon von mehreren Seiten gehört: Google plant schon wieder eine Neuerung für Europa: Google Print. In den USA läuft dieses Projekt natürlich schon länger, und nun soll es auch in Deutschland, Frankreich, Italien und anderen europäischen Ländern etabliert werden.

Google hat es sich zum Ziel gesetzt, sämtliche Bücher in digitaler Form in seiner Internet-Bibliothek aufzuführen. Wie Die Welt berichtete, sollen bis 2015 etwa 15 Millionen Bücher in die Datenbank aufgenommen werden.

Doch in Deutschland gibt es große Proteste. Die Wissenschaftliche Buchgesellschaft stellte sich gegen Googles Absichten und wollte das Unternehmen dazu verpflichten, die Bücher nur mit Genehmigung einzuscannen. Wie zuletzt die Tagesschau informierte, kam der Fall bereits vor Gericht und es wurde zu Gunsten von Google entschieden.

Auch in Amerika wurde schon im gleichen Fall geklagt. Auch dort fühlten sich Verlage und Schriftstellerverbände durch Googles Pläne bedroht. Der Vorwurf lautet, dass Google mit seinem Projekt Google Print die Urheberrechte der Autoren und Verlage an ihren Büchern verletzt, wenn die Bücher ohne Erlaubnis eingescannt werden. Die Verlage bzw. Autoren fordern, weiterhin die alleinigen Bestimmungsrechte über die Verwendung der Bücher zu behalten.

Da Google Print jedoch keineswegs ganze Bücher, sondern lediglich wenige Seiten, sowie Informationen über die Titel und passende Links anbieten wird, ist die Sorge um das Urheberrecht eigentlich unbegründet.

Ich persönlich denke, dass die dogitale Bibliothek von großem Nutzen sein könnte. Und das nicht nur für die User von Google Print, sondern gerade auch für die Verlage. Durch die digitale Bibliothek entstehen völlig neue Möglichkeiten was den Zugang zu Büchern betrifft.

Die Suche nach einem bestimmten Buchtitel konnte sich bislang schließlich äußerst mühselig und zeitaufwändig gestalten – und musste noch lange nicht immer zum Erfolg führen. Durch digitale Bibliotheken wird diese Suche enorm erleichtert. Und da dem Benutzer nicht nur Informationen zum gesuchten Titel zur Verfügung gestellt werden, sondern gleich die entsprechenden Links geliefert werden, wo er das gesuchte Buch erstehen kann, müsste wohl auch der Verkauf von Büchern gesteigert werden. Somit sollten sich gerade die Verlage eher Hoffnungen als Sorgen machen.

Ich persönlich hoffe, dass auf diesem Wege zahlreiche heiß gewünschte Bücher ihren Weg zu ihren potenziellen Lesern finden werden.

6 Kommentare zu “Angst vor Googles digitaler Bibliothek”

  1. Manuela Ohs sagt:

    Ich finde die Idee von einer Bibliothek im Internet nicht schlecht, gerade wenn man Bücher anlesen kann. So kann man herausfinden, inwiefern das Buch den Wünschen entspricht. Da in den letzten Jahren der Trend aufgekommen ist, dass immer weniger Menschen ihre Bücher in Büchereien kaufen und dagegen den Bücherkauf im Internet vorziehen, stellt diese Neuerung eine willkommene Dienstleistung dar.

    Deshalb glaube ich, dass Google Print viel mehr Auswirkungen auf Büchereien als auf Verlage hat: Schließlich war bisher der größte Vorteil an einer Bücherei, dass man sich zunächst in das Buch einlesen kann, bevor man es kauft. Wird dieser Service nun aber auch im Internet angeboten, so ist es für Leser zukünftig wohl kaum noch ein Unterschied, ob sie ein Buch im Internet oder im Buchladen kaufen.

    Außerdem stellt die Verlinkung von google zu Seiten, auf denen man das gesuchte Buch kaufen kann, meiner Meinung nach ein weiteres Problem dar: Nach welchen Kriterien werden die Links ausgesucht und in welcher Reihenfolge werden sie angegeben? Ob man dann noch von einem fairen Wettbewerb sprechen kann, wage ich zu bezweifeln.

  2. weil2c01 sagt:

    Du sprichst zwei wichtige Punkte an, finde ich. Deine Aussage, dass Büchereien durch Google Print bedroht werden und auf Grund der digitalen Bibliothek weniger besucht werden, kann ich allerdings nicht ganz unterstützen. Ich denke, dass die Nutzer von digitalen Bibliotheken nicht die selben sind, die bislang ihre Bücher in “realen” Bibliotheken ausgeliehen haben. Nach meiner Erfahrung werden letztere auch häufig von älteren Menschen, jungen Schülern oder Eltern mit ihren kleinen Kindern besucht, oder allgemeiner ausgedrückt: häufig von den Menschen, die Bücher nicht unbedingt kaufen, sondern lediglich lesen möchten. Dieses Publikum wird den Büchereien durch Google Print nicht genommen werden.

    Dem zweiten Aspekt, den du angeführt hast, kann ich hingegen völlig zustimmen. Sollte Google Print die Buchtitel allein mit Internet-Riesen wie Amazon verlinken, sodass mehr und mehr Menschen für den Kauf der Bücher auf diese Seiten geführt werden, würden kleinere Firmen oder Buchläden durchaus gefährdet. Schon jetzt stellt Amazon eine der größten Bedrohungen für die Buchhandlungen dar.
    (Leute, kauft im Buchladen in eurer Stadt! Unterstützt die kleinen Bücherfreunde! Genießt das Erlebnis des Durchblätterns und Herumstöberns! ;) )

  3. IsabellSchu-Schätter sagt:

    Die Suche nach bestimmten Buchtiteln ist – bei Amazon oder gegoogelt – eine Sache von wenigen Minuten. Ansonsten stimme ich zu, dass es natürlich was anderes ist, wenn man mal reinlesen kann. Aber ich finde die Kritiken bei Amazon auch immer recht hilfreich, von daher weiß ich nicht, ob ich mir überhaupt die Mühe machen würde, die Bücher im Internet “anzulesen”.

  4. Mein Parteibuch sagt:

    Fachbuchverlag WBG hat Rechtsstreit gegen Google Print aufgegeben…

    Wie Rolf Schälike auf seiner Buskeismus-Seite berichtet, hat der Darmstädter Fachverlag Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG) am Mittwoch seinen Antrag auf einstweilige Verfügung um das unerlaubte Einscannen von deutschen Büchern durch den Goog…

  5. zian3301 sagt:

    Ich kann es nicht wirklich gutheißen, dass jeder einzelne Bereich des täglichen Lebens auch geradezu zwangsweise ins Internet getragen werden muss. Können wir denn nicht auch mal einfach nur auf die Technik verzichten? Muss jeder einzelne Bestandteil unseres Daseins auch technisiert und digitalisiert werden?
    Wieweit soll uns diese Entwicklung noch führen? Der Beitrag erinnert mich an eine Schulstunde vor einigen Jahren, in der wir einen Text lasen, in dem der Autor für die Zukunft prophezeite, dass spätere Generationen Bücher aus Papier gar nicht mehr kennen würden und das Geschriebene nur noch in Form von Texten im Internet bzw. PC existieren würde. (Muss leider zugeben, dass ich mich weder an Titel noch Autoren der Geschichte erinnern kann.)

    Der Spaß, einfach mal in einer Bücherhandlung oder einer Bibliothek zu stöbern, auch mal Werke in die Hand zu nehmen von Autoren, die man nicht kennt, bleibt hier auf der Strecke.
    Auf jeden Fall stimme ich den Autoren zu, die die Aufnahme der Bücher auch ohne ihre Bewilligung nicht akzeptieren. Google Print hat nicht das Recht, willkürlich jegliche Bücher in ihr Angebot aufzunehmen, sollten die Autoren dem nicht eindeutig zustimmen.

    Außerdem ist mir bei diesem Programm nicht wirklich klar, wie es die Suche nach bestimmten Buchtiteln erleichtern soll. Man mag es kaum glauben, aber selbst heute noch gibt es professionelle Bücherläden, die einem kompetent weiterhelfen können- ob man nun einen ganz bestimmten Titel sucht oder einer Beratung benötigt, um ein angemessenes Buch für eine bestimmte Person zu finden.

  6. Daniel_Braun sagt:

    Hier geht es um GooglePrint, versucht man aber diese typische Diskussion mal ganz pauschal zu abstrahieren könnte man sie vielleicht den Modernisierungsdebatten zuordnen.

    Es gibt sie ja immer, wenn eine neue Technik eingeführt wird: Die Wortgefechte zwischen den Bewahrern des Bewährten und den fortschrittsgläubigen Technikoptimisten. Und natürlich endlos viele Abstufungen dazwischen.

    In diesen Situationen wird häufig eine “stichhaltige Argumentation” gefordert! Ist es aber nicht so, dass es für jede Seite eine Vielzahl guter Argumente gibt? So haben hier die Bewahrer recht, wenn Sie den Niedergang der Krämerläden fürchten, die Modernisierer aber, wenn sie Optimierungspotentiale für die eigene Recherche wittern!

    Kann dann aber eine Diskussion noch argumentativ geführt werden, wenn ein Überfluss an Argumenten herrscht? Ist es dann nicht so, dass selbst wenn er ein Gegenargument vernimmt, der Modernisierer dennoch auf seiner Position beharrt, weil er sich vieler Argumente sicher sein kann? Und ist es nicht umgekehrt genauso mit den Bewahrern?

    Dann müsste aber doch die Diskussion träge werden und zäh, weil keiner sich von der Stelle fortbewegt! Und bewegte er sich doch, so könnte er dies nur, wenn er Argumente seiner bisherigen Haltung mißachtet! Könnte er dann aber nicht begründen, weshalb nun die Argumente der anderen überwögen, so würde seine Glaubwürdigkeit Schaden nehmen in dem Maße, wie man ihn nicht mehr als ernsthaften Diskussionsteilnehmer betrachtet!

    Also scheint es mir bei diesen Diskussionen eher so zu sein, dass jemand, wenn er glaubt, das Richtige zu tun, es aber nicht begründen kann, fehlgeht, wenn er es dennoch versucht. Und so ginge aber jeder Diskussionsteilnehmer in dieser Weise fehl.

    Wo es aber diesbezüglich zu einer Abwägung der Argumente käme, und jemand behauptete, dass die Antwort sicher sei, da kann man wohl davon ausgehen, dass es nicht an der Sicherheit der Argumente, sondern an dem Mengenverhältnis derselben zueinander liegt. Ist dann aber die Antwort auf die Frage nicht eher übereinstimmend angenommen, als erwiesen?

    Wenn das so wäre, dann könnte man die Modernisierungsfrage vor unterschiedlichen Menschen stellen und würde immer andere Antworten erhalten, ganz abhängig davon, was den Befragten gerade einfällt, und es wäre keine Antwort darunter, die man ablehnen oder als falsch bezeichnen könnte.

    Wenn das aber so ist, dann muss es auch möglich sein, nur sich selbst zu befragen, und man müsste – ganz ohne Diskussion – zu einer Antwort kommen, die ebenso zwar nicht als erwiesen, wohl aber als angenommen gelten könnte vor sich selbst. Und man hätte Zeit und Mühen gespart zu begründen, wo nichts zu begründen ist!

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