Im Netz sind wir doch alle relativ anonym. Bei jeder Aktion im Internet hinterlassen wir zwar zwangsweise Datenspuren, aber vorsichtig wie wir sind, geben wie nicht einfach überall unsere persönlichen Daten preis, Adresse und Kontodaten schon gar nicht.
Und warum tun wir das? Um uns zu schützen.
Aber vielleicht nützen alle Vorsichtsmaßnahmen bald nichts mehr, denn selbst wenn wir unsere Anonymität zu wahren suchen, kann jeder x- Beliebige uns da einen Strich durch die Rechnung machen.
Internet ist die neue Möglichkeit, um sich zu rächen.
Wozu auch jemanden mit Telefon oder Briefen belästigen, wenn ich kostengünstiger und schneller dafür das Internet nutzen kann? Und das Beste an der ganzen Sache: Die Rache kann ich sogar noch veröffentlichen und alle Anderen daran teilhaben lassen- was den Spaß des Verantwortlichen und die Demütigung des Opfers noch erheblich steigern dürfte.
Diejenigen, die das Internet für ihre Intrigen nutzen, zeichnen sich durch einen gewaltigen Einfallsreichtum aus, wie sie ihre Opfer drangsalieren können.
Da gibt es gekränkte Herren, die intime Fotos ihrer Ex- Bekanntschaften veröffentlichen oder Personen, die ungeliebte Menschen für die GEZ anmelden, um ihnen eins auszuwischen.
Wem die Ideen ausgehen, kann sich auf gewissen Websites und so genannten Rache- Foren Tipps und Ratschläge für weitere Gemeinheiten holen.
Aber damit nicht genug. Es existiert sogar ein (vermutlich sogar viele mehr) ?Rache- Club?, bei dem man sich Verstärkung holen kann, um groß angelegte Racheaktionen zu gestalten.
Der Betreiber der ersten deutschen Rache- Community unter www.rache-ist-suess.de , Björn Jörges, übrigens ein ehemaliger Jura-Student, der sich für eine geklaute Hausarbeit an einem Kommilitonen rächen wollte, erwartet von den Racheaktionen, dass sie ?legal und möglichst humorvoll? sein sollen. Inwiefern es allerdings für das Opfer der Aktionen humorvoll sein könnte, sich nicht nur einer Person gegenüberzusehen, sondern gleich einer ganzen Horde, dazu hat Herr Jörges keine Angaben gemacht.
Einem Forschungsprojekt der TU Darmstadt im Jahre 2004 zufolge nutzen mehr als 35% aller Stalker mittlerweile das Internet für ihre Attacken.
Eine extreme Form der verbalen Rache sind die ?hate pages?, deren Zielsubjekte häufig Prominente sind, aber auch ganze Volksgruppen oder religiöse Gruppierungen. Klaus Neumann- Braun, Professor der Soziologie an der JWG Universität Frankfurt, seit 2005 Ordinarius für Medienwissenschaften an der Universität Basel, hat sich eingehender mit diesen Seiten beschäftigt und speziell mit einer auf die ehemalige ?Blümchen?- Sängerin Jasmin Wagner bezogenen Hass- Seite, auf der sich die Nutzer gegenseitig mit den übelsten Straf- und Folterwünschen zu überbieten versuchen.
Fazit seiner Untersuchungen: ?Im Netz vollzogene Racheakte sind in der Regel kindisch, kleinlich, plump, obszön, rüde und zuweilen kriminell.? [Die gesamten Ergebnisse der Untersuchung von Professor Neumann- Braun findet ihr hier.]
Stalking im Internet- es gibt doch tatsächlich kaum etwas, dass der Cyberspace nicht leisten kann.
Allerdings muss erwähnt werden ?es handelt es sich hier nicht um ein harmloses Kavaliersdelikt. Stalking kann leicht gesetzeswidrig werden. Im März 2005 hat der deutsche Bundesrat ein Anti- Stalking- Gesetz angenommen, welches Stalking als eigenständigen Strafbestand kennzeichnet und mit Freiheitsstrafen ahnden kann.
Zu bemerken, wie geschmacklos diese Art der Vergeltung ist, ist wohl kaum der Rede wert.
Und außerdem scheinen die Nutzer solcher Aktionen eines nicht zu bedenken: Das Internet steht allen offen und die ursprünglichen Opfer können den Spieß sehr leicht umdrehen und ebenfalls das Netz nutzen, um ihre Peiniger einmal selbst den ?Spaß? einer solchen, von allen mitverfolgbaren, quasi- öffentlichen Demütigung kosten zu lassen.
Ein Kommentar zu “Cyber- Stalking”
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20. June 2006 um 11:19
[...] Vorsicht Internet-Stalker! [ Datenschmutz ] “Da gibt es gekränkte Herren, die intime Fotos ihrer Ex- Bekanntschaften veröffentlichen oder Personen, die ungeliebte Menschen für die GEZ [Billag-Pendant] anmelden, um ihnen eins auszuwischen.” Zum ganzen Artikel im Trier Medienblog: Cyber- Stalking [Google-Catchword: Stalker, Cyber-Stalker, Billag anmelden] [Technorati: Cyber-Stalker, Internet-Stalker] [...]