Kampf um das Internet

Quelle: www.flickr.com (LucasDime)

China gilt als aufstrebende Weltmacht. Die florierende Wirtschaft steht in krassem Kontrast zu den negativen Schlagzeilen aus dem Reich der Mitte: Zensur und Menschenrechtsverletzungen gehören zum Alltag. Jetzt zieht auch Google die Konsequenzen aus den rabiaten Methoden des Staates – und ruft die amerikanischen Geheimdienste zu Hilfe. Resümee eines Cyberkrieges im 21. Jahrhundert.

Es ist kein Geheimnis, dass das Internet ohne Google nicht vorstellbar wäre. Die geniale Idee, die Hypertextualität der Inhalte mathematisch auszuwerten und aus den gewonnenen Daten auf die Relevanz einzelner Internetseiten zu schließen hat dem Unternehmen eine dauerhaft exponierte Stellung in der Medienwelt beschert. Aktuelle Statistiken attestieren Google einen unschlagbaren Martkanteil von 80% im Segment der Suchmaschinen – diese Dominanz ist wohl vorerst nicht mehr zu durchbrechen. Dass eine solche Marktmacht für viele eine bedrohliche Entwicklung zur Monopolisierung der Suchmaschinen-Branche darstellt erklärt das starke Interesse von Medien jeglicher Art an dem Unternehmen. So findet man bei Amazon die beeindruckende Zahl von 6189 Publikationen rund um den Internetgiganten und auch die folgende Statistik zeigt, dass Google dauerfhaft auf mehr Interesse in der Blogosphäre stößt als beispielsweise Microsoft und Apple.

Blogposts zum Thema Google
Quelle: www.blogpulse.com

Angriff auf die Informationsfreiheit

Weitaus beeindruckender als diese Zahlen ist jedoch der Umstand, dass ganze Nationen den Einfluss von Google fürchten. Am signifikantesten zeigt das wohl die Geschichte, die sich um das Verhältnis von Google zur aufsteigenden Wirtschaftsmacht China rankt und die bei genaurerer Betrachtung eher nach dem Drehbuch für einen Science-Fiction-Wirtschaftskrimi aussieht als nach spröder Informationsvermittlung.

China greift als diktatorischer Staat gerne mal zu unorthodoxen Methoden der Zensur um die Verbreitung gefährlicher staatsschädigender Informationen und die potentielle Bildung von informellen Netzwerken zu unterbinden. Dies widerspricht natürlich deutlich der Unternehmensphilosophie von Google:

„Das Ziel von Google besteht darin, die auf der Welt vorhandenen Informationen zu organisieren und allgemein zugänglich und nutzbar zu machen.“

Da war es klar, dass es früher oder später zum Eklat kommen muss. Bereits als Google sein Angebot auf China ausweiten wollte gelang dies nur unter der Verpflichtung zur Selbstzensur. Google stand vor einer ideell-ökonomisch geprägten Zwickmühle: Zum einen winkte der lukrative chinesische Online-Werbemarkt mit einem geschätzt möglichen Umsatz von 6 Milliarden US-Dollar in den nächsten Jahren, zum anderen war da eben die Verletzung der Unternehmensphilosophie, welche zu einem bemerkenswerten Image-Schaden führen könnte – vor allem unter Beachtung der eingangs erwähnten detaillierten Berichterstattung. Google ließ sich nun zunächst darauf ein, bestimmte Inhalte freiwillig aus den Suchergebnissen rauszufiltern, wenn man sich mit dieser Entscheidung laut eigenen Angaben wohl auch schwer tat.

Der Cyber-Krieg und seine Folgen

Im Dezember letzten Jahres kam es dann zu einem Hacker-Angriff, der laut den Ermittlungen von Google wohl von der chinesischen Regierung initiiert worden war und neben Google noch 20 weitere international agierende Internetfirmen betraf. Was Google angeht galt der gezielte Angriff dem Email-Service Google Mail und den Postfächern von in China agierenden Menschenrechtsaktivisten, die selbstverständlich ganz oben auf der Liste der unerwünschten Persönlichkeiten stehen. Offenbar wollte China auf unlauterem Wege an Informationen kommen, die bei der „Sicherstellung“ dieser Störfaktoren behilflich sein können. Natürlich dementierte der Staat sämtliche Beteiligung an dem Angriff, doch für Google gab es nun nurnoch eine mögliche Konsequenz – die Verpflichtung zur freiwilligen Zensur war nicht mehr länger eine Option, selbst wenn das die Abschaltung der chinesischen Google-Seiten bedeuten würde. Das alles wurde ausführlich im Blog des Unternehmens veröffentlicht.

Was jedoch nicht von Google veröffentlicht wurde: Das Unternehmen plant eine Kooperation mit Amerikas geheimsten und mächtigstem Spionagedienst, der National Security Agency (NSA). Die NSA ist zuständig für die weltweite Überwachung und Entschlüsselung elektronischer Kommunikation und soll Google dabei helfen, die Umstände des Hacker-Angriffes herauszuarbeiten und eindeutig zu klären. Dies geht aus Insider-Informationen aus der Medienbranche hervor.

Die NSA hat in den letzten Jahren aufgrund der Durchführung von verfassungswidrigen Abhör-Aktionen von privaten Telefonanschlüssen ohne richterlichen Beschluss für negative Berichterstattung gesorgt. Und diese Sicherheitsbehörde kooperiert nun ausgerechnet mit dem Unternehmen, welches aufgrund seiner Tendenz zur umfassenden Datensammlung über seine Nutzer als „Datenkrake“ tituliert wurde – dystopische Visionen waren die Folge, vor Allem weil die Kooperation größtenteils unter vorgehaltener Hand stattfinden solle. Niemand könne so genau wissen, inwiefern Google der NSA den Zugang zu seinen Daten einräumen würde.

Ausblick auf die Zukunft

Das Fazit aus der Geschichte – die Globalisierung der Kommunikation ist in vollem Gange. In einer Welt, die sich in feingliedrige Bestandteile von hoher Komplexität zerteilt, ist der Informationsaustausch zwischen Individuen, Teilsystemen und Nationen von enormer Wichtigkeit, um die Entgrenzungstendenzen moderner Gesellschaften zu kompensieren. Doch ab und zu ragen kulturelle Schutzwälle auf, die die grenzenlose Freiheit der Kommunikation als Bedrohung ansehen. In Zukunft wird das sicherlich noch öfter zu Konflikten führen, und irgendwann wird man sich auch der Frage stellen müssen, wie viel Einfluss ein privatwirtschaftliches Unternehmen wie Google eigentlich auf die öffentliche und private Kommunikation haben darf. Man darf gespannt sein.

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Ein Gedanke zu „Kampf um das Internet

  1. sehr interessanter Artikel!
    Googles Rückzug oder Absage an China wirft wieder mal das Scheinwerferlicht auf die chinesische Frage: Wie geht der (freie) Westen mit der aufstrebenden und wirtschaftlich nicht uninteressanten, jedoch kontinuierlich menschenrechtsverletztenden Großmacht um?
    Die Frage stand im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 2008 in Peking ebenfalls stark im Vordergrund.
    Google hat sich jetzt entschieden, nicht weiter mit der chinesischen Regierung zu kooperieren, weil es gegen die Unternehmensphilosophie verstößt. Ganz so idealistisch geprägt war diese Entscheidung garantiert nicht, eher wie du schon sagst, aus Image wahrenden Gründen und Angst vor dem Imageverlust.
    Jedoch, was viele oder zumindest ich nicht wussten, ist, dass Google jetzt mit dem NSA in Sachen Aufklärung des Hackerangriffs zusammenarbeitet.
    Bei dieser Zusammenarbeit und wie tiefgreifend sie sich gestaltet, wird die Bevölkerung garantiert im Dunkeln gelassen.
    Für mich brodelt da immer ein mächtiges Gefahrenpotenzial mit…

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