Google Grundlagen

Radio wird nebenbei gehört und individuell. Man kann Radio hören ohne dass man es merkt. Wenn man diese Eigenschaft einmal als subtilen Rezipientenzugang bezeichnet, dann kann man sie auch in den Online-Medien finden: Immer dann wenn es um konsum- oder erkenntnisorientierte Suche geht, wirkt die große Suchmaschine.

Selbst Alt-68er, skeptische Akademiker und Vegetarier suchen – was den persönlichen Konsum oder schnelle Informierung betrifft – zunächst einmal bei Google. In der studentischen Szene hat sich die Wendung „googeln nach“ längst etabliert. Eine große Anzahl Nutzer fortgeschrittenen Alters (so ab 58) sind oft schon dankbar, wenn Sie unkompliziert Internetzugriff erhalten. Diese Nutzer fragen gar nicht nach anderen Suchportalen sondern danken Google als ihrer ersten und letzten Wahl die Einfachheit.

Allen Suchenden ist gemein, dass sie viele alltägliche Informations- und Selektionsprozesse auf einen Algorithmus auslagern und ihm dabei zwangsläufig vertrauen. Es ist dieses Verfahren, das Google den entscheidenden Wettbewerbsvorteil brachte und seitdem wie eine Weltbeherrschungsmaschine gehütet wird. Die Grundprinzipien (Vor- UND Nachteile!) hat Sixtus recht unterhaltsam in seiner Google-Story thematisiert.

Google ist auch ein tolles Beispiel dafür, dass pragmatische Wissenschaft sich lohnen kann: Seit Februar 2006 verkaufen die ehemaligen Studenten und Google-Gründer laut WiWo Ihre Aktien für bis jetzt über 3.000.000.000 Dollar. Die Visionäre und Gründerväter ziehen sich also zurück. Man beruft sich jetzt auf mehr, als den eigenen Forschergeist, wenn es darum geht, Probleme des PageRank-Verfahrens zu beseitigen: Die Auslistung (hier am Beispiel BMWs) ist ein gefürchtetes Druckmittel.

Wenn Wissenschaftler eine Firma gründen, gibt es natürlich eine große Forschungsabteilung – diese hat sich bei Google seit Gründung der Entwicklung von Vermarktungstechnologien gewidmet. Es scheint ja auch recht einfach, statistische Methoden auf die fast schon repräsentativen Suchanfragenmassen der Internetnutzer anzuwenden, wie das neuste Beispiel aus den Google-Trend-Labs belegt, dass von Fletcher in seinem Blog thematisiert wird.

Vier exemplarische WM-Begriffe wurden am 19.05. schon mal im Tagesspiegel online protokolliert.

Jeder kennt die „subtilen“ Werbeformen vom Radio: Sponsoring oder Patronage zum Beispiel. Google hat diesen Konzepten ein ganz besonderes hinzugefügt: Google AdSense. Auch dahinter wieder die Idee des subtilen Nutzerzugangs: Google AdSense Anzeigen werden algorithmisch ausgewählt, abhängig vom gerade (z.B. im Weblog) thematisierten Inhalten. Diese AdSense-Technologie ist laut Robert Basics Weblog auch die bekannteste und beliebteste Werbeform auf Blogs. Natürlich funktioniert diese Technologie nur beschränkt, Phil wundert sich in seinem Blog z.b. über christliche AdSense-Anzeigen.

Googles Vision ist also gänzlich unpolitisch – sie muss unpolitisch sein, um zu funktionieren: Jedem das bescheren, was er haben möchte … Es ist das Geschäft mit der offenen und subtilen Suche, Selektion und Vorauswahl auf ALLEN Ebenen. Künftig auch im Auto und andernorts. Das kommt zuweilen zwar einer ochlokratischen Bevormundung gleich, ist aber durch und durch demokratisch.

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