Totenkult oder tote Kultur?

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Der Kulturteil des Trierischen Volksfreunds hat es in sich. Und mit es ist nicht die Kultur gemeint.

Dabei bietet der erste Blick noch keinen Grund zur Besorgnis. Die erste Kulturseite widmet sich ausschließlich kulturellen Themen, meistens mit lokalem Bezug, selten überregionaler Natur. Auf ihr haben bis zu zwei größere Berichte, oder kleinere Kritiken Platz, nebst einiger Meldungen. Und das war?s.

Es folgen zwei bis drei Anzeigenseiten, sogar fünf, wenn man die sich anschließenden Seiten mit den Todesanzeigen mitzählt, die der Volksfreund euphemisierend mit Familienanzeigen überschreibt. Den Abschluss bilden etwa zwei Seiten, auf denen das breitgetreten wird, was in der Forschung ? ebenfalls euphemisierend ? oft unter Vermischtes zusammengefasst wird: Sex & Crime, Pseudowissenschaft, Promigeschichten, Klatsch und Tratsch. Also alles andere als Kultur.

Nun ja, in so einer kleinen Stadt wie Trier passiert eben nicht viel, könnte man argumentieren. Sollen die Kulturjournalisten doch froh sein, dass die Platz raubenden Todesanzeigen bei ihnen untergebracht sind und ihnen eine quälende Themensuche erspart bleibt. Außerdem ist der literarische Gehalt von Abschiedsversen trauernder Angehöriger nicht von der Hand zu weisen.

Ist die Kultur in Trier wirklich so tot?

Was würden die Direktoren der drei Museen dazu sagen? Was der Intendant des Trierer Theaters? Und die Betreiber der verschiedenen Veranstaltungshallen wären damit wohl ebenso wenig einverstanden wie die Chorleiter der Trierer Singgemeinschaften. Was hätte Kaiser Konstantin dazu gesagt, dass in der führenden Lokalzeitung seiner Stadt eines Tages der Anschein entstehen könnte, die dortige Kultur sei tot?

Nein, tot ist sie nicht. Doch der Volksfreund versucht sich in aktiver Sterbehilfe.

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