Hirn will Arbeit! Radio für die Zukunft
geschrieben von jbnickschas in Allgemeines, Internetradio, MedienwandelKommentar schreibenDas Radio der Zukunft gibt es schon heute: Am 18. Januar geht das neue ?Deutschlandradio Wissen? an den Start. Das neue Programm ist neben ?Deutschlandfunk? und ?Deutschlandradio Kultur? der dritte Ableger des Deutschlandradios. Das redaktionelle Konzept des neuen Senders lässt aufhorchen ? und könnte eine Zukunftsperspektive für das Medium Radio sein.
Die jungen Wilden, so nennt DLR-Intendant Willi Steul die elfköpfige Redaktion von ?Deutschlandrado Wissen?, ein werbefreies Vollprogramm, in das jährlich sieben Millionen Euro investiert werden. Und doch ist man offenbar der Ansicht, dass der neue Sender in unsere Zeit passt. Die Redakteure sind alle um die dreißig, sie sind die Radiomacher der Zukunft. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass ihnen gelingt, wovon andere Programmchefs nur träumen.
?Deutschlandradio Wissen? ist ein Radiolabor. Der neue Sender wartet mit einer ungewohnten Programmstruktur auf: Alle fünfzehn Minuten gibt es Nachrichten, immer aus einem anderen Themenzweig. Dazwischen laufen keine normalen Musiktitel, sondern eigens für den Sender entwickelte Soundbetten zur Untermalung des Programms.
Das Bemerkenswerteste jedoch ist die redaktionelle Aufbereitung der Inhalte: Es gibt einen eigenen ?Netz-Reporter?, quasi einen Korrespondenten im Web, Redaktionsblogs, eine täglich live übertragene Redaktionskonferenz, wöchentliche ?Zeit Online?-Talks und einzelne Beiträge noch vor der linearen Ausstrahlung auf der Homepage. Das sind neue Wege, die zu gehen bisher noch kaum ein Radiosender gewagt hat.
Die Loslösung vom Hauptprogramm, hin zu einer Nutzerorientierten Präsenz im Internet scheint der einzig sinnvolle Weg, mit dem Wandel der medialen Nutzungsgewohnheiten umzugehen. Wer sich nur auf das vermeintliche Kerngeschäft verlässt, wird auf Dauer nicht zukunftsfähig bleiben können. ?Deutschlandradio Wissen? macht sich auf den richtigen Weg, auch wenn die Senderverantwortlichen den Mund lieber noch nicht zu voll nehmen wollen: Von einem ?Radio-Labor mit Netzanschluss? ist die Rede, man will ?die Grenzen des Experimentellen testen?, so Intendant Steul.
Fest steht: Das Radio der Zukunft muss dem Nutzer mehr bieten als nur ein statisches, lineares Programm zum Zuhören. Die Mediengesellschaft von morgen will live dabei sein, wenn Inhalte entstehen, sie will mitreden, Themen und Nachrichten individuell konsumieren ? wann sie will, wo sie will und wie sie will.
www.dradio.de
www.tagesspiegel.de
18. Januar 2010 um 11:00
Natürlich eine nette Sache. Wobei nicht vergessen werden sollte, dass das Ganze mit unseren lieben GEZ- Geldern finanziert wird. Daher ist die Schaffung von “Deutschlandradio Wissen” kein Meilenstein in dem Sinne. Und auch die Kohle für massenhaft eigens komponierte Musikbetten aus dem Fenster zu werfen, das geht halt auch nur beim ÖR.
Dennoch bin ich gespannt wie’ s klingt.