Googles Prinzipien

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Google droht China mit dem „Abschalten“ der chinesischen Version der Suchmaschine „google.cn“, nachdem unbekannte Hacker versucht haben, die E-Mails chinesischer Menschenrechtler auszuspionieren, die auf Google-Servern gespeichert sind. In den kommenden Wochen will Google mit der chinesischen Regierung beraten, ob und inwiefern eine unzensierte Suchmaschine im Rahmen der chinesischen Gesetzeslage funktionieren kann. Was diesen Gesprächen folgen könnte, benennt Googles Rechtsabteilungs-Chef David Drummond:“ „Wir sind uns bewusst, dass das auch die Abschaltung von google.cn und die Schließung unserer Büros in China bedeuten könnte“.

Bisher betrieb der Konzern laut Spiegel-Online eine klare Kosten-Nutzen-Abwägung: „Google ist seit 2006 auf dem chinesischen Markt aktiv – und hat sich, wie andere westliche Internetunternehmen auch, verpflichtet, die lokalen Gesetze einzuhalten. Suchergebnisse auf Google China werden zensiert – wofür der Konzern scharf kritisiert wurde. Der Image-Schaden ist groß: Zensur steht Googles Firmenphilosophie „Don’t be evil“ („Sei nicht böse“) diametral gegenüber.“ Kann es sein, dass Google den Vorfall ausnutzt, um sich vom chinesischen Markt zurückzuziehen und gleichzeitig Positiv-Marketing zu betreiben?

Klar ist: „Google betreibt die weltweit meist genutzte Suchmaschine, liegt in China aber immer noch hinter dem einheimischen Anbieter Baidu.“, so die Welt. Je nach Messverfahren habe Google einen Marktanteil von 17 oder 31 Prozent und rangiert damit weit hinter dem lokalen Konkurrenten. Ein unretables Geschäft? „Offensichtlich betrachtet sich der Konzern als so mächtig, dass er einerseits auf den chinesischen Markt, immerhin einen der größten der Welt ? verzichten kann. Und andererseits auch als stark genug, sich mit der chinesischen Regierung anzulegen. Etwas, das nicht einmal große Industrienationen wie Deutschland oder die USA ernsthaft wagen.“, meint der Tagesspiegel.

 Weiterhin sei die genaue Faktenlage unklar, es gebe keine Beweise dafür, ob die Hacker von der Regierung beauftragt waren und wie erfolgreich sie letztendlich bei der Spionage gewesen sind.  Außerdem fragt Spiegel-Online , warum die Hackerangriffe erst jetzt publik gemacht wurden, obwohl sie nach Konzernangaben schon im Dezember erfolgten. Auch die Zeit bestätigt:“ Der Hacker-Angriff im Dezember sei weitgehend erfolglos geblieben, schilderte Google. Die Angreifer hätten sich lediglich Zugang zu zwei E-Mail-Postfächern verschaffen können. Auch dabei hätten sie jedoch nur die Kontoinformationen und die Betreffzeilen der E-Mails einsehen können, nicht aber ihren Inhalt.“

Es spricht also einiges dafür, dass Google die Gunst der Stunde genutzt hat, um einen strategischen Rückzug in Angriff zu nehmen – alles unter dem Deckmantel der Menschenrechte.

Es ist fraglich, ob sich dieser Rückzug auszahlt. China ist ein riesiger Markt mit enormem Entwicklungspotenzial. Selbst wenn Google mit seinem Rückzug Geld einsparen wird: „Wenn Google nicht in China operieren darf, könnte das weitreichende Folgen für das langfristige Wachstum des Unternehmens haben“, sagte Imran Khan, Analyst bei JPMorgan, dem „Daily Telegraph“ ( via SPON).

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