Kulturkampf – “taz” und “Bild”

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Sie kämpfen schon seit fast 40 Jahren, die konservative “Bild” und die linkskritische “taz”. Der Streit geht zurück auf die Studentenunruhen in den sechziger Jahren. Damals berichtete die “Bild” negativ über die Studenten und stiftete so  zum Volkszorn gegen sie. Die 68er glaubten die Berichterstattung der “Bild”  sei mit für den Tod Benno Ohnesorgs und das Attentat auf Rudi Dutschke verantwortlich.

Es scheint ein ungleicher Kampf. Die “taz”, von einer Genossenschaft herausgegeben, mit einer Auflage von 65.000 gegen die “Bild”, mit ihrem Chefredakteur Kai Diekmann, die größte Zeitung Europas mit einer Auflage von mehr als drei Millionen.

Doch bis heute hat die “taz” es geschafft sich gegen die “Bild” zu behaupten. Ihr Erfolg lässt sich unter anderem auf ihren Witz, die Frechheit und die Satire zurückführen. Im Jahr 2002 berichtete die “taz” auf der Satire-Seite über eine angeblich durchgeführte, missglückte Genitalverlängerung des “Bild”-Chefredakteurs Kai Diekmann. Den anschließenden Rechtsstreit mit der “taz” verlor Diekmann. Nun hat der Künstler Peter Lenk mit Zustimmung der “taz” an deren Redaktionsgebäude in Berlin eine “Anti-Springer-Installation” (Spiegel Nr.49) mit dem Titel: “Friede sei mit dir” angebracht. “Es zeigt einen Mann der Diekmann ungeheurer ähnlich sieht, mit einem übergroßen Geschlechtsteil” (www.derwesten.de 30.11.09) Diese Skulptur sorgt für Aufruhr. Es scheint als verliere die “taz” ihren eigenen Humor und vielleicht somit einen Teil ihrer Identität. Denn Einigkeit über die Skulptur herrscht in den Reihen der “taz” nicht. Die neue Chefredakteurin Ines Pohl ist alles andere als erfreut über diese Art der Kunst. Das Selbstverständnis der “taz” wird in diesen Tagen auf die Probe gestellt. Leser sind genervt und Redakteuren ist der “Riese” peinlich. Doch was würde es bedeuten die Skulptur jetzt wieder abzunehmen? Stärkt man damit nicht Diekmann? Er nutzt die Gelegenheit und blogt was das Zeug hält über den internen Streit der “taz”-Redaktion.

Fest steht, dass die Skulptur erst mal bleibt. Denn Peter Lenk droht mit einer hohen Summe Schadensersatz. Für Ines Pohl ist das wohl eine bittere Tatsache. Ihr Einsatz gegen die Skulptur scheint nicht geglückt. Nach der Kritik an ihrer Vorgängerin Mika und ihrer Reaktion auf den “Riesen” wird es für Pohl schwer sein, den internen Konflikt beizulegen.

Man könnte sagen die “taz” hat sich mit ihren eigenen Mitteln, dem Witz und der Satire, im Kampf mit Kai Diekmann schwer zugesetzt. In meinen Augen lässt genau diese Tatsache, die ganze “Riesen”-Affäre so lächerlich erscheinen. Mit dieser Skulptur hat die “taz” Diekmann in die Arme gespielt. Der die Empörung in der Medienwelt und Gesellschaft zu nutzen weiß. Ich finde die “taz” ist etwas über das Ziel hinausgeschossen. Solch eine Skulptur passt nicht an das Redaktionsgebäude der “taz”. Meiner Meinung nach käme die Funktion der Skulptur die Methoden der Boulevardpresse zu entlarven an einer anderen Stelle, ohne eine Verbindung zur “taz”, besser zur Geltung.

Quellen:

- “der Westen” das Portal der WAZ Mediengruppe (zuletzt gesichtet am 09.12.09): http://www.derwesten.de/kultur/Bild-und-taz-streiten-um-eine-Penis-Skulptur-id2182548.html

- “Der Spiegel” Nr.49 2009, Thomas Hüetlin: “Tanz den Axel Springer” S.184-186

2 Kommentare zu “Kulturkampf – “taz” und “Bild””

  1. s2evalek sagt:

    Die “taz” wurde erst 1979 gegründet und feierte im April dieses Jahres ihren 30. Geburtstag. Vielleicht existierte sie während der 68er-Unruhen als Idee in manchen kreativen Köpfen, aber keineswegs als gedruckte Zeitung.

  2. jbnickschas sagt:

    Provokation war doch schon immer eine Stärke der “taz”. Ob man sich mit dieser Aktion jedoch einen Gefallen getan hat, wage ich auch zu bezweifeln. Für Diekmann ist das natürlich ein gefundenes Fressen und er kann sich erneut als Opfer in Szene setzen.

    Verständlich auch, dass die Redakteure und Mitarbeiter nicht unbedingt begeistert sind, jeden Tag in ein auf diese spezielle Weise “verziertes” Gebäude gehen zu müssen. Kunst ist eben immer auch Geschmackssache …

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