obx. Eine Kennung, die alles bedeuten kann. Nachrichtenagentur? Redakteurskürzel? Immerhin eine Kürzung, wie man sie in objektiven, informationsorientierten und sachlich Tatsachen vermittelnden Zeitungsbeiträgen findet. obx. dpa. afp. Aha, denkt der kundige Leser, unabhängige Nachrichtenberichterstattung. Doch obx, wie man es in bayerischen Tageszeitungen immer häufiger findet, ist alles andere als Zeichen für Seriosität. Es ist das Kürzel einer PR-Agentur, finanziert durch “Projektpartner”, zum Beispiel durch den Tourismusverband Ostbayern, die in ihren Beiträgen subtil Botschaften transportiert. Sie verspricht kostenloses Material, das sie den Redaktionen zur Verfügung stellt. Oft werden die gelieferten Meldungen von den Redaktionen ungeprüft und unverändert übernommen. Da der Service unentgeltlich ist, bedienen sich die bayerischen Lokalzeitungen liebend gerne.
Aber darf man als Journalist eine offensichtlich PR-gesteuerte Nachrichtenagentur nutzen? Das Mutterunternehmen NewsWork beschreibt sich selbst wie folgt: “NewsWork öffnet mit professioneller Pressearbeit Unternehmen und ihren werbewirksamen Nachrichten den Weg in die deutschen und internationalen Medien”. Ganz offen wird hier der kommerzielle und wenig objektive Inhalt der gelieferten Beiträge kund getan.
Die Chefredaktion der Passauer Neuen Presse gab dazu folgendes Statement ab: “Wie entscheiden ausschließlich nach journalistischen Kriterien und unter der alleinigen Prämisse des Leserinteresses.” Aber wenn den Redaktionen selbst schon Beiträge geliefert werden, die im Sinne der Förderer und finanzierenden Partner getextet werden, kann man doch nicht mit journalistischen Kriterien argumentieren, wie es die Redaktion hier tut. Objektivität als ein wichtiges journalistisches Kriterium ist zum Beispiel sofort hinfällig, sobald solch eine Nachrichtenagentur Züge einer Werbeagentur aufweist und sich die Redaktionen dort dennoch bedienen.
Quelle: journalist 11/2009
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