Weblogs = Journalismus?

geschrieben von KatharinaGruen in Allgemeines, Internet, Medienkritik, Medienwandel, Weblogs, Zukunft des InternetKommentar schreiben

Da wir über diese heiß diskutierte Frage schon im Seminar “Onlinejournalismus” von Herrn Bucher lange gesprochen haben, möchte ich sie hier noch einmal in den Raum werfen und zur Diskussion stellen.

Sind Weblogs Journalismus? Sind Blogger Journalisten? Ist bloggen vielleicht eine neue Art von Journalismus? In welchem Verhältnis stehen Blogs und klassischer Journalismus zueinander? Werden Blogs/Blogger in Zukunft den klassischen Journalismus/Journalisten ersetzen oder ergänzen sie ihn nur? Welche Vorteile bietet der klassische Journalismus, welche bieten Weblogs?

Hier einige Thesen und Anhaltspunkte zur Diskussion:

- Weblogs greifen Themen auf, die im klassischen Journalismus keine Beachtung finden und zu kurz kommen und können sogar Themen in den klassischen Medien setzen.

- Klassischer Journalismus ist objektiv und glaubwürdig, im Gegensatz zu Weblogs, die oft subjektive und unglaubwürdige/nicht ausreichend belegte Informationen enthalten.

- Weblogs erweitern die gesellschaftliche Öffentlichkeit und lassen marginalisierte Personen und Gruppen zu Wort kommen.

- Weblogs haben ein Interaktionspotential, das den klassischen Medien weitgehend fehlt.

Wie seht ihr das Verhältnis von Weblogs und Journalismus?

Weitere Diskussionsansätze, Infos und Meinungen siehe beispielsweise hier, hier, hier# und hier

6 Kommentare zu “Weblogs = Journalismus?”

  1. roms2201 sagt:

    Ich halte Weblogs durchaus für sinnvolle Instrumente des Journalismus, wie du in deinen Anmerkungen auch betont hast. Jedoch sehe ich ein großes Problem in der Glaubwürdigkeit der Quelle: Wenn es sich nicht gerade um einen weltweit bekannten Blog handelt, wäre ich persönlich eher skeptisch, wenn ich auf einer unbekannten Blogger-Seite z.B. vermeintliche “Verschwörungen” lesen würde. Ich würde es zumindest nicht direkt glauben und eine “seriöse” Quelle, Marke Spiegel-Online heranziehen. Die mangelnde Transparenz der Quellen ist meiner Ansicht nach das Hauptproblem von Weblogs.

  2. eile2101 sagt:

    Prinzipiell sind die Merkmale des Blogs hier wie auch in einschlägiger Literatur genannt. Faktum: Besonders im (tages)aktuellen Bereich bedienen sich Journalisten Blogs zur Themeninspiration. Aber dürfen sie laut Definition nicht partizipieren? Ausserdem gibt es seriöse Blogs, die von Journalisten geführt werden. ine klare Definition bzw. Zuordnung der Bloggestalter ist also nicht möglich und vielleicht auch gar nicht so wichtig. Solange ein Medium über seine Merkmale definiert werden kann, ist es weniger wichtig, den Journalistenbegriff bzw. den Begriff des Bloggers auf das Medium zu münzen.

  3. j_salm sagt:

    Ein ganz klares “kommt drauf an” ;)
    Allgemein lässt sich der Maßstab meiner Meinung nach ohnehin nur an die Weblogs anlegen, die journalistisch sein wollen.

  4. webe3707 sagt:

    Hier stimme ich meinem Vorredner zu. Es gibt Blogs und Blogs. Solange niemand von seinem Blog behauptet, dass er journalisten Ansprüchen genügt, kann er schreiben was er will ohne großartige Belege anzuführen. Sollte es sich aber um einen seriösen Blog handeln, der auch als solcher ausgewiesen ist, dann kann man entsprechende Standards erwarten, wie z.B. den Rückgriff auf seriöse Quellen. Sollten dann bestimmte Kriterien erfüllt sein kann man, wie ich finde, bei Weblogs auch von Journalismus reden. Jedoch ist eine solche Zuordnung nach wie vor eine Gradwanderung die in so geringem Unfang nicht möglich abzuhandeln…

  5. bade2c01 sagt:

    Christoph Neuberger kommt bei seiner Untersuchung im Rahmen eines DFG-Forschungsprojekts auf gerade einmal 18 als journalistisch identifizierte Weblogs in deutscher Sprache.
    Der Artikel aus Media Perspektiven 4/2009, in dem er die Ergebnisse seiner Untersuchungen vorträgt, trägt den Titel “Journalismus im Internet: Zwischen Profession, Partizipation und Technik” ist generell lesenswert, das aber nur als kleine Anmerkung am Rande.

  6. bade2c01 sagt:

    … und natürlich online verfügbar. Hier: http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/04-2009_Neuberger.pdf

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