Sascha Lobo verkauft seine Unabhängigkeit?

Die Frankfurter Rundschau druckte am Freitag einen Artikel über Blogger, Autor und Internet-Strategieberater Sascha Lobo mit dem Titel „Der Netzbeschmutzer“.

Lobo wirbt neuerdings für das Telekommunikationsunternehmen „Vodafone“ in dessen neuer Kampagne „Es ist Deine Zeit“ (TV-Spot hier). Die Kampagne richtet sich vor allem an jüngere/jugendliche Mitbürger, die von Lobo so genannte „Generation Upload“.

Vor allem in der Blogosphäre entbrannte daraufhin die Diskussion, ob ein bekannter A-List-Blogger wie Lobo sich derart vermarkten und gleichzeitig in seine(n Aussagen übe)r Unabhängigkeit und Unangepasstheit glaubwürdig bleiben könne.

Auf jetzt.de ist zum Thema folgende Zusammenfassung der Kritik zu lesen:

Im Kern lässt sich die Kritik an der Kampagne auf zwei Argumente runter brechen: Die einen zeigen sich genervt von der Person Sascha Lobo. Die anderen […] werfen Lobo vor, sich zwar einerseits gegen die Zensursula genannten Netzsperren zu engagieren, andererseits aber mit Vodafone zusammenzuarbeiten, wo man sehr viel positiver auf die Pläne der Ministerin von der Leyen reagiert hat.

Lobo reagierte auf die Aufregung mit einem Post, in dem er sich selbst interviewte und gab folgende Statements ab:

Auf die Frage: „Dürfen Blogger eigentlich Werbung machen?“ antwortet Lobo:

Natürlich dürfen Blogger Werbung machen; noch dazu habe ich ja nie verschwiegen, Werber zu sein. Markenkommunikation war schon immer mein Beruf.

In Bezug auf den Widerspruch zwischen persönlicher Ablehnung des Gesetzes zur Sperrung von Kinderpornografie-Seiten im Internet (Lobo heiße die Einführung einer Infrastruktur zur Zensur des Netzes nicht gut) und Befürwortung ebendieser Sperren durch Vodafone, sagt Lobo:

[…] ich halte die Sperren für falsch. Vodafone war hier anderer Auffassung. Das grundsätzliche Thema ist allerdings ein politisches ? das auch politisch angegangen werden muss. Man darf nicht den Fehler machen zu glauben, dass hier mit dem derzeitigen Gesetz auf einmal alles vorbei sei. Vielmehr ist Netzpolitik ? Politik generell ? ein ständiger, diskussionsintensiver Prozess. Ich werde mich weiter inhaltlich einbringen und freue mich deshalb, dass Vodafone mich nicht nur als Testimonial, sondern auch als strategischen Berater an Bord geholt hat.

Bleiben für die Allgemeinheit und die Blogosphäre dennoch Fragen im Raum stehen:
Haben Blogger wie Lobo eine Art moralische „Verpflichtung“, gänzlich unabhängig zu bleiben und Zusammenarbeiten wie die mit vodafone zu unterlassen?
Bedeutet die Teilnahme an der Werbekampagne den Verlust von Lobos Unabhängigkeit?
Ist Lobo einfach nur ein nichtskönnender Selbstdarsteller?
Internet-Sperren: ja oder nein?
Und, nicht zuletzt: Warum besitzt Lobo vier (!) I-Phones, die hierzulande bis jetzt nur mit T-Mobile-Vertrag erhältlich sind?

Eure Meinung ist gefragt.

Weiterführende Links:
Sascha Lobo Interview im Rahmen der vodafone-Kampagne auf youtube: http://www.youtube.com/watch?v=wlooAdhDUFo
Sascha Lobo Interview auf focus.de: http://www.focus.de/digital/internet/sascha-lobo-ich-werde-meine-iphones-nicht-wegwerfen_aid_416582.html
Blogger „Don Alphonso“ zum Thema: http://blogbar.de/archiv/2009/07/14/vodafone-kommunikation-ohne-reissleine/

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