Der Kampf Gegen Zensur in China

Erwarten sie nicht, Nachrichten über den Dalai Lama, den Kampf der Tibeter um Selbstbestimmung, Falun Gong oder die Proteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Jahre 1989 in chinesischen Medien zu entdecken. Berüchtigt für seine strikten Zensurgesetze, ist China nach Angaben von Amnesty International das Land mit der größten Zahl an inhaftierten Journalisten und Bloggern. Ein neuer weltweit kritisch bemerkter Fall von Medienzensur ist die Antrittsrede von Präsident Obama, aus der auf mysteriöse Weise das Wort ?Kommunismus? verschwand.


Das ?Council on foreign relations?, ein amerikanischer ?Think tank? , dessen Vertreter auch das Außenministerium der USA beraten, erklärt, dass Chinas Ministerium für öffentliche Sicherheit zehntausende Kontrolleure zur Beobachtung von Internetinhalten beschäftigt. Microsoft blockierte auf ihre Anordnung die Seite eines chinesischen Bloggers , die sensible politische Themen behandelte, im Jahr 2005. Bill Gates, Vorsitzender von Microsoft, betonte, das Microsoft sich lediglich an die Gesetze der Länder halte, in denen der Konzern tätig sei, erklärte aber auch : ? Die Fähigkeit, Informationen effektiv zurückzuhalten, existiert nicht mehr.?


Chinas strikte Zensur bringt Journalisten in Gefahr. Jiao Guobiao, ein Professor am Zentrum für Medien- und Kommunikationsstudien der Universität Peking verfasst die Deklaration für eine Kampagne gegen die zentrale Behörde für Propaganda, und nannte vierzehn Gründe dafür. Sein vierter Grund heisst : ? Ich kann die Art und Weise nicht mehr ertragen, wie sie auf dem gesunden Menschenverstand der Bürger herum getrampelt sind.? Er erklärte auch, das die Worte ?Bürger?, ?Demokratie?, und ?Freiheit? weiterhin Tabubereiche sind. Anstatt von Bürgern wird etwa im Behördenjargon von ?einfachen Menschen? gesprochen.
Die Deklaration war eine Antwort auf die Strafen gegen Journalisten, die Artikel über den Ausbruch der Hühnergrippe SARS ohne Genehmigung ihrer lokalen Propagandabehörde veröffentlicht hatte. Jiao wurde gezwungen, die Universität aufgrund seiner provokanten Thesen zu verlassen, und lehrt seitdem in den USA, England und Deutschland.

 
China ist nicht das einzige Land mit Internetzensur ( Iran, Saudi- Arabien, Vietnam oder Usbekistan sind andere) aber mit 210 Millionen registrierten Nutzern sicherlich das größte.
Wie weit Zensur aber mit der Weiterentwicklung moderner Kommunikationsmöglichkeiten überhaupt noch praktikabel ist, wird sich Peking, Shanghai und Guangdong zeigen.

 

Quellen :

http://www.asiamedia.ucla.edu/article.asp?parentid=17004

http://www.asiamedia.ucla.edu/article.asp?parentid=17025

http://www.icorn.org/articles.php?var=111                                              

http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/7841580.stm        

http://www.cfr.org/publication/9856/                      

http://www.usatoday.com/tech/news/techpolicy/2008-04-22-InternetBandits_N.htm

http://en.wikipedia.org/wiki/Internet_censorship_in_the_People’s_Republic_of_China

 

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2 Gedanken zu „Der Kampf Gegen Zensur in China

  1. Laut eines Artikels in der März Ausgabe der Zeitschrift NEON erhalten chinesische Journalisten Geld, wenn sie über ein Ereignis nicht berichten.
    Für besonderes Aufsehen sorgte die Nichtberichterstattung über ein Minenunglück in der Provinz Shanxi.
    Dort machte ein Fotograf heimlich Bilder von Kollegen, die sich in Listen eintragen, um danach ihr Geld abzuholen. Die im Internet verbreiteten Bilder lösten einen Skandal aus, worauf die Generalverwaltung für Presse und Publikation in einem eigenen Bericht den Vorfall herunterspielte.

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