Crossmedia als Qualitätskriterium? Zeitungen Online 2008

Einbrüche im Anzeigen- und Abonnementgeschäft,  sinkende Auflagen und ein zunehmend gewandeltes Mediennutzungsverhalten der Jugend veranlassten deutsche Tageszeitung in den vergangenen Jahren zu einem verstärkten Engagement im World Wide Web. Der Web2.0-Boom trug sein übriges dazu bei – Weblogs, Social Networking und neue Aktualisierungs-Tools (man denke  etwa an RSS-Feeds) schufen neue Möglichkeiten zur Information und Interaktion. Doch wie reagieren deutsche Tageszeitungen auf die sich bietende Potenziale? Wer springt wie auf den „Zug der Zukunft“ auf? Und in welchem Umfang machen sich Tageszeitungen die Spezifika der Onlinekommunikation zu Eigen ?

Antworten hierauf liefern die beiden ehemaligen Trierer Medienwissenschaftler Steffen Büffel und Sebastian Spang in ihrer Studie „Zeitung Online 2008„.  Darin werteen sie die Onlineangebote der 100 auflagenstärksten deutschen Tageszeitungen nach interaktiven, multimedialen und Web2.0 Featuren aus und stellen die gewonnenen Erkenntnisse in Kontext der beiden – ebenfalls von Steffen Büffel in Zusammenarbeit mit Alexander Svensson, Falk Lüke und Igor Schwarzmann erstellten Zeitungsstudien 2006 und 2007.  Die Quintessenz der Studie lässt sich wie folgt zusammenfassen: Video-Angebote, RSS-Feeds, Kommentarfunktionen, Artikel-Klick-Rankings und Social Bookmarking erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und verzeichnen gegenüber den Vorjahren einen nicht unerheblichen Anstieg.  Foren, Chats und Audio-Podcasts stagnieren oder sind gar rückläufig. Die Zahl der Blogs bleibt stabil. Diese Trends der Angebote zeigen: die User diskutieren längst nicht mehr (nur) untereinander, sondern werden durch Blogs und Kommentarmöglichkeiten einzelner Artikel direkt in einen Dialog mit den Medienschaffenden eingebunden.

Die quantitative Ausschöpfung der sich bietenden Interaktions- und Kommunikationspotenziale demnach als Qualitätskriterium für die Onlineakitivitäten von Tageszeitungen? Nicht direkt. Sicherlich liefern die quantitativen Daten erste wichtige Hinweise (vor allem im Bereich von Kommentarfunktionen und RSS-Feeds), letztlich aber braucht es den Blick ins Detail. Nur eine qualitative Auswertung der aufgeführten Features ermöglicht den Zugang zur Bewertung und Einschätzung der redaktionellen Inhalte (bspw. bei Videoangeboten) oder die spezifische Nutzung einzelner Blogs.  Was die rein quantitative Studie bis her nicht verrät, wollen Steffen Büffel und Sebastian Spang schon bald in einem zweiten, qualitativen Analyseschritt leisten.

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3 Gedanken zu „Crossmedia als Qualitätskriterium? Zeitungen Online 2008

  1. In der Tat ist die qualitative Studie nötig. Denn unabhängig von der Frage, ob die genannten neuen Gimmicks des Web 2.0 für die Online-Ableger der Tageszeitungen überhaupt Nutzen stiften können, kann man den Nutzen deren Einsatzes erst beurteilen, wenn man die jeweiligen Angebote genau unter die Lupe nimmt. So sagt beispielsweise die Feststellung, dass eine Tageszeitung viele Videos online stellt noch gar nichts aus über die Qualität des Online-Angebots und die Erfüllung der Orientierungs- und Informationsfunktion des Mediums.

  2. Das kann man ja Beispielsweise gut am in Trier ansässigen Volksfreund erkennen. Zwar ist dieser bei jeder neuen Entwicklung (Podcast, Blog´s, Onlinekommentar usw.) mit von der Partie aber die Umsetzung und Nutzung weist hier doch sehr häufig große Mängel auf.

  3. Ich bin gespannt, ob es Reaktionen von Seiten der Zeitungshäuser auf diese Studie geben wird. Werden Sie ihr Online-Angebot entsprechend der Erkenntisse anpassen? Oder lassen sie alles beim Alten und beachten die Studie nicht weiter?

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