Casting-Shows ? Zwischen Erfolg und ?Talentfreiheit?

geschrieben von s2juharr in Fernsehen, MedienkritikKommentar schreiben

?DSDS?, ?Germany?s Next Topmodel?, ?Das Supertalent? ? alles wird irgendwie ?gecastet?. Unzählbar sind die TV-Shows, in denen der beste Sänger, eine neue Band, die Schönste, derjenige, welcher das größte Talent in ?irgendetwas? hat, oder gar der König des Dschungels gesucht wird.

Konstantin Wecker (Sänger, Lyriker und Buchautor) war am vergangenen Donnerstag zu Gast in der ZDF-Sendung ?Volle Kanne?. Natürlich trat er dort in der Intention auf, Werbung für seine demnächst anstehende Tour zu machen. Doch es wurde nicht nur über seine Karriere gesprochen, Wecker durfte auch seine Meinung zur Qualität des Fernsehens äußern: Er beschwerte sich über die Casting-Shows, die im Grunde ja nichts Verwerfliches sind. Was ihn jedoch stört, ist die Art und Weise, wie die Menschen zum Teil ?denunziert? werden. Dies sei dann auch der Ausschlag gebende Punkt, warum man nicht mehr von qualitativ hochwertigem Fernsehen sprechen könne. Hierbei nahm er speziell die öffentlich-rechtlichen Sender in Schutz. In diesen würde man niemals eine Casting-Show zu sehen bekommen, weil das Öffentlich-Rechtliche Menschen nie so herabwürdigend behandeln würde, wie dies der Fall bei so mancher Show ist, wo Menschen vor laufenden Kameras als ?talentfrei? abgestempelt werden.

Qualität hin oder her ? Tatsache ist: Die Einschaltquoten sind hoch und die Castingshows erleben in den letzten Jahren einen regelrechten Boom. Die Menschen kleben geradezu vor den Fernsehern. Ich selbst bin kein Fan von Casting-Shows. Sicherlich haben viele Teilnehmer dieser Shows ihre Ambitionen: Sie wollen ein Star werden, einmal im Rampenlicht stehen und da müssen sie auch so einiges in Kauf nehmen. Und allen müsste auch klar sein, dass sie sich womöglich auch zum Affen machen könnten; dass der ganze große Traum vom Erfolg ganz schnell wie eine Seifenblase zerplatzen kann. Konstantin Wecker hat speziell betont, dass die Würde des Menschen in diesen Sendungen verletzt würde. Man denke nur einmal daran, wie ?ehrlich? Dieter Bohlen die Castingteilnehmer kritisierte. Eben dieser Punkt stört mich: Für viele ist es eine Mutprobe, daran teilzunehmen; sie haben einen Traum vor Augen und glauben meistens daran, dass sie alles schaffen können. Schließlich wird ihnen tagtäglich von den Medien eingetrichtert, dass jeder irgendwie zu den Stars & Sternchen gehören könnte. Diese Shows leben von den Teilnehmern (und natürlich von den Einschaltquoten) und diesen ist auch klar, dass die Kritik durchaus hart sein kann. Aber ich finde, dass das nicht mehr sehr niveauvoll ist, was sich da an so manchem Samstagabend im Fernsehen abspielt, wenn sich ein Kandidat anhören muss, dass er ?gar nix drauf? hat und es auch nie ?zu was bringen? wird. Doch ist es wohl das, was das Publikum sehen und hören will. Hauptsache man hat was zu lachen und am besten über andere?

Quellen:

9 Kommentare zu “Casting-Shows ? Zwischen Erfolg und ?Talentfreiheit?”

  1. s4tikauh sagt:

    Mal wieder ein klarer Fall von Voyeurismus. Menschen wollen einfach sehen, wie sich andere zum Affen machen oder jedes einzelne Detail aus ihrem bewegten Leben wissen.

    Wenn man nicht wüsste, wie sehr die verschiedenen Shows darauf aus sind, ihre Kandidaten in der Öffentlichkeit in all ihren Facetten (und dazu gehören bei Weitem nicht nur die guten) darzustellen, könnte man auch ab und an den Eindruck gewinnen, die Kandidaten selbst versuchen mit ihrem oftmals tragischen Schicksal die Zuschauer für sich zu gewinnen.

    Da ich das in den seltensten Fällen vermute – was aber nicht ganz ausgeschlossen werden kann – wird so gegenüber dem Zuschauer ein falsches Bild der Teilnehmenden vermittelt. Das darf, meiner Meinung nach, auf gar keinen Fall geschehen. Nicht auf Kosten des Ansehens der einzelnen Kandidaten.

  2. Nouri sagt:

    Ich selbst kenne einen jungen Mann, der letzes Jahr am Casting teilgenommen hat und auch unter die 30 besten kam. Diese Jahr versucht er sein Glück natürlich wieder. Das denke ich spricht schon für die Qualität des Castings. Leider nicht für die Qualität der Show. Ich denke, zum großen Teil ist auch der Zwang hohe Einschaltquoten zu erzielen, Schuld an der Menschen verachtenden Art und Weise wie Dieter Bohlen und co. die Teilnehmer “kritisieren”. Insofern ermöglicht das Bloßstellen der schwächeren Bewerber überhaupt erst die nötigen Einschaltquoten und im Endeffekt eben die Chance für die wahren Talente. Ich möchte damit keineswegs dieses öffentliche Beleidigen in Schutz nehmen, frage mich allerdings auch immer wieder, wieso manche Leute nur denken, sie hätten dort eine Chance…

  3. s2magrab sagt:

    Dem kann ich nicht so zustimmen.

    1. Die Personen, die an solchen Shows teilnehmen, wissen was sie erwartet. Sie unterschreiben Verträge, in denen sie all dem zustimmen. Wer an so grober Selbstüberschätzung leidet,wie speziell bei einigen Kandidaten bei DSDS gesehen, hat es nicht besser verdient.
    2. Nicht alles, was bei solchen Casting-Sendungen herauskommt ist “schlecht”. Man denke zum Beispiel an Paul Potts, der mit Sicherheit nicht dem Klischee eines Casting-Teilnehmers entspricht.
    3. Wer die Sendungen, speziell die anfänglichen Catings guckt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er hauptsächlich mit schlechten Sängern/Schauspielern, usw. konfrontiert wird. Erst im späteren Verlauf der Sendungen erlebt man die echten Talente

    PS: ich würde das Dschungel-Camp nicht als klassische Casting-Show betrachten. Dort versuchen sich abgehalfterte Stars zu präsentieren, in der Hoffnung ihre Karriere wiederzubeleben. Bei Ross scheints ja sogar geklappt zu haben…

  4. s2juharr sagt:

    Ja, da muss ich dir zustimmen. Das Dschungel-Camp passt da nicht hinein. Ich dachte in diesem Moment bloß daran, dass ständig “irgendetwas” bzw. “irgendwer” im TV gesucht wird, sei es ein Superstar, ein Dschungelkönig oder sonst etwas. Im Fernsehen wird nach ganz “sonderbaren” Dingen gesucht und gecastet…
    Ich will auch nicht sagen, dass die Menschen nicht wissen, worauf sie sich einlassen und dass die Produkte, die durch diese Sendungen geschaffen werden, “Schrott” sind. Um es ganz salopp auszudrücken: Ich mag den Umgangston, der dort vorherrscht, einfach nicht. Ich finde, dass die Kritiken zum Teil einfach die Grenze des Tolerierbaren überschreiten und deswegen kann ich das nicht als ?qualitativ hochwertiges Fernsehen? bezeichnen. Aber das ist nun einmal meine ganz persönliche Einschätzung. Fakt ist jedenfalls, dass Casting-Shows die “Massen” faszinieren… und zu interessanten Diskussionen anregen können.

  5. Luisa Humm sagt:

    Was ist denn “qualitativ hochwertiges Fernsehen”? Welche Kriterien legst du da an?

    Aus Sicht der Produzenten ist es ziemlich leicht das zu beantworten: Gut ist, was hohe Einschaltquoten bringt.
    Daraus könnte man wiederum ableiten: Das Publikum will die Scheiße, also darf es sich auch nicht beschweren..

  6. Nouri sagt:

    Zum Stichwort Einschaltquoten an dieser Stelle vielleicht noch der Hinweis, dass die Bewerber bevor sie vor Dieter Bohlen vorsingen können, erst einmal in einem Vorcasting ausgewählt werden müssen. Es werden also bewusst auch eher schwächere Kandidaten in die Shows eingebracht. Da diese aber sowieso wieder rausfliegen, kann es sich ja dabei nur um ein Mittel handeln, Einschaltquoten zu erzielen.

  7. s3sakoel sagt:

    Ich habe im Freundeskreis erlebt, dass sich Menschen getroffen haben um sich die ersten Castingfolgen anzuschauen, aus dem einzigen Grund sich über die anderen lustig zu machen. Aber ist das nicht genau das was die Produzenten damit bezwecken??
    Vor ein paar Jahren war Big Brother der großer Renner, heute sind es Casting Shows. Das Interesse wird vermutlich auch nicht ewig anhalten und dann müssen sich die Produzenten etwas Neues einfallen zu lassen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, was mich erwartet.

  8. s2netheo sagt:

    Also wenn das so ist, dass Kandidaten ein Vorcasting bestehen müssen, dann kann man hier ja wohl auch nicht mehr von Menschen mit Selbstüberschätzung sprechen. Wenn dieses Statement wirklich stimmt dann werden diese Menschen mit Absicht bloßgestellt. Sie bekommen ja vorher ein positives Feedback im Vorcasting, sonst würden sie ja nicht weiterkommen. Anschließend werden sie in die wirkliche Casting-Show geschickt. Dort werden sie aber dann zumeist aufs Übelste beleidigt und nach Hause geschickt. Das würde auch die für uns oft nicht nachvollziehbare Reaktion dieser Kandidaten erklären. Dadurch, dass diesen Kandidaten vorgespielt wird sie seien talentiert, damit sie in der Show blossgestellt werden können, um höhere Einschaltquoten zu erreichen, werden in meinen Augen nicht nur die Kandidaten selber sondern auch die Zuschauer für dumm verkauft.

  9. s2juharr sagt:

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass uns die Frage nach der “Qualität” im Fernsehen nicht so schnell wieder loslassen wird. Sicherlich ist dies ein Thema, über das sich auch gut streiten lässt, zumal es hier so viele divergierende Ansichten gibt.
    Einen bestimmten Maßstab anzulegen, der besagt, was gut beziehungsweise schlecht ist, würde die Diskussion auf der einen Seite zwar erleichtern, ist auf der anderen Seite aber, meines Erachtens, unmöglich.
    Den einzigen Maßstab, den es im Moment gibt, ist nun einmal die Einschaltquote. Diese spiegelt zwar wieder, was die Masse als gut/schlecht befindet, kann aber an sich keine Aussagen über inhaltliche Qualität machen. Ich denke, dass man sich hier den “Sinn” einer Sendung vor Augen rufen sollte: Dient eine Sendung der Unterhaltung oder vielmehr der Information der Rezipienten?
    Ich empfinde das Thema der “Qualität” als ein sehr komplexes. Als ich den Ausdruck des “qualitativ hochwertigen Fernsehens” in den Mund genommen habe, konnte ich lediglich sagen, was für mich in dieser Hinsicht nicht hochwertig ist. Ich persönlich möchte nicht von Qualität sprechen, wenn Menschen in der Öffentlichkeit (auch wenn sie sich dessen vorher bewusst waren) derart denunziert werden. Ich finde diese Idee an sich (auf moralischer Ebene) nicht vertretbar und daher unterstütze ich dieses Sendeformat nicht. Das ist meine Meinung; und in diesem “Diskurs” natürlich eine von vielen…

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