DJ Tommekk musste das RTL Erfolgsformat “Ich bin ein Star – holt mich hier raus!” wegen “Nazisymbolik”, wie es Spiegel Online treffend beschreibt, frühzeitig verlassen. Offenbar hatte er im Foyer eines Luxushotels vor der Show das Deutschlandlied gesungen und den Hitlergruß gezeigt, was Bild Online auch als Video veröffentlicht hat.
Die Beweislage ist eindeutig und man frägt sich wieder, wie BILD an diese Informationen kommt. Das Schlimme (wenn man zynisch sein möchte, könnte man auch sagen: das Lustige) an der Szene aber ist einerseits das Gesicht Tomekks der anscheinend keinen Gedanken an die Wirkung dessen verschwendet, was er da tut und regelrecht Stolz wirkt, im Mittelpunkt einer Kamera zu stehen, die auf ihn gerichtet ist. Auch wenn es nur eine Handkamera ist. Andererseits das Lachen des Kameramannes (dessen Identität spannend zu wissen wäre): offenbar ist er zu dem Schluss gekommen, dass das, was Tommek da macht, nicht so gaaanz in Ordnung ist, aber er beschränkt sich auf ein Lachen, das auch als Reaktion auf einen schlechten Witz passen würde. Beide haben scheinbar nicht verstanden, dass dies mehr als nur “provokativ” ist. Die Szene wird dann nochmals gesteigert als Tommek mit den Worten “viele Ausländer im Haus” nachsetzt.
Offenbar haben Fernsehkameras eine enthemmende Wirkung auf die, die in sie hineinsprechen: hatte schon Eva Herrmann unter der Einwirkung einer Fernsehkamera unvorsichtige Äußerungen zum Dritten Reich geäußert, möchte man ihr nun fast die Absolution erteilen. Denn im Vergleich zu dem, was Tommek hier zeigt möchte man ihr fast noch glauben, dass das “nicht so gemeint war”.
Braunes Gedankengut ist scheinbar noch lange nicht aus den Köpfen verschwunden und wird gerne aktiviert wenn es um Selbstprofilierung geht. Tommek heißt im wahren Leben übrigens Tomasz Kuklicz, wurde in Krakau geboren und hat eine schwarze Freundin. Er sollte daher einigermaßen sensibiliert sein für die Verbrechen der NS-Zeit und man sollte sich ernsthaft fragen, ob braunes Gedankengut wirklich für solch “dummes Witz-Gelaber” (Tommek) geeignet ist und wie es um die Verarbeitung der Vergangenheit steht, wenn Masenmord und Diktatur gegen besseres Wissen zu platten Witzen verkommen. Dass ihm sein Handeln jetzt Leid tut macht es auch nicht ungeschehen.
11 Kommentare zu “Das braune Dschungelcamp bei RTL”
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23. Januar 2008 um 17:07
Eigentlich kann man sich dazu jeglichen Kommentar ersparen, denn außer Kopfschütteln kann man im Hinblick auf diese Dummheit und Naivität nichts tun.
23. Januar 2008 um 18:29
Tomekk
23. Januar 2008 um 19:02
Es ist doch ganz einfach wieso immer gerade BILD an dieses Material gelangt. Da wird wohl ein Regisseur oder sonstiger Bildbearbeiter bei RTL das Material gesichtet haben, möglicherweise kommt dazu eine gewisse Antipathie gegen DJ Tomekk, und dann brennt er halt eine Kopie.
Nur wo erregt diese am meisten Aufmerksamkeit und wer springt auf solche Themen direkt an? Richtig, die BILD. Vermutlich hat der RTL-Mitarbeiter auch noch etwas daran verdient.
Zum Thema selber muss glaube ich sonst nichts mehr gesagt werden, Tomekk mag vielleicht kein Nazi sein, aber mit der Wirkung muss er rechnen, gerade wenn eine Kamera danebensteht.
23. Januar 2008 um 20:06
naja, der kameramann fand’s ja auch ganz spaßig, wie unschwer in dem video zu hören ist.
das niveau scheint sich im dschungelcamp also weder vor noch hinter der kamera kaum zu unterscheiden.
23. Januar 2008 um 20:56
[...] Passiert:http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/2249 [...]
23. Januar 2008 um 22:56
Ich glaube, die Bedeutung solcher “Gesten” wird bei jungen Leuten zunehmend unterschätzt. DJ Tomekk ist da garantiert keine Ausnahme mehr. Nur, dass er im Unterschied zu anderen “Witzbolden” durch das Dschungelcamp im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit stand. Mir stellt sich die Frage, inwieweit sein Verhalten schon zur Normalität unter manchen Jugendlichen geworden ist. Nicht in dem Sinne, dass auf einmal alle braun geworden sind. Eher in dem Sinne, dass manche das Tabu-Thema, das niemand in Deutschland falsch angehen darf, mittlerweile einfach unterschätzen und lächerlich machen . -Gerade weil die NS-Zeit nach 50 Jahren noch immer ein so empfindliches Thema ist, quasi ein Tabu-Thema; viele den Bezug zur Geschichte aber schon verloren haben.
24. Januar 2008 um 16:50
Es sollte außerdem zu denken geben, dass dieses Video direkt vor Beginn des Dschungelcamps aufgezeichnet wurde und Bild es erst bzw. gerade jetzt veröffentlicht. Die Aufmerksamkeitsspanne für das Geschehen im RTLschen Dschungel soll wohl permanent auf einem hohen Niveau bleiben – und dass BILD RTL gern etwas nachhilft, sieht man auch bei den ewigen Berichten zu DSDS.
25. Januar 2008 um 14:26
Tomasz Kuklicz scheint seinen Fehler eingesehen zu haben. Er entschuldigt sich für sein “dummes Witz-Gelaber” und erklärt, dass er (als Pole in Deutschland) mit seiner Musik hinter dem “Zusammenhalt von schwarz und weiß und aller anderen Kulturen” steht.
Siehe:
http://www.netzeitung.de/entertainment/people/884979.html
25. Januar 2008 um 14:38
Ich hab schon seit diesem “tu mir den Gefallen und bleib Gangster”-Lied gewusst, dass im Hause Tommekk was faul ist.
29. Januar 2008 um 14:43
Mann muss ja sowieso bei solch einer Sendung fragen, wer tut sich so was für ein bisschen PR an, und ist dann auch noch so Intelligent und fällt nur negativ auf.
17. Februar 2008 um 23:57
Auch hier lautet die Antwort wieder: Tomekk.