Auf diese Frage wurde ich durch einen Beitrag zum Jahresrückblick der Kabarett-Sendung “Scheibenwischer” (29.12.07, ARD) aufmerksam. Der deutsche Kabarettist Hagen Rether hielt, wie schon vor einem Jahr, einige prägnante Spiegel-Titel ins Publikum. Als erstes die im September ’07 erschienene Ausgabe mit dem Titel “Wie gefährlich ist der Islam?”
Ein wie üblich provokant formulierter Ansatz, der für sich genommen, wohl nichts besonderes wäre. Doch Rether präsentierte weitere Titel: “Papst contra Mohammed” (38/2006), “Mekka Deutschland. Die stille Islamisierung” (13/2007) und “Der Koran. Das mächtigste Buch der Welt” (52/2007) und machte darauf aufmerksam, dass diese drei Schlagzeilen jeweils vor einem bedrohlich schwarzen Hintergrund prangten.
Angesichts dieser Häufung halte ich Rethers Vermutung, es handele sich möglicherweise um eine implizite Kampagne gegen den Islam, für erlaubt.
(Die erste Ausgabe des Spiegels im Jahr 2008 befasst sich im Titel-Thema mit dem tödlichen Anschlag auf Benazir Bhutto in Pakistan, einem islamischen Land. Wieder ist der Hintergrund der Titelseite schwarz…)
Diese Tendenz zeigt sich natürlich nicht nur beim Spiegel. Immer wieder werden negative Vorfälle, die mit Moslems in Verbindung stehen in den Massenmedien hochgespielt. Wer wüsste zum Beispiel nicht, dass die Kölner Bomben-Attentäter, die letztes Jahr vor Gericht standen dem Islam angehörten, oder dass die gewalttätigen Jugendlichen in der Müchner U-Bahn einen Migrationshintergrund hatten?
Natürlich ist es geboten über Probleme wie Zwangsheirat und Ehrenmorde zu berichten, doch ich finde, die Medien haben hier eine gewisse Verantwortung. Warum nicht sachlich informieren, statt die bestehenden Gegensätze anzuheizen?
13. Januar 2008 um 15:50
Eine Frage: Waren das wirklich Spiegel -titel? Ich habe nämlich eine Ausgabe des Stern vom September 2007 auf der dieser Satz auf dem Titelbild prangt und deshalb frage ich mich ob das stimmt, weil es wäre schon komisch, wenn Stern und Spiegel die gleiche Überschrift auf ihrer Titelseite hätten. Ich gebe dir aber auf jeden Fall recht! Die Medien schaukeln das Thema Islam sehr hoch. Für meinen Geschmack zu hoch. Und das ist auch Absicht, denn sachlich berichten würde vermutlich Verluste mit sich bringen und das will keiner eingehen. Also lieber berichten und schocken, als berichten und sachlich inforimeren. Das ist schon traurig, aber so läufts halt.
14. Januar 2008 um 17:04
Ja, da ist mir ein Fehler unterlaufen, “Wie gefährlich ist der Islam?” ist ein Stern-Titel. Alle anderen sind allerdings vom Spiegel. Danke für die schnelle Reaktion.
14. Januar 2008 um 19:09
Das Problem ist: nicht der Islam ist gefährlich, nicht der Koran, und auch nicht, dass es immer mehr Moslems in Deutschland gibt! Was die Leute wirklich stört, ist die kulturelle Andersartigkeit und nicht die andere Religion! Niemand würde das Christentum an sich angreifen oder seine Berechtigung in Frage stellen, weil radikale Christen Homosexuelle angreifen.
Es müsste doch jedem klar sein, dass der Radikalismus das gefährliche ist. Der Koran gibt ganz bestimmt nicht mehr Stoff für radikale Tendenzen als die Bibel.
15. Januar 2008 um 13:48
Da stimme ich absolut zu! Es wird so viel hinein interpretiert, sodass man am Ende garnicht mehr weiß wo man angefangen hat. Es gibt mittlerweile viele Menschen, die alle Islamisten als gefährlich ansehen und dabei eigenltich keine direkten (schlechten) Erfahrungen mit diesen anderen Religionen gemacht haben. Auch an mir selbst merke ich, dass ich Menschen, die ein Kopftuch und ein Gewand tragen, mir gefährlich vorkommen. Dabei muss ich mich dann immer fragen: Woher kommt das? Denn schlechte persönliche Erfahrungen habe ich nie mit einem Islamisten gehabt. Erschreckend ist es, wie stark der Einfluss auf die ‘Anheizung des Konflikts’ doch wirkt. Und dann ist es umso fragwürdiger, Titel wie die oben genannten zu veröffentlichen, jedenfalls in diesem Stil.
16. Januar 2008 um 13:00
Auch ich habe den Auftritt Hagen Rethers beim “Scheibenwischer Jahresrückblick” gesehen. Schon interessant: jede Woche sehen wir den Spiegel-Titel im Kiosk, aber noch nie ist uns – oder mir zumindest – diese Tendenz, auf die Rether aufmerksam machte, in irgendeiner Weise aufgefallen. Kabarett kann also nicht nur zum Lachen bringen, sondern auch zur wichtigen kritischen Reflexion anregen. Und es kann zugleich auch ein Forum für Medienkritik bilden – wo wir wieder beim Seminarkontext wären