Medienkritik etwas anderer Art: Wikipedia schlägt den Brockhaus

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Wikipedia genießt in Akademikerkreisen nicht gerade eine besonders hohe Anerkennung. Da prinzipiell jede beliebige Person Artikel in Wikipedia einstellen oder verändern kann, wird die Richtigkeit der dort enthaltenen Informationen oft in Frage gestellt.

Nichtsdestotrotz erscheint bei fast allen Begriffen/ Daten/ Namen/ Fakten, die man googelt, fast immer ein Wikipedia- Artikel an erster Stelle. Sehr groß ist also die Versuchung, besonders für Referate und schriftliche Arbeiten auf dieses Online- Lexikon zurückzugreifen.

Dass man damit womöglich gar nicht so schlecht liegt, hat eine Untersuchung des Wissenschaftlichen Informationsdienstes Köln im Auftrag des „Stern“ ergeben: Bei ganzen 43 von 50 getesteten Artikeln schlägt Wikipedia in Fragen der Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität seinen kostenpflichtigen und im Allgemeinen als ‚qualitativ hochwertig‘ eingestuften Konkurrenten Brockhaus. Nur in der Kategorie ‚Verständlichkeit‘ konnte die Online-Ausgabe des Brockhaus trumpfen.

Obwohl mit dieser Studie nicht zum ersten Mal zu beweisen versucht wird, dass auch eine von Laien zusammengestellte Enzyklopädie über ausreichende Qualitäten verfügt, darf zu bezweifeln bleiben, dass Ergebnisse wie die der Kölner Studie dazu beitragen werden, Wikipedia als für zitierfähig zu erklären.

Quelle: Online- Ausgabe des ‚Stern‘ vom 05.12.07

10 Kommentare zu “Medienkritik etwas anderer Art: Wikipedia schlägt den Brockhaus”

  1. Pro-kopf sagt:

    Ich denke schon, dass die Wikipedia inzwischen eine relativ hohe Anerkennung genießt und würde annehmen, dass fast jeder, der ein bestimmtes Thema bearbeiten soll oder eine bestimmte Information sucht, über kurz oder lang auch darin nachsieht. Nur sollte man ja davon ausgehen, dass alles, was in Wikipedia steht, prinzipiell mit „Fachliteratur“ belegbar ist und im Idealfall auch tatsächlich auf diese verwiesen wird. Selbige ist dann sehr wohl zitierfähig. Das Gleiche gilt im Übrigen auch für den Brockhaus oder andere gedruckte Nachschlagewerke.

  2. s2kamuel sagt:

    Ich muss sagen, wann immer ich eine schnelle Information zu einem bestimmten Thema brauche, schaue ich bei wikipedia nach. Solange es nur darum geht, etwas schnell in Erfahrung bringen zu wollen oder nachzuschlagen, ist wikipedia eine gute Adresse.
    Natürlich sollte man wikipedia nicht nutzen (zumindest nicht ausschließlich!), wenn man ein Referat vorbereiten muss. In diesem Falle ist es klüger, sich an Fachliteratur zu halten. Doch ich denke, um einen ersten, kurzem Einblick in die betreffende Materie zu finden, ist wikipedia keines Falls verkehrt.

  3. Markus Lange sagt:

    Ich kann schon diejenigen verstehen, die die Anerkennung von Wikipedia als Quelle für wissenschaftliche Arbeiten anstreben. Ich gehöre mitunter auch dazu. Es ist einfach zu verlockend, sich stundenlange zähe Lektüre ersparen zu können und stattdessen innerhalb weniger Minuten kurze, prägnante Informationen zu erhalten.
    Ich schließe mich jedoch meinen Vorrednern an, wenn ich sage, dass auch Wikipedia kein Ersatz für ausführliche Fachliteratur ist. Dafür sind die Artikel dann doch zu begrenzt, zumal sie bei weitem nicht alle relevanten Schriftstücke abdecken (was auch gar nicht möglich ist).
    Ich finde jedoch, dass man es spätestens nach dem Ergebnis dieser Untersuchung nicht mehr so eng sehen sollte, wenn Wikipedia im Quellenverzeichnis eines Leistungsnachweises aufgeführt wird, solange daneben noch ausreichend Fachliteratur zitiert wird.

  4. kais2a01 sagt:

    Kann mich den anderen hier nur anschließen. Wenn ich schnelle Informationen zu einem Thema brauche, ist Wikipedia eine gute Quelle. Den Brockhaus in Buchform können sich leider nur meine Eltern leisten und der steht 700km von mir entfernt.

    Aber das man für Referate immer noch Fachliteratur heranzieht, halte ich eigentlich für selbstverständlich. Wozu haben wir schließlich eine ganze Uni-Bib direkt um die Ecke? Zu vielen Themen dürfte es dort wesentlich mehr Detailwissen zu finden geben. Sachen eben, die auch einen Wikipedia-Eintrag sicherlich sprengen würden.

  5. klin2401 sagt:

    Gerade deswegen eignen sich die Artikel aber auch als Basis: In der Wikipedia habe ich schon Quellenangaben gefunden, die mich auf direktem Wege in die Bibliothek und zu Büchern gebracht haben, auf die ich von alleine nicht sofort gekommen wäre.
    Hinzu kommt, dass viele Artikel sich auch einfach als grober Überblick eignen für ein Thema oder ein Schlagwort, über das man sich mal kurz informieren möchte. So was in den Computer zu hauen, geht eben schneller als 700 km zu fahren (oder unter Umständen auch als sieben Meter zu gehen), um in einem Buch zu blättern.

  6. Anna Lena Aldag sagt:

    Ich denke, bei der Kritik an Wikipedia sollte man auch immer bedenken, dass viele Sachverhalte und Theorien ja auch in der Literatur nicht unumstritten sind. Ich habe wiederholt erlebt, wie Dozenten Wikipedia-Artikel auseinander genommen haben, um zu „beweisen“, dass die Enzyklopedie nicht wissenschaftlich / korrekt / zitierfähig ist. Ich will sicher nicht behaupten, dass man sie in Hausarbeiten zitieren sollte – aber die Beurteilung, was in den Artikeln richtig bzw. richtig in den Kontext eingeordnet ist, hängt auch immer sehr davon ab, welche wissenschaftlichen Positionen man vertritt. Ansonsten gilt, was hier schon gesagt wurde: Für einen ersten Überblick zum Thema ist Wikipedia sehr praktisch, und für eine intensivere Beschäftigung gibt es andere Quellen.

  7. lehb3301 sagt:

    Auch sollte nicht vergessen werden, dass man auch zwischen zwei Buchdeckel jeden Unsinn quetschen kann.

  8. puet2203 sagt:

    Früher wäre es undenkbar peinlich gewesen, in einem Referat eine wikipedia-Quelle anzu geben. Mich persönlich hält das heute noch davon ab. Umso erstaunlicher ist es aber, wenn unsere Dozenten und Profs diese angeblich verpöhnte Informationsquelle benutzen und auch angeben. Das ist nun wirklich kein Sonderfall mehr und keiner scheint sich deswegen auch nur ansatzweise entschuldigen zu wollen.

  9. veit2c01 sagt:

    Ein für mich sehr überraschendes Ergebnis.
    Zwar kann ich mir im Bereich Aktualität noch vorstellen, dass da Wikipedia unter Umständen vorne liegt, aber dass auch in den Kategorien Vollständigkeit und Richtigkeit Wikipedia vorne liegt, hätte ich nicht erwartet.
    Dennoch werde ich es nach wie vor so halten, Wikipedia nur als erste Anlaufstelle zur Informationssuche und nicht als Quelle zu nutzen.

  10. oltm3701 sagt:

    „Auch sollte nicht vergessen werden, dass man auch zwischen zwei Buchdeckel jeden Unsinn quetschen kann.“ – Eine wahre Behauptung, wie oft ist es schon vorgekommen, dass man in verschiedenen gedruckten Nachachlagewerken falsche Behauptungen gefunden hat. Übrigens gibt es den Brockhaus demnächst ja auch vollständig als Onlineversion…

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