Jetzt haben wir den Ratingsalat! Wie bemisst sich der Erfolg von US-Serien und deren Wechselwirkung mit Social Media?

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In den Vereinigten Staaten war in diesem Sommer eine große Diskussion darüber entbrannt, wie die langerwartete Wahl im Herbst 2016 wohl ausgehen würde – wen würde es den nun treffen? Wer jetzt an Donald Trump denkt, hat entweder die falsche Wahl im Kopf oder sehr böse Fantasien.

Die Frage bezog sich natürlich auf Negan’s Opfer im 7. Staffelauftakt der AMC-Erfolgsserie “The Walking Dead“. Negan (gesp. v. Jeffrey Dean Morgan), seines Zeichens neuer Hauptantagonist der Zombieapokalypse, wurde im letzten Staffelfinale eingeführt, aber weit vorher durch geschicktes Social-Media-Promoting angekündigt. Die Figur war vielen Fans bereits durch die Comic-Vorlage (sowie infolge der Verbreitung auf Social Media) und dessen Hang zum übersteigerten Fluchen und Gewaltausbrüchen mittels eines Baseballschlägers – namens “Lucille“ – bekannt und berüchtigt.

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Dementsprechend fieberten und diskutierten viele Fans, verbunden durch Twitter, Facebook und allerlei Foren, monatelang dem Erscheinen entgegen. Im besagten Finale nahm Negan sodann die Heldentruppe um Hauptfigur Rick Grimes gefangen und machte unmissverständlich klar, dass eine lieb gewonnene Figur Bekanntschaft mit Lucille machen werde. Natürlich erst in der nächsten Staffel, um den Serienliebhabern ausreichend Zeit zu geben, angeheizt durch fragwürdige Promotionals, das Virale Marketing auf Hochtouren zu bringen. Das Ziel hierbei klar vor Augen: Das bisher beste Rating der Serie zu erzielen.

Die Klassifizerungs- und Analysesucht im Kernland des Kapitalismus ist nicht erst seit der Bankenkrise und der einhergehenden Kritik an den Bank-Ratings bekannt. Aber was versteht man genau unter Serien-Ratings und warum sind diese oftmals Gradmesser für Erfolg/Misserfolg einer TV-Serie? Bei einem Rating wird, anders als bei der zusammfassenden und in Deutschland wichtigeren Einschaltquote, nur die werberelevante Zielgruppe der 18- 49 Jährigen gemessen. Ein Rating-Punkt entspricht dabei einem Prozent-Punkt der möglichen Zuschauerschaft die in den USA laut serienjunkies.de 115 Millionen Fernsehhaushalte umfasst. Ein gutes Rating ist vor allem für die werbeabhängigen Networks und Kabelsender wirtschaftlich entscheidend, kann somit über Serienleben- und Tod entscheiden. Zusätzlich ist die werberelevante Gruppe hervorragend vernetzt und damit über virales Marketing gut zu erreichen, ein Marketingfeld, welches sich die Nielsen Company auf die Fahne geschrieben hat. Von Nielsen noch nie etwas gehört? Dies verwundert nicht, ist der Marktforschungsriese der breiten Öffentlichkeit eher unbekannt, jedoch für die Industrie ein maßgeblicher Informant.

Als solcher ist Nielsen davon überzeugt, dass die heutige Zuschauerschaft ihre Lieblingsserien nicht mehr nur allein oder mit Freunden/Familie gebannt vor einem Gerät verfolgt. Demnach nutzen etwa 60% der Zuschauer Smartphones/ Tablets während sie TV schauen. Sogenanntes Multi-Screen-Behaviour verwandelt Serien zu gemeinsamen sozialen Erlebenissen über viele Orte hinweg, welches viele Zuschauer überhaupt erst animiert am Ball zu bleiben. Aber eben auch kostenloses Marketing, da sie werberelevante Inhalte zur Diskussion stellen, weiterleiten und konsumieren. Aufgrund dessen kündigte Nielsen für 2016 eine Kooperation mit Twitter, Facebook und weiteren Social-Media-Anbietern an, um programmorientierte Social-Media-Aktivitäten während des Fernsehens weiter zu analysieren und in verwertbare Marketingstrategien zu formulieren, die hohe Ratingwerte und damit Wirtschaftlichkeit versprechen.

Zurück zu The Walking Dead, welches in der Zuschauerbindung und in den Ratingwerten als Klassenbester gilt.

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Mit einem Ratingwert von 17,03, wurde der Bestwert (17,30) zwar nicht erreicht, jedoch ein achtbares Ergebnis eingefahren, welches aber durch einen so nicht wiederholbaren Cliffhanger, sowie einer eher geschmacklosen Werbestrategie, um die Frage, wer totgeprügelt wird und anschließender – nicht unkritischen – Gewaltdarstellung erkauft wurde.

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Es ist fraglich, ob sich die Serienmacher nicht selbst in eine Situation bringen, in der sie immer extremere Reizpunkte setzen müssen, um die Social-Media-Maschinerie am Laufen zu halten und sich selbst in ihrer künstlerischen Freiheit beschneiden.

 

Quellen

Bilder:https://metrouk2.files.wordpress.com/2016/10/walking-dead-season-7.jpg?w=748&h=440&crop=1

https://pmchollywoodlife.files.wordpress.com/2016/04/the-walking-dead-negan-kill-abraham-ftr.jpg

https://en.wikipedia.org/wiki/Template:The_Walking_Dead_ratings

https://cdn.fansided.com/wp-content/blogs.dir/280/files/2016/07/Cn0e3X1VIAAGdm-.jpg

Links:https://twitter.com/hashtag/negan?lang=de

http://www.serienjunkies.de/news/ask-junkie-ratings-37971.html

http://www.serienjunkies.de/news/braindead-american-gothic-staffel-79131.html

https://de.wikipedia.org/wiki/The_Nielsen_Company

http://sites.nielsen.com/newscenter/nielsen-to-measure-total-program-related-activity-across-twitter-and-facebook/

[STUDY] Integrated Marketing: How Does Social Media Influence TV Ratings?

 

 

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