Der rheinland-pfälzische Privatrundfunksender “RPR1″ diversifiziert seine Einnahmequellen mit einem Call-In-Programmteil, der auditiv den Sendungen des Call-In-TV-Senders “9Live” sehr ähnlich ist.
“Lars Vegas” wird einmal in der Woche gefunkt und präsentiert simple Wortfinde-Gewinnspiele, zu dessen Teilnahme ein Telefonanruf von 0,50 ? berechtigt und bis zu drei Moderatoren mit einer Kopie der persuasiven 9Live-Rethorik abwechselt motivieren. Zum Gewinn des Preisgeldes von bis zu 1000 ? werden wie bei 9Live gewisse Zeitspannen mit Countdown vorgegeben, in denen die Gewinnchance nach Aussagen der Moderation höher sein könnte.
Die Sendung wird durch Klänge wie Uhrticken, Herzklopfen oder progressive elektronische Beats hinterlegt, für wichtige Verkehrsnachrichten wird unterbrochen, während der Sendung wird nicht explizit RPR1 als Produzent erwähnt, es gibt zu den Aufforderungen zum Mitmachen keine mehrwertigen Informationsleistungen, rechtliche Informationspflichten (z. B. zum Mindestalter, Telefonkosten etc.) werden wahrgenommen.
Quelle: Eigenbeobachtung
6 Kommentare zu ““9Live” bei RPR1”
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6. November 2007 um 20:30
Nicht nur RPR1 springt auf den im höchsten Maße nervenden “9Live”-Zug auf. Immer mehr private Hörfunksender – so meine subjektive Wahrnehmung – scheinen diese günstige Form der Gewinnabschöpfung in ihr Programm aufzunehmen. Es gibt wohl Unternehmen oder Agenturen, die sich auf derartige Radioshows spezialisiert haben. Irgendwo produziert, werden diese Sendungen dann eingekauft und gehen mittels Live-Schalte “on air”.
Mich würde interessieren, was die breite Masse der Hörer davon hält, und wie sich solche Spielshows allgemein auf die Hörerzahlen auswirken.
Für das Fernsehen scheint der Boom der Mitmach-Formate à la “9Live” sukzessive zu Ende zu gehen (vgl. Der Spiegel 40/2007: Zukunft verspielt, S.166f.). Bleibt nur zu hoffen, dass die sich gegenwärtig abzeichnende Renaissance des “Hot-Buttons” in der deutschen (privaten) Hörfunklandschaft schnell wieder in der Versenkung verschwindet.
6. November 2007 um 21:41
Was habe ich mir denn unter “progressiven elektronischen Beats” vorzustellen?
Ansonsten: RPR1 abschalten!
7. November 2007 um 09:20
Ich denke, diese Art der “Spielshows” sind das Ergebnis des Einnahmedrucks, der auf RPR lastet. Denn auch wenn RPR in Rheinland-Pfalz mit immer noch großem Abstand vor dem SWR Marktführer ist, so haben sie doch mit einem erheblichen Hörerschwund zu kämpfen. Die gewinnbringenden “9-Live”-Shows sehe ich deshalb als eine finanzielle Kompensationsquelle an. Nur muss man sich zu recht die Frage stellen, ob dadurch nicht noch mehr Hörer verloren gehen. So könnte sich RPR selbst ein Bein stellen.
7. November 2007 um 21:56
Davon abgesehen, dass solche Sendungen meinen Zeigefinger ganz schnell in Richtung >>-Taste wandern lassen, finde ich die Dreistigkeit unglaublich, mit welcher den Zuhörern vorgegaukelt wird, dass anscheinend niemand die ach so schwere Antwort weiß (jaja die Verlockung ist groß…) Dass sich dabei hunderte Menschen gleichzeitig Finger und Ohren wund telefonieren, ohne überhaupt angenommen zu werden, wird mit keinem Wort erwähnt. Neu ist das Prinzip aber keineswegs. Bereits seit ich denken kann organisieren Rundfunksender Gewinnspiele über Telefon, bei denen man nur durchkommt, wenn man das Glück hat, etwa der 33. Anrufer auf Leitung 8 zu sein. Wieviele Leitungen es gibt, weiß dabei niemand. Alles eine Frage des Glücks, oder?
7. November 2007 um 22:02
Davon abgesehen, dass solche Sendungen meinen Zeigefinger ganz schnell in Richtung >>-Taste wandern lassen, finde ich die Dreistigkeit unglaublich, mit welcher den Zuhörern vorgegaukelt wird, dass wohl niemand die ach so schwere Antwort weiß (jaja die Verlockung ist groß…). Dass sich gerade hunderte Menschen gleichzeitig Finger und Ohren wund telefonieren wird mit keinem Wort erwähnt. Neu ist das Prinzip allerdings keinesfalls. Seit ich mich erinnern kann gibt es bei Rundfunksendern Gewinnspiele über Telefon, bei denen man nur durchkommt, wenn man etwa der 33. Anrufer auf Leitung 8 ist. Wieviele Leitungen es insgesamt gibt, weiß keiner. Ist also alles eine Frage des Glücks, oder ?
8. November 2007 um 13:05
ich finde es mehr als traurig und bedenklich wenn ein solches Format vom privaten Hörfunk adaptiert wird.
Ich hatte abends auf der Heimfahrt im Auto RPR1 an und hörte plötzlich diese Call In Persuasion.
Ich war echt ziemlich erschrocken und sauer, dass dieses format weitere Verbreitung findet.
Ich hoffe es springen nicht andere Sender auf diesen Zug auf. Kostendruck hin oder her, es gibt genug innovative und sinnvolle Konzepte ein erfolgreiches Programm zu gestalten, dass auch die Werbekunden interessiert.