KissBangLove – Bachelor in Kurzfassung?

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Nach Formaten wie Sexy Beasts und Adam sucht Eva, kommt ProSieben mit einem neuen Twist: während man bei der einen Sendung von den Kandidaten etwas zu wenig sieht, sieht man bei der anderen deutlich zu viel, doch bei KissBangLove sehen sich die Teilnehmer gar nicht – zumindest nicht in der ersten Runde. Entscheidend für das Weiterkommen ist nämlich bloß der erste Kuss.

Am Donnerstag, dem 11. Februar um 22:30, startete die neue Dating Show, die ProSieben selbst als „die wohl authentischste, ehrlichste und gefühlvollste Dating-Show im deutschen Fernsehen“ beschreibt.

Single Dame Pia, 26, sucht die große Liebe und um sie zu finden, küsst sie sich durch die erste Runde, wobei sie und ihre Kusspartner mit verbundenen Augen ohne jegliche Hintergrundinformationen übereinander, den ersten Kuss als Indikator für eine potenzielle Partnerschaft nehmen. Das ganze Prozedere wird dabei Backstage von Pias zwei besten Freundinnen beobachtet und kommentiert, die von den zwölf Männern einen selbst für ihre partnersuchende Freundin ausgesucht haben, nämlich Philipp, dessen heimlicher Schwarm selbstverständlich Pia ist.

Als wäre das Fremdschämen nicht schon groß genug, folgt auch in der zweiten Runde wilde Knutscherei, nachdem die Männer auf fünf reduziert und die Augenbinden abgenommen werden, um dann in der letzten Runde mit Draufgänger Jan und – wer hätte es gedacht – Träumer Philipp auf ein ‚privates‘ Date zu gehen, wobei privat von einer Fernsehcrew und Tausenden von Zuschauern begleitet, bedeutet. Letzendlich entpuppt sich Philipp als der Auserwählte, was beide Turteltäubchen ziemlich „happy“ stimmt, wie sie in einem Abschlussinterview kundtun.

kbl

Die Qualität der Sendung ist fragwürdig und soll dem Anschein nach der Unterhaltung dienen doch bei den Zuschauern schneidet KissBangLove nicht gut ab. Das Verfolgen des Hashtags zeigt überwiegend negative Kommentare des Publikums, die belustigt Tweets veröffentlichen wie : „Da knutscht sie ein Dutzend Kerle, um am Ende festzustellen, dass sie doch ihren Bekannten nimmt. Alles wie im echten Leben.“ oder „Kiss Bang Love oder auch wie Laienschauspieler ein Podest für Ihr Schlampen-dasein bekommen.

Betont und kritisiert wird die übermäßige Sexualisierung einer eigentlich sehr intimen und persönlichen Sache, nämlich dem ersten Kuss zwischen zwei Menschen, sowie die Degradierung der Hauptkandidatin. Ob es die kurzseitige Internet Prominenz oder tatsächlich die Suche nach der großen Liebe ist, welches die Teilnehmer motiviert, sich für das Eindringen in die „Kusswelt“ zu bewerben, bleibt dem Zuschauer offen. Diese teilen sich eine Meinung und publizieren dies in Form von Kommentaren auf der Facebook Seite von ProSieben öffentlich: die Qualität lässt zu wünschen übrig und erinnert an das niveaupessimistische RTL Format „Der Bachelor„. Grundsätzlich einigt sich die Community allerdings auf eins: die Forderung nach einer sofortigen Absetzung.

Dass die Sendung sich nicht lange im Programm halten wird, ist vorraussehbar, dennoch erreicht ProSieben trotz weniger Niveau genau das, was es ökonomisch anstrebt: Einschaltquoten. Denn nach dem Abgang von Stefan Raab haben sich an vielen Programmplätzen (…) Lücken aufgetan, die es zu stopfen gilt.
Welches neue Dating Format uns Zuschauern danach geboten wird, ist fast schon eine beängstigende Vorstellung. Sicher ist, es wird mit KissBangLove vor allem eins gemeinsam haben: man möchte eigentlich nicht hinsehen, aber wegschauen geht auch nicht.

Ein Kommentar zu “KissBangLove – Bachelor in Kurzfassung?”

  1. [Trierer Medienblog] KissBangLove – Bachelor in Kurzfassung? sagt:

    […] http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/19764 […]

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