Öffentlichkeit Ja, Relevanz Nein.
geschrieben von gomb2c01 in Internet und Politik, WeblogsKommentar schreibenDie Süddeutsche Zeitung beschäftigt sich in ihrer Wocheendausgabe mit der deutschen Blogsphäre und zieht den Vergleich mit den USA, wo Weblogs zu einem wichtigen Teil der Medienlandschaft geworden sind.
Deutschen Blogs fehle es an Relevanz so das Credo des Artikels, zwar gäbe es rund 100 000 Weblogs, doch seien diese “bestenfalls öffentlich einsehbare und dennoch private geführte Tagebücher”. Also positive Beispiele werden die üblichen Verdächtigen wie der Bildblog oder Spreeblick heraus gegriffen. Als Ursache für die Bedeutungslosigkeit deutscher Weblogs sieht der Artikel die im Vergleich zu den USA vollkommen andere Medienlandschaft. In den USA, sei durch fehlende bedeutende öffentlich-rechtliche Medien, der Bedarf nach unabhängiger Information viel größer, gerade zu sensibelen Themen wie dem Irak-Krieg oder dem Präsidentenwahlkampf.
Zwar kann ich der Kritik grundsätzlich zustimmen, das es vielen Weblogs an Inhalt oder wenigstens stetiger Aktualisierung mangelt, und auch dem Urteil, dass Weblogs in Deutschland die gesamtgesellschaftliche Relevanz fehle. Auch der Vergleich mit den USA ist durchaus richtig und interessant, allerdings werden meiner Meinung nach daraus die falschen Schlüsse für die deutsche Blogshäre gezogen. Es stimmt, dass deutsche Blogs nicht den Einfluss auf die Öffentliche Meinung haben, wie in den USA, es ist aber schlicht falsch, die deutsche Blogshäre auf die “100 prägenden Netztagebücher” zu reduzieren, gibt es neben den großen Blogs auf der einen Seite und den “bedeutungslosen” Tagebüchern auf der anderen, doch noch eine große Anzahl von kleineren aber thematischen und regelmäßig aktualisierten Blogs, die einfach aus der Betrachtung dieses Artikels rausfallen. So schlimm, wie es die Süddeutsche Zeitung glauben machen will, steht es meiner Meinung nach dann doch nicht um die deutsche Blogs.
10 Kommentare zu “Öffentlichkeit Ja, Relevanz Nein.”
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12. August 2007 um 18:07
Das Pfeifen im Walde…
oder der ivestigative Journalist über die unwürdigen Blogger. So wie wir es heute in der Süddeutsche.de unter Abgebloggt! lesen können.J. Boie hat einen extra hart recherchierten Artikel verfasst, der eindeutig darlegt, dass die Bloggs eh nu…
13. August 2007 um 09:09
*gähn* immernoch der Tegebüchervergleich – dass manche aber auch so gar nichts dazulernen…Was keine Relevanz hat, ist ein Tagebuch? Mein Beileid, liebe Süddeutsche
13. August 2007 um 10:05
ich kenne die US Presselandschaft und die dortige politische Kultur nicht im Detail, aber da sie wohl oder übel vollkommen anders ist als die deutsche, habe ich das Gefühl die Süddeutsche vergleicht da Äpfel mit Birnen.
Außerdem kann man auch ganz altklug sagen, dass Trends aus den USA immer mit Verspätung bei uns ankommen.
13. August 2007 um 12:52
[...] Diesmal ist es Johannes Boie (mal wieder), der einen Abgesang auf die deutsche Blogwelt hält. Allerdings nicht ohne Gegenstimmen: Autor: Thomas Gigold Veröffentlicht am: 13.08.2007, 13:52 Uhr [...]
13. August 2007 um 13:00
[...] Gigold | Blogwelt | Lesezeichen hinzufügen bei… del.icio.us Mr. Wong Yigg Webnews Digg Kommentarverfassen [...]
13. August 2007 um 13:20
[...] Dazu geäußert haben sich auch amendedestages, julie paradise, delphinehauen, retroaktiv, tivoli-blog, Walküre, fanman, maingold, magerfettstufe, tyndra, niggemeier, trierer medienblog [...]
13. August 2007 um 15:32
[...] 12:41 Das Trierer Medienblog kann der Kritik grundsätzlich zustimmen, wehrt sich aber dagegen, die deutsche Blogosphäre auf die “100 prägenden Netztagebücher” zu reduzieren. [...]
14. August 2007 um 10:55
Ist es nicht gerade das hier, was die Blogosphäre auf ihre Art doch relevant macht, auch wenn diese Art Relevanz nicht in das Bild einer SZ passt? Auch wenn ein Blog nur eine ganz kleine Öffentlichkeit erzeugt und auch wenn die Diskussion über die SZ-Artikel in der Blogosphäre insgesamt nur eine Teilöffentlichkeit erzeugt, die Gegenstimmen fehlen nicht, die Gegenöffentlichkeit fehlt nicht – auch wenn sie kleiner ist als die einer SZ.
Da fällt mir ein Lied aus meiner Kindheit ein, in dem es heißt: “Kleine haben was zu sagen, Kleine sind nicht dumm. Und es schmeißen viele Kleine einen Großen um.” Auch wenn das in diesem Fall natürlich (noch?) ein Wunschtraum ist.
15. August 2007 um 00:17
Zu gerne möchte ich mich ja inhaltlich mit dem SZ-Artikel von Herrn Boie auseinandersetzen. Wer aber gleich zu Beginn mit Plattitüden wie
aufmacht und immer noch – nach all den unzähligen, unfruchtbaren Diskussionen »Qualitätsjournalismus versus Meinungsblogging: wir sind die Guten, Ihr seid die Schlechten«, sich schlichtweg – wider besseres Wissen, was ich dem geschätzten Herrn Boie doch mal unterstellen möchte – weigert von der im klassischen Journalismus scheinbar weitverbreiteten Doktrin abzuweichen, dass es sich bei Blogs nur um
, handele.
Zu dem kommt es mir jedenfalls so vor, als schreibe mit Herrn Boie bereits hier jemand über Netzkultur, der vom Bloggen wahrscheinlich soviel versteht, wie der Blinde vom Sehen.
Das solche Journalisten in einem vermeintlichen Qualitätsmedium überhaupt eine Plattform für ihre unausgegorene Meinungspublizistik bekommen, zeugt von einer latent ausgeprägten, hoffnungslosen Selbstüberschätzung nicht weniger “Randfiguren der holzverarbeitenden Industrie”. Ausnahmen mögen hier wieder die Regel bestätigen. Um nicht in das von Boie vorgemachte Schwarzweißdenken zu verfallen…
15. August 2007 um 01:02
[...] Hinweis: dieser Beitrag wurde hier, hier und hier zunächst als Kommentar gebloggt. [...]