Pixelinfo: Was macht eigentlich der Teletext?

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Die Optik ist blockig und nach heutigen Maßstäben eher unattraktiv. Dennoch hat der Teletext die digitale Revolution überstanden und ist auch heute noch fester Bestandteil des deutschen Informationsangebotes und ein nicht zu unterschätzendes Massenmedium. Vor genau 35 Jahren, am 1. Juni 1980, starteten in Deutschland ARD und ZDF einen zehn Jahre währenden Teletext-Testbetrieb mit zunächst rund 70.000 Rundfunkteilnehmern. Während der Service in Großbritannien, dem Land, in dem der Teletext erfunden wurde, bereits seit fünf Jahren vollständig verschwunden ist, erfreut sich der Dienst sowohl bei den Fernsehzuschauern als auch bei den „Machern“ nach wie vor großer Beliebtheit.

Heute ist jeder Fernsehbesitzer in der Lage, Videotext zu empfangen. Geschah die Übertragung zu analogen Zeiten durch die Ausnutzung einer sogenannten „Austastlücke“ (Was ist das?) des Fernsehsignals, so wird der Service im digitalen Zeitalter ganz profan mit dem Audio- und Videostream mitgeliefert. An der optischen Aufbereitung hat sich dabei kaum etwas verändert; allein daran gemessen hätte der Teletext bereits eingestellt werden müssen.

Hohe Zugriffszahlen bei ARD und ZDF

SevenOne_TagesreichweiteEine von der GfK durchgeführte Studie ergab, dass im Jahr 2013 rund 44 Millionen verschiedene Besucher den ARD-Teletext in Anspruch genommen haben, 2014 nutzten täglich rund vier Millionen Zuschauer den Dienst.  An Spitzentagen, beispielsweise bei besonderen Ereignissen wie der Fußball-
Weltmeisterschaft, werden Zugriffszahlen jenseits der acht Millionen Grenze erreicht. Unter den Top-Drei Bereichen rangieren dabei die Nachrichten, Sportinformationen sowie das Fernsehprogramm. Insgesamt 18 zumeist freie Redakteure liefern den benötigten Content, aktuelle Themen stammen in der Regel von der Redaktion von tageschau.de. Die Kosten hierfür sind vergleichsweise gering: Nach Angaben des Senders müssen für das Angebot pro Jahr lediglich 1,7 Millionen Euro aufgewendet werden. Werbung ist bei den öffentlich-rechtlichen Teletexten jedoch tabu; private Sender hingegen
dürfen das redaktionelle Angebot querfinanzieren, was sie mit Angeboten beispielsweise aus dem Esoterik- oder Erotikbereich auch tun.

Teletwittern

Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) hat für die Sender der SevenOne-Mediagruppe kontinuierlich sinkende Nutzerzahlen ermittelt. So sank bei Sat1 der Wert von über drei Millionen im Januar 2014 auf knapp zwei Millionen im September 2015. Offenbar sind die Öffentlich-Rechtlichen eher in der Lage, Fernsehzuschauer zur Nutzung des Teletext-Angebotes zu bewegen als die privaten Sendeanstalten. Das mag damit zusammenhängen, dass ARD und ZDF zum einen via Teletext Untertitel anbieten und neue interkative Kommunikationskanäle wie „Teletwitter“ (Was ist das?) vital in seinem Programm einsetzen. Ein großer Vorteil ist zudem die Aufbereitung im Sinne eines Kurznachrichtendienstes. Auf den Startseiten (einheitlich Tafel 100) werden bei allen Anbietern aktuelle Nachrichten mit Angabe der entsprechenden Tafeln sowie aktuell laufende sowie bald beginnende Sendungen angezeigt.

Pixelkunst

ZombieMitunter kann der Teletext zweckentfremdet werden, wenn die Pixel – richtig kombiniert – Kunst ergeben. So zum Beispiel bei einem Projekt der ARD „Der Reiz der Reduktion“. User können auf der Projektseite eigene Bilder hochladen, diese „verteletexten“ lassen und anschließend in den sozialen Medien teilen.

 

 

Auch wenn die Entwicklung auf tendenziell weiter abnehmende Nutzerzahlen zumindest für den kommerziellen Sektor hindeutet – bedingt vermutlich auch durch die Verbreitung von Smart-TV-Geräten, wird der Teletext in Deutschland in absehbarer Zeit nicht vom Bildschirm verschwinden. Er erfreut sich vor allem bei den öffentlich-rechtlichen Sendern großer Beliebtheit, er dient neben dem Smartphone oder Tablet der schnellen Informationsbeschaffung „on the fly“.

 

Bildquellen:
Pixelkunst: www.daserste.de/specials/ueber-uns/ard-text-teletext-art-festival-2013-120.html
Videotext-Logo: photos.techfieber.de/wp-content/uploads/2010/05/videotext-ard.jpg

Sonstige Quellen:
www.daserste.de/specials/service/ard-text-35-geburtstag-infos-100.html
www.daserste.de/specials/ueber-uns/ard-text-110.html
www.wiwo.de/technologie/digitale-welt/kultige-tv-funktion-warum-der-videotext-nicht-totzukriegen-ist/10358120-all.html
http://www.daserste.de/specials/service/ard-text-35-geburtstag-zahlen-100.html
https://www.sevenonemedia.de/c/document_library/get_file?uuid=a44cf50f-d110-48d6-a6be-4688bc8316a7&groupId=10143

Ein Kommentar zu “Pixelinfo: Was macht eigentlich der Teletext?”

  1. [Trierer Medienblog] Pixelinfo: Was macht eigentlich der Teletext? sagt:

    […] http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/19025 […]

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