Wut statt Vertrauen

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Deutsche Medien sehen sich immer mehr der Kritik ausgesetzt, dass sie nicht unabhängig und unglaubwürdig seien. Diese Begebenheit scheint keine kurzfristig Verdrossenheit von Einzelnen darzustellen, sondern macht einen großen Teil der Bevölkerung aus.

Der Begriff der ,,Lügenpresse“, welcher in der deutschen Geschichte des öfteren aufgetreten ist und wohl am stärksten bei Joseph Goebbels Nazi-Propaganda zum Vorschein trat, begibt sich wieder in den Sprachgebrauch vieler. Diesbezüglich ist zu erwähnen, dass der Begriff nicht nur auf Pegida-Demonstrationen skandiert wird, sondern ein Fünftel der wahlberechtigten Bevölkerung in Deutschland ihn verwenden würde, wenn es um deutsche Medien geht.  Somit ist das Unwort des Jahres 2014, welches sonst vermehrt in rechten Kreisen verwendet wurde, wieder im Munde eines nicht zu vernachlässigenden Teils der Deutschen.

Das Vertrauen gegenüber den Medien ist in weiten Teilen der Bevölkerung tief erschüttert. Nur etwa die Hälfte der Bürger hält die deutschen Medien für glaubwürdig. Dies resultierte gerade aus Ereignissen, bei denen die Berichterstattung selbst starker Kritik ausgesetzt wurde. Im Falle des Ukraine-Konfliktes wurde die Glaubwürdigkeit und damit auch das Vertrauen in die Medien nachhaltig geschädigtFür 37% der Deutschen ist das Vertrauen in die Medien in den letzten Jahren gesunken.

Für ein konkretes, wenn auch extremes, Beispiel für Misstrauen sorgt der Bericht des ZDF morgenmagazins, welcher den Kontakt der Teilnehmer, der mittwöchlichen AfD-Kundgebung in Erfurt, mit der Moderatorin Dunja Hayali zeigt. Der gekürzte Bericht wurde aufgrund zahlreicher Zensur- und Manipulations-Vorwürfe nochmals in voller Länge auf Facebook und in der ZDF-Mediathek hochgeladen.

Sicherlich wird bei einer solchen Kundgebung kein objektiver Schnitt durch die deutsche Gesellschaft gezogen, jedoch ist bedenklich, dass Teile des Publikums einen verzweifelten Eindruck machen. Sie fühlen sich nicht verstanden und betonen, nicht etwa Nazis oder AfD-Anhänger zu sein, sondern dass ihnen ein Medium fehlt, das ihre Gedanken und Ängste vertritt.

Höchstwahrscheinlich ist das Gros der Teilnehmer einer solchen Veranstaltung nicht mehr belehrbar, jedoch sollte jeder aufschrecken, wenn das voranschreitende Misstrauen in Medien zum präferieren extremer Ansichten führt.

 

 

Ein Kommentar zu “Wut statt Vertrauen”

  1. [Trierer Medienblog] Wut statt Vertrauen sagt:

    […] http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/18980 […]

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