Gestreut – Gelesen – Geglaubt

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Vor Allem in den letzten Wochen stolpert man immer häufiger über den Vorwurf, die hiesigen Flüchtlinge stünden in engem Kontakt zu kriminellen Taten, wie Diebstahl, Vandalismus, sexuellen Übergriffen und Gewalttaten. Kunden klagen über Lebensmittelknappheit in den Supermärkten, Sozial- und Frauenverbände melden vermehrte sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen, und Passanten berichten über Angriffe auf offener Straße.
Klar ist auf jeden Fall: Die Gerüchteküche brodelt. Was allerdings weniger klar ist, ist, was von den Berichten tatsächlich der Wahrheit entspricht.

 

Bei Prüfung eben jener Gerüchte wird schnell klar, dass die meisten keinerlei Bezug zur Realität haben und nur zu einem Bestimmten Zweck verbreitet werden. Wie dieser Zweck genau aussieht lässt sich mit Sicherheit zwar nicht sagen, doch gibt es einige schlüssige Theorien, wie beispielsweise die des Kommunikationswissenschaftlers Matthias Kohring:

            „Gerüchte tauchen dann auf, wenn die Menschen Situationen besonders bedrohlich
empfinden, das heißt Situationen, in denen sie nach Orientierung verlangen“

Demnach wären die Gerüchtestreuer bloß unsicher und verängstigt, angesichts der gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen und suchten dabei letztendlich nach Solidarität und Unterstützung aus den eigenen Reihen. Besonders großes Angstpotential gehe laut Kohring von Vergewaltigungsgerüchten aus:

            „Sie haben etwas mit der Integrität der Familie zu tun, mit dem letzten Zufluchtsort
der Menschen. Sie haben aber auch etwas damit zu tun, dass eine Kultur bedroht ist
und deswegen sind das die Gerüchte, die Ängste auslösen können.

 

Demnach müsste man den Gerüchtestreuern letztendlich die Angst vor den Auswirkungen des Flüchtlingsstroms nehmen, was durch zahlreiche Gegendarstellungen und Statistiken – welche belegen, dass Flüchtlinge keine erhöhte Kriminalitätsrate verursachen – bereits versucht wird. Die Medien stoßen an diesem Punkt allerdings an ihre Grenzen, denn während sich durch vermeintlich glaubhafte Zeugenaussagen Ängste in der Gesellschaft ausbreiten, kann den Medien schnell unterstellt werden, mit Gegendarstellungen nur eine aufkommende Hysterie ausbremsen zu wollen. Dadurch und besonders unter den Vorwürfen einer „Lügenpresse“ leidet die Glaubwürdigkeit der Medien massiv. Und dies vielleicht mit ernsten Folgen für die deutsche Gesellschaft.

 

Quellen:

Medien: Machtlos gegen Flüchtlingsgerüchte? in:
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Medien-Machtlos-gegen-Fluechtlingsgeruechte,geruechte108.html  (Stand 25.11.2015)

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Ein Kommentar zu “Gestreut – Gelesen – Geglaubt”

  1. [Trierer Medienblog] Gestreut – Gelesen – Geglaubt sagt:

    […] http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/18969 […]

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