Wenn Kommunikation nur noch an Hand von Bilder stattfindet – ein Trend, gegenwärtig geworden durch Snapchat

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In unserem Zeitalter, das durch Schnelllebigkeit und Zeitdruck definiert ist, sind wir immer auf der Suche nach neuen Informationen und diese möchten wir möglichst schnell und unkompliziert geliefert bekommen und verstehen können. Zu diesem Zweck werden immer häufiger „Instant- Messaging“ Dienste genutzt. Die 2011 auf den Markt gebrachte Applikation „Snapchat“ setzt dabei rein auf die Weitergabe von Informationen nur durch das Übersenden von Bildern. Aber sagt ein Bild wirklich mehr als tausend Worte? Zumindest suggeriert „Snapchat“ dieses Denken und baut daruf seine Dienste auf. Über fünf Millionen „Gefällt-mir“- Angaben auf Facebook belegen, dass dieses Konzept aufgeht. Die App selber beschreibt seine Dienste als „real – time picture chatting, denn die Bilder können nur im selben Moment verschickt werden, in dem sie auch entstanden sind. Zuvor gemachte und dann gespeicherte Bilder können nicht versendet werden. Es geht also gar nicht mehr um die Qualität der Bilder (wie beispielsweise bei Instagram), sondern dienen sie lediglich als Mitteilung über die aktuelle Situation.

Die von Evan Spiegel und Robert Murphy erfundene App hat bis heute über 200 Millionen Nutzer weltweit und es werden täglich über 700 Millionen „Snaps“ (dt.: Schnappschüsse) verschickt – Tendenz steigend.

Die meisten Nutzer von Snapchat sind 18-24 Jahre alt (45%). Diese Größe der Altersspanne erreicht sonst kein anderes soziales Medium: beispielsweise wird Facebook in dieser Altersgruppe nur von 16% genutzt.

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– www.statista.com Stand: 2015

 

Wo also liegt der Reiz der Jugendlichen, diese App anderen sozialen Netzwerken vorzuziehen?

Möchte ein Snapchat- Nutzer nun seinen Freunden mitteilen, wie langweilig der Unterricht oder wie toll die Feier am Wochenende ist, wie es ihm oder ihr geht, mit wem man unterwegs ist oder möchte man einfach nur „Hallo“ sagen, wird schnell ein Bild oder Video via der App auf dem Smartphone versendet.

Dabei kann man dem geschossenen Bild einige Filter – unter anderem auch so genannte „Geofilter“ – hinzufügen. Diese orten durch das GPS das Handy und zeigen auf dem Foto somit an, wo man sich genau befindet. Zudem gibt es die Möglichkeit, durch Freihandzeichnungen oder Emojis dem Bild weitere Aussagekraft zu schenken. Ebenso ist es möglich, einen einzeiligen kurzen Satz zu schreiben. Nach der Bearbeitung des Bildes, kann der Sender selektiv aussuchen, an wen von seinen Freunden er das Bild nun senden möchte. Zudem kann er einstellen, wie viele Sekunden der Empfänger das Bild sehen kann – möglich sind eins bis zehn Sekunden. Nachdem der Empfänger das Bild geöffnet hat und die Sekunden abgelaufen sind, wird das Bild automatisch gelöscht. Und darin liegt auch der Reiz vieler Nutzer diese App zu verwenden: da jedem Jugendlichen mittlerweile geläufig ist, das Internet vergesse nie, braucht man sich durch den Selbstzerstörungseffekt der Bilder keine Gedanken mehr zu machen, dass das ein oder andere unvorteilhafte Selfie oder die Bilder von der letzten Party einen ein ganzes Leben lang „verfolgen“. Ein weiterer Vorteil gegenüber zum Beispiel Facebook ist auch, dass nur Leute, die man vorher ausgewählt hat, das Bild sehen können. Poste ich etwas in Facebook und bin mir zudem über meine Privatsphäre Einstellungen nicht bewusst, kann es durchaus passieren, dass nicht nur all meine Freunde geteilte Inhalte sehen können, sondern auch ‚mutual friends‘ oder gar mein Chef.

Des Weiteren kann jeder Empfänger individuell auf das versendete Bild oder Video reagieren und ein Foto oder Video zurück schicken. Die Kommunikation bleibt dementsprechend privat und persönlich.

Auf der anderen Seite ist es aber auch möglich, mit Snapchat eine Art visuelles Tagebuch zu führen, indem man Bilder einfach in die eigene „Snapchat Story“ lädt. Nun können alle Freunde das Bild 24 Stunden lang sehen. Auch hier kann man verfolgen, wie viele und welche Freunde sich das Bild angesehen haben. Prominente oder Youtube – Stars nutzen diesen Service gerne, um ihr disperses Publikum schnell und enfach zu erreichen. Deren „Follower“ wiederum erfreuen sich an der Nahbarkeit ihrer Idole, die dieser Service bietet.

Da die Möglichkeit eines Screenshotes besteht, wird man direkt informiert, wer solch einen getätigt hat. So kann man als Nutzer weitergehend verfolgen, wer das übersendete Material gespeichert hat und nun besitzt. Dieses Tool bietet kein anderes soziales Netzwerk.

 

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Diese Art von Kommunikation mag auf den ersten Blick oberflächlich oder dilettantisch wirken, doch hat sie einige Vorteile: es handelt sich um eine spontane und direkte Kommunikation, für Inszenierungen oder Manipulation beim Erstellen der Bilder und Videos bleibt kaum Zeit. Sie sind echt, aus dem Affekt heraus geschossen und drücken natürliche Emotionen aus. So ist es möglich, innerhalb nur weniger Minuten am Tag mit vielen Menschen in Kontakt zu treten und sogar Freundschaften effektiv zu pflegen. Auch versteht das Gesendete jeder Empfänger, ungeachtet von kulturellen oder sprachlichen Unterschieden. Sie werden unmissverständlich gedeutet, auch wenn man gar nicht die selbe Sprache spricht oder im selben Land wohnt.

Die Kommunikationsform, die Snapchat als bisher einzige App in diesem Umfang bietet, ist daher eine nützliche, wenn man sie richtig verwendet. Kommunizieren allein durch Bilder kann dementsprechend möglich sein, bietet Abwechslung, erspart Zeit und ist manchmal unmissverständlicher als verbale Kommunikation allein. Ein persönliches Gespräch kann sie jedoch nicht ersetzen.

 

 

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Ein Kommentar zu “Wenn Kommunikation nur noch an Hand von Bilder stattfindet – ein Trend, gegenwärtig geworden durch Snapchat”

  1. [Trierer Medienblog] Wenn Kommunikation nur noch an Hand von Bilder stattfindet – ein Trend, gegenwärtig geworden durch Snapchat sagt:

    […] http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/18711 […]

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