Themenkarrien in den Medien – ATOMKRAFT in aller Munde
geschrieben von Britta Behrens in Allgemeines, Printmedien, ZeitungskriseKommentar schreibenEin klassisches Beispiel für Gatekeeping des Journalismus und den Massenmedien zeigt die Krise rundum Vattenfall und die Atom-Meiler Krümmel und Brunsbüttel. Seit diesen Störfällen ist das Thema Atomausstieg über alle Nachrichten Kanäle zu hören, lesen und zu sehen. Jeden Morgen wenn ich die FAZ aufschlage oder auf Seite 1 blicke, gibt es neue Infos und Details zum Fall und darüber hinaus werden nun auch andere Störfälle egal welchen Ausmaßes aus aller Welt (Südkorea) mitaufgenomen. Dieser Krisenfall, der erst zum Krisenfall aufgrund miserabler Kommunikationspolitik wurde, zeigt deutlich wie und wann der Journalismus und hier insbesondere die Nachrichtenagenturen ihre Selektionsmechanismen nutzen und die einen Informationen (Atompolitik, Störfälle etc.) in die Welt senden und andere Information von derzeitiger minderer Relevanz, da nicht akut, unter den Tisch fallen lassen.
Wochenlang zuvor wurde rauf und runter über Energiepolitik gesprochen CO2 Reduktion usw. Der Atomausstieg wurde immer nur am Rande erwähnt, um zu verdeutlichen dass die CDU eher an einer Verlängerung interessiert ist, und andererseits die SPD und vor allem natürlich die GRÜNEN am Atomausstieg festhalten. Seit dem Kommunikationsdesaster “Vattenfall” ist das Thema voll auf der Agenda der Medien. Es wird Skepsis verbreitet über (Un)Sicherheit, Angst vor Atomkraft geschürt und leider viel zu früh vorab informiert mit sugesstiv Unterstellungen, die aus Bruchstücken von Informationen zusammen gebastelt werden (Vattenfall trägt natürlich mit Schuld). Der Vorfall von Krümmel und Brundsbüttel wurde im endeffekt von der Komission in eine unbedenkliche Gefahrenstufe eingeordnet, der dem Hype in den Medien überhaupt nicht Rechnung trägt. Eine Diskussion ist nun wieder voll entbrannt. Durch die räumliche Nähe und die Erinnerungen an Tschernobyl (Mein Sandkasten wurde zugeschüttet
), können die Politiker diese Chance nutzen ihre Positionen neu zu stärken und sich zu profilieren. Genauso wie die Medien es nutzen können, diese Themenkarriere vollends auszuschlachten. Jede kleine Nachricht, die bis vor kurzem noch im Trash der Agentur gelandet wäre, wird jetzt zumindest eine kleine Nachricht.
Von den öffentlich rechtlichen würde ich mir wünschen aber auch die Privaten sind vielleicht schon soweit, dieses Thema durch Wissenschaftssendungen und Dokumentationen so relevant zu unterstützen, dass man erfährt was eigentlich die wirklichen Gefahren der AKWs sind, wie es um die Sicherheit in Deutschland bestellt ist, und ob die Betreiber nicht verständlicherweise nur die Mindestanforderungen an Sicherheit erfüllen, da bald ja der Stecker gezogen wird.
Die typischen Statements der Politiker und die Diskussion über die Statements der Politiker hilft mir bei meiner Meinungsbildung und Kenntnisgewinnung nicht weiter.
5 Kommentare zu “Themenkarrien in den Medien – ATOMKRAFT in aller Munde”
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19. July 2007 um 17:39
[...] Der desolaten Informationspolitik widmet sich auch der Trierer Medienblog; eine Abschaltung älterer KKWs fordert der Rügenbote. [?]vgl. Krohn, Wolfgang / Weyer, Johannes (1989): Die Gesellschaft als Labor. Die Erzeugung sozialer Risiken durch experimentelle Forschung. In: Soziale Welt, 40 (3), 349-373. [?]Dies wurde ihr von der Gesellschaft über lange Zeit attestiert; die Ernüchterung setzte spätestens mit den großen Unfällen (Harrisburg, Bhopal, Seveso, Tschernobyl) ein; die Skandale um Contergan, FCKW, BSE etc. tun und taten ihr weiteres. [?] [...]
20. July 2007 um 14:26
Was haben Contergan und BSE mit Atomkrft zu tun???
20. July 2007 um 15:09
Auch Contergan und BSE sind Paradebeispiele für mangelhafte Risikokommunikationsprozesse. Außerdem – und darauf kam es im oben genannten Kontext an – können sie (genauso wie Bhopal, Harrisburg etc.) als wichtige Etappen auf dem Weg der Selbstwiderlegung von wissenschaftlicher Expertise angesehen werden. Soll heißen: Gewißheit kann auch durch wissenschaftliche Autorität nicht länger garantiert werden; in solchen Fällen wird Risikokommunikation unabdingbar. Da mußte die vormals wissenschaftsgläubige Gesellschaft aber erst lernen. Fälle wie Contergan waren hier prägende Ereignisse.
22. July 2007 um 20:38
Es geht in allen Fällen um Risiko-Kommunikation bzw. Katastrophen-PR. Und um Themenkarrieren.
Der Presseclub diskutierte heute übrigens auch noch mal über die Abschaltung bzw. Nicht-Abschaltung der Atommeiler. Atomkraft mag zwar auf den ersten Blick umweltfreundlicher sein, wenn aber mal ein GAU passiert richtet sie mehr Schaden an als es Kohlekraftwerke jemals könnten – mal abgesehen von den verschwiegenen und unerforschten Einflüssen der Strahlung auf Mensch und Umwelt.
22. July 2007 um 22:00
Was man hinsichtlich der Umweltfreundlichkeit von Atomkraft nicht außer acht lassen sollte, ist die Kühlwasser-Problematik. Da selbiges aus Flüssen entnommen wird und auch dorthin zurück geleitet wird, heizt dies die Flüsse so stark auf, dass dies negative Auswirkungen auf die Umwelt hat.