Die Geschichte der „Lügenpresse“

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Es wurde entschieden: Das Unwort des Jahres 2014 ist „Lügenpresse“. Weitere Anwärter für den Titel waren „Erweiterte Verhörmethoden“ und „Russland-Versteher“.

Jedes Jahr wählt eine unabhängige Jury aus einer Vielzahl an eingesendeten Wörtern aus. Die Jury bestand dieses Jahr aus 5 Mitgliedern, unter Anderen Prof. Dr. Martin Wengeler, der als Lehrstuhl für Germanistische Linguistik an der Universität Trier fungiert.

Dieses Jahr wurden 733 verschiedene Begriffe eingeschickt, wobei die Jury sich für „Lügenpresse“ entschied. Das Wort habe einen sprachgeschichtlichen Hintergrund, der denen, die es wieder aktuell gemacht haben, wohl nicht bewusst sein dürfte. Die Rede ist hier von Pegida, dem anti-islamischen Verein, der jeden Montag Demos in  Dresden veranstaltet.

Der Begriff reicht tatsächlich zurück bis ins 19. Jahrhundert, wo er zur Einschränkung der Pressefreiheit genutzt wurde. Im  1. Weltkrieg war von der „Lügenpresse“ als 4. Großmacht gegen Deutschland die Rede, die auch Schuld am Kriegsausbruch gewesen sein soll; im 2. Weltkrieg war es dann die sozialdemokratische Presse, die von den Nationalsozialisten der Lüge beschuldigt wurde.

Dieser Kampfbegriff wurde zur Beleidigung und Diffamierung der Presse benutzt, die von jenen gemacht wurde, die eine andere Meinung vertraten. Das konnte zum Beispiel die jüdische Presse sein oder auch die oben genannte sozialdemokratische Presse.

Seit den 2010er Jahren wird das Wort von Neonazis genutzt und heute von Pegida. Ausgerechnet Pegida, die doch betonen, weder rechts noch ausländerfeindlich zu sein. Sie werfen der „Lügenpresse“ vor, ihre Aussagen zu manipulieren, zu verdrehen oder gar nicht erst zu veröffentlichen.

Anscheinend wissen die Anhänger des Vereins wirklich nicht, was hinter diesem Kampfbegriff steht, wie die Jury angenommen hat. Sonst würden sie diesen nationalsozialistischen Begriff nicht jeden Montag lautstark skandieren, da sie ja nicht rechts sein wollen.

 

 

Quellen:

http://www.heise.de/tp/artikel/43/43838/1.html

http://www.unwortdesjahres.net/fileadmin/unwort/download/pressemitteilung_unwort2014.pdf

http://www.nachdenkseiten.de/?p=24552

http://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCgenpresse#Verwendungsgeschichte

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Ein Kommentar zu “Die Geschichte der „Lügenpresse“”

  1. [Trierer Medienblog] Die Geschichte der “Lügenpresse” | netzlesen.de sagt:

    […] http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/18160 […]

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