Deutscher Fernbusmarkt nimmt neue Dimensionen an

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Die beiden Fernbusriesen „MeinFernbus“ und „FlixBus“ schließen sich zusammen. Dies steht seit Freitag, den 09.01.15 nun endgültig fest.

Lange Zeit kannte man Fernbusse nur aus dem Ausland, denn in Deutschland wurde der Fernbusverkehr, zum Schutz des regionalen Zugverkehrs, bis vor 2 Jahren noch stark eingeschränkt. Seit Anfang 2013 ist dieser nun weitgehend liberalisiert und genießt seitdem eine große mediale Aufmerksamkeit.
Schon damals sah man in den Fernbussen eine starke Bedrohung und Konkurrenz für die Deutsche Bahn. Heute, knapp 2 Jahre nach der Liberalisierung, haben sich bereits mehrere Fernbusunternehmen in Deutschland etabliert und ein großes Streckennetz aufgebaut. Auch die Nachfrage ist stetig gestiegen.

Seit dem Fall des Bahnmonopols und der Privatisierung des Fernbusmarktes wächst der Markt in Deutschland stetig an. Viele kleinere Betreiber versuchen sich dabei auf dem hart umkämpften Markt gegen die zahlreichen anderen Konkurrenten durchzusetzen. Bislang konnten viele von ihnen dem Preiskampf nicht standhalten, wodurch sich etliche Betreiber mittlerweile komplett aus dem Fernbusgeschäft zurückgezogen haben. Darunter unter anderem „DeinBus.de“. Das Offenbacher Unternehmen meldete im November 2014 Insolvenz an. Auch der ADAC ist aus der Zusammenarbeit mit der Post zurückgetreten.
„MeinFernbus“ und „FlixBus“ gelang es, sich in der kurzen Zeit auf dem konkurrenzstarken Fernbusmarkt behaupten zu können und gemeinsam, gemessen an den Fahrgastzahlen des vergangenen Jahres, etwa die Hälfte des Fernbusmarktes abzudecken.

Am Mittwoch, den 07.01.15 wurde der Zusammenschluss der bis dahin beiden mächtigsten Fernbusunternehmen bekannt gegeben. „MeinFernbus“ und „FlixBus“ kooperieren ab sofort miteinander.
Was bedeutet dies für die Bahn? Fakt ist, dass die Konkurrenz für die Deutsche Bahn damit noch größer geworden ist. Doch welche Veränderungen ergeben sich aus der Fusion der beiden Fernbusunternehmen für die Kunden?

Die MFB – MeinFernbus GmbH mit Sitz in Berlin wurde im Juni 2011 gegründet. Im April 2012, nach alter Rechtslage, noch vor der flächendeckenden Liberalisierung des Fernbusgeschäftes, eröffnete „MeinFernbus“ seine erste Fernbuslinie. Bis die Liberalisierung 2013 endgültig in Kraft trat hatte das Unternehmen bereits 30 Busse auf 8 Fernbuslinien im Einsatz. 26 Städte wurden dabei zunächst angefahren. Markenzeichen von „MeinFernbus“ sind die „giftgrünen“ Reisebusse die unter dem Motto „Fahr grün!“ mittlerweile mehrmals täglich auf unterschiedlichsten Verbindungen durch ganz Deutschland fahren und dabei Kunden zu ihrem Zielort transportieren. Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind zentrale Punkte der Unternehmensphilosophie.

Auch der zweitgrößte deutsche Fernbusanbieter „FlixBus“ mit Sitz in München hat sich in kürzester Zeit ein gesamtdeutsches Streckennetz sowie ein starkes Partnernetzwerk aufgebaut. Das Unternehmen startete am 13. Februar 2013 deutschlandweit als erster Fernbusanbieter unter der neuen Gesetzgebung. Über das flächendeckende Liniennetz verbindet das Unternehmen heute täglich in über 5.000 Verbindungen Groß- und Mittelstädte miteinander. Der Anbieter steht in enger Kooperation mit den stärksten mittelständischen Busunternehmen aus Deutschland und Österreich. Charakteristisch für „FlixBus“ sind die blauen Reisebusse.

Diese beiden größten Fernbus-Startups werden nun Partner, verkündeten beide Unternehmen auf ihren Websiten. „Wir wollen nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander arbeiten“, sagte der Sprecher von „MeinFernbus“.
Durch die Kooperation wird sich einiges ändern: Die nationalen Streckennetze beider Anbieter sollen in den nächsten Monaten flächendeckend verbunden werden. Gemeinsames Ziel ist dabei die Expansion in Europa durch ein europaweites Fernbus-Liniennetz. Die neue Firma soll nun mehr Verbindungen innerhalb Deutschlands aber vor allem im Ausland anbieten. „FlixBus“ Gründer Jochen Engert sagte dazu: „Die Teams in Berlin und München ergänzen sich perfekt. MeinFernbus ist spitze auf der Straße, FlixBus ist führend im Online-Bereich. Wir bündeln unsere Stärken zu einem gemeinsamen Ziel und nehmen jetzt Kurs auf Europa.“. Laut „MeinFernbus“ Gründer, Torben Greve, solle es in Zukunft außerdem dichtere Fahrttakte und mehr Expressverbindungen geben. „MeinFernbus und FlixBus, die beiden Erfolgsmodelle „made in Germany“, werden eins und der Fahrgast profitiert. Fernbusse fahren demnächst noch öfter, noch schneller und genauso günstig wie bisher. So entsteht Deutschlands bestes Fernbusangebot.“, so Greve.

Auch optisch wird es kleinere Veränderungen geben: Zukünftig wird es nur noch einheitliche grüne Busse, mit der Aufschrift beider Firmennamen, geben. Zwar sind „MeinFernbus“ und „FlixBus“ nun eins, dennoch werde das neue Partnerunternehmen den Namen beider einst konkurrierender Unternehmen tragen. Doch fest steht: „über Nacht“ wird sich soweit erst einmal nichts verändern.

Die steigende Nachfrage zeigt sich an den stetig zunehmenden Fahrgastzahlen.
Für viele Kunden ist der Fernbus zu einer günstigen und zugleich komfortablen Alternative zu Bahn und PKW geworden. Damit dürfte der Konkurrenzdruck für die Deutschen Bahn deutliche gestiegen sein. Doch trotz der Verdreifachung der Fahrgäste auf 8,2 Milliarden (2013) kommen die Fernbusse noch lange nicht an die Deutsche Bahn heran. Diese beförderte im Jahr 2013 alleine rund 2,2 Milliarden Personen. Dennoch bildet der neue Fernbus Gigant zum ersten Mal ein echtes Gegengewicht zum Monopol der DB. Nicht zuletzt deswegen verspricht die Deutsche Bahn freien Internetzugang im Fernverkehr. Wann dies umgesetzt werden soll, ist jedoch noch nicht bekannt. Der IC Bus der DB soll zusätzlich zum Wettbewerb beitragen.

Insbesondere die extrem günstigen Preise sowie das kostenlose WLAN und die Sitzplatzgarantie erhöhen die Attraktivität der Fernbusse gegenüber anderen Verkehrsmitteln.
Auch im Tourismusbereich hat der Fernbus als Reiseverkehrsmittel in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Doch aufgrund der hohen Nachfrage sind die Preise bereits gestiegen und es stellt sich die Frage, ob es mit der Fusion zum „mit Abstand größten Anbieter in Deutschland“ und der neuen Konzentration auf dem Markt zu einer weiteren Preiserhöhung kommen wird. Experten rechnen langfristig mit einer Erhöhung der Fahrpreise für die Kunden.

Auch in Sachen Intermedialität sind die beiden Spitzenreiter auf dem neuesten Stand. Auf den Webseiten der beiden Unternehmen wird zum einen auf die sozialen Netzwerke Facebook, Twitter und Google+ verwiesen als auch auf die Unterhaltungsplattform Youtube. Damit sind die beiden Firmen auf den größten Community-Plattformen weltweit vertreten, die im Medienzeitalter unserer Gesellschaft eine extrem große Rolle spielen. „MeinFernbus“ und „Flixbus“ sind dadurch in der Lage ihre Angebote, Konzepte und Veranstaltungen sehr schnell zu veröffentlichen und diese an Ihre Kunden weiterzugeben. Durch die enorme Präsenz auf den sozialen Plattformen haben Kunden gleich mehrere Möglichkeiten, sich schnell und einfach zu informieren und Kontakt aufzunehmen. Fernbus-Kunden können über die Plattformen nicht nur Erfahrungen austauschen und Tipps geben sondern auch Fragen an die Unternehmen selbst stellen, welche schnellstmöglich von diesen beantwortet werden. In Echtzeit werden Nutzer über Neuerungen wie beispielsweise neue Verbindungen, aktuelle Nachrichten, Entwicklungen, und Streckeninfos informiert. Zusätzlich erhält man dort Informationen, die man auf der regulären Homepage nicht bekommt, darunter zum Beispiel Gewinnspiele, Verlosungen und Tauschaktionen unter den Nutzern. Ergänzt wird das Informationsangebot durch den kostenlosen Newsletter per E-Mail.
Nachrichten, welche von den beiden Unternehmen in den sozialen Netzwerken veröffentlicht werden, erzielen zudem viel größere Reichweiten als ausschließlich auf den Webseiten veröffentlichte Nachrichten.
Doch nicht nur die Präsenz in den sozialen Medien sondern auch die technischen Angebote wie beispielsweise die Apps beider Unternehmen, tragen zur Attraktivität der Fernbusse bei. „MeinFernbus“ und „FlixBus“ verfügen jeweils über eine kostenlose „Fernbus-App“, mit welcher man ganz bequem von unterwegs Tickets buchen oder auch stornieren kann. Weitere Vorteile sind unter anderem das Express Check-In Feature, welches über den QR-Code den schnelleren Einstieg in den Bus ermöglicht. Buchungsbestätigungen müssen demnach nicht mehr ausgedruckt werden, sondern können direkt auf dem Smartphone gespeichert werden. Zudem hat man die Möglichkeit per GPS die nächstgelegene Haltestelle zu suchen und sich anschließend von seinem Handy dorthin navigieren zu lassen.
Die Alternative, Fahrten auch über Verkaufsagenturen und Reisebüros oder direkt beim Fahrer zu buchen, wird dabei nach und nach immer stärker durch die verschiedenen Onlinefunktionen abgelöst.
Von Vorteil ist vor allem auch der SMS-Service: Bei Verspätung des Fernbusses bekommt der Kunde rechtzeitig vorher eine „Verspätungs-SMS“ auf sein Handy geschickt, worin er über die Verzögerung, den Grund der Verspätung und die neue Abfahrtszeit informiert wird.

Die verschiedenen Webangebote und Services der Fernbusunternehmen „MeinFernbus“ und „FlixBus“ dürften maßgeblich zu deren Erfolg beitragen.

Wie sich jedoch der Markt letztendlich entwickeln wird und welche Dimensionen er annehmen wird, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Offen bleibt außerdem wie sich das Online-Angebot durch den Zusammenschluss verändern wird und ob es weitere technische Neuerungen geben wird. Bis dahin heißt es: „Gute Fahrt!“.

Quellen:
http://meinfernbus.de/ueber-uns/presse/meinfernbus-in-medien.html (letzter Zugriff: 10.01.15)

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fusion-auf-fernbusmarkt-mein-fernbus-und-flixbus-schliessen-sich-zusammen-1.2293261 (letzter Zugriff: 10.01.15)

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/flixbus-und-meinfernbus-fusionieren-a-1011637.html (letzter Zugriff: 10.01.15)

https://www.flixbus.de/unternehmen/ueber-flixbus (letzter Zugriff: 10.01.15)

https://www.flixbus.de/meinfernbus-flixbus-werden-eins (letzter Zugriff: 10.01.15)

http://meinfernbus.de/ueber-uns/unternehmen.html (letzter Zugriff: 10.01.15)

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/fernbusmarkt-101.html (letzter Zugriff: 10.01.15)

http://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/meinfernbus-und-flixbus-fusionieren-ein-konkurrentchen-fuer-die-deutsche-bahn/11195622.html (letzter Zugriff: 10.01.15)

http://meinfernbus.de/meinfernbus-flixbus.html (letzter Zugriff: 10.01.15)

http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/zusammenschluss-meinfernbus-und-flixbus-fahren-gemeinsam/11195278.html (letzter Zugriff: 10.01.15)

https://www.facebook.com/FlixBus (letzter Zugriff: 13.01.15)

https://twitter.com/MEINFERNBUS (letzter Zugriff: 13.01.15)

https://plus.google.com/114561312723359392850/posts (letzter Zugriff: 13.01.15)

https://www.youtube.com/user/MEINFERNBUS (letzter Zugriff: 13.01.15)

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Ein Kommentar zu “Deutscher Fernbusmarkt nimmt neue Dimensionen an”

  1. [Trierer Medienblog] Deutscher Fernbusmarkt nimmt neue Dimensionen an | netzlesen.de sagt:

    […] http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/17929 […]

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