Dünn sein um jeden Preis…

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Die 2001 von den Vereinigten Staaten zu uns rübergeschwappte Internet-Bewegung Pro-Ana (pro=für; ana=anorexia nervosa (Magersucht)) oder auch Pro-Mia (mia=bulimia nervosa (Ess-Brechsucht)) ist auch heutzutage noch ein großes Thema. Wer Mitglied bei einer oder mehrerer sozialer Netzwerke wie Facebook oder Twitter ist hat sicher auch bemerkt, dass Fotos von extrem dünnen Frauen (und Männern) keine Seltenheit sind. Oft sind darauf prominente Models oder Schauspieler/innen zu sehen, deren Figur von vielen Mitgliedern der Netzwerke als Schönheitsideal empfunden wird. Ein weiteres Phänomen ist die sogenannte „Thigh-Gap“, eine deutlich sichtbare Lücke zwischen den Oberschenkeln von Frauen. Viele junge Mädchen und Frauen idealisieren sich mit diesem vermeintlichen und vor allem gefährlichen Schönheitsideal. Zu Dünn sein wird nicht als Krankheit, sondern als „Life-Style“ betrachtet.

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Und genau diese Jugendlichen können sich dank des Internets in Foren und auf Seiten sowie Gruppen bei Online-Messaging Diensten wie Whats-App vereinen und solidarisieren. Mithilfe von „Anna“, der imaginären Freundin, werden sie zum dünn werden und dünn beiben aufgefordert. Neben einem motivierenden Brief von Anna finden sich auf Pro-Ana Websites überwiegend Tipps & Tricks zum erfolgreichen Abnehmen und wie man zum Beispiel seine Magersucht vor Familie und Freunden geheim halten kann. Hilfsangebote wie Therapien sind meist kein Thema, die Magersucht wird verherrlicht und sogar noch durch „Competitions“ (Wer wiegt am wenigsten) vorangetrieben. Beinahe gleicht die Pro-Ana Bewegung schon einer Religion, so finden sich auf den Seiten neben sogennanten „sacred texts“ (Glaubensbekenntnis, 10 Gebote, Psalm) auch Gesestze & Gebote zum Essverhalten und zur Geheimhaltung der Krankheit. Weitere motivierende Werkzeuge sind die „thinspirations“ (thin=dünn), meist nachbearbeitete Bilder von sehr dünnen Prominenten und Magersüchtigen und „thinlines“, Zitate oder Sätze wie „Hunger hurts, but starving works.“  Des weiteren ist auch immer ein BMI-Rechner zur Selbstkontrolle zu finden.

Das Gefährliche an Pro-Ana ist nun die Tatsache, dass Gleichgesinnte sich gegenseitig immer tiefer in die Krankheit drängen oder soger Andere erst hineinziehen. Durch ein stark ausgeprägtes Gruppengefühl ensteht eine „Wir-gegen-Alle“-Einstellung. Die Betroffenen gehen davon aus, dass niemand anderes sie versteht oder ihnen helfen kann. Bei Pro-Ana können sie ihre Gedanken und Gefühle mitteilen, ohne für diese verurteilt zu werden. Deswegen ist es für sie oft umso schwerer, einen Weg aus der Magersucht herauszufinden. Manche wollen das auch gar nicht und gehen soweit, mit beziehungsweise an Magersucht sterben zu wollen („atte“=Ana till the end). Schließlich sterben laut Statistiken etwa 15% aller Erkrankten an den Folgen wie beispielsweise Herzstillstand, Infektionen oder durch Selbstmord.

Obwohl die Website jugendschutz.net regelmäßig das Web nach Pro-Ana Seiten durchforstet, diese prüft und gegebenenfalls löscht, finden Pro-Ana Anhänger immer wieder Wege ihre Ideale online auszudrücken. Die Gefahr dieser Krankheit sollte nicht unterschätzt werden und als Angehörige sollte man bereits auf die kleinsten Anzeichen achten, wenn man den Verdacht hegt, die Person könnte eine Essstörung haben. Je früher sie Hilfe bekommt und nicht immer tiefer in die Magersucht gerät, desto eher kann sie wieder gesund werden. Es gibt nämlich, wenn es noch nicht zu spät ist, einige erfolgsversprechende Behandlungsmethoden.

 

Beispiele für Pro-Ana Websites & Blogs:

http://lovetobeperfect.blogspot.de/

http://proana-liketobethin.over-blog.de/pages/100-tipps-6279183.html

http://theproanalifestyleforever.wordpress.com/

 

Quellen:

http://www.stern.de/gesundheit/2-pro-ana-szene-gemeinsam-hungern-per-whatsapp-2070831.html

http://www.maedchen.de/artikel/was-ist-pro-ana-2023763.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Pro-Ana

http://de.wikipedia.org/wiki/Anorexia_nervosa#K.C3.B6rperliche_Folgen

Bildquelle 1:

http://bestthighgaps.com/2013/08/best-thigh-gaps-girl-173-2/

2:

http://9cgrootmoor.pbworks.com/w/page/1152397/Medien%20und%20Magersucht

 

 

 

 

 

Ein Kommentar zu “Dünn sein um jeden Preis…”

  1. [Trierer Medienblog] Dünn sein um jeden Preis… | netzlesen.de sagt:

    […] http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/17704 […]

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