Die blonde Flut: Blondinen auf TV-Zeitschriften

geschrieben von in Fernsehen, Medienkritik, ZeitschriftenKommentar schreiben

Fernsehen.
Eine der liebsten Beschäftigungen der Deutschen. Und einige von uns besitzen sie noch: die Fernsehzeitschrift. Auch wenn dieses Format im Zeitalter des Internets zunehmend untergeht. Doch aus Trotz gegen die steigende Verinternetisierung der Gesellschaft oder einfach nur aus Gewohnheit ist das Format der Fernsehzeitschrift noch nicht völlig untergegangen und immer noch in einigen Haushalten zu finden.

Was beim scannenden Blick über die breite Zeitschriftenauslage im Fachhandel auffällt, ist nicht nur die große Angebotspalette der Fernsehzeitschriften, sondern auch die sich stark ähnelnden Cover:
1. Ohne Ausnahme sind auf allen Frauen abgebildet.
2. Diese Frauen sind auffallend oft (nahezu immer) blond und langhaarig.
3. Die meisten dieser Frauen tragen aufreizende Kleider oder Tops, die ihre (durch Photoshop verstärkten?) Kurven betonen und einen schönen Blick auf ihr Dekolleté bieten.
Eine Fernsehzeitschrift, deren Namen hier nicht genannt wird, hat es sogar geschafft, in den letzten Monaten ausschließlich Blondinen in weißer Kleidung abzulichten.
Wieso das Ganze? Wieso schaffen es nur lächelnde, makellose Blondinen auf die Cover, die sich alle sehr ähneln und austauschbar und langweilig wirken? Zwar findet man ab und zu doch noch einen Hauch von brünett auf einer Auflage, was einer Sensation gleicht, aber dann auch nur, wenn diese gerade in einem neuen Kinohit mitspielt und für steigende Verkaufszahlen sorgen könnte.
Die Verkaufsstrategie Blond scheint überall Einlass gefunden zu haben und wird konsequent durchgezogen. Mal etwas Abwechslung wagen, um aus der blonden Flut herauszustechen? Dies wäre wohl ein zu hohes Risiko. Wer kann denn auch wissen, ob sich die Zeitschrift mit einer Brünetten oder gar einer Schwarzhaarigen auf dem Cover überhaupt verkaufen würde? Lieber auf Sicherheit gehen und Altbewährtes weiter führen. Auch wenn das bedeutet, dass sich jede Auflage mehr und mehr ähnelt, jede Fernsehzeitschrift der anderen gleicht, da sie alle die gleiche Schiene fahren.
Bekanntlich gilt das Prinzip „Sex sells“, nicht nur auf den Covern unserer Fernsehzeitschriften. Also müssen natürlich perfekt scheinende, junge Frauen darauf abgebildet sein, die das Ideal unserer Gesellschaft repräsentieren sollen. Und Blondinen scheinen dabei eine gute Wahl, gelten sie doch als freundlich, strahlend, unschuldig und anziehend. Außerdem besteht bekanntlich das Klischee, dass Männer diesen Typ Frau besonders bevorzugen würden.

Man könnte diesen Trend durchaus als sexistisch bezeichnen. Wo sind denn all die Verfechter der Gleichberechtigung der Frau? Die haben sich wahrscheinlich alle auf die Frauenquote gestürzt, damit Frauen ja nicht wegen ihrer Führungsqualitäten, sondern lediglich zur Erfüllung der Quote eingestellt werden, eine zweifellos sehr erfolgreiche Methode.
Ein anderer -sinnvollerer?- Schritt zur Gleichberechtigung wäre doch, auch mal mehr Männer auf Fernsehzeitschriften abzubilden, schließlich wollen die Frauen doch auch mal einen schönen Anblick genießen können, und nicht nur die Männer. Oder man könnte versuchen, die Flut aus Blondinen zu durchbrechen und zu anderen Haarfarben übergehen, um etwas Abwechslung zu bekommen, sei es nun Braun, Schwarz, Rot oder gar Bunt. Schließlich sind diese Typen von Frauen auch Teil unserer Gesellschaft, und genauso schön und anziehend wie etwa Blondinen. Auch wenn das die Medienindustrie noch nicht ganz begriffen zu haben scheint.

Quellen:
http://www.dwdl.de/hoffzumsonntag/47491/blond_angenehm_abwaschbar_das_groesstmoegliche_nichts/ (03.01.15 18:10h)
http://konsumpf.de/?p=9798 (03.01.15 18:10h)
http://www.cafe-eloquent.de/blond-gut-tv-magazine-und-ihre-cover/ (03.01.15 18:20h)

Ein Kommentar zu “Die blonde Flut: Blondinen auf TV-Zeitschriften”

  1. [Trierer Medienblog] Die blonde Flut: Blondinen auf TV-Zeitschriften | netzlesen.de sagt:

    […] http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/17633 […]

Design übersetzt und angepasst von Christian Moeris, Christian Lehberger & Linda Manuel. Basierend auf dem Theme GlossyBlue von N.Design Studio.
Bild Radioskala: © Jürgen Acker / PIXELIO