Jahresbilanz des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger: Weiterhin Status quo

geschrieben von Daniel Reichard in Allgemeines, Printmedien, ZeitungskriseKommentar schreiben

Seit Beginn dieses Semesters bilden Wege aus der Zeitungskrise den Gegenstand des gleichnamigen Proseminars. Dass sich allen Lösungsansätzen – wie sie auch im Proseminar Thema waren – zum Trotz die Lage auf dem Zeitungsmarkt weiterhin nicht entspannt, konstatierte nun die Jahresbilanz der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDVZ). Neben dem anhaltenden Trend der sinkenden Auflage aller deutscher Zeitungen (rund zwei Prozent im vergangenen Jahr) beklagen die Verleger auch weiterhin die Konkurrenz des Internets. Die Gründe hierfür sind seit Jahren dieselben: Kinder und Jugendliche wachsen nicht mehr mit der Tageszeitung auf und gehen damit zugleich als spätere potenzielle Kunden verloren. Computer, Internet und Handy hingegen halten bereits im Grundschulalter Einzug in den Alltag der Kinder und entwickeln sich somit zu präferierten Informationsmedien. Das hat der BDVZ natürlich längst erkannt. Die Strategie der Verlage laute seit einiger Zeit, die Leser dort abzuholen, wo sie gerade seien, und sie mit den Endgeräten zu erreichen, die sie wünschen, wie Hans-Joachim Fuhrmann vom Verband der Zeitungsverleger im Deutschlandradio Kultur sagte. Doch es ginge nicht nur um neue Kanäle der Informationsvermittlung, so Fuhrmann weiter, auch bräuchten junge Menschen ganz andere Inhalte, egal ob auf Papier oder auf einem Display.
Erfreuliches gibt es einzig für das Anzeigevolumen deutscher Zeitungen zu vermelden. Dieses stieg im ersten Quartal 2007 um drei Prozent, was maßgeblich auf den allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung im Lande zurückzuführen ist. Und auch die Umsatzniveaus konnten nach einigen schweren Jahren gesteigert werden.

Bis auf die zuletzt genannten wirtschaftlichen Besserungen klingt das alles nicht neu. In den Äußerungen des BDVZ zeigt sich einmal mehr, welche enormen Probleme Verlage und Redaktionen weiterhin mit den Herausforderungen der anhaltenden Zeitungskrise haben. Welchen Stellenwert dem Internet zur Lösung bestehender Probleme beigemessen wird, macht die Kritik der Zeitungsverleger an der Onlineoffensive von ARD und ZDF deutlich. Es sei fraglich, ob Spiele, Kontaktbörsen oder Serviceangebote noch dem öffentlich-rechtlichen Sendeauftrag entsprechen würden, so der Vorwurf von BDVZ-Geschäftsführer Dietmar Wollf. Über die Angelegenheit, was ARD und ZDF alles auf ihren Internetportalen anbieten dürfen, urteilt im Spätsommer das Bundesverfassungsgericht.

Quellen:
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/642907.
http://www.sueddeutsche.de/,ra4m2/kultur/artikel/926/121765. http://www.bdzv.de/pressemitteilungen+M5076af43ebb.html.

Ein Kommentar zu “Jahresbilanz des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger: Weiterhin Status quo”

  1. Michael Schnitzler sagt:

    Diese Bilanz kann eigentlich nicht weiter überraschen. Denn ähnlich wie im Seminar – wenngleich selbstverständlich mit anderem Hintergrundwissen, Zahlen- und Analysematerial etc. – dürften auch die Diskussionen der Zeitungsverleger bezüglich Auflagensteigerung (bzw. wenigstens dem Erhalt des Status quo), Leserbindung und Zeitungsinnovationen keine Patentlösungen im Dutzend, sondern nur vereinzelt Problemlösungsansätze hervorbringen.

    Die praktische Umsetzung von Ideen wie beispielsweise erweiterten Internetauftritten, Leser-Weblogs u.ä. zur Steigerung der Leser-Blatt-Bindung, neuen Inhalten und veränderten (leserfreundlicheren) Präsentationsformen ist dann noch einmal eine ganz andere Sache: Diese erfordert zum einen Zeit (Leser oder potenzielle Leser müssen an neue oder veränderte Angebote herangeführt werden), zum anderen ist ein Konzept, welches vielleicht bei Zeitung A in Region A funktioniert, noch längst kein Garant für den Erfolg des gleichen Konzeptes bei Zeitung B in Region B.

    Entsprechende Lösungsansätze können also meiner Meinung nach nicht von “jetzt auf gleich” funktionieren. Für den Weg aus der Zeitungskrise brauchen Verleger und Zeitungsmacher vielmehr zweierlei: Zeit und Geduld.

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