„ProSieben macht die ‚Millionärswahl‘ zur Samstagabend-Show“

Klingt gut, ist es aber nicht. Zumindest nicht für Pro7/Sat.1. Eine realitätsnähere Schlagzeile liefert da beispielsweise der Mediendienst DWDL: „ProSiebenSat.1 zieht bei ‚Millionärswahl‘ die Notbremse“.

Über die neue Show von Pro7/Sat.1 und besonders über die Reaktionen darauf wurde bereits weiter unten berichtet. Speziell nach der ersten der bisher zwei ausgestrahlten Sendungen äußerten die Zuschauer ihren Unmut unter anderem über das fragwürdige Abstimmungs-Verfahren in Form eines Shitstorms. Nun die Konsequenz: die Millionärswahl wird stark verkürzt. Von acht geplanten Shows auf vier.

Doch nicht nur die schlechte Kritik ist ausschlaggebend dafür, auch die mieserablen Einschaltquoten spielen mit. Laut DWDL sahen am vergangenen Donnerstag nur 1,89 Mio. Zuschauer die Premieren-Show, am Freitag waren es nurnoch 620.000 Zuschauer in der Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen. Dies entspricht einem Marktanteil von 5,6 Prozent. Die zweite Show am Freitag lief zwar mit geänderten Regeln, viel gebracht hat es aber offensichtlich nicht.

P7S1 reagiert nun und und zeigt anstatt der für die Zukunft geplanten sechs Sendungen nur noch zwei. Am Samstag, 18. Januar läuft auf Pro7 um 22.15 Uhr live das sogenannte „Halbfinale“ der Show, bei dem die restlichen fünf Finalisten gewählt werden. Das Finale steigt dann am 25. Januar, ebenfalls live, ebenfalls auf Pro7. Sat.1 ist raus.

Der Versuch, mit einem ganz neuen, nicht aus dem Ausland kopierten Show-Konzept Erfolg zu haben, ist somit erst einmal gescheitert. Das ist schade für das deutsche Fernsehen, findet auch Stefan Niggemeier in seinem Blog: „Zu fürchten ist nämlich, dass die Sender […] in Zukunft noch mehr auf Nummer sicher gehen und das Risiko des Neuen, Kreativen, Unerprobten meiden.“ Pro7 selbst twittert jedoch am Montagmorgen: „Wir werden weiter den Mut haben, mit neuen Shows am Start zu sein.“

„Da Journalisten gerne voneinander abschreiben und nicht nachfragen, gibt es um die #Millionärswahl viele falsche Behauptungen.“ lautet ein weiterer, bzw. vorhergegangener Tweet des Senders. In anschließend gezwitscherten „Fakten“ wird klargestellt: „Fakt 1: Die Quoten sind eher beschissen.  #Millionärswahl“, […], „Fakt 4:  #Millionärswahl war und ist ein innovatives Showkonzept – das leider gescheitert ist.“, […], „Fakt 7: Manche Zuschauer haben sich für die Themen und Inhalte der  #Millionärswahl interessiert. Zu wenige. Danke trotzdem für den Support.“

Auf neue Shows von P7S1 dürfen wir gespannt sein. Die „Millionärswahl“ entpuppt sich als Flop und Musterbeispiel der Macht, die eine Internet-Community mittlerweile besitzt. Jedoch bringt die Show nicht nur Negatives mit sich: erstens geht in knapp zwei Wochen ein glücklicher Kandidat mit einer Million Euro nach Hause. Und zweitens hat Ralf Zanders, der tragische Held der ersten Show, für seine Aktion „Alles für Neele“ viel Aufmerksamkeit erlangen können – auch wenn er es nicht bis ins Finale geschafft hat.

 

Quellen:

Lückerath, T. (2014). ProSiebenSat.1 zieht bei ‚Millionärswahl‘ die Notbremse. Letzter Zugriff am 13.01.2014 unter http://www.dwdl.de/nachrichten/44226/prosiebensat1_zieht_bei_millionaerswahl_die_notbremse/.

Niggemeier, S. (2014). Warum die „Millionärswahl“ blöd war. Und warum es blöd ist, dass sie blöd war. Letzter Zugriff am 13.01.2014 unter http://www.stefan-niggemeier.de/blog/warum-die-millionaerswahl-bloed-war-und-warum-es-bloed-ist-dass-sie-bloed-war/.

Millionärswahl Plattformgesellschaft mbH (2014). ProSieben macht die ‚Millionärswahl‘ zur Samstagabend-Show. Letzter Zugriff am 13.01.2014 unter http://www.millionaerswahl.de/.

Rottmann, K. (2014). „Millionärswahl“ endet mangels Zuschaern früher“. Letzter Zugriff am 13.01.2014 unter http://www.welt.de/vermischtes/article123806941/Millionaerswahl-endet-mangels-Zuschauern-frueher.html.

Rüter, S. (2014). „Die Möchtegernmillionäre und die brutale Realität des Fernsehens´´. Letzter Zugriff am 13.01.2014 unter http://weblog.medienwissenschaft.de/archives/16577.

Twitter.com/ProSieben (2014). Letzter Zugriff am 13.01.2014 unter https://twitter.com/ProSieben.

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2 Gedanken zu „„ProSieben macht die ‚Millionärswahl‘ zur Samstagabend-Show“

  1. Auch ich denke, dass die Reduzierung der Show von weiteren 6 auf nur noch 2 Ausstrahlungen verdeutlicht, dass der Versuch ,,Millionärswahl´´ alles in allem gescheitert ist.
    Die von dir bereits angesprochenen Regeländerungen in der zweiten Show haben auch nichts mehr retten können, auch wenn die Pro7Sat1 Gruppe sogar die Sympathien der Zuschauer zurück gewinnen wollte- und zwar durch eine Spende an den von dir genannten ,,tragischen Helden´´ Ralf Zanders, sodass dieser zumindest das Bad für seine kranke Neele umbauen kann.
    Ich persönlich musste bei diesem Versuch die Zuschauer trotz allen Kritiken noch zu halten eher schmunzeln. Meiner Meinung nach setzten Pro7Sat1 zu spät die Meinungen der ,,Internet Community´´ um und dieser ,,Annäherungsversuch´´ kam einfach für alle zu spät.
    Letztendlich bestätigt sich durch den Flop ,,Millionärswahl´´ die von dir genannte ,,Macht der Internet Community´´, die es schaffte Pro7Sat1 so weit zu bringen, ,,Friedensangebote´´ auszustellen und eine schnelle Kürzung der Showreihe vorzunehmen.

  2. Erschreckend finde ich, dass die Show trotz umfassender Werbemaßnahmen nur mäßig Erfolg hatte. Sowohl Pro7 als auch Sat1 sendeten kurze Teaser sowie aufwändige Trailer. Auch Moderator Elton zeigte sich z.B. in der gerade auf das junge Publikum extrem wirksamen Show „Circus Halligalli“. Doch vielleicht führte gerade dieser krampfhafte Versuch einen Hype zu erzeugen letztendlich zum Scheitern.

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