“Ingen Gratisaviser tak”
geschrieben von j_salm in Allgemeines, Printmedien, ZeitungskriseKommentar schreibenDie Dänen haben die Nase voll von Gratiszeitungen. Jedenfalls ein Teil der dänischen Haushalte wehrt sich mit “Ingen Gratisaviser tak”-Aufklebern — “Keine Gratiszeitungen bitte” — gegen die Papierflut in den Briefkästen.
Jetzt besteht offenbar schon politischer Handlungsbedarf:
Bis am 1. April hatte Transportminister Flemming Hansen den Verlagen Zeit gegeben, dafür zu sorgen, dass die Klagen von Leuten, die gegen ihren Willen Gratiszeitungen aus ihrem Briefkasten fischen müssen, merkbar abnehmen. Hansen hielt dann aber die 25 Klagen pro Zeitung und Woche für verkraftbar und sprach sich deshalb gegen eine ?Lex Gratiszeitung? aus, wie sie von Seite der KonsumentInnen gefordert worden war. Erledigt ist die Auseinandersetzung damit noch nicht. Im September will das Parlament sich der Sache annehmen.
Der Zeitungskrieg in Dänemark nimmt mitunter schon skurille Züge an. Dass Unternehmen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Mitarbeiter entlassen, kennt man ja. Das Gegenteil ist bei der dänischen Gratiszeitung “Nyhedsavisen” der Fall gewesen: Acht Mitarbeiter wurden entlassen, aber nicht weil die Zeitung Probleme bei der Anzeigenakquise hatte…
Nach dem Verschwinden eines Konkurrenten wurden mehr Inserate geschaltet. Damit bleibt auf den Seiten des ?Nyhedsavisen? weniger Raum für redaktionelle Inhalte. Also braucht es auch weniger JournalistInnen, befand Dagsbrun, der isländische Herausgeber des ?Nyhedsavisen?.
Auch in der Schweiz soll es demnächst eine Gratiszeitung geben, die direkt ins Haus kommt. “.ch” soll das Blatt heißen und ab 19.September in der Deutsch-Schweiz auf den Markt kommen.
Quelle: klartext.ch
Ein Kommentar zu ““Ingen Gratisaviser tak””
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23. June 2007 um 12:01
Aus mehr Inseraten folgt weniger redaktioneller Inhalt, folgt weniger Journalisten?!? – Wenn das mal nicht erschreckend ist. Da zeigt sich dann worum es in Wirklichkeit geht. Wenn Zeitungen -gratis oder nicht- so agieren, rauben sich sich doch selbst jegliche Glaubwürdigkeit. Presse als vierte Gewalt wird damit endgültig der Lächerlichkeit preisgegeben.