Wie schnell reagieren Parteien auf E-Mail-Anfragen
geschrieben von Stefan in Allgemeines, Internet und PolitikKommentar schreibenDie Netzeitung berichtet über eine Untersuchung, die von der Unternehmensberatung Comcheck gemacht wurde. Danach ist die durchschnittliche Antwortzeit auf E-Mail-Anfragen bei den Parteien sehr unterschiedlich. Die Regierungsparteien SPD und Grüne als auch die Linkspartei schneiden dabei sehr gut ab, während die FDP und vor allem die CDU eine sehr lange Antwortzeit aufweisen.
Gesamtsieger ist die SPD mit einer durchschnittlichen Antwortzeit von 2,4 Werktagen gefolgt von der Linkspartei mit 3,3 Tagen. Nur unwesentlich schlechter schneiden die Grünen mit 4,2 Tagen ab.
Deutlich länger braucht schon die FDP bei der man mit einer durchschnittlichen Wartezeit von 7,6 Tagen rechnen muss. Bei der CDU sind es dann sage und schreibe 11,2 Werktage. Gerade kurz vor der Wahl dürfte diese Zeit für noch unentschlossene Wähler deutlich zu lang sein.
Es lässt sich also feststellen, dass die elektronischen Medien von den Parteien sehr unterschiedlich genutzt werden. Die CSU scheint im Umgang mit E-Mails ihrer Schwesterpartei bereits deutlich voraus zu sein, wie die Diskussion um die Werbe-Mails zeigt.
Betrachtet wurde zusätzlich auch noch der Informationsgehalt der Antwort, der durchgängig bei allen Parteien zu wünschen übrig ließ. Die Antworten waren oftmals überfrachtet mit ungefragten Informationen und bezogen sich scheinbar kaum auf die eigentlichen Anfragen. Manche Parteien schickten einfach das komplette Wahlprogramm mit.
Meiner Meinung nach zeigt dieser Test sehr deutlich, dass Parteien das Medium Internet meist nur dann nutzen, wenn es heisst eigene Informationen an möglichst viele Rezipienten zu verteilen. Der Aspekt der Kommunikation und des politischen Diskurses scheint dabei nur eine untergeordnete Rolle zu spielen.
Den Artikel findet ihr hier.
7 Kommentare zu “Wie schnell reagieren Parteien auf E-Mail-Anfragen”
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16. September 2005 um 16:01
“Gerade kurz vor der Wahl dürfte diese Zeit für noch unentschlossene Wähler deutlich zu lang sein.”
Ich glaube aber nicht, dass es viele unentschlossene Wähler gibt, die sich per E-Mail an die Parteizentralen wenden, wenn sie Fragen haben. Da wären die Infomationskosten einfach zu hoch. Die gängigen Fragen werden in den Massenmedien und auf den Homepages beantwortet. Es sind, glaube ich, eher in einem Politikfeld besonders engagierte Bürger, die Fragen zu diesem ganz speziellen Politikfeld haben, die auch nicht aus dem Stand heraus von den studentischen Hilfskräften, die diese Arbeit in den Parteizentralen ja meist machen, beantwortet werden können. Ich habe so einen ähnlichen Job auch mal gemacht. Da muss man dann erst einmal in der Fachabteilung eine Anfrage stellen, und das kann dauern. Daher wird die Antwort auf die meisten Fragen so ausfallen, dass man auf das Wahlprogramm verweist und der fragenden Person entsprechend vorgefertigte Argumentationspapiere, Beschlüsse, Flugblätter, etc. zur Verfügung stellt.
17. September 2005 um 12:49
Na ja sagen wir es mal so: Selbst wenn die unentschlossenen Wähler selten Anfragen per E-Mail schicken so ist dieses Ergebnis doch ein Armutszeugnis für die Parteien, die doch soviel Bürgernähe und politischen Diskurs versprechen. In diesem Zusammenhang interessiert es mich als Wähler im Übrigen nicht, wie die interne Bürokratie gelöst wird. Meiner Meinung nach sollte man, wenn das Angebot für E-Mail-Anfragen gemacht wird, auch in der Lage sein, diese zeitnah zu beantworten. Basta!
18. September 2005 um 15:56
Wenn die Zahlen stimmen, ist das aber wirklich ein Armutszeugnis. Mehr als zwei Tage sollte man bei einem Unternehmen und damit auch und erst recht bei einer Partei nicht auf eine Antwort per E-Mail warten müssen. Interessant sind auch die Webauftritte der Parteien. Wir haben für die Süddeutsche die Kandidaten (direkt und Liste) gesucht und uns teilweise einen Ast abgesucht. Könnt Ihr ja selbst mal ausprobieren: http://www.spd.de, http://www.cdu.de, http://www.liberale.de, http://www.gruene.de und http://www.sozialisten.de. Viel Spaß – und am Dienstag nicht vergessen, die Süddeutsche zu kaufen – fünf Sonderseiten mit den neuen Bundestagsabgeordneten!
18. September 2005 um 17:02
Wird das Blog hier jetzt schon als Werbeforum missbraucht
Aber ich stimme zu, dass die Webauftritte sehr unterschiedlich und deswegen sehr interessant sind. Im übrigen lese ich “Zeit” aus Überzeugung
18. September 2005 um 21:57
Ich hab auch schon bereut, dass ich das geschrieben habe (Kommentare kann man nicht editieren, oder?). Wird nie wieder vorkommen. Versprochen! Aber die Webauftritte finde ich nach wie vor interessant.
18. September 2005 um 23:26
Hey, das war gar nicht als Kritik gedacht. Wenn du von dem Produkt überzeugt bist darfst du es auch ruhig sagen.
23. September 2005 um 19:15
Also ich persöhnlich habe noch nie einer Partei gemailt oder geschrieben. Von daher bin ich jetzt nicht sehr betroffen. Ich denke Emails haben allgemein einen relativ geringen Status. Es scheint mir jedenfalls so, als ob sie quasi ohne Verpflichtung empfangen und versendet werden. Da scheint der Brief doch immer noch “seriöser” zu sein, d.h. da kann man eher mit einer Antwort rechnen, während bei Emails doch oft auch nichts passiert. Vielleicht liegt es am geringeren Aufwand oder daran, dass man sich immer herausreden kann (die Email ist im Äther versickert oder so was). Das ist jedenfalls mein Eindruck.
Die Email ist natürlich als billiges Spam-Werkzeug ideal für Parteien. Wenn es aber um individuelle Anfragen geht, kann das ganz schnell in Arbeit ausarten. Von daher ist das Ergebnis jetzt nicht so verwunderlich. Wär natürlich schön, wenn die Parteien in dieser Hinsicht das Potenzial der Emailkommunikation besser ausschöpfen würden, aber wahrscheinlich lohnt es sich einfach (noch) nicht.