Mitte der 90er Jahre etablierte sich das Internet als Massenmedium.
Mitte der 90er Jahre stagnierte der Durchschnitts-IQ in westlichen Ländern.
Das sind zwei Tatsachen. Ob ein signifikanter Zusammenhang zwischen den beiden Aussagen besteht, ist wissenschaftlich nicht erwiesen.
Dennoch möchte ich die kritische Frage formulieren, ob das Internet als digitales Gedächtnis nicht möglicherweise dazu führt, dass der heutige Mensch weniger denkt und in Erinnerung behält.
Der Mensch weiß, dass er auf alle skurrilen Fragen Antwort erhält, zieht er das Mega-Brain Google zu Rate. Der Mensch weiß, dass er niemals so viel wissen kann, wie ein anderer durch den Wissensspender Internet auch in Erfahrung bringen kann.
Also warum noch anstrengen? Ist es nicht so; hat nicht der Großteil der heutigen westlichen Bevölkerung diese Einstellung?
Texte werden nur noch überflogen, Informationen beiläufig wahrgenommen und andere Kulturen nicht mehr erlebt, sondern gegoogelt. Diese Entwicklung hat evolutionäre Auswirkungen: Die Jugend kann immer besser technische Geräte erfassen, Gelesenes immer schwerer behalten.
Auswendig gelernt wird nicht mehr und in Lexika geblättert sowieso nicht.
Die Information ist allgegenwärtig. Das Wissen ist verschwunden.
Natürlich, es soll nicht geleugnet werden, dass die Omnipräsenz und ständige Erreichbarkeit jeglicher Informationen nicht auch positive Seiten hat. Busfahrpläne, Wettervorhersagen, Veranstaltungen und sogar Freunde können virtuell ins Gedächtnis gerufen werden. Das Internet hilft das alltägliche Geschehen zu ordnen, zu organisieren und schafft Abhilfe gegen das Vergessen von Geburtstagen, Telefonnummern und Wissen. Und das ist der Punkt: Ist es nicht traurig, dass man sich stets darauf verlassen kann, dass das Wissen, das man einmal im eigenen Gehirn gespeichert hatte, immer virtuell erreichbar ist? Wäre es nicht schön, einmal sagen zu können: „Das weiß ich.“, ohne dass ein anderer das Internet befragen und plötzlich noch viel mehr wissen würde?
Dass das Internet ist und bleibt, ist nicht in Frage zu stellen. Vielmehr sollte sich ein jeder selbst überlegen, ob er sich nicht die Zeit nimmt, intensiv Informationen zu rezipieren und zu speichern. Denn das Gehirn ist immer noch schneller als das Internet. Und man bedenke, dass es auch Orte ohne Internetverbindung gibt und dann wäre es ganz schön, selbst zu wissen, wann der letzte Bus fährt…
http://www.n-tv.de/technik/Das-Internet-als-Misthaufen-article142447.html
http://www.tagesspiegel.de/kultur/medienkritik-unser-digitales-gedaechtnis/6224268.html
http://www.mediaculture-online.de/Medienkritik.875.0.html