Hierzulande spielt man Computerspiele vor allem zum Zeitvertreib, doch in manchen Ländern gibt es schon lange professionelle Spieler, die sich ihr Geld damit verdienen, in virtuellen Welten Abenteuer zu erleben. Besonders jungen Chinesen ohne Ausbildung bietet dieser ?Traumberuf? seit ca. 2002 die Chance auf ein regelmäßiges Einkommen und somit die Flucht aus der Armut. Nachdem sie auf der Straße angeworben wurden, müssen sie im Schichtbetrieb täglich mindestens zwölf Stunden lang spielen, sieben Tage die Woche. Der Rest der Zeit wird zum Essen und Schlafen genutzt. Oft kommen sie aus dem Firmengebäude jahrelang nicht mehr hinaus.
Dieser ungesunde Lebenswandel führt natürlich auch zu erheblichen gesundheitlichen Folgeschäden wie Sehschwäche oder Haltungsschäden – nicht zu reden von den psychischen Auswirkungen. Allerdings muss gesagt werden, dass es teilweise sehr große Unterschiede bei den Betrieben in Bezug auf Größe, Umsatz und Personalpolitik gibt. Nicht alle ?Goldfarmer?, wie sie im Fachjargon auch genannt werden, werden also von ihren Arbeitgebern skrupellos ausgenutzt. So variieren auch die Gehälter stark: Zwischen 70 bis 230 EUR pro Monat kann man als Profispieler in China verdienen.
Sinn ihrer Tätigkeit ist es, bei einem der zahlreichen ?Massively Multiplayer Online Role-Playing Games? – wie zum Beispiel World of Warcraft – möglichst viele virtuelle Goldstücke und Punkte zu sammeln, die der Arbeitgeber dann meist über Ebay an private Spieler aus dem Westen – aber auch aus Japan und Korea – verkauft. Auch weit entwickelte Figuren oder hohe Niveaus kann man im Internet für Tausende von Euro ersteigern.
Der Soziologe Ge Jin von der University of California war so fasziniert von diesem Thema, dass er sogar schon einen Dokumentarfilm über die Goldfarmer gedrehte. Überrascht war er immer wieder von der Tatsache, dass die Jugendlichen selbst nach so langer Zeit vor dem Bildschirm immer noch begeistert über ihren Beruf berichteten.
Neuerdings gibt es Goldfarmen nicht mehr nur in China, sondern auch schon in Rumänien, Indonesien, Mexiko und auf den Philippinen.
Links zum Thema:
http://www.tagesspiegel.de/dritte-seite/archiv/31.08.2006/2744334.asp
http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~EF1A6745292A748288B3463B03B2E049A~ATpl~Epalmversion~Scontent.html
http://www.stern.de/computer-technik/computer/560773.html?eid=559323
23. April 2007 um 07:49
Und so sehen solche Angebote dann in etwa aus. Auf SWR2 lief, glaube ich, mal eine kurze Dokumentation darüber, habe die aber jetzt gerade nicht gefunden. Solange eine Vorschau auf eine Videodokumentation auf youtube (die weiteren Teile sind verlinkt). Beinahe interessanter sind die – vielen – Kommentare dazu.
Phänomene wie Goldfarming, Online-Winzen oder das schon sagenumwobene Second Life zeigen aber meines Erachtens etwas ganz deutlich: Die Grenze zwischen virtuellem und realen Leben wird bald vollkommen verwischen. Wenn es möglich ist, in einer fiktiven Welt reales Geld zu verdienen oder in einer sehr teuren Egoshootervariante handaufgezogene Tiere zu erschießen, was geht noch? Was wird noch gehen?
23. April 2007 um 13:33
Mit Hilfe einer virtuellen Welt Geld zu machen scheint zur Zeit ja groß in Mode zu sein. Und damit meine ich nicht die Programmierer, die ein bestimmtes Spiel entwickeln. Man betrachte nur einmal Second Life: In dem man auf virtueller Ebene Dinge anbietet und verkauft, die rein für diese virtuelle Welt gedacht sind, kann man reales Geld verdienen, das man dann im echten Leben ausgeben kann. Eine äußerst interessante Kombination von Realität und fiktionaler Welt. Man darf gespannt sein, wie die Entwicklung hier in Zukunft weitergeht.