Ist Ideenklau eigentlich ansteckend? Oder in den letzten Monaten einfach nur ‚trendy‘?
Neben politischen Größen (Guttenberg, Koch-Mehrin) oder deren Kindern (Stoiber), die sich gerne mit akademischen Titeln versehen wollten, ohne dafür eigenständige Arbeit zu leisten, griff die Lust am Plagiat auch in den Bereichen Kunst und Technik munter um sich.
So wurde der Rapper Bushido bereits mehrfach zu hohen Geldstrafen verurteilt, nachdem sich viele seiner Lieder als teilweise plagiiert herausgestellt hatten.
Doch was geht im ‚Fälscher‘ eigentlich vor, wenn er sich zum Stibitzen entschließt?
Ist es in unserer Gesellschaft allein die Faulheit, die Menschen zu solchen Handlungen treibt?
In vielen Fällen mag dies wohl zu treffen. Statt eigener Anfertigung einfach widerkäuen, was man an anderer Stelle schon wohl zubereitet entdeckt hat.
Gerade in der heutigen Zeit, wo PC, Internet, Suchmaschine und die Copy-Paste-Funktion es dem willigen ‚Plagiator‘ so leicht machen. Man muss nicht mehr stundenlang Bücher wälzen. Ein paar Klicks genügen und fertig sind gekonnte Formulierungen und ansehnliche Ergebnisse.
Doch gerade darin liegt doch die Gefahr, die der geneigte Abschreiber oftmals unterschätzt.
Denn dass auch das Wiederentdecken des aufgeschnappten Materials nicht allzu schwer fällt, sollte eigentlich auf der Hand liegen.
Daher entweder wirklich gut umformulieren, hoffen, dass es keiner mitbekommt und das schlechte Gewissen ertragen.
Oder aber doch die eigenen grauen Zellen anstrengen. Denn darum sollte es doch, egal ob im künstlerischen, handwerklichen oder wissenschaftlichen Bereich, stets gehen:
Die Lust, etwas Eigenes zu schaffen, zu eigenen Erkenntnissen zu gelangen und sich selbst in der Arbeit widerzuspiegeln.
Plagiieren mag verführerisch sein, aber das befriedigende Gefühl samt der Erkenntnis „Wow, das ist meine eigene Leistung“ bleibt aus.
Eine weitere Problematik, die sich abzeichnet, ist das vermehrte Aufkommen von Nachahmungen auf dem chinesischen Markt.
Gerade im Bereich Automobilbau wird seit diesem Jahr immens stark von deutschen Fabrikaten abgekupfert, besonders was den Bereich Design angeht.
Die deutschen Partner, etwa BMW oder Daimler, fühlen sich vor den Kopf gestoßen, gilt solcher Ideenklau in unserer Gesellschaft doch als Diebstahl.
Hierbei treffen verschiedene Mentalitäten aufeinander, wird das Abschauen in China doch als eine „Ehrerbietung“ an das Original gesehen, wie Daimler-Chef Zetsche in einem Interview erklärte. Dennoch würden die deutschen Automobilkonzerne sich „gegen die Plagiate formell wehren“ und hätten „die nötigen Schritte unternommen“, wie er in einem Gespräch mit dem Stern erklärte.
Hier liegen also grundverschiedene Auffassungen des ‚Sich-mit-fremden-Federn –Schmückens‘ vor und müssen, da die Kooperation mit der chinesischen Industrie wohl zunehmend ausgebaut wird, zur Not juristisch ausgehandelt werden.
So zeigt sich also, dass der Ideenklau, trotz aller Einfachheit, nach wie vor zu Recht ein Tabu mit hoher Hemmschwelle und scharfen Sanktionen in unserer Gesellschaft darstellt, unabhängig davon, wie prominent der Fälscher auch sein mag, oder wie die Denkweise in fernen Ländern aussieht. Und diesen Wert eigener Arbeit sollte nicht nur die Gesellschaft an sich, sondern auch jeder Künstler, Wissenschaftler und Handwerker mittragen und erhalten, um Kreativität und Fortschritt die nötige Wertschätzung entgegenzubringen und nicht verkommen zu lassen.
(In diesem Sinne: Sollten in diesem Text Plagiatsstellen auftauchen, so wäre es reiner Zufall:)
-
Quellen/Links:
- http://mc.cellmp.de/op/stern/de/ct/-X/detail/gesundheit/Smart-China-R%E4cher-Land-Plagiate/617997/ (Dieter Zetsche im Stern, Stand: 04.07.2011)
- http://auto.t-online.de/automesse-peking-dreiste-plagiate-aus-chinas/id_41538664/index (Die Automesse in Peking, Stand: 04.07.2011)