Missbrauch zur „Schönfärberei“?

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In gut einer Woche ist es soweit: Musiker aus ganz Europa werden beim 57. Eurovision-Song -Contest ihr Können unter Beweis stellen. Die wichtigste Musikveranstaltung in Europa wird in diesem Jahr in Aserbaidschans Hauptstadt Baku ausgetragen,  da im Vorjahr das aserbaidschanische Duo Ell und Nikki den Contest-Titel in Deutschland erringen konnte.

Allerdings blicken viele Menschen der Musikshow äußerst kritisch entgegen.  Aus Aserbaidschan hört man, dass die Regierung bzw. das Regime immer wieder massiv gegen die Menschenrechte verstößt. Gegen den Willen der Reporterin Chadidscha Ismailowa von Radio Free Europe, habe man ein Sexvideo von ihr veröffentlicht, da diese wohlmöglich gegen das Regime wetterte. Außerdem drangen Polizisten in die Wohnung der prominenten Menschrechtsaktivisten Leyla Yunus ein, ohne jedoch einen Durchsuchungsbefehl zu haben. „Willkürjustiz und Haft für Andersdenkende“ heißt es in einem Artikel auf der Onlineseite der Zeitschrift „focus“.

Die aserbaidschanische Regierung lässt sich von der Kritik kaum beeindrucken. Stattdessen reagiert sie im Staatsfernsehen mit sogenannten Schmutzkampagnen, in denen andere Orte auf der Welt extrem schlecht dargestellt werden. Wegen der Vielzahl an Kritiken aus deutschen Medien wurde Frankfurt als Ort dargestellt, „der von gewalttätigen Drogensüchtigen, Prostituierten und armen Zeltbewohnern bevölkert wird“.

Der Eurovision-Song-Contest soll vom Regime zur „Schönfärberei“ missbraucht werden. Die Regierung sehe darin eine Möglichkeit sich als „modernes, westlich orientiertes Land zu präsentieren.“ Getreu nach dem Motto „Mehr Schein als Sein“. Die Regierung hoffe, mit einer gewaltigen Show und der hohen Aufmerksamkeit europäischer Medien als demokratisches Land zu erscheinen. Die Direktorin des politischen Forschungszentrums Baku (“Center for National and International Studies”), Leyla Alieva, äußerte sich gegenüber Journalisten folgendermaßen: „Die Regierung hat Fassaden gebaut. Der Eurovision Song Contest ist Teil dieser Fassade, die den Eindruck erwecken soll, dass wir ein europäisches Land sind. Europäisch zu sein, bedeutet für sie: europäische Lieder singen, europäische Geschäfte haben. Wenn Sie nach Baku kommen, wird ihnen die Stadt sehr europäisch vorkommen.”

Mit der hohen Aufmerksamkeit der europäischen Medien, so heißt es, soll dies erreicht werden. Ja, die Medien werden einen großen Einfluss darauf haben, wie uns die politische Lage in Aserbaidschan vermittelt wird. Markus Löning, Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung, fordert die Teilnehmer des ESC auf, sich kritisch zu der Lage zu äußern und damit eine Inszenierung des aserbaidschanischen Regimes zu verhindern.

Sollte die Veranstaltung überhaupt in diesem Land stattfinden? Ich denke, es ist die richtige Entscheidung den Contest dort zu belassen. Wenn die Medien vor und nach dem ESC ausführliche Hintergrundberichte über die politischen und rechtlichen Bedingungen in diesem Land ausstrahlen und wie Markus Löning fordert, sich die Beteiligten kritisch äußern, wird die Regierung Aserbaidschans eventuell mehr unter Druck gesetzt, um im Land etwas zu ändern.

 

 

Niggemeier, Stefan (2012): Kritik am Eurovision Song Contest, http://www.spiegel.de/kultur/musik/human-rights-watch-kritisiert-grand-prix-land-aserbaidschan-a-828199.html, Aufrufdatum: 18.05.2012, 14.30 Uhr.

Jub/ dpa (2012): „Hier wirst du wie ein verrücktes Tier behandelt“, http://www.focus.de/kultur/musik/tid-25840/eurovision-song-contest-2012-in-baku-hier-wirst-du-wie-ein-verruecktes-tier-behandelt_aid_754341.html, Aufrufdatum: 18.05.2012, 15.00 Uhr.

Sind wir nicht alle ein bisschen Tatort?

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Wer kennt das nicht? Ein gemütlicher Sonntag und abends zur Primetime: Tatort gucken. Knapp 10 Millionen Zuschauer (ca. 25 % Marktanteil) schalten Das Erste zu Spitzenzeiten um diese Zeit ein, um den Kommissaren über die Schulter zu schauen. Spannung von 20:15 bis 21:45 – und seit neuestem sogar noch länger! Denn die neueste Masche der Macher ist ein ungelöstes Rätsel am Ende des Filmes. Wer Lust und Laune hat und gerne einmal in die Rolle der Ermittler schlüpfen möchte, geht nach dem Abspann auf daserste.de und meldet sich auf der entsprechenden Seite für das Online-Spiel an, bei dem man innerhalb der nächsten Tage Zeugen befragen und Indizien sichern kann.

Bei der re:publica in Berlin, einer Konferenz rund um neue Entwicklungen im Bereich “social media”, die seit 2007 jährlich abgehalten wird, wurde das Format im Mai nun erstmals vorgestellt. Anhand von Screenshots wurden Funktionen und einzelne Entwicklungsschritte demonstriert.

Ein weiterer Clou bei der Sache: Muss man beispielsweise eines der Beweismittel ins Labor schicken, um es auf bestimmte Aspekte hin testen zu lassen, so verzögert sich auch des Rätsels Lösung, denn das Labor braucht –wie im echten Leben- eine gewissen Zeit, bis es Ergebnisse liefern kann. Und kommt man einmal nicht weiter, naht Hilfe aus den eigenen Reihen, nämlich von anderen Online-Spielern.

Ein Unterschied zu den restlichen Social TV Formaten besteht jedoch darin, dass nicht während dem Verlauf der Sendung kommuniziert und gewertet wird, sondern erst nach der Ausstrahlung. Das erhöht die Zeitspanne, in der miteinander gerätselt werden kann, ungemein.

Meiner Meinung nach hat diese Neuheit durchaus Potential, sich auf dem Markt durchzusetzen, gerade weil der Tatort im Moment generell auf einer Erfolgswelle zu schwimmen scheint. Die Tufa in Trier lockt sogar mit dem Slogan “Wir gucken Tatort” und überträgt jede Folge auf einer Großleinwand. So wird der Krimi zum Massenevent. Man darf also gespannt sein, wie der “Tatort Plus” in Zukunft ankommen wird und ob durch das Erklimmen einer weiteren Stufe im Bereich der “social media” demnächst auch weitere Formate folgen werden.

 

 

Quellen:

http://www.einslive.de/magazin/netzthemen/2012/05/120504_social_tv.jsp

http://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/specials/tatort-plus-100.html

http://re-publica.de/12/

http://www.sueddeutsche.de/medien/tatort-im-ersten-rekordquoten-fuer-den-fluchenden-kommissar-1.1259210

http://www.textorium.de/tatort.html

Nach dem Talk ist vor dem Talk…

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Schaltgespräche in Fernsehnachrichten werden oft aufgezeichnet – das hat meist praktische Gründe. Politiker sind nachmittags oder am frühen Abend eher verfügbar als gegen 21:45h, wenn Nachrichtenmagazine wie das ZDFheute-journal oder die Tagesthemen der ARD live über die Bildschirme flimmern. Solche Aufzeichnungen haben dann auch den Vorteil, dass sie gegebenenfalls noch gekürzt werden können und das Zeit für Vor- und Nachgespräche zwischen dem Moderator und dem Gesprächspartner bleibt. Warum letzteres ein Vorteil ist, konnten Millionen Zuschauer am Montagabend im ZDF erleben. Horst Seehofer, der CSU Chef war eingeladen zum Schaltgespräch bei Claus Kleber im heute-journal. Es ging um das wenig erfolgreiche Abschneiden seiner CDU-Kollegen in NRW. Irgendwie ein typisches Politikergespräch – Seehofer ist verhalten kritisch, diplomatisch – manche nennen sowas “Politikergeschwafel”. 5 Minuten ging das so, ehe das “offizielle Interview” zu Ende zu sein schien. Doch während die Technik die Aufzeichnung überprüfte liefen die Kameras in Mainz weiter. Kleber und Seehofer überbrückten die Zeit bis zum “Ok” der Regie mit einer Analyse des Gesprächs. “Das hat sich doch wieder gelohnt” merkt Kleber an, Seehofer ergänzt “das war doch frisch” – Kleber ist noch unwissend, das dass was wirklich frisch ist erst noch kommen sollte. Denn Seehofer legte jetzt erst richtig los – wich ab vom diplomatischen Duktus und wetterte gegen Röttgen und das “schön gerede” seiner Parteifreunde. Kleber war körpersprachlich zwar auch schon abgeschaltet, doch er schien solche Nachgespräche zu kennen – merkte etwas ironisch an, dass schon Kollegin Slomka festgestellt hat, dass die Nachgespräche oftmals interessanter sind als der formale Teil. War es ein unbeabsichtigter Kommentar oder eine geniale Strategie des Anchorman? Seehofer jedenfalls fühlte sich “a bisserl angestachelt” schnell zu reagieren: “Das können Sie alles senden”. Kleber nimmt ihn beim Wort – das Nachgespräch wird ausgestrahlt, Seehofer erhascht sich anschließend Respekt ob der Ehrlichkeit, Röttgen muss (nicht nur wegen Seehofers harscher Kritik) sein Amt als Umweltminister niederlegen und Kleber und das ZDF ernten Anerkennung von allen Seiten.

 

Das Interview nach dem Interview – ZDF heute journal vom 14.05.2012

Auf twitter, facebook und in allen Medien gibt es Reaktionen, Forderungen solche Nachgespräche öfter zu zeigen. Doch so erstaunlich und fernab des Fernsehalltags diese Ausgabe des heute-journals war, die Regel werden die Nachgespräche wohl nicht werden. Zunächst wird nicht immer aufgezeichnet. Nicht alle Nachgespräche dürften weiterhin eine ähnliche Brisanz beinhalten. Politiker werden in der Regel wohl auch keine Freigaben erteilen, es sei denn – und das ist die negative Nachricht des Tages: Vielleicht ist den Politikern erst jetzt klar – das die Kameras nicht sofort ausgehen, vielleicht werden Sie aus Strategie eine ähnliche Plattform suchen, vielleicht werden sie aber von nun an auch nach dem offiziellen Teil reservierter sein. Das wäre schade für Journalisten wie Kleber, Slomka & Co. – für die sind die Nachgespräche eine gute Möglichkeit “den Mensch” Politiker besser verstehen zu können, meint zumindest Marietta Slomka

Vielleicht war die Ausstrahlung also nicht nur gut – sowieso: Warum war Seehofer erst authentisch als die Kameras vermeintlich ausgeschaltet waren?  Die Frage wird er sich stellen müssen – für den Zuschauer bleibt von dem Abend immerhin die gute Erkenntnis, dass zumindest in der Nachrichtenredaktion des ZDF versucht wird zu senden, was sendenswert ist…

Quellen // http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/politiker-in-den-medien-die-kunst-der-klaren-rede-11751296.html // http://www.stern.de/politik/das-interview-nach-dem-interview-1827711.html // http://www.heute.de/ZDF/zdfportal/web/heute-Nachrichten/4672/22580156/d25a41/Ruckrede-2.0-oder-mehr-als-peinlich.html // http://www.spiegel.de/politik/deutschland/norbert-roettgen-tritt-als-umweltminister-zurueck-a-833583.html // http://www.youtube.com/watch?v=CS3qyx8drQk //

 

London Calling

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Dieser Sportsommer wird heiß! Nicht nur die Fussballeuropmeisterschaft wird uns in diesem Jahr die Sommerflaute versüßen, nein, am 27.Juli geht’s direkt weiter mit den Olympischen Spielen in London! Doch genau dieses Ereignis erregt in den letzten Tagen unerwartete Aufregung. Diesmal weder in der Politik noch in der Wirtschaft, sondern bei den deutschen Rundfunkanbietern.

Die ARD und ZDF verzichten in diesem Jahr auf eine Ausstrahlung in ihren Spartenkanälen ZDFneo, ZDFinfo, Einsfestival und Eins Plus und setzen stattdessen rein aufs Web. „In bis zu sechs Live-Streams werden die zahlreichen bei den Olympischen Spielen parallel stattfindenden Wettbewerbe parallel übertragen.“, so einem Bericht auf dwdl.de zu entnehmen.
Doch genau das gefällt dem Privatsenderverband VPRT ganz und gar nicht. Den öffentlich-rechtlichen Sendern wird vorgeworfen damit Rechtsvorschriften, wie z.B. die zulässige Maximaldauer von Internetangeboten zu überschreiten.

Diese Debatte regt dazu an, über das sich immer stärker verändernde Angebot in der Medienlandschaft, insbesondere des Rundfunks, zu diskutieren.
Längst hat jede Rundfunkanstalt einen ansehnlichen Online-Auftritt, natürlich inklusive Mediathek. Für Rezipienten ist es leichter denn je, sich ein Programm zuzuschneiden, wie es ihnen am besten gefällt. Doch wie ist diese „neue“ Freiheit zu bewerten?

Natürlich ist die Kritik, ARD und ZDF kämen mit einer ausschließlichen Online-Übertragung ihrem Bildungsauftrag nicht nach, da nicht vorausgesetzt werden kann, dass jeder, der gerne mehr über die Olympischen Spiele erfahren möchte, über einen Internetzugriff verfügt, gerechtfertigt.
Doch wie ich finde, wird mit der Entscheidung von ARD und ZDF die Spartenkanäle außer Acht zu lassen (dessen Einschaltquoten ohnehin nicht überragend sind) und stattdessen nur Livestreams zu übertragen, ein großes Zeichen in Richtung Zukunft gesetzt. Die Öffentlich-rechtlichen stellen sich damit dem Vorurteil, langweilig und eingefahren zu sein. Die Hoffnung bzw. auch die einfache Möglichkeit eine ganz neue Art von Rezipienten zu erreichen, ist dabei richtungsweisend. Vielleicht mag diese Art der Rezeption heute für den Großteil der Bevölkerung noch etwas ungewöhnlich sein, doch ich denke, dass Online-Angebote in den nächsten Jahren immer mehr an Zuwachs und vor allem Akzeptanz gewinnen werden.

 

Quellen:

http://www.dwdl.de/nachrichten/35982/masslos_privatsender_kritisieren_olympiaplaene/

http://www.dwdl.de/nachrichten/35990/ard_weist_olympiakritik_des_vprt_zurueck/

http://www.ard.de/intern/ard-olympische-sommerspiele-online-vprt/-/id=1886/nid=1886/did=2477592/agwfsn/index.html

Achtung! Hier kommt ein Skandal! (Vielleicht.)

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“Bild der Frau”, “Frau mit Herz”, “Frau ohne Herz”, “die aktuelle”, “7 Tage” – wer wissen will, was in der Welt der Promis, der Schönen (und oft Reichen) gerade abgeht, der wird sie kennen, die Zeitschriften mit dem großen Klatsch-Content. Ihre Daseinsberechtigung ziehen sie nicht unbedingt aus dem beiliegenden TV-Programm, sondern vielmehr aus der Enthüllung von skandalösen Vorfällen in europäischen Königshäusern, von denen sonst nie jemand etwas mitbekommen hätte. Und eigentlich auch niemand mitbekommen muss.

Der Autor Stefan Niggemeier führt auf seinem Blog eindrucksvoll vor, was hinter den oftmals so reißerischen Titelschlagzeilen dieser Klatschzeitschriften steckt – nichts als heiße Luft. Mit aufgeblasenen Titeln werben die Blätter am Zeitschriftenstand um Leserinnen, versprechen ihnen den skandalösesten Skandal aller Skandale und tun am Ende doch nichts anderes, als die Käufer in die Irre zu führen.

Niggemeier erklärt das System der Klatschblätter am Beispiel der “aktuellen” vom 28. April:

»Oh nein! Samuel Koch: Dramatischer Sturz aus dem Rollstuhl!« bedeutet, dass Koch in seiner gerade erschienenen Autobiographie unter anderem auch beschreibt, wie er einmal aus seinem Rollstuhl gefallen ist.

Und »Also doch! Nicolas Sarkozy & Carla Bruni: Steht ihre Ehe vor dem Aus« hat den faktischen Hintergrund, dass Sarkozy die erste Runde der Präsidentschaftswahlen verloren hat und die »aktuelle« sich nicht vorstellen kann, dass die Bruni mit einem Verlierer zusammen sein will.

Dieses Vorgehen ist nicht nur aus medienethischer Sicht ziemlich perfide, es birgt auch interessante Fragen zum Umgang der Medien mit Sprache. Die Sprache ist ein zentrales Element aller Medien, ohne sie sind Medien undenkbar. Gerade Journalisten sollten sich darüber im Klaren sein, was sie mit Worten bewegen können und wie viel Macht tatsächlich hinter einem Text, einer Schlagzeile steckt. Sie sollten Sprache nicht nur als reines Werkzeug einsetzen, sondern auch als ihr wichtigstes Gut betrachten, mit dem sie Öffentlichkeit herstellen und lenken können.

Besagte Klatschblätter wissen natürlich ganz genau, was sie tun, wenn sie wieder einmal aus einer Mücke einen Elefanten machen: Sie wollen verkaufen, sie müssen es sogar. Je reißerischer der Titel, je aufregender und vielversprechender die Schlagzeile, desto besser der Absatz. Aber sie übersehen dabei, welchen Effekt sie damit auf Dauer bei ihren Lesern auslösen könnten: Den Verlust ihrer journalistischen Glaubwürdigkeit.

Dem Großteil der Käufer dürfte es vielleicht nicht auffallen, dass sich der im Titel angekündigte “Skandal” um Nicolas Sarkozy im Heft plötzlich in nichts auflöst. Dazu verpacken die “Journalisten” der Klatschblätter ihre Storys zu professionell. Doch irgendwann bleibt bei dem einen oder anderen vielleicht doch mal der Gedanke hängen, dass an den Titelstorys irgendwie nie wirklich was dran ist.

Ob sich die Macher von “Frau mit Herz” & Co darüber Gedanken machen, darf angesichts der konsequent durchgehaltenen Täuschung ihrer Kunden eher bezweifelt werden. In Verlagskreisen regiert die Kurzsichtigkeit mit eiserner Hand, wie es scheint. Was bleibt, ist ein bitterer Beigeschmack bei jeder “Schlagzeile”. Und die Frage, wo echter Journalismus aufhört. Manche Redaktionen, so scheint es, haben die Grenze längst überschritten.

Und es nicht bemerkt.

 

Radio La Colifata – “Radio des liebenswerten Verrückten”

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„ Samstags machen sie hier ihr Radio.

Und das Erstaunlichste ist: Die Welt hört zu.“ [1]

Sie-  das sind Patienten der größten Nervenheilanstalt Argentiniens, der Borda in Buenos Aires. In diesen über 170 Jahre alten maroden Mauern fehlt es an Vielem, nur nicht an Kreativität und Menschen, die etwas bewegen wollen. So war es im Jahr 1991 der damalige Psychologiestudent Alfredo Olivera, der anstatt selbst bei einem Radiosender von seiner Arbeit und dem Alltag in einer Psychiatrie zu erzählen, einfach die Patienten zum Interview mitnahm und berichten ließ. Nach großen Interesse der Hörer etablierte er die Radiostation „Radio La Colifata“, die weltweit erste Radiostation, die von psychisch kranken Menschen betrieben wurde[2].

Jeden Samstag von 14:30 bis 19:30 Uhr [3] moderieren, erzählen, dichten, zitieren oder musizieren seit mittlerweile mehr als 20 Jahren die Patienten des Hospitals, die gemeinsam mit Alfredo und seinen Mitarbeitern selbst Themen zusammenstellen und ausarbeiten. Die Radiostation, die zur nichtstaatlichen Bürgerinitiative „ La Colifata, Salud Mental y Comunicación“ gehört, macht es sich zur Aufgabe, Wissen über psychische Krankheiten zu vermehren, soziale Kränkung psychisch kranker Menschen zu vermindern und stattdessen durch Integration in das soziale Leben mehr Toleranz zu schaffen. [4]

Die Erfolge und das Erreichen dieser geforderten Toleranz zeigt sich darin, dass LT22 Radio La Colifata bis heute immer noch aus dem Hospital Borda in Buenos Aires sendet und man auf der Internetseite www.lacolifata.org einzelne Sendungen als Stream hören kann, die Facebook Seite des Radios heute  130 573 Fans hat und das Projekt und ihre Initiatoren schon viele nationale und auch internationale Preise gewonnen haben.  Außerdem stehen Radio Colifata und der Musiker Manu Chao in enger Zusammenarbeit –er steuerte die Titelmusik zur Radiosendung bei und besucht die Station immer wieder. Ein Film, der die Patienten von der Borda Klinik begleitend und beobachtend über zehn Jahre lang gedreht wurde, zeigt zum Ende des Films sogar ein Konzert von Manu Chao, an dem er gemeinsam mit einigen psychisch kranken Menschen musiziert. [5]

Genau das traut sich bei Weitem nicht jeder! Und zeigt uns, wie sehr Medien zur sozialen Integration beitragen. In diesem Falle tun sie allerdings noch einiges mehr:

Sie bieten Menschen ein Sprachrohr, um ihre eigenen Gefühle und Erfahrungen preiszugeben, oder, um mit Musik, Dichtkunst oder Humor eben ihre Krankheit zu überlisten und der Realität für wenige Stunden der Woche zu entfliehen. Das Wichtigste ist allerdings, dass die Welt zuhört und sie ernst genommen werden. Das Publikum nimmt sie als würdevolle Menschen wahr, so wie sie es auch sind und verdient haben behandelt zu werden, allerdings leider noch nicht immer angesehen werden.

Da das Radio La Colifata immer mehr Nachahmer (zum Beispiel in Costa Rica und Italien) findet, besteht eine Chance, diese positiven Ziele mit Hilfe des Mediums Radio weiterhin zu verfolgen und zu verbreiten.


[1] Neon. Ausgabe Mai 2012. S. 138

[2] Vgl.  Neon. Ausgabe Mai 2012. S. 138

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Neues von „Lodda“ Matthäus im TV – oder die Promi-Pannen-Show?!

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Nein, nicht auch noch das! Gerade habe ich gelesen, dass unser allseits beliebter „Traum-Schwiegersohn“ und immer wieder so schön betonter „Rekord-Fußballspieler“, der nebenbei bemerkt seine besten Zeiten auch schon eine Weile hinter sich gelassen hat, ab Ende Juni auf dem TV-Sender VOX in seiner eigenen Reality-Show „Lothar – immer am Ball“ zu sehen ist.

Der Name der Sendung, der einen erwartungsvollen Zuschauer evtl. noch auf einen Zusammenhang mit der Sportart Fußball hoffen lassen könnte, klingt spannender als das, was auf dem tatsächlichen Programmplan steht: Ein Kamerateam begleitet den Star der Show auf diverse öffentliche Veranstaltungen wie den Wiener Opernball, Wohltätigkeitsspiele und auf die Judo-WM in Paris. Außerdem zeigt die Doku, was Lother Matthäus bei den Dreharbeiten zu „Alarm für Cobra 11“ hinter den Kulissen treibt und wie er mit seiner Freundin eine New-York-Reise anlässlich seines Geburtstages unternimmt…

Lothar Matthäus selbst ist natürlich selbstbewusst wie eh und je und von seinem Sendeformat vollends überzeugt: „Ich gehe davon aus, dass man viel Neues entdeckt, das man von mir noch nicht kennt. Ich bin überzeugt, dass es gewisse Dinge gibt, die man mir gar nicht zutraut.“ Wie kommt dieser Mann eigentlich darauf, dass wir noch mehr von ihm erfahren wollen, nach den unzähligen peinlichen TV-Auftritten und unzählbaren Frauen-Geschichten inklusive Trennungs-Schlammschlachten?! Das war doch wirklich mehr als genug.

Auch wenn natürlich klar ist, dass Lothar Matthäus die Entscheidung zur Produktion nicht allein gefällt hat bzw. die Idee zum Format nicht er selbst kreiert hat, reicht es doch für mich als potentieller Zuschauer, dass diese Person sich überhaupt noch für ein solches „Zur-Schau-Stellen“ zur Verfügung stellt. Für mich ist das nicht viel mehr, als ein erneuter Hilfeschrei bzw. ein wieder aufblitzender Hoffnungsschimmer seitens Matthäus, sein ganz schön ins Wanken geratenes Image mit allen Mitteln aufzupolieren und die Zuschauer davon zu überzeugen, dass er gar kein so großer „Depp“ ist, wie gedacht.

Ich sage: Nein Danke, Lothar! Du bist mittlerweile absolut überflüssig im TV. Wir alle hätten was davon, wenn Du dich einfach mal zurückziehst und dein Privatleben privat bleiben lässt.

 

Quellen:

http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2012-05/23539032-vox-zeigt-die-6-teilige-personality-doku-lothar-immer-am-ball-ueber-rekordnationalspieler-lothar-matthaeus-ab-dem-24-juni-2012-sonntags-um-23-15-uh-007.htm

http://www.dwdl.de/nachrichten/35986/vox_neue_matthaeusdoku_laeuft_am_spaeten_abend/

http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=56748&p3=

 

Von Schwertern, Sandalen und Netzpiraten

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Glückwunsch “Game of Thrones”!

Die Adaption der Romanreihe “A Song Of Ice And Fire” von George R. R. Martin ist derzeit im Begriff die am häufigsten gedownloadete Fernsehserie der Geschichte zu werden. Ein bittersüßer Triumph für den produzierenden Pay-TV-Sender HBO, denn von den kolpottierten 25 Millionen Downloads der gerade laufenden zweiten Staffel, fand kein einziger auf legale Weise den Weg auf die heimischen Rechner.  Wie auch, es gibt für die High-Budget-Serie schlicht kein Angebot seitens HBO, weder via  iTunes noch auf Amazon oder anderen legalen Download-Seiten. Wer “Game of Thrones” will, muss also für saftige 50$ pro Monat das komplette HBO-Programm abonnieren. Kein Wunder also, dass eine derartige Vermarktungsstrategie die Fantasyfreunde in Richtung bestenfalls halblegaler Filehoster und Streamingportale treibt (HIER trefflich karrikiert).

HBO kanns gelassen sehn, erreicht “Game of Thrones” doch trotz allem regelmäßig Traumquoten (für Pay-TV-Verhältnisse) und ist den illegalen Downloads auch ein gewisser Werbeeffekt nicht abzusprechen – immerhin hat der Sender auch noch andere qualitativ hochwertige Produktionen im Angebot – allerdings wird hier angesichts solcher Zahlen auch gewaltiges Potential verschenkt.

Wie geschickte Vermarktung im TV-Serienbereich aussehen kann, zeigt zur Zeit das deutsche Streamingportal Myvideo, eine Tochterfirma der ProSiebenSat.1 Media AG. Bereits vergangenes Jahr bot Myvideo die erste Staffel der US-Serie “Sons of Anarchy” werbefinanziert als Browserstream an, nun legt das Portal mit dem Sandalen-Epos “Spartacus – Blood and Sand” nach. Dabei kann der User sogar zwischen dem englischen Originalton und der deutschen Synchronisation wählen und das alles vollkommen legal. Die User danken es mit mehreren Hunderttausend Klicks pro Folge, ein beachtliches Ergebnis auf dem vergleichsweise kleinen deutschsprachigen Markt.

Ein derartiges Modell wird für “Game of Thrones” zwar wohl nicht in Frage kommen, läuft es doch der Grundidee eines Pay-TV-Senders zumindest teilweise zuwieder, doch das Beispiel Myvideo zeigt dass auch die vielbeschworene heutige “Netzgemeinde” noch legale Angeboten dankend entgegennimmt – wenn man sie denn lässt.

 

Quellen:

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/game-of-thrones-got-stellt-wohl-download-rekord-auf-a-833014.html (Abgerufen am 15.05.2012)

http://www.golem.de/news/us-serie-kostenlos-myvideo-bringt-spartacus-blood-and-sand-ins-internet-1203-90691.html (Abgerufen am 15.05.2012)

“Radio Gaga” (1)

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Das Radio ist für vieles eines Plattform, ein Kommunikationsmedium. In Argentinien hat sich nun ein neues Radioprogramm etabliert, dass mal etwas anders ist, als die meisten die man kennt. Es nennt sich Radioa “La Colifata” und handelt sich um ein Radioprogramm, dass von psychisch kranken Menschen gestaltet wird. Es wurde vor 20 Jahren von dem damaligen Psychologiestudent Alfredo Olivera gegründet, er machte ein Praktikum in einer Nervenheilanstalt und sollte eines Tages in einem Radio von seiner Arbeit mit diesen Menschen erzählen. Daraufhin bot Alfredo dem Moderator an, einige der Patienten mit einzuladen und dies von ihren Geschichten erzählen zu lassen. Die Sendung wurde ein ungeplant großer Erfolg und es kamen viele Anfragen von Menschen, die mehr über dise psychisch kranken Menschen wissen wollte. Darufhin begann Alfredo Olivera die Radiostation in dr Nervenheilanstalt aufzubauen und den Menschen dort, eine Möglichkeit zu geben, sich mitzuteilen. Es entstand eine Art Brücke zwischen den “Normalen” und den “Verrückten”, zwischen zwei Gruppen die sonst vermutlich fast nie miteinander in Berührung kämen. Das Radioprogramm sendet einmal wöchentlich und wird ausschließlich von den psychisch kranken Menschen gestaltet, jediglichAlfredo Olivera und seine Radioassistentin gehören zu den jenigen die gesund sind und die Colifatos (“die liebenswert Verrückten”) genannt werden, unterstützen.

Dieses Radioprogramm ist meiner Meinung nach, eine wunderbare “Erfindung”. Anfangs nachdem ich den Artikel gelesen hatte, war ich skeptisch und dachte mir, es ist gleichzeitig auch “gefährlich”. Denn bei so etwas ist ja immer die Frage, wie die Menschen dargestellt werden , ob in einer würdigen Art und Weise oder auf eine Art und Weise der “Vorführung” – und das wäre meiner Meinung nach fatal. Allerdings ist es in diesem Fall gut umgesetzt, denn es wird nicht über die Köpfe der Menschen hinweg geredet und erzählt, sondern die Patienten der Nervenheilanstalt sind es selber, die ihr Radioprogramm gestalten und Spaß daran haben. Es gibt vielen einen Halt und viele fühlen sich in der Gruppe wie in einer neuen Familie.

Manchen half das Radio sogar, aus der Klinik herauszukommen und ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen. So wird z.B. von Hugo erzählt, der bei dem Radio für das Humorpgramm zuständig war und inzwischen als Kabarettist gebucht wird und sich eine eigene kleine Wohnung leisten kann.

Natürlich ist ein Radio nicht die Lösung der Probleme der Menschen in der Klinik, aber es hilft ihnen, in dem es ihnen einen neuen Halt gibt und sie wissen, dass ihr Programm bei vielen Menschen gut ankommt und sie Millionen von Zuhörern haben.

Inzwischen gibt es auch Nachahmungen von ähnlichen Programmen, z.B. in Italien. Alfredo Olivera selbst ist inzwischen nach Frankreich gezogen, um dort ein “La Colifata” Radio aufzubauen.

Meiner Meinung nach ist das mal kreatives und irgendwie “erfrischendes” Programm, weil es mal etwas ganz anderes ist. Es bleibt spannend abzuwarten, wie sehr sich dieses Programm vergrößern und etablieren wird.

(1) s. Quelle

Quelle: Felix Hutt. Radio Gaga. In: NEON. Mai 2012. S.136 – 140.

 

Alles eine Sache des Blickwinkels…

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Wer Michael Moores Film “Bowling for Columbine” noch nicht kennt, sollte unbedingt mal reinschauen.
Mike fragt nach den Hintergründen eines Attentats an einer Schule in Columbine. Auch wenn es in vielen Gesprächen mit Amerikanern erst um Waffenhandel geht stellt Moore, als er nach Kanada geht fest, dass dort ähnliche Verhältnisse bezüglich des Waffenbesitzes herrschen wie in den USA, die Kanadier jedoch keinesfalls eine amerikanische Paranoia teilen. Im Gegenteil, sie lassen nachts die Türen unverschlossen und sind guter Dinge.
Moore fragt sich eine ganze Weile woran das liegt, bis er in einer Kneipe die Nachrichten siehr. Es fällt ihm sofort auf, dass weniger Gewalt gezeigt wird als im amerikanischen Fernsehen, auch in internationalen Berichterstattungen, wo dies bei sachgerechter Bearbeitung der Nachrichten ja eigentlich auf das Gleiche hinauslaufen sollte.

Was wird also gezeigt und was ist Wirklichkeit. Dieser Frage auf den Grund zu kommen ist für den Normalbürger gar nicht mal so einfach. Woher will ich wissen, dass  nicht nur die Ausschnitte oder der Blickwinkel gezeigt werden, die dem Nachrichtenerstatter gerade gelegen kommen, um die Sensationslust der Zuschauer zu befriedigen?

Außerdem: Kann es wirklich sein, dass die ganze Mentalität eines Landes davon abhängig ist wieviel Gewalt täglich in den Nachrichten oder allgemein in Fernsehen gezeigt wird?

Falls dies der Fall sein sollte, dann kommt es bei uns in Deutschland zumindest darauf an, welche Sender man sieht. Wer zum Beispiel hauptsächlich die öffentlich-rechtlichen sender einschaltet wird viel weniger Gewalt entdecken: während es zum Beispiel bei Pro7 fast stündlich eine Mordszene zu sehen gibt (20/Tag) sieht man in der ARD “nur” 6 am Tag.
Inwiefern man die Gewalt die in den Nachrichten gezeigt bekommt bewertet, ist natürlich jedem selbst überlassen, aber mir wird erlaubt sein, die These mit der Sensationslust, die sich bei den Konsumenten der privaten Sendeanstalten in stärkerem Maße finden lässt, einzubringen.

Wem ging es nicht so, dass einen die ewigen Debatten über Griechenland ohne viel Tra-Ra so eintönig vorkamen, dass einem Bilder von wütenden Protesten in England, Ägypten etc. als Abwechslung gar nicht mal so ungelegen kamen. Was dabei jedoch wirklich passiert ist, können wir, wie immer nicht wissen.

Ich glaube zwar nicht, dass jemand von uns ab heute getrost die Tür unabgeschlossen lassen kann und trotzdem beruhigt schläft, selbst hier im eher ruhigen Trier.

Doch letztlich dürfen wir nicht vergessen, dass es immer mehrere Blickwinkel gibt.

Quellen:

http://www.bowlingforcolumbine.com/

http://www.friedenspaedagogik.de/themen/medien_gewalt_in_medien/gewalt_in_den_medien_die_krise_als_dauernachricht/fiktive_gewalt_und_reale_gewalt_in_den_nachrichten

http://www.mpfs.de/fileadmin/Infoset/10Gewalt.pdf

 

Medien als Propagandabühne

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Am 22. Juli 2012 ist es bereits ein Jahr her, als Anders Breivik in Norwegen ein Blutbad angerichtet und 77 Menschen ermordet hat – die Bilder gingen um die Welt und Fassungslosigkeit machte sich breit. Ein Verbrechen, das wohl niemand so schnell wieder vergessen kann…bei solchen Taten stellt sich immer wieder die Frage, in welchem Umfang und in welcher Art und Weise über das Thema in den Medien berichtet werden sollte.

Fakt ist, dass Anders Breiviks Rechnung aufgegangen ist: zahlreiche Bilder und Artikel über seine Person und seine Tat verbreiteten sich in der Welt, überall weiß man bescheid, kennt das Gesicht des Verbrechers und sein Motiv. Aber wann ist eigentlich genug?
In der diesjährigen Mai-Ausgabe des Medienmagazins “journalist” äußert sich Michael Konken, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV), zu diesem Thema und kritisiert dabei das Verhalten einiger Journalisten im Bezug auf die Berichterstattung zur Gerichtsverhanldung im letzten Monat. Obwohl das Gericht eine Live-Übertragung der Verhandlung  untersagte, entschieden sich einige Medien dafür, die menschenverachtenden Aussagen Breiviks im Internet zu veröffentlichen. Einerseits ist es natürlich die Pflicht eines Journalisten, Informationen und Fakten des Prozesses in Norwegen zu vermitteln, andererseits sieht Konken gewisse Barrieren, die nicht überschritten werden sollten. “Grenzen sind aber dort, wo durch unsere Berichte Rechtextremisten und Sympahtisanten in Breivik ihren Märtyrer sehen, in ihm eine Leitfigur ihrer rechten Denkweise finden könnten.” Die Medien bieten also nicht nur Raum für nötige Informationen sondern auch für Propagandazwecke. Leider gibt es auf dieser Welt genug Menschen, die eventuell ähnlich handeln würden und in Breivik ein Vorbild sehen.
Der Verzicht einiger Medien, über die Aussagen Breiviks in der Gerichtsverhandlung zu berichten, wurde sogar in einer Nachrichtensendung diskutiert und begründet, was laut Michael Konken die journalistische Unsicherheit zeigt: “Es entstand der Eindruck eines Chirurgen, der während der Operation laut darüber sinniert, ob sein Eingriff der richtige war und ob es zu Komplikationen kommt.” Im Fall Breivik haben es die Medien versäumt, rechtzeitig über die Art und Weise der Berichterstattung nachzudenken. “Ein Fixieren der Berichte auf die Anklageschrift, die Plädoyers, das Urteil und sachliche Hintergrundinformationen hätte die Propagandabühne Breiviks einstürzen lassen” , so der Schlusssatz des DJV-Bundesvorsitzenden.

Die Bühne zur Selbstinszenierung

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Seit Montag, den 16.04.2012 läuft nun das Verfahren gegen den Massenmörder Anders Behring Breivik, das von der Osloer Bevölkerung zynisch das „Breivik-Festival“ genannt wird.

Mittlerweile sind 18 Prozesstage vergangen, an denen Breivik keine Möglichkeit ausließ, seine Ideologie zu erläutern. Statt der geplanten 30 Minuten, die ihm zur Verfügung stehen sollten, um seine Taten zu erklären, verlas der 33-Jährige ganze 75 Minuten auf 13 Seiten gekürzte Ausschnitte des ursprünglich 1500 Seiten starken Manifests. Nur selten wurde er in seinen Ausführungen unterbrochen, sodass schon während der Verhandlung eine Journalistin aus dem Gerichtssaal twitterte, dass sie nicht fassen könne, dass das Gericht all diese Aussagen zuließe.

Apropos Journalisten – in Oslo werden zur Zeit über 1000 akkreditierte Journalisten untergebracht und versorgt. Um diesem ‘Öffentlichkeitsanspruch’ gerecht zu werden wurde das Gerichtsgebäude für circa 4 Millionen Euro umgebaut, die Kosten des gesamten Richterspruchs werden nach Prozessbeendigung wohl auf 13 Millionen hinauslaufen.

Die Aussagen Breiviks treten dank der fleißigen Berichterstattung wortwörtlich ans Tageslicht und veranlassen viele Außenstehende zur Kritik. Dieses Maß an Aufmerksamkeit sei genau das, was der Attentäter erreichen wolle. Ein zentrales Motiv für die Tat ist der Wunsch nach Berühmtheit und offene Ohren für das zu finden, was Breivik selbst als notwendig darstellt, die Bekämpfung des Multikulturalismus und vor allem des Islam.
Zusätzlich ist der mögliche Nachahmungseffekt zu bedenken. All dem könnte ein Ende gesetzt werden, würde nicht so offen darüber berichtet werden. Doch die Bevölkerung hat ein Recht auf Aufklärung.

Dieses Recht wird aber davon getrübt, dass die norwegische Bevölkerung den Fall gerne hinter sich lassen würde. Auf diesen Wunsch reagierte die Boulevardzeitung ‘Dagbladet’ mit einem sogenannten „Terrorknopf“ auf ihrer Website, der alle Artikel zum Prozess ausblendet.

Ist es richtig, ein Thema die Nachrichten eines Landes so dominieren zu lassen, wenn die Einwohner dies schon fast als Qual empfinden? Sollte die Berichterstattung im Falle Anders Behring Breivik gekürzt werden?

Zur Zeit spielt die Frage nach der Zurechnungsfähigkeit des Täters die Hauptrolle, der sich wiederum selbst profiliert, als einer, der weiß, was er getan hat, dazu steht, nichts bereut und dies auch der ganzen Welt verkünden möchte.

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/attentaeter-anders-breivik-prahlt-mit-seinen-taten-a-827966.html

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/aussage-von-attentaeter-anders-breivik-spaltet-prozessparteien-a-828044.html

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/attentaeter-anders-breivik-lobt-al-qaida-vor-gericht-a-828140.html

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/in-oslo-beginnt-der-prozess-gegen-attentaeter-anders-breivik-a-827702.html

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/oslo-norwegen-ruestet-sich-fuer-den-prozess-gegen-anders-breivik-a-827678.html

Henri Nannen Preis für die ‘Bild’

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Freitagabend wurde zum achten Mal der Henri Nannen Preis verliehen, welcher Bestleistungen im deutschsprachigen Print- und Onlinejournalismus auszeichnet. Es ist einer der wichtigsten Journalistenpreise in Deutschland.

In der Kategorie „Beste investigative Leistung des Jahres“ wurden die ‚SZ’ und die ‚Bild’ zum Sieger gekürt, da sich die Jury zum ersten Mal bei der Abstimmung nicht einigen konnte (fünf Stimmen für ‚Bild’, fünf Stimmen für die ‚SZ’, zwei Enthaltungen).

Die ‚SZ’ wurde für die Aufdeckung der „Formel-1-Affäre“ bei der BayernLB ausgezeichnet, die ‚Bild-Zeitung’ für ihren Beitrag: „Wirbel um Privatkredit – Hat Wulff das Parlament getäuscht?“

Die Redakteure der ‚SZ’, Hans Leyendecker, Klaus Ott und Nicolas Richter, lehnten den Nannen Preis aus Protest gegen die Auszeichnung der ‚Bild’ ab. Leyendecker verkündete, dass er und seine Kollegen den Preis nicht annehmen werden und spricht von einer „unerträglichen Aufwertung“ der ‚Bild’ durch den Henri Nannen Preis.

Bereits vor der Preisverleihung gab es Diskussionen, ob ein Boulevardblatt wie die ‚Bild’ mit einem so renommierten Preis ausgezeichnet werden darf und somit auf die Ebene des seriösen Journalismus „aufsteigt“.

Die Meinungen spalten sich. Auf der einen Seite heißt es, die ‚SZ’ Redakteure übertreiben und stellen sich an, auf der anderen Seite findet man Verständnis für diese Reaktion und schüttelt den Kopf darüber, dass die ‚Bild’ geehrt wurde.

Wird durch den Nannen Preis die ‚Bild’ als seriös(er) angesehen? Oder wird der Henri Nannen Preis von nun an als weniger wichtig angesehen? Doch auch mit Nannen Preis bleibt die ‚Bild’ ein Boulevardblatt und ist keinesfalls mit seriösen Angeboten wie der ‚SZ’ gleichzusetzen.

Quellen:

bos/dpa/dapd (2012): „SZ“- Redakteure lehnen Henri-Nannen-Preis ab, Spiegel Online, URL: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sz-lehnt-henri-nannen-preis-ab-a-832759.html, [14.05.12]

Pohlmann, Sonja (2012): „Henri“, alleingelassen, Tagesspiegel, URL: http://www.tagesspiegel.de/medien/boulevard-versus-qualitaet-henri-alleingelassen/6624816.html, [14.05.12]

Pohlmann, Sonja (2012): SZ-Journalisten lehnen Henri-Nannen-Preis ab, Tagesspiegel, URL: http://www.tagesspiegel.de/medien/eklat-bei-preisverleihung-sz-journalisten-lehnen-henri-nannen-preis-ab/6623602.html, [14.05.12]

 

 

Suchmaschine jetzt noch persönlicher

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Sucht man eine gute Bar in einer fremden Stadt, eine Autobahnroute für den anstehenden Urlaub oder möchte man einfach nur ein bestimmtes Fremdwort nachgucken fragt man Google. Jeder der im Internet tätig ist kennt und benutzt diese schnelle und einfache Suchmaschine.

Seit 2009 hat Google jedoch Konkurrenz durch die sogenannte Entscheidungsmaschine ‘Bing’ bekommen. Diese möchte mit personalisierten und damit für den Nutzer relevanteren Suchergebnissen punkten. Dazu nutzt ‘Bing’ die Verknüpfung mit sozialen Netzwerken wie beispielsweise Facebook.

Auch das neue Layout stellt die Vielschichtigkeit der neuen Suchmaschine dar. Anstatt einer einspaltigen und zentralisierten Suchansicht, wie bei Google, gibt es nun drei Spalten. Neben der Trefferliste und einer Liste mit Kontext-bezogenen Ergebnissen soll der Nutzer über eine dritte Spalte direkt auf sein persönliches Netzwerk von Facebook zugreifen können. In dieser dritten Spalte kann eine Unterhaltung oder ein Austausch über Dinge mit Facebook-Kontakten entstehen, die an den gleichen Themen interessiert sind oder ähnliche Wörter in die Suchmaschine eingegeben haben. Voraussetzung  für diese Unterhaltung ist die Installation von der Bing- App und das die Freunde bei Facebook eingeloggt sind.

Diese Unterhaltung wird bei Facebook in der Timeline als auch in der Bing-Sidebar angezeigt. Zusätzlich werden einem Kontakte vorgeschlagen, die die gleichen Interessen vertreten jedoch außerhalb des Freundeskreises liegen.

Doch ist diese Art von Suchen im Internet nicht etwas zu persönlich? Zum einen ist es bestimmt zum Vorteil. Man kann sich mit Freunden über bestimmte Dinge und Themen austauschen und darüber diskutieren. Aber möchte man bei jeder Suche im Internet sofort Kontakte von Facebook sehen, die schon mal das Gleiche oder Ähnliches gesucht haben?

 

 

Quellen:

http://www.zeit.de/digital/internet/2012-05/bing-microsoft-suche-sozial (13.05.2012).

 

 

 

How to ..

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..increase your number of readers in one day!

Das „Time“-Magazine macht es vor: Seine aktuelle Ausgabe beschäftigt sich mit dem Thema „Attachment Parenting“. Eine Erziehungsphilosophie, nach der acht Aspekte für eine emotionale Stabilität des Kindes im Erwachsenenalter sorgen sollen. Grundlage dafür ist ein Buch des Kinderarztes Dr. William (Bill) Sears, in dem er seine heiß diskutierte Theorie vorstellt.

Die Verantwortlichen beim „Time“-Magazine entschieden sich nicht nur dafür, das Thema in einem Artikel aufzuarbeiten, sondern veröffentlichten gleichzeitig eine Fotostrecke von Martin Schoeller, der vier Vertreter dieser Philosophie provokant inszenierte. Eines dieser Fotos diente auch als Titelbild der aktuellen Ausgabe und erregte in dieser Woche weltweit Aufsehen. Es zeigt eine junge Mutter, deren vierjähriger Sohn stehend an ihrer Brust nuckelt.

Die Reaktion? Die Online-Abo-Zahlen des „Time“-Magazines explodierten.

Natürlich mag man entgegnen, dass solche Bilder eine wunderbare Möglichkeit sind, auf diese revolutionäre und interessante Methode der Erziehung aufmerksam zu machen. Und sie entsprechen durchaus der Realität – es sieht nun einmal suspekt aus, wenn ein Vierjähriger gestillt wird.

Das Problem dabei: Die These ist gar nicht so neu, denn Dr. William Sears veröffentlichte sie bereits 1992 in seiner über 700 Seiten langen Abhandlung „The Baby Book“.

Außerdem ist Stillen zwar ein Bestandteil seiner Methode, er empfiehlt aber keinesfalls sein Kind bis ins hohe Alter zu stillen, wie es durch die Fotostrecke vermittelt wird. Vielmehr ermutigt er Eltern auf ihre Instinkte zu hören, die ihnen sagen sollen, was das Beste für ihr Kind ist.

In Anbetracht dessen darf man sich die Frage stellen, ob die Absicht des „Time“-Magazine tatsächlich war „Menschen auf eine Geschichte aufmerksam zu machen, von der sie sonst nichts gewusst hätten“, wie es der leitende Redakteur Richard Stengel diese Woche in einem Interview angab, zumal jeglicher aktuelle Anlass für das Thema fehlt.

 

 

http://www.time.com/time/covers/0,16641,20120521,00.html

 

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/time-titelbild-mit-nuckelndem-kleinkind-steigert-abozahlen-a-832882.html

 

http://www.huffingtonpost.com/2012/05/10/jamie-lynne-grumet-breastfeeding-time-magazine-cover_n_1506096.html?ref=mostpopular

 

http://www.askdrsears.com/topics/breastfeeding

 

http://www.indystar.com/article/20120511/LOCAL18/205110370/Time-magazine-editor-explains-selection-breast-feeding-cover?odyssey=tab|topnews|text|IndyStar.com

Die Zukunft der Vergangenheit

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Ich will hier auf der britischen Fernsehserie The Hitchhickers Guide To The Galaxy aus 1981, dessen Filmversion aus 2005 unter dem Titel Per Anhalter durch die Galaxis hier bekannter ist, aufmerksam machen.

Ab 1:55 im folgenden video (http://www.youtube.com/watch?v=uynMCvdkp0M&feature=player_detailpage#t=115s) sehen wir, wie der Protagonist einen Tablet-PC ähnliches Gerät verwendet, um mehr über einen etwas besonderen Fisch zu erfahren.

Kurz darauf ertönt die Stimme des Geräts, und angezeigt wird eine Animation zum gesuchten Thema.

Das Computer ist kaum größer als ein Buch, weiß alles, ist leicht zu verdienen, spricht, und spätere Versionen, die in der Bücherserie auftauchen, können Hollogramme zeigen, kommunzieren mit dem Nützer, erkennen ihn und können sogar seine Lage erkennen.

Warum spreche ich nun von Science-Fiction Werke und verrückte Konzepte? Nun, der Wissen um diese Werke lies mich außerordentlich schmunzeln, als ich im Zug folgenden Artikel in der Zeit las: http://www.zeit.de/2012/12/C-Interview-Zukunftsbuch. Interressant wäre es herauszufinden, ob der gute Doktor auch diese Bücher gelesen hat.

Na, dann wollen wir nur noch hoffen, das da sich auch die Wörter Don’t Panic in großen, freundlichen Buchstaben auf der Cover befinden.

Satire vom Feinsten

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Jeden Freitag um 22 Uhr 30 kann man sich im ZDF die “Heute-Show” ansehen. Die 30 minütige Nachrichten-Satiresendung, die von dem Autor, Comedian und Moderator Oliver Welke moderiert wird, nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Sendung ist wie eine echte Nachrichten-Show aufgezogen, mit Anchorman, Reportern, Experten und Kommentatoren. Aktuelle öffentliche Themen, sowie große und kleine Unternehmen, doch am liebsten Politiker und ihre Parteien werden durch den Kakao gezogen. Ob es die Piraten-Partei ist, die auf die Frage was es mit einem ihrer Slogan auf sich hat, keine Antwort findet, oder das “gute Beispiel” das der spanische Präsident bei seiner Elefantenjagd abgibt, niemand wird verschont.

Während Welke als Anchorman einen super Job macht, scheint die “Expertin” und “Außenreporterin” Tina Hausten (gespielt von der Comedian Martina Hill) mit ihren Präsentationen oft zu übertrieben und wirkt nach einiger Zeit sehr nervig, so dass es schwer fällt ihr zuzuhören. Auch der “Außenreporter” Albrecht Humbold (gespielt von dem Comedian Alexander Schubert) scheint öfters zu versuchen einen Lacher zu landen, als er es tatsächlich tut. Jedoch gibt es auch erfrischende und lustige Mitwirker, wie beispielsweise der “Außenreporter” Lutz van der Horst, der Umfragen mit Politikern und Menschen auf der Straße macht, oder Carsten van Ryssen, der ebenfalls verzweifelt versucht Interviews mit hochrangigen Politikern zu ergattern.

Mit bissigen Kommentaren und dem Mut sich selbst lächerlich machen zu können bringt dieses Team, dem nichts entgeht, mich jede Woche zum Lachen. Obwohl es schon Vorreiter einer solchen Sendung gab, wie beispielsweise die “Wochenshow” im Sat1 mit Ingolf Lück und Anke Engelke, empfinde ich die “Heute-Show” als die bisher beste Serie eines solchen Formats.
Es kann vorkommen, dass einige in der Öffentlichkeit stehende Persönlichkeiten sich wegen den zugespitzten Beiträgen und der lächerlich machenden Position, in der sie dargestellt werden, zu sehr angegriffen fühlen. Denn so richtig will niemand Welke und Co.’s “Opfer” werden; sobald die Politiker einen der Reporter der “Heute-Show” erblicken suchen sie schnell das Weite, oder verweigern manchmal ganz einfach die Antwort. Wer sich doch traut sich dem Team zu stellen wird mit viel Sympathiepunkten belohnt. Claudia Roth und Rainer Brüderle beispielsweise trauten sich schon in die Sendung um gemeinsam mit Welke ihre peinlichsten Auftritte in gelockerter Stimmung zu kommentieren. Politiker die in solchen Situationen mitlachen sind herrlich sympathisch.

Obwohl einige ernste Themen manchmal wohl doch zu sehr ins Lächerliche gezogen werden, finde ich die Serie insgesamt sehr gelungen. Sehr schön ist, dass sie die sonst so ernste und strenge Politik auflockert und auch die Politiker können davon profitieren eine neue Seite von sich zu zeigen, indem sie Humor beweisen und sich der Show stellen. Daher denke ich, dass die seit 2009 existierende Show die sechs Preise die sie gewonnen hat (vier mal für die beste Comedy-Show, einmal für die beste Unterhaltung und einmal für herausragenden Fernsehjournalismus) auch verdient hat.

“T-Shirt mit Geschichte”

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Noch bis zum 14. Mai besteht in Trier die Möglichkeit sich etwas ganz Besonderes anzuschauen. Täglich trifft man auf Pilger die von außerhalb kommen um sich das Gewand Jesu, das zur Zeit im Dom ausgestellt wird, anzusehen. Mit dabei sind auch viele Kinder, die mit Kindergärten, Schulen oder ihren Familien in die Stadt kommen.Und auch in den Medien, besonders in den lokalen Medien, wird schon seit Wochen über das Ereignis und die damit zusammenhängenden Hintergründe berichtet. Viele Artikel hierzu lassen sich auch im “Trierischen Volksfreund” finden. Und damit auch die Kleinen etwas von der Berichterstattung haben, findet man auch einiges Lesenswerte dazu in den Kindernachrichten rund um die Leseratte Lucky, dem Volksfreund- Maskottchen.

Den Artikel vom 9. April fand ich jedoch etwas befremdlich. Nicht die Aufbereitung oder die Berichterstattung, sondern die Headline hat mich stutzig gemacht. Dort ist zu lesen “T-Shirt mit Geschichte”. Zur Erläuterung und einfachen Darstellung hat man hier anscheinend den Vergleich des “Heiligen Rocks” mit einem T-Shirt benutzt. Als Illustration mag das für die kleinen Leser zwar ganz hilfreich sein, als erwachsener Betrachter fragt man sich jedoch bei so etwas: wie verständlich müssen Sprache und Informationen in Kindermedien eigentlich dargestellt werden.

Nur natürlich ist es, dass Kindernachrichten und auch die darin enthaltene Sprache einfacher und verständlicher gehalten sein muss als in den normalen Pressenachrichten. Auch die Vermischung von Informationen mit stärker unterhaltenden Anteilen, wie das Volksfreund-Maskottchen, ist sinnvoll und wichtig. Erwachsenennachrichten sind für Kinder ja oft langweilig und nur schwer verständlich und viele Angebote (z.b “Logo”) zeigen, wie Nachrichten auch für Kinder interessant gestaltet werden können. Eine verständliche Sprache spielt hier neben der altersgerechten Themenauswahl eine zentrale Rolle. Aber wie einfach muss man es den Kindern eigentlich machen? Muss man ein Gewand wirklich mit einem T-Shirt vergleichen, damit Kinder verstehen was das ist? Zumal es Nachrichten sind, die für Kinder in einem Alter konzipiert wurden, in dem sie schon lesen können und zur Schule gehen. Bei vielen Vereinfachungen in den Medien kann man sich meiner Auffassung nach schon manchmal die Frage stellen, ob Kinder sich überhaupt ernstgenommen fühlen, wenn sie so etwas lesen. Der Artikel im Volksfreund ist ein Beispiel hierfür, aber leider nicht das einzige.

Link:

http://www.volksfreund.de/nachrichten/kinder/special/Special-T-Shirt-mit-Geschichte;art274435,3120172

 

FAS: Unsere beste internationale Zeitung.

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“Eine Zeitung, die besser gemacht ist, habe ich noch nicht gesehen”, lautet das Lob der Jury der “Newspaper Awards” in London.

Sie belohnte die starken Leistungen der Zeitung bezüglich Qualität, Design, Farbe und Fotografie mit dem Titel “Internationale Zeitung des Jahres”. In dieser Kategorie siegte die FAS schon im Jahre 2009 und 2011. Auch die Leserschaft vergüten ihre Zufriedenheit. Die Druckauflage liegt bei 459.130 Exemplaren und die IVW verzeichnet eine tatsächlich verbreitete Auflage von 371.328 Zeitungen.

Auch die amerikanische Society for News Design (SND) weiß das Design der Sonntagszeitung zu schätzen. Fünf mal zeichnete sie die FAS als “World’s Best-Designed Newspaper” aus. Die Begründung der Jury -”Während das klassische Erscheinungsbild der FAS ihr den “Look & Feel” einer hochklassigen Zeitung verleiht, fehlt ihr zugleich alles Schwerfällige”- ähnelt der Würdigung ihrer englischen Kollegen.

Die Besonderheit des Layouts sind die durchgänge Vierfarbigkeit, ihre Satzgestaltung und ihre eigene Typographie (Janson).

Somit ist eindeutig festzuhalten, dass die Qualität einer Zeitung nicht ausschließlich mit der Qualität ihrer Berichterstattung einhergeht. Die Originalität sich mittels des Layouts von der starken Konkurrenz abzuheben, beweist, dass auch ein neuer Lesetrend geschaffen wird. Leser brauchen inhaltlich Abwechsung, erwarten jedoch auch, dass sich das Design der Berichterstattung anpasst. Sie wollen so schnell wie nur möglich, so viel wie nur durchführbar erfahren, lesen und verstehen.

 

Quellen:

http://meedia.de/print/fas-ist-die-schoenste-zeitung-der-welt/2012/02/16.html

http://www.die-zeitungen.de/die-zeitungen/news-news-archiv/neues-aus-den-verlagen/neues-aus-den-verlagen-details/article/frankfurter-allgemeine-sonntagszeitung-ist-newspaper-of-the-year.html

http://verlag.faz.net/anzeigen/mediadaten/mediadaten-ivw-auflagenzahlen-und-regionale-verbreitung-11124743.html

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kulturnachrichten/kulturnachrichten-reiter-tritt-ab-pyramiden-entdeckt-sonntagszeitung-geehrt-1643138.html?offset=2

http://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurter_Allgemeine_Zeitung#Frankfurter_Allgemeine_Sonntagszeitung_.28FAS.29

BILD-Zeitung mal wieder vor Gericht

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Die Geschichte, um die es dieses Mal geht, ist schon ein wenig älter. 2009 berichtete die BILD-Zeitung von Ottfried Fischer und etwaigen Besuchen bei Prostituierten.
Nun geht es jedoch um die Frage, ob Herr Fischer genötigt wurde, ein Interview zu geben. Nach dem Bericht folgte nämlich ein Interview mit ihm, in dem er seine Gründe darlegte.

Es kam jedoch ans Licht, dass der BILD-Redakteur eines jener Sex-Videos hatte, um die es unter anderem in der Enthüllungsstory ging. Der Reporter erwähnte diese Tatsache gegenüber der PR-Agentin von Ottfried Fischer. Im Raum stehen jetzt ziemlich viele Fragen.

Wieso kauft die BILD solch ein Video? Angeblich zu Recherchezwecken.
Wieso musste es erwähnt werden, dass die BILD das Video besitzt?
Welche Rolle spielt die PR-Agentin, die anscheinend ein freundschaftliches, nettes Verhältnis zum BILD-Redakteur führte? Anscheinend passieren solche Doppelgeschäfte häufiger, doch es rechtfertigt noch lange nicht die Art und Weise, wie mit privaten Details umgegangen wird. Wieso die BILD-Zeitung auf Menschen so enormen Druck ausüben kann und es auch macht.

Die BILD selbst ist natürlich entsetzt über die Vorwürfe und sie sagt auch, dass es hier um „die Kriminalisierung journalistischer Arbeit“ geht.
Klar, dass solche Vorwürfe verpönt sind. Aber sind sie denn wirklich falsch?
Es wäre nicht das erste Mal, dass die BILD-Zeitung fragliche Methoden für ihre Berichterstattung anwendet. Meist ist sie damit aber davon gekommen. Es wird darüber gesprochen, Deutschland regt sich auf und eventuell kommt es auch wieder zu einer Gerichtsverhandlung – wirklichen Schaden trägt die BILD nicht davon.

Was ist nun wirklich passiert? Und welche Auswirkungen hat solch ein Verhalten auf die journalistische Arbeit? Beweise zu kaufen oder sie zugespielt zu bekommen ist die eine Sache, sie gegen die Person zu verwenden eine andere. Die Grenzen mögen dünn sein, aber man sollte sie auch einhalten.

 

Zapp.de (2012). URL=http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/zeitungen_zeitschriften/fischer373.html (Stand: 04.04.2012).

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